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Quark-Nocken auf böhmische Art

Kuchařství o rozličných krměch, kterak se užitečně s chutí strojiti mají · Prag, Böhmen · 1535

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 7/10Bürgerliche KücheBürgerlichVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit30 Min.Portionen2-4 PersonenBuchBöhmisches Kochbuch - Kuchařství o rozličných krměch (~1535)

Hier werden Samstagsgerichte beschrieben.

Quark-Nocken werden so zubereitet: Nimm Quark, der keinen starken Geruch hat und auch nicht sehr fettig ist. Passiere ihn sauber durch ein Sieb, etwa ein bis zwei Schalen voll. Siebe ihn. Gib dazu ein bis zwei sehr kleine Löffel weißes Mehl. Vermische alles miteinander und füge Eier hinzu, so viele, wie dir passend erscheinen. Knete den Teig sauber und forme Nocken daraus. Stelle sauberes Wasser in einem Topf auf. Wenn es kocht, gib die Nocken hinein und lass sie gar ziehen. Würze mit Pfeffer und Safran, schmecke mit Salz ab und beträufle sie mit Butter. Gib sie auf eine Schale und iss.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
syra, který by ničímž nevoněl a také aby nebyl velmi mastný 1-2 Schalen Quark (nicht sehr fettig, geruchsneutral) 1 - Frischkäse (natur, nicht zu fett)
bílé múky s lžíci, neb se dvě, velmi malé 1-2 sehr kleine Teelöffel weißes Mehl 1 TL - -
vajec, coť se zdá Eier (nach Belieben) - - -
čisté vody Wasser - Leitung -
pepřem Pfeffer - - -
šafránem Safran - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
soli Salz - - -
máslem Butter - - -
Was bedeutet ‚syra' und wie bereite ich ihn vor?

‚Syra' bezeichnet im frühneuzeitlichen Tschechisch Quark oder Frischkäse (Tvaroh). Das Rezept verlangt, ihn zu ‚reiben' (nastruž), was im Kontext von Frischkäse bedeutet, ihn durch ein feines Sieb oder Tuch zu passieren, um eine glatte, klumpenfreie Masse zu erhalten.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, sehr gut geeignet. Es benötigt lediglich einen Topf zum Kochen der Nocken und eine Möglichkeit, Butter zu schmelzen. Die Zutaten sind gut transport- und lagerbar.

Wie viel Mehl und Eier soll ich verwenden, da die Mengen vage sind?

Das Rezept gibt keine genauen Mengen für Mehl und Eier an (‚ein bis zwei sehr kleine Löffel Mehl', ‚Eier, so viele, wie dir passend erscheinen'). Beginne mit etwa 1-2 Teelöffeln Mehl pro 250 g Quark und einem Ei. Füge bei Bedarf mehr Mehl hinzu, bis der Teig gut knetbar ist und sich zu Nocken formen lässt, ohne zu kleben. Die Konsistenz sollte weich, aber formbar sein.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Böhmisches Kochbuch - Kuchařství o rozličných krměch (Prag, Böhmen). Ältestes erhaltenes gedrucktes tschechisches Kochbuch, gedruckt 1535 von Pavel Severin z Kapí Hory in Prag. Etwa 100 Rezepte: Wild, Geflügel, Fisch, Süßspeisen, Getränke. Enthält auch eine Nachdruck-Ausgabe von Jan Kantor (ohne Jahr, ca. 1550). Das Original liegt in der Národní muzeum Praha (Sign. 28.G.33), ohne öffentliche Digitalisierung.

Tuto se vypisují krmě sobotní. Šišky syrné takto dělaj: Vezmi syra, který by ničímž nevoněl a také aby nebyl velmi mastný, nastruž ho čistě s misu neb se dvě, prosej jej, a přičiň k tomu bílé múky s lžíci, neb se dvě, velmi malé, směs spolu a přiraz vajec, coť se zdá, vyhnětiž to čistě a nadělajž šišek a přistav k nim čisté vody v hrnci, a když bude vříti, dajž tam ty šišky, ať vrou, okořeň pepřem a šafránem a koštuj na soli a přimasť máslem, daj na misu a jez.
syra

Alttschechisch für Quark oder Frischkäse (Tvaroh), nicht Hartkäse.

nastruž

Wörtlich ‚reiben', im Kontext von Frischkäse bedeutet es ‚passieren' oder ‚durch ein Sieb streichen', um eine glatte Masse zu erhalten.

šišky

Kleine, längliche Nocken oder Klößchen, oft aus Teig oder Quark.

krmě sobotní

Gerichte, die für den Samstag geeignet sind, der im mittelalterlichen Christentum oft ein teilweiser Fastentag war, an dem Fleisch vermieden, aber Milchprodukte und Eier erlaubt waren.

Druck
Kuchařství o rozličných krměch, kterak se užitečně s chutí strojiti mají
Sprache
Frühneuzeitliches Tschechisch
Entstehung
Prag, Böhmen, 1535

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

vajec, coť se zdáchicken egg Q15260613
čisté vodywater Q283
pepřempepper Q3143131
šafránemsaffron Q25434
solitable salt Q11254
máslembutter Q34172

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartsyra / nastruž ho

Gewählte Lesart: Quark / passiere ihn. Das alttschechische Wort „sejr“ bezeichnet 1535 in Böhmen fast ausschließlich Frischkäse/Tvaroh. „Nastruž“ (reiben) bedeutet im Kontext von Frischkäse, ihn durch ein Sieb oder Tuch zu passieren, um eine glatte Masse zu erhalten.

Andere mögliche Lesart:

  • Hartkäse / reibe ihn - Obwohl ‚nastruž' wörtlich ‚reiben' bedeutet, ist die Verwendung von Hartkäse in süßen oder neutralen Nocken dieser Art in der böhmischen Küche des 16. Jahrhunderts unüblich. Frischkäse (Quark) ist die historisch plausiblere Zutat für ‚šišky syrné'.

Lesarts misu neb se dvě

Gewählte Lesart: ein bis zwei Schalen. „Misa“ ist eine Schale oder ein Gefäß, das hier als Mengenangabe dient.

Lesarts lžíci, neb se dvě, velmi malé

Gewählte Lesart: ein bis zwei sehr kleine Löffel. „Lžíce“ ist ein Löffel, „velmi malé“ betont die geringe Menge. Dies entspricht einem Teelöffel.

Originalwerk (~1535) gemeinfrei.

Bildquelle
Kirschen, Tacuinum Sanitatis, Codex Vindobonensis (ca. 1390)
Transkription
Čeněk Zíbrt, Staročeské umění kuchařské (1927), Zlatý fond SME - Kap. 26-27: Pavel Severin z Kapí hory Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Benötigt einen Topf zum Kochen der Nocken und eine Pfanne oder Topf zum Schmelzen der Butter.
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.