Mondseer Kochbuch (Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1))
Gewürzter Honigsenf
Moderne Übersetzung
Nimm Senfsaat und reinige sie. Zerstoße sie in einem Mörser sehr fein und streiche die entstandene Paste dann durch ein Tuch. Stoße etwas zu Pulver (vermutlich Zimtblüte, siehe Anmerkung) und mische es unter die zuvor passierte Senfpaste.
Rühre die Senfpaste mit Honig so kräftig untereinander, dass sie die Konsistenz von Wachs annimmt. Wenn du möchtest, nimm etwas davon und reibe es mit Wein an, so hast du Senf.
Zutaten
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| seniff samen | Senfsaat | Supermarkt, Gewürzhandel | - |
| honig | Honig | - | - |
| wein | Wein | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Kein fertiger Tafelsenf, sondern ein haltbares Senf-Konzentrat - die Vorstufe dazu. Das Rezept beschreibt zwei Stufen: zuerst eine feste, wachsartige Honig-Senf-Masse als Vorrat, die sich lange hält, dann das portionsweise Anrühren mit Wein zum fertigen, streichfähigen Senf erst kurz vor dem Gebrauch. Diese Formel ist keine Mondseer Eigenheit, sondern zirkulierte im 15. Jahrhundert buchübergreifend fast wortgleich - die engsten Fassungen finden sich unter mha-013 und m5919-017.
Zerstoßen und Passieren. Die Senfsaat wird zunächst im Mörser sehr fein zerstoßen und durch ein Tuch gestrichen. Das Zerkleinern bricht die Samenschale auf und setzt erst dadurch die Schärfe frei; das Passieren durch das Tuch trennt Schalen- und Faserreste ab und ergibt eine glatte Basis.
Das zweite Pulver. An dieser Stelle nennen gleich drei Fassungen ausdrücklich Zimtblüte als das Pulver, das untergemischt wird: mha-013 ("zimen plue"), m5919-017 ("zimad plud") - und, am gewichtigsten, mon-098 ("zymeid plue"), das zweite Senfrezept desselben Mondseer Kochbuchs. In mon-137 selbst fehlt die Zutatenbenennung - der Text sagt nur "stos zw pulffer", ohne zu sagen, was zu Pulver zerstoßen wird. Dass ausgerechnet der eigene Schreiber des Buchs die Zutat an anderer Stelle klar benennt, macht ein Abschreibversehen (ausgefallener Gewürzname) deutlich wahrscheinlicher als eine bewusst andere Zubereitung mit einer zweiten Senfsaat-Portion.
Praxis. Senfsaat im Mörser fein zerstoßen und durch ein Tuch streichen, damit alle Schalenreste ausbleiben. Mit Honig kräftig verrühren, bis eine feste, wachsartige Masse entsteht - das gelingt rein durch mechanisches Einarbeiten, ganz ohne Erhitzen. Diese Masse hält sich als Vorrat gut, weil Honig selbst feuchteentziehend und keimhemmend wirkt. Zum Gebrauch jeweils eine kleine Menge abnehmen und mit Wein zu einem streichfähigen Senf anreiben - genau diese Zweistufigkeit macht das Rezept auch für die Lagerküche praktikabel: nur Mörser, Tuch und Rührschüssel nötig, kein Feuer, keine Kühlung.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/mon-137/
fyndling.de/rezepte/mon-137/