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Das Kochbuch der Sabina Welserin (Das kochbúch der sabina welserin)

Augsburg, 1553 · Frühneuhochdeutsch (ostschwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)

Gefüllter Hecht in der eigenen Haut

Moderne Übersetzung

Gefüllten Hecht macht man so: Schneide den Hecht an der Seite ein wenig auf und greife mit einem Messer hinein. Schneide ihm die Gräte am Nacken ab und schäle den Hecht aus seiner Haut, sodass die Haut ganz und unversehrt bleibt.

Nimm dann das Fischfleisch, entferne die Gräten davon und hacke das Fleisch fein zum Brät. Gib Milchner und Blut vom Karpfen sowie Gewürz dazu und fülle die Masse wieder in die Haut zurück. Achte darauf, dass Kopf und Schwanz an der Haut bleiben, und übertreibe es mit dem Salz nicht.

Näh die Haut dann mit grobem Seidenfaden wieder zu und brate den Fisch über einem Rost. Wenn er fertig gebraten ist, zieh den Faden wieder heraus.

Zutaten

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
hecht Hecht 1 Fischhändler Zander als Ersatzfisch, wenn kein Hecht erhältlich ist
milch Milchner vom Karpfen - Fischhändler, am besten vorbestellen Wenn nicht erhältlich, weglassen und stattdessen etwas mehr Hechtfleisch verwenden
schwais vom karpfen Blut vom Karpfen - Fischhändler, am besten vorbestellen Ersatzweise weglassen, die Farce bleibt dann heller in der Farbe
gewirtz Gewürz - - -
versaltz jn nit Salz, sparsam - - -
grober seidin Grober Seidenfaden zum Zunähen - Handarbeitsladen Küchengarn/Bratenschnur als moderner Ersatz

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Ein ganzer Hecht wird aus seiner eigenen Haut geschält, ohne sie zu verletzen, mit seinem eigenen gehackten Fleisch sowie Milchner und Blut vom Karpfen wieder gefüllt, zugenäht und über dem Rost gebraten - von außen wirkt der fertige Fisch wie ein unversehrter ganzer Hecht. Im eigenen Korpus ist das kein Einzelstück: b4-012 folgt demselben Verfahren Schritt für Schritt, nur mit Kräutern statt Milchner und Blut gefüllt, und bgs-036/bgs-046 tragen sogar denselben Titel "Gefüllter Hecht in eigener Haut", wenn auch mit vorgegartem statt rohem Fleisch. Das Prinzip - ein Fisch, der von außen unversehrt wirkt, obwohl er innen komplett neu zusammengesetzt ist - kehrt später unter anderen Namen wieder, etwa in der jüdischen gefilte-fish-Tradition und der französischen Galantine-Technik; das ist kulinarhistorisches Hintergrundwissen zur Einordnung, keine belegte Abstammungslinie dieses konkreten Rezepts.

Der Nackenschnitt. Der Hecht wird nicht komplett entgrätet, bevor die Haut abgeht - nur die Wirbelsäule wird am Nacken durchtrennt, danach lässt sich die Haut wie ein Strumpf über den ganzen Fisch abziehen, Kopf und Schwanz bleiben dabei an der Haut. Das entspricht genau dem Vorgehen im Zwilling b4-012.

Garpunkt. Der Text bemisst das Ende der Garzeit nur mit "wenn er fertig gebraten ist" - ohne Zeitangabe oder Garprobe. Das ist bei einer dicken, rohen Farce aus Fisch, Blut und Milchner in geschlossener Haut auf offenem Rost keine triviale Frage: Die Haut kann außen bereits fertig aussehen, während der Kern noch roh ist. Der Zwilling b4-012 warnt an dieser Stelle sogar ausdrücklich vor dem Verbrennen, saw-171 lässt die Frage offen.

Praxis. Milchner und Blut vom Karpfen übernehmen hier funktional die Rolle, die im Zwilling b4-012 das Ei spielt: Sie binden die gehackte Farce beim Garen. Beim Braten über dem Rost oder Grill nicht allein auf die Bräunung der Haut verlassen, sondern den Kern prüfen (Kerntemperatur ca. 65-70 °C, notfalls Garprobe an der Naht) - Sicherheit geht vor optischer Bräune.

fyndling.de/rezepte/saw-171/