Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent · Frankreich · 1300
Nimm rohe Birnen und mache Pasteten daraus. Setze sie aufrecht und fülle die Höhlung mit Zucker - auf drei große Birnen kommt etwa ein Quarteron Zucker. Decke sie gut ab und vergolde sie mit Eigelb oder Safran. Schiebe sie in den Ofen und backe sie gut durch.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| trois grosses poires | 3 große Birnen | - | - |
| vng quarteron de sucre | 122 g Zucker | - | - |
| Pastes | Mürbeteig | - | - |
| doeufz ou de saffran | Eigelb | - | - |
| doeufz ou de saffran | Safran | Online-Gewürzhandel | - |
Welches Gericht ist das? Eine in Teig gebackene Birne mit Zuckerfüllung - der direkte Vorfahr der bis heute gebackenen Obst-„Dumplings" (englisch apple/pear dumpling, normannischer bourdelot/douillon): ganze Frucht, ausgehöhlt, gefüllt, in Teig gehüllt und im Ofen gebacken. Das Original ist denkbar knapp und nennt weder Teigart noch Backzeit.
Mises sur bout heißt wörtlich „aufrecht gestellt". Gemeint ist, dass die ausgehöhlte Birne mit der Öffnung nach oben steht, damit der Zucker beim Backen nicht ausläuft - die Frucht wird dann ringsum in Teig gehüllt. Ob die Birne komplett umhüllt (Teigtasche) oder offen in einem Teignäpfchen steht, sagt die Quelle nicht eindeutig; beide Formen sind aus der Periode belegt.
Quarteron ist ein Viertel-Pfund; im Pariser System rund 122 g - also eine sehr süße Füllung, was für ein höfisches Dessert typisch ist.
Doree doeufz ou de saffran: das Bestreichen mit Eigelb oder in Wasser gelöstem Safran gibt der gebackenen Hülle die goldene Farbe - die periodentypische „Vergoldung". Safran färbt hier gelb-golden, nicht als Gewürz gedacht.
Praxis. Festkochende Birnen schälen, vom Blütenende her aushöhlen, mit Zucker (auf 3 Birnen ca. 120 g) füllen. Jede Birne in ausgerollten Mürbe- oder einfachen Wasserteig einschlagen, Ränder gut verschließen, aufrecht setzen. Mit verquirltem Eigelb oder Safranwasser bestreichen und bei ca. 180-200 °C backen, bis der Teig goldbraun und die Birne weich ist (ca. 35-45 Min.). Ein Ofen ist hier zwingend - daher nichts fürs offene Lagerfeuer.
Ein ‚quarteron‘ war eine mittelalterliche Maßeinheit, die einem Viertel eines Pfunds entsprach. Im Pariser System (Livre de Paris) waren das etwa 122 Gramm. Die genaue Menge konnte regional variieren.
‚Mises sur bout‘ ist eine etwas mehrdeutige Formulierung. Im Kontext dieses Rezepts, in dem die Birnen ‚bedeckt‘ werden sollen, interpretieren wir es als das Einwickeln der Birnen in Teig und das sorgfältige Verschließen der Ränder, ähnlich einer Teigtasche oder einem Turnover.
Nein, dieses Rezept ist nicht direkt für die Lagerküche geeignet. Es erfordert einen Backofen und die Zubereitung von Mürbeteig, was unter Lagerbedingungen schwierig ist. Zuhause vorbereiten.
Dieses Rezept stammt aus ‚Le Viandier de Taillevent‘, einem der bedeutendsten mittelalterlichen Kochbücher Frankreichs. Es wird dem Koch Guillaume Tirel, genannt Taillevent, zugeschrieben und entstand um 1300, wobei die überlieferten Handschriften aus dem späten 14. und 15. Jahrhundert stammen. Es repräsentiert die höfische Küche des französischen Adels.
Wörtlich „aufrecht gestellt" - die ausgehöhlte Birne steht mit der Öffnung nach oben, damit der eingefüllte Zucker beim Backen hält.
Viertel-Pfund; im Pariser System (Livre de Paris) rund 122 g.
Vergolden mit Eigelb oder Safran - färbt die Teighülle goldgelb (Safran als Farbe, nicht als Gewürz).
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
mises sur bout
Gewählte Lesart: „Aufrecht gestellt": Die ausgehöhlte, mit Zucker gefüllte Birne wird mit der Öffnung nach oben gesetzt und in Teig gehüllt, damit die Füllung beim Backen nicht ausläuft.
Andere mögliche Lesart:
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