Kochbuch des Meisters Hans (Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch)
Feigen-Igel mit Gewürzen und Safran
Moderne Übersetzung
Nimm ein Pfund Feigen und wasche den Schmutz von ihnen ab. Lasse die Feigen gut trocknen und hacke sie dann fein. Stoße sie anschließend gründlich mit guten Gewürzen zu einer feinen Paste. Gib Safran hinzu, damit die Masse eine warme, rötliche Farbe erhält.
Vergiss den Zucker nicht, wenn die Feigen fein gestoßen sind. Schlage die Masse dann gut zusammen, bis sie sich verbindet, und forme daraus einen Igel. Vergolde ihn schön mit Safran, sodass er eine leuchtend gelbe Oberfläche bekommt.
Nimm ganze Nelken, diese sollen seine Borsten oder Stacheln sein, und gib ihm eine kleine Feige in den Mund.
Zutaten
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| ain pfunt veigen | 500 g getrocknete Feigen | Supermarkt | - |
| guotem gewurcz rain | Gute Gewürze (z.B. Zimt, Ingwer, Pfeffer) | - | - |
| Saffran | Safranfäden | Supermarkt | - |
| des zuckers | Zucker | - | - |
| nagelein | Ganze Nelken | - | - |
| ain veygen | 1 kleine Feige | Supermarkt | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Ein süßes Schau-Konfekt in Igelform, verwandt mit Marzipan, aber hier auf Basis von getrockneten Feigen, die mit guten Gewürzen und Safran zu einer formbaren Paste verarbeitet werden. Es ist die Frucht-Schwester der beiden Nachbarrezepte bei Meister Hans: der weiße Mandel-Igel (mha-006) und der schwarze Rosinen-Igel (mha-007) - alle drei folgen derselben Bauform „ein Pfund Grundmasse, gestoßen, mit Zucker zusammengeschlagen, zum Igel geformt“.
Welche Gewürze genau? Der Text nennt an dieser Stelle nur „guotem gewurcz rain“ (gute, reine Gewürze) - ohne Einzelzutaten oder Mengen. Das ist eine bewusst offene Formulierung; als Anhaltspunkt passt eine Mischung aus Zimt, Ingwer und etwas Pfeffer zu Feigen, ebenso denkbar sind Muskat oder Kardamom. Eine feste Rezeptur mit Mengenangaben lässt sich aus dem Text nicht ableiten.
Warum zwei Farbanweisungen? Der Text färbt zweimal: zuerst wird die Grundmasse durch den Safran rötlich („so wirt es rott“), später wird der fertige Igel nochmals mit Safran „vergoldet“ („gilb In schon mit saffran“) und bekommt dadurch eine leuchtend gelbe Oberfläche. Das ist keine Pseudo-Chemie, sondern eine bekannte Eigenschaft von Safran, der je nach Konzentration von Gelb bis Orange-Rot färbt - der Text belegt beide Anwendungen ausdrücklich.
Praxis. Wasche den Schmutz von den Feigen ab und lass sie trocknen. Hacke sie fein und stoße sie im Mörser mit den Gewürzen und einem Teil des Safrans zu einer möglichst feinen Paste. Gib erst danach den Zucker hinzu und verknete die Masse kräftig, bis sie sich zu einer festen, formbaren Paste verbindet - die Klebrigkeit der Feigen selbst sorgt für den nötigen Zusammenhalt, ganz ohne Ei oder Mehlschwitze. Forme daraus einen Igel, vergolde die Oberfläche mit dem restlichen Safran, spicke ihn dicht mit ganzen Nelken als Borsten und setze ihm die kleine Feige in den Mund. Serviere ihn bei Raumtemperatur.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/mha-008/
fyndling.de/rezepte/mha-008/