Über Sinn und Methode dieser Rezeptsammlung — und was wir anders machen wollen als andere.
Es begann an einem dunklen Novemberabend. Ein paar Freunde, ein langer Tisch, Kerzenlicht — und die Idee, einmal im Jahr ein mittelalterliches Mahl zu wagen. Jeder bringt einen Gang mit, jeder gräbt sich durch ein anderes altes Kochbuch, jeder versucht zu verstehen, was uns die Schreiber des 14. oder 15. Jahrhunderts hinterlassen haben. Eine Suppe aus dem Buch von guter Speise, dazu Pasteten aus dem Ménagier, eine Sülze nach dem Codex Donaueschingen, am Ende ein Krapfen-Mosaik aus den Krapfen-Kapiteln des BvgS. Es ist nicht nur Essen — es ist eine kleine Zeitreise. Ein Blättern in fremden Köpfen.
Die alten Kochbücher sind wunderbar — und unmöglich. Geschrieben von Köchen für Köche, die wussten, wie viel Pfeffer in eine "wuertze" gehört und wann ein Spieß "schone" gebraten ist. Genaue Mengenangaben? Kaum. Zeitangaben? Höchstens "biz ez gar ist". Wir Heutigen stehen oft vor Sätzen wie "in mahtu suelze petersielien bern" und müssen erst herausfinden, ob das ein Verb, ein Substantiv oder eine Aufzählung ist.
Offenes Geständnis: Wir haben einige der populären modernen Mittelalter- Kochbücher im Regal stehen — und manche lesen sich, als hätte der Autor das Rezept nie selbst gekocht. Eine gallig-grüne 10-Liter-Suppe etwa, bei der man schon beim Lesen denkt: das will doch keiner essen, und warum bitte gleich zehn Liter?
Das andere wiederkehrende Muster: egal ob Pastete, Hühnerragout, Apfelmus oder Sauerbraten — überall landet am Ende die gleiche Glühwein-Gewürzmischung (Zimt, Nelke, Sternanis, Muskat …). Funktioniert großartig in einem Becher heißem Punsch im November. In einem Würzsud zu Pökelfleisch oder einer feinen Mandelmilch-Suppe? Eher selten.
Wir versuchen das anders. Was die Quelle nicht sagt, kommt nicht rein nur weil "es ja Mittelalter ist". Und was sie sagt, bekommt plausible Mengen für eine normale Tafel — nicht die zehnfache Klosterportion. Wo wir uns nicht sicher sind, sagen wir es. Wo es geht, haben wir's nachgekocht oder mindestens kritisch durchdacht.
Such dir ein Rezept aus. Lade Freunde ein. Verteilt die Gänge. Wundert euch über die Mengenangaben, schmeckt ab, debattiert beim Wein, ob "Petersilienbeeren" jetzt eine Pflanze oder eine Aufzählung sind. Genau in diesem Moment wird aus Schrift wieder Speise — und aus Vergangenheit ein gemeinsamer Abend.
— Die Fyndling-Redaktion
Du willst wissen, was ein "blat von eyern" oder ein "vladen" ist, bevor du ins erste Rezept springst? → Mittelalterliche Koch-Grundlagen