Kochbuch des Meisters Hans (Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch)
Gepresste Apfelscheiben mit Honig und Gewürz
Moderne Übersetzung
Runde Apfelschnitze backen (trocknen) und Scheibe für Scheibe der Länge nach nebeneinander auf ein Brett legen, auf das zuvor ein weißes Tuch gebreitet wurde.
Mit einem Pinsel die Schnitze mit Honig bestreichen und darüber jeweils etwas Gewürz streuen. So Reihe für Reihe weiterschichten, so viele Schnitze gewünscht sind.
Zum Schluss ein Tuch darüberlegen und noch ein zweites Tuch auf das erste. Dann pressen, wie es oben beschrieben steht.
Zutaten
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| oeppfel schnicz | Äpfel, rund geschnitten | - | - | Feste, säuerliche Sorte wie Boskoop oder Elstar hält beim Trocknen und Pressen die Form besser als süße Standardsorten. |
| honig | Honig | - | - | - |
| gewurcz | Gewürz | - | - | Zimt und Ingwer sind für diese Zeit eine plausible Standardmischung. |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das?
Gepresste, mit Honig und Gewürz geschichtete Dörrapfelscheiben - ein Vorratskonfekt: getrocknete Apfelscheiben werden gesüßt, gewürzt und unter Gewicht zu einer kompakten, lagerfähigen Masse verdichtet, modernem gepresstem Fruchtleder nicht unähnlich. Der eigentliche Clou ist der Technik-Transfer: Die hier genutzte Presstechnik steht erkennbar in der Presskopf-/Sulze-Tradition aus Fleisch und Fisch, wie sie im selben Kochbuchabschnitt für Schweinskopf (mha-265) und gepressten Fisch (mha-266) belegt ist, und wird hier erstmals auf Obst angewendet.
Trocknen.
Runde Apfelscheiben im Ofen bei milder Hitze dörren (nicht garen), bis sie fest und biegsam, aber nicht mehr saftig sind. Nur trockenes Obst lässt sich später gut pressen und lagern.
Schichten.
Ein Brett mit einem weißen Leinentuch bespannen, die Apfelscheiben Reihe für Reihe der Länge nach darauflegen. Jede Reihe mit einem Pinsel dünn mit Honig bestreichen und mit Gewürz (zeittypisch etwa Zimt und Ingwer) bestreuen, bevor die nächste Reihe folgt - so hoch stapeln wie gewünscht.
Pressen.
Zwei Tücher über die letzte Schicht legen und mit einem beschwerten Brett pressen. Das Original nennt an dieser Stelle weder Dauer noch Gewicht, weil es knapp auf eine frühere, nicht sicher zuzuordnende Stelle im Manuskript verweist. In der Praxis bewährt sich ein mäßig beschwertes Brett über mehrere Stunden bis über Nacht, bis die Masse fest zusammenhält - am Markttag lässt sich das gut als 'am nächsten Tag fertig' zeigen.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/mha-267/
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