Kochbuch des Meisters Hans (Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch)
Kalbswurst aus Enddarm mit Lungen-Speck-Füllung
Moderne Übersetzung
Eine Wurst machst du aus einem Enddarm vom Kalb. Nimm einen Enddarm vom Kalb und mache ihn ganz sauber. Hacke Lunge und Speck durcheinander, würze gut und reibe es durch. Tu das in den Enddarm. Siede die Wurst, richte sie, und brate sie danach. Gib sie trocken hin.
Zutaten
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| ain affter darmm von ainem kalb | 1 Kalbs-Enddarm | Metzger | Schweine-Enddarm |
| lungel | Lunge (Kalbslunge, oder ersatzweise Schweinelunge) | Metzger (auf Bestellung, heute kaum noch verfügbar) | Kein echter Ersatz: Schweinehackfleisch oder anderes Hack ergibt eine **andere Wurst** (klassische Brat-/Hackwurst), nicht die im Rezept gemeinte Lungenwurst. Ohne Lunge bleibt der Charakter dieses Rezepts (locker-luftige Innereien-Farce) nicht erhalten. |
| speck | Speck | Metzger | - |
| gewurcz wol | Gewürze | - | Pfeffer, Ingwer, Nelken, Muskat |
| Salz (im Original nicht eigens benannt, aber in ‚gewurcz wol‘ implizit enthalten) | - | - | |
| Wasser (im Original nicht eigens benannt, für ‚seud wurst‘ aber zwingend nötig) | Leitung | Kräftige Brühe (modernes Upgrade; im Original nicht vorgesehen) |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Eine Brühwurst-artige Innereien-Wurst: Lunge und Speck werden zur Farce verarbeitet, in den gereinigten Enddarm vom Kalb gefüllt und klassisch zweistufig gegart - erst gesotten, dann gebraten, trocken serviert. Das ist eine lebende Verwandtschaft zur süddeutsch-österreichischen Lungenwurst-/Beuschelwurst-Tradition, die bis heute Innereien statt reinem Muskelfleisch in dicke Wursthüllen füllt. Enge Zwillinge im Korpus: rfk-028 (fast gleiches Verfahren, dort zusätzlich mit optionaler Hirn-Variante) und mon-146 (nahezu wortgleiche Parallelüberlieferung).
‚affter darmm‘ = End-/Mastdarm, nicht generisch ‚Dickdarm‘. ‚After‘ ist im mhd./fnhd. ‚hinten/danach‘ - gemeint ist der letzte, dickste Abschnitt des Darms (Krausen-/Mastdarm), der traditionell für besonders dicke Würste verwendet wird, weil er viel Füllung aufnimmt und beim Sieden+Braten formstabil bleibt. Schweine-Enddarm (heute beim Metzger leichter zu bekommen als Kalbs-Enddarm) ist ein guter Ersatz.
Darmreinigung: ‚mach den gar sauber‘ heißt: gründlich innen und außen abspülen, mit Salzwasser durchspülen und ggf. mit etwas Essig nachspülen, um Geruch und Verunreinigungen zu entfernen. Standard-Wurst-Vorbereitung; im modernen Metzgerhandwerk passiert das vor der Lieferung.
‚bereibs‘: ‚durchreiben‘ - die Füllung gründlich durchmischen, sodass Speck, Lunge und Gewürze homogen sind. Im Mörser oder mit den Händen kräftig durchgearbeitet, sodass eine gleichmäßige Farce entsteht.
‚machs‘ vor dem Braten: Der Text sagt nach dem Sieden wörtlich „mach es“ - eine knappe Verlaufsformel, mit der die gesottene Wurst vor dem Braten zurechtgelegt bzw. gewendet wird, damit sie beim zweiten Hitzeschritt nicht aufreißt.
Sieden + Braten: Klassische zweistufige Wurst-Garung - erst in heißem Wasser garen (gleichmäßiges Durchgaren, Bindung der Farce), dann in der Pfanne braten (Bräunungs-Aromen, knusprige Hülle). Bis heute Standard bei vielen Brüh- und Bratwürsten.
Praxis. Enddarm gründlich reinigen (Salzwasser, ein Schuss Essig zum Nachspülen), Lunge und Speck fein hacken, kräftig würzen (Pfeffer, Ingwer, Nelken, Muskat, Salz) und durchreiben, bis die Farce gleichmäßig ist. In den Darm füllen, die Enden verschließen. In heißem Wasser sieden, danach kurz zurechtlegen und in der Pfanne braten, bis die Hülle Farbe nimmt. Ohne Sauce servieren - die Wurst trägt geschmacklich genug Eigenwürze.
‚trucken‘ servieren: Ohne Sauce. Die Wurst trägt geschmacklich genug Eigenwürze (Lunge, Speck, Gewürze, Brat-Kruste) - eine zusätzliche Sauce wäre redundant.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/mha-020/
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