Kochbuch des Meisters Hans (Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch)
Safran-Eiermus im Tontopf
Moderne Übersetzung
Für ein Kachelmus braucht es zunächst frische, süße Milch, also nicht saure Dickmilch, sondern ganz gewöhnliche, frisch gemolkene Milch.
Schlage die Eier auf und gieße sie in die Milch.
Nimm gute Gewürze und Safran, sodass man sie durch ein Tuch passieren kann. Würze mit Salz nach Bedarf. Gib die durchgeseihte Gewürzmischung mit den Eiern in die Milch und lass alles sieden. Gib zuletzt reines Schmalz dazu.
Zutaten
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| milich die suesz sey | frische Milch | - | - | - |
| ayer / die ayr | Eier | - | - | - |
| guot gewurcz | gute Gewürze | - | - | Eine typische Mischung aus Pfeffer, Ingwer und etwas Muskat funktioniert gut. |
| Saffran | Safran | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
| salcz zue massen | Salz nach Bedarf | - | - | - |
| rain schmalcz | reines Schmalz | - | - | Ersatzweise Butterschmalz. |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Ein Kachelmus, benannt nach dem irdenen Kochgefäß (der "Kachel"): frische Milch, verquirlte Eier, eine durch ein Tuch passierte Safran-Gewürz-Mischung und reines Schmalz werden gemeinsam gesotten, bis eine sämige, safrangelbe Masse entsteht. Es gehört zur selben Familie wie die im Rheinfränkischen Kochbuch als "Gebratene Milch" bekannte Wasserbad-Ei-Milch-Speise (rfk-020, m384-060): dieselbe Grund-Kombination - Milch und Eier zu gleichen Teilen, Salz und Safran - wird dort im Wasserbad gestockt und wahlweise als weiches Mus serviert oder zu einem schnittfesten "Milch-Käse" gepresst. Meister Hans' Version wird direkt im Topf gesotten und bleibt Mus, geht aber auf dieselbe Technik zurück.
Praxis. Die Gewürz-Safran-Mischung wird durch ein Tuch geschlagen (passiert/geseiht), bevor sie mit den Eiern in die Milch kommt - das Transkript nennt dabei kein Zerkleinern vorab, nur das Passieren selbst. Die Milch nicht zu stark kochen lassen, sonst gerinnen die Eier grob statt sämig zu binden - anders als bei den Wasserbad-Verwandten fehlt hier ein Temperaturpuffer, das Rezept verlangt Erfahrung des Kochs. Die "Kachel" selbst ist kein Ofenkachel, sondern eine irdene Schüssel oder ein Tontopf - vergleichbar mit einer kleinen Kasserolle, nach der das Gericht benannt ist.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/mha-033/
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