Das Kochbuch der Philippine Welser
Eierbraten im Stoffsäcklein
Moderne Übersetzung
Willst du einen Eierbraten machen, so nimm Eier, so viele du willst. Schlage sie gut durcheinander. Würze sie damit: Petersilie und Salbei darunter.
Nimm ein Säcklein in der Größe, wie ein Braten sein soll, gieße die Eier darein und hänge das Säcklein in heißes Wasser, bis es dick wird. Dann drehe es auf und stecke es an ein Spießlein, damit es nicht zerbricht.
Spicke es mit weiß gesottenen Eiern wie einen anderen Braten und gieße heißes Schmalz darauf.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ayr als fill du wilt | Eier | - | - | - |
| gewirtz | Gewürze | - | - | - |
| betterling | Petersilie | - | - | Betonie |
| salfen | Salbei | - | - | - |
| ain secklin | Stoffsäcklein | 1 | - | Leinensäcklein |
| hays waser | Wasser | - | - | - |
| ain spislin | Spieß | 1 | - | - |
| weys gesotten ayren | hartgekochte Eier | - | - | - |
| hays schmaltz | Schmalz | - | Supermarkt, Metzger | Butterschmalz oder Pflanzenöl |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das?
Ein „Eierbraten“ ganz ohne Fleisch: Die geschlagene, gewürzte Eimasse wird in einem Stoffsäcklein im heißen Wasserbad fest gegart, aus dem Tuch gelöst, aufgespießt, mit Streifen hartgekochter Eier gespickt und mit heißem Schmalz übergossen - eine bewusste Nachahmung eines echten Spießbratens. Im Bestand findet sich mit std-060 („Gebratene Milch“, Augsburg 1545) ein enger Verwandter: dort wird dieselbe Eimasse ebenfalls im Wasserbad gestockt, allerdings direkt im Topf statt im Säcklein und in Scheiben geschnitten statt gespickt. Innerhalb des eigenen Buchs nutzt auch phw-228 dieselbe Säcklein-Technik für ein anderes Fleischimitat.
Wie ist „dren des auf“ zu verstehen?
Die Stelle bleibt uneindeutig: Sie kann „drehe es auf“ (das Säcklein wird gewendet, die Eimasse rutscht heraus) oder „trenne es auf“ (das Säcklein wird aufgeschnitten) bedeuten. Beide Lesarten führen zum selben Ziel - die fest gewordene Eimasse aus dem Tuch zu lösen -, ohne dass eine der beiden das Ergebnis verändert.
Praxis.
Die Eimasse im Säcklein im nicht kochenden, nur heißen Wasser stocken lassen, bis sie durchgehend fest ist. Beim Spicken mit hartgekochtem Ei ist Vorsicht geboten: Anders als rohes Fleisch, dessen Fasern sich um die Spicknadel schließen, ist die gestockte Eimasse fest und eher spröde - sie kann beim Einstechen reißen. Mit einer dünnen, sehr spitzen Nadel und wenig Druck lässt sich das vermeiden.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/phw-227/
fyndling.de/rezepte/phw-227/