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Birnen-Pasteten mit Zuckerfüllung

Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent · Frankreich · 1300

DessertNachspeiseLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit60 Min.Portionen3 PersonenBuchLe Viandier de Taillevent (~1300)

Nimm rohe Birnen und mache Pasteten daraus. Setze sie aufrecht und fülle die Höhlung mit Zucker - auf drei große Birnen kommt etwa ein Quarteron Zucker. Decke sie gut ab und vergolde sie mit Eigelb oder Safran. Schiebe sie in den Ofen und backe sie gut durch.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
trois grosses poires 3 große Birnen - -
vng quarteron de sucre 122 g Zucker - -
Pastes Mürbeteig - -
doeufz ou de saffran Eigelb - -
doeufz ou de saffran Safran Online-Gewürzhandel -

Welches Gericht ist das? Eine in Teig gebackene Birne mit Zuckerfüllung - der direkte Vorfahr der bis heute gebackenen Obst-„Dumplings" (englisch apple/pear dumpling, normannischer bourdelot/douillon): ganze Frucht, ausgehöhlt, gefüllt, in Teig gehüllt und im Ofen gebacken. Das Original ist denkbar knapp und nennt weder Teigart noch Backzeit.

Mises sur bout heißt wörtlich „aufrecht gestellt". Gemeint ist, dass die ausgehöhlte Birne mit der Öffnung nach oben steht, damit der Zucker beim Backen nicht ausläuft - die Frucht wird dann ringsum in Teig gehüllt. Ob die Birne komplett umhüllt (Teigtasche) oder offen in einem Teignäpfchen steht, sagt die Quelle nicht eindeutig; beide Formen sind aus der Periode belegt.

Quarteron ist ein Viertel-Pfund; im Pariser System rund 122 g - also eine sehr süße Füllung, was für ein höfisches Dessert typisch ist.

Doree doeufz ou de saffran: das Bestreichen mit Eigelb oder in Wasser gelöstem Safran gibt der gebackenen Hülle die goldene Farbe - die periodentypische „Vergoldung". Safran färbt hier gelb-golden, nicht als Gewürz gedacht.

Praxis. Festkochende Birnen schälen, vom Blütenende her aushöhlen, mit Zucker (auf 3 Birnen ca. 120 g) füllen. Jede Birne in ausgerollten Mürbe- oder einfachen Wasserteig einschlagen, Ränder gut verschließen, aufrecht setzen. Mit verquirltem Eigelb oder Safranwasser bestreichen und bei ca. 180-200 °C backen, bis der Teig goldbraun und die Birne weich ist (ca. 35-45 Min.). Ein Ofen ist hier zwingend - daher nichts fürs offene Lagerfeuer.

Was bedeutet 'Quarteron' im Rezept?

Ein ‚quarteron‘ war eine mittelalterliche Maßeinheit, die einem Viertel eines Pfunds entsprach. Im Pariser System (Livre de Paris) waren das etwa 122 Gramm. Die genaue Menge konnte regional variieren.

Was bedeutet die Anweisung 'mises sur bout'?

‚Mises sur bout‘ ist eine etwas mehrdeutige Formulierung. Im Kontext dieses Rezepts, in dem die Birnen ‚bedeckt‘ werden sollen, interpretieren wir es als das Einwickeln der Birnen in Teig und das sorgfältige Verschließen der Ränder, ähnlich einer Teigtasche oder einem Turnover.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist nicht direkt für die Lagerküche geeignet. Es erfordert einen Backofen und die Zubereitung von Mürbeteig, was unter Lagerbedingungen schwierig ist. Zuhause vorbereiten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus ‚Le Viandier de Taillevent‘, einem der bedeutendsten mittelalterlichen Kochbücher Frankreichs. Es wird dem Koch Guillaume Tirel, genannt Taillevent, zugeschrieben und entstand um 1300, wobei die überlieferten Handschriften aus dem späten 14. und 15. Jahrhundert stammen. Es repräsentiert die höfische Küche des französischen Adels.

Pastes de poire crues mises sur bout & emplisses le creux de sucre a trois grosses poires comme vng quarteron de sucre bien couuerte & doree doeufz ou de saffran & mis au four & bien cuire.
mises sur bout

Wörtlich „aufrecht gestellt" - die ausgehöhlte Birne steht mit der Öffnung nach oben, damit der eingefüllte Zucker beim Backen hält.

quarteron

Viertel-Pfund; im Pariser System (Livre de Paris) rund 122 g.

doree doeufz ou de saffran

Vergolden mit Eigelb oder Safran - färbt die Teighülle goldgelb (Safran als Farbe, nicht als Gewürz).

Handschrift
Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent
Folio
Fol. 011v
Sprache
Moyen Français (ca. 1300-1400)
Entstehung
Frankreich, 1300

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartmises sur bout

Gewählte Lesart: „Aufrecht gestellt": Die ausgehöhlte, mit Zucker gefüllte Birne wird mit der Öffnung nach oben gesetzt und in Teig gehüllt, damit die Füllung beim Backen nicht ausläuft.

Andere mögliche Lesart:

  • Vollständig in Teig eingeschlagene Teigtasche (Turnover). - Der Folgesatz verlangt „bien couuerte" (gut bedeckt); ob die Birne dabei rundum umhüllt oder offen in einem Teignäpfchen steht, lässt der knappe Wortlaut offen - beide Formen sind aus der Periode belegt.

Originalwerk (~1300) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 011v, Bibliothèque nationale de France, Manuscrit Français 19791, Gallica (ark:/12148/btv1b10501680z) - Domaine public Quelle öffnen
Transkription
Pichon & Vicaire 1892 (kritische Edition), Project Gutenberg #26567 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Braucht einen regelbaren Backofen für die Teighülle - am offenen Feuer nicht zuverlässig. Zuhause backen.
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