Das Kochbuch der Sabina Welserin (Das kochbúch der sabina welserin)
Süße Gänseschmalz-Milchsuppe
Moderne Übersetzung
Eine breite Pfanne unter die Gans stellen, während sie gebraten wird, und das herabtropfende Schmalz darin auffangen.
Anschließend gute Milch hinzugeben, mit Zucker süßen und aufkochen lassen. Zuletzt geröstetes Brot, breit geschnitten, hineingeben.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| gansß | Gans (am Spieß oder im Ofen bratend) | - | - | - |
| das schmaltz | Gänseschmalz, aus der bratenden Gans aufgefangen | - | - | Fertiges Gänseschmalz aus dem Handel, falls keine Gans zur Hand ist |
| ain gúte milch | Milch | - | - | - |
| zúcker | Zucker | - | - | - |
| gepets brait | Geröstetes Brot, breit geschnitten | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Eine gesüßte Milch-Brot-Suppe, die das Bratfett einer Gans nebenbei mitverwertet - eine frühe Verwandte der bis heute bekannten süßen Milch- oder Semmelsuppe, hier statt mit Butter mit aufgefangenem Gänseschmalz zubereitet. Keine feste Süßspeise, sondern eine warme, mit Brot gebundene Suppe.
Die Brot-Einlage heißt im Original "gepets brait" - zwei Wörter, nicht eins. "gepets" ist "gebähtes", also leicht angeröstetes, nicht gebackenes Brot. "brait" ist hier das Adjektiv "breit" und beschreibt die Schnittgröße, nicht ein eigenständiges Gebäckstück. Im selben Buch steht "brait" zweimal wortgleich in dieser Bedeutung (saw-004: "so brait, als der laib an jm selber jst"; saw-022: "wie brait das bedellin jst"), und der Zwilling mha-025 bestätigt unabhängig dieselbe Ableitung von "bähen" für sein "gepaettes prot". Das Brot kommt also breit geschnitten und angeröstet in die Suppe.
Praxis. Stell eine breite Pfanne unter die Gans, solange sie am Spieß oder im Ofen brät, und fang das abtropfende Schmalz darin auf. Gib gute Milch dazu, süß sie mit Zucker und lass sie kurz aufkochen. Schneide geröstetes Brot in breiten Scheiben und leg es zuletzt ein. Fett und Milch werden im Original nur zusammengekocht, nicht verrührt oder emulgiert - die Suppe kann daher oben eine dünne Fettschicht zeigen statt durchgehend cremig zu wirken. Das ist keine Fehlzubereitung, sondern die zu erwartende Textur des historischen Verfahrens.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/saw-017/
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