Kochbuch des Meisters Hans (Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch)
Grüne Begleitsauce für schwarze und rote Hühner
Moderne Übersetzung
Eine Sauce für schwarze und rote Hühner (siehe mha-182, „Schwarze Hühner mit farbigen Nägelein"):
Nimm Petersilie oder andere grüne Kräuter und schlage sie mit Essig durch, bis eine glatte grüne Sauce entsteht.
Diese frische, säuerliche Kräutersauce wird als Begleitsauce am Tellerrand zu den schwarzen und roten Hühnern gereicht, deren Überziehsauce dunkel und kräftig ist, der grüne Farbkontrast und die Essig-Säure brechen die Schwere der Hauptsauce.
Zutaten
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| petersill | Petersilie | - | - |
| annder grun kraut | Andere grüne Kräuter | - | z.B. Kerbel, Estragon, Ysop |
| essich | Essig | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Das ist im Grunde eine mittelalterliche Salsa verde, eine frische, säuerliche Kräutersauce, die als lebendiger Farb- und Geschmackskontrast zu dunklen, kräftigen Fleischgerichten dient, wie hier zu den schwarzen und roten Hühnern. Verwandte Gerichte leben bis heute fort: die Frankfurter Grie Soß, die italienische Salsa verde und die französische Sauce verte funktionieren nach demselben Grundprinzip - fein verarbeitete grüne Kräuter mit Säure als frischer Kontrast zu schwerem Fleisch.
Zum Text. Das Original nennt genau einen Arbeitsschritt: die Kräuter werden mit Essig „durchgeschlagen", also durchgearbeitet beziehungsweise durch ein Tuch oder Sieb passiert. Ein eigenes Wort für Zerstoßen oder Mörsern (wie es die Schwesterrezepte mha-183 mit „geriben" oder mha-184 verwenden) enthält der Text nicht - das Verfahren selbst bleibt also offen, ob mit dem Messer fein gehackt, im Mörser bearbeitet oder direkt mit dem Essig durchgeschlagen wird.
Praxis. Um dennoch eine streichfähige, glatte Sauce zu erhalten, hat sich in der Nachkoch-Praxis bewährt, die Kräuter fein zu zerkleinern (etwa im Mörser oder mit dem Messer) und mit Essig zu einer Paste zu verarbeiten; wer eine besonders feine Konsistenz möchte, kann die Masse anschließend durch ein Tuch oder Sieb passieren - das ist eine Koch-Empfehlung, keine Textvorgabe. Menge und Essig-Anteil richten sich nach Geschmack: die Sauce soll kräftig säuerlich schmecken, aber nicht beißen, und dickflüssig genug bleiben, um auf dem Teller stabil zu sein. Da Petersilie rasch nachdunkelt, sollte die Sauce erst kurz vor dem Servieren zubereitet werden.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/mha-185/
fyndling.de/rezepte/mha-185/