Das Kochbuch der Philippine Welser
Hasenohren-Gebäck
Moderne Übersetzung
Wenn du Hasenohren-Gebäck backen möchtest:
Nimm ein gutes Mehl, gieße Eier und warme Milch hinein, salze es und mache einen Teig, sodass er nicht zu hart ist. Treibe ihn mit einem Nudelholz gut aus, bis er dünn ist. Dann nimm ein Rädchen, ein kleines Rad, wie du möchtest, vier-eckig oder wie es dir gefällt, und backe es knusprig ab. Wenn du es anders möchtest.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ain gutzs mel | Mehl | - | - | - |
| ayr | Eier | - | - | - |
| ain war am milich | Warme Milch | - | - | - |
| saltzs | Salz | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das?
Ein Hasenöhrlein: dünn ausgerollter Eier-Milch-Teig, mit einem kleinen Rädchen in Stücke geschnitten und in heißem Fett knusprig ausgebacken. „Hasen nerlach“ steht im Buch für diesen Grundteig selbst - drei weitere Rezepte desselben Buchs (phw-100, phw-107, phw-113) verweisen ausdrücklich auf ihn als Basis für andere Formen. Die Grundtechnik lebt bis heute im schwäbisch-bairischen Hasenöhrle/Fasnetsküchle fort und gehört zur weiter gefassten europäischen Familie dünner, mit einem Rädchen geschnittener und ausgebackener Teigstreifen wie den italienischen Chiacchiere oder den französischen Oreillettes.
Die Form ist frei, der Name nicht formgebend. Der Text schneidet den Teig ausdrücklich „vier-eckig oder wie es dir gefällt“ - „Hasenohren“ ist der überlieferte Name des Gebäcks, keine Vorgabe für die Schnittform.
Das Schneidewerkzeug bleibt im Detail unsicher. Der Text nennt „ain radin ain redlin“ - ein kleines Rädchen zum Teigschneiden ist eindeutig gemeint, die genaue Lesart der Wortform „radin“ bleibt offen.
Das Bratfett fehlt im erhaltenen Text. Der Satz bricht bei „wilt du sunst“ ab, bevor ein möglicher Zusatz folgen konnte. Der unmittelbare Buchnachbar mit demselben Teig (phw-113) nennt für dieselbe Zubereitung ausdrücklich eine Pfanne mit heißem Schmalz - danach richtet sich die Praxis-Angabe unten.
Praxis. Mehl mit Eiern und warmer Milch zu einem nicht zu harten Teig verkneten, salzen. Mit dem Nudelholz dünn auswalzen. Mit einem (Zacken-)Rädchen in Stücke schneiden, viereckig oder in beliebiger Form. In reichlich heißem Fett in der Pfanne über dem Feuer ausbacken, bis das Gebäck hell-goldig, durchgebacken und knusprig ist - nicht dunkel braun werden lassen.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/phw-114/
fyndling.de/rezepte/phw-114/