Schedelsche Weltchronik · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Wikisource-Hinweise zum Register: * Die alphabetische Ordnung richtet sich lediglich nach den ersten beiden Buchstaben. * Der Eintrag kann sich auch auf der Folgeseite befinden, da die Blattzählung abweicht. * Geprüfte Links, die direkt auf den Eintrag führen, sind mit gekennzeichnet. |Victor babst auß Affrica puertig | CIIII |Wilckil oder willigis ertzbischoff zu Maintz | CLXXXVII Victoria ein edle iunckfraw CXX Wilhalm graf zu holland roemischer kaiser CCXII Vincencius leuit vnd heilliger man CXXIIII Windische land vnd sein gelegenheit CCLXXX Vitus ein kind vnd martrer cristi CXXV Wollen ist deßmals von den wolcken gefallen CXXXIII Vier die gekroenten martrer CXXV Wolffgangus der.xi.bischoff zu Regenspurg CLXXXII Victor heilliger man vnd martrer CXXVII Wunderwerck sind geschehen in der gepurt cristi XCIII Vigilius babst ein roemer der gepurt CXLIIII wunderwerck vil sind auch deßmals geschehen CLI Vitigis ein koenigin Gothorum CXLV wunderlich mensch mit zwayen hawbten ist deßmals geporn CLXXXII Vitalianus babst ein goetlicher man CLIII wunderzaichen deßmals gesehen CXCCIII Vigilius ein bischoff edler gepurt CLIIII Darnach deßgleich wundergestalte ding sind auch deßmalßs erschinen CCVIII CCL vnd LVII Vinsternus der sunnen ist deßmals gewest CLXXXVI wunderlicher weiß ist deßmals ein maydlein gepornn CCLX Victor der ander babst vormals zu Eystet bischof CXCI XEnarchus ein naturlicher maister vnnd iungert Strabonis XCVII Victor der drit babst vormals ein abbt CXCIII xerses ein koenig affiriorum XXVI Vincentius auß cathelania puertig prediger ordens CCXXXVI YPolitus des romischen geschlechts CXXI Vincentius auß burgundia puertig prediger ordens CCXIIII ysaac ein sone abrahe aller tugen vol XXVI Vlrich bischoff zu Augspurg CLXXX ysis hat die egyptier die schrift gelernet vnnd prot auß dem getraydt zemachen XXIX Vlixes mit seiner geselschaft ward in die gestalt der thier verwandelt XLI ysayas ein edler prophet LII Vlm die statt wie die beruembt sey CXC ysaac ein beruembter arzt CXCII Vngern sein von den bayern vnd Schwaben nyder gelegt CLXXIIII ysuardus ein closterman vnd der schrift hoherfarn CLXVI Vngerland vnd gschiht darinn CCLXIX yuo ein bischoff und iurist CXCIII Volusianus roemischer kaiser CXXI yuo ein hohberuembter doctor CCXXVII Vrbanus der erst babst ein roemer CXVI ZAleucus hat gesetzge/ macht wider den ehebruch LX Vrsula heilige wirdige iunckfraw CXXXVIII zacharias vn Elisabeth sein haußfraw XCIIII Vrbanus babst der ander CXCIII zacharias babst aus kriechenland CLXIII Vrbanus der dritt babst von Maylannd puertig CCIIII zawberin ist von dem teuefel hingefurt nach irem todt CLXXXIX Vrbanus der fuenft babst CCXXXI zepherinus babst ein roemer CXIIII Vrbanus der sechst babst von Neapolis CCXXXII zeno des roemischen reichs ein kaiser CXLI Vrbanus der vierdt babst auß gallia CCXIII zaichen dein deßmals an den himel gesehen bedeuettent pluetuergiessung der menschen CXLVI Vulpinianus ein rechtgelerter CXVII zoroastes hat ein seiner gepurt gelacht XXII Wasserguss ist deßmals gewest gleich der sindfluss CXLIX zizimus babst ein kriechischer man CXXXIII Walpurg ein heilige iunckfraw CLXXII zweyunsibentzig voelker sein entsprungen von dreyen sonen Noe XIIII Walfart hat sich zu disen zeitten erhaben erfunden vom teuefel CCXIIII zwen vnd sibentzig außleger werden die sein LXXVII Walachey die gegent vnnd geschiht darinn CCLXXI zwolfpotten sein deßmals in die werlt außgetaylt CII Welsche land vnd sein gelegenheit was darinn geschehen ist XLV vnd CCLXXXVI zwayung oder scisma das ander deßmals geschehen CXXXI Wein wie den Noe zum ersten pflantzt hat XI XXVIII zwayung oder scisma dz drit het anfang CXXXI Wentzeslaw ein sone caroli des vierden roemischer kaisers CCXXXIII Jtem mer CXLII Das. xxij. ist deßmals geschehen CCXXXII Welt wie die nit ewig sunde vergengklich sey CCLIX vnd LXI Die vbrigen hie nit angesagt finstu vnder den buechstaben oben C und S. Weib hat deßmals einen leben geporon CCXVII Wentzelaw der ander koenig zu beham CCXVIII Wentzelaw der dritt koenig zu beham CCXX Westual die gegent vnd gelegenheit CCLXXX Wienn statt in oesterreich wenn vnd von weme sie gepawt sey XCVIII Wuertzburg statt wie sie erpawt sey CLX Wilbold hertzog vnd koenig auß Engelland heilliger bischoff CLXII Ein kurtze beschreybung des wercks der sechs tag von dem geschoepff der werlt die vorrede. Fo. .I. DIeweill bey den allergelertisten vnd fuernamsten mannen die die waren natur vnd geschicht beschriben haben von geschopff der welt. vnd von erster geburt der menschen zwayerlay wone ist. So wollen wir von disen vordern zeiten: den anfang nemende auf das kuertzst schreiben: Souil sich von souer (alters halben) enthlegnen dingen gezimen wil. Etlich haben gemaint das die werlt vngeporn vnd vnzerstoerlich: vnd das menschlich geschlecht von ewigkeit her gewesen sey. vnd anfang einichs vrsprungs nit gehabt hab. Etlich mainten die werlt geboren vnd zurstoerlich seyn. vnd sagten das die menschen anfang der gepurt genomen hetten. Vnd die kriechischen hocherlewchten mann durch die die hystorien vnd geschichten versamelt worden sind. haben auch veriehen das vor anbegynen aller ding des himels vnd der erden dieweill noch yde ding beyaynander waren ein eynige form gewesen sey: vnd darnach nach absunderung vnd zerteylung der beyeinander gewesen puerde. die werlt dise ordnung vnd gestalt die wir sehen empfangen hab. Sie sagen das der in bewegnus stetiger lufft vnd feuerig tayl irer oberen stett von leichtheit wegen begert haben. vnd das auß diser vrfach die sunn vnd menig der stern in dem krais des ganzen geschoepffs vmbgetragen werden. Aber der tunckel vnd irdisch teyl sey mitsambt den feuechten dingen an die nidersten ort von swerheit wegen abgestigen: nach dem aber dise ding wermischt waren so wer auß den feuechten das mer. vnd auß den hertten dingen. das lettig vnd gantz weich ertreich worden. Als aber das ertreich erstlich auß hitz der sunnen dicker worden wer vnd dar in faulfeuechtigkeiten mit dynnen hewtlein bedeckett erwuchsen do wer alßdann von solcher pfuetschen mancherlay gestalt der lebenden entstanden. vnd die, die souill merer wirm empfangen hetten gerieten zu gefluegele hin in die obern gegent. Aber die trucknere vnd schwerere warden zu krychenden vnd irdischen thieren. die ding die ein wasserige natur erlangt hetten warden in das element ires geschlechts getragen. Als nw darnach das ertreich auß hitz der sunen vnd von den winden duerr worden was da warden mit versamelter vermischung manlichs vnd frewlichs geschlechts volkunner dig geboren. diss bezewgt euripides tragicus ein iunger anaxagore des natuerlichen maisters. Sie sprechen in der selben weis die menschen von anfang geporen in den felderen die wayd suchende eins wilden vnd vngeordenten lebens gelebt. den die krewter vnd fruecht der bawm williglich narung geraicht haben. Aber wiewoll wir gar vil nit allain lateinisch vnd kriechisch sunder auch Caldeysch vnd hebreysch alt vnd new gelert sehen die zu erzelung diss dings geschriben haben. So woellen wir doch die alten irthum verlassen vnd beschawen die verporgen mosayschen schrifften von der werlt geschoepff vnd von den wercken der sechs tag sagende. dar in die heimlichen ding der gantzen natur begriffen werden. Dan Moyses der prophet ein vater der geschichtbeschreiber gottes vol: vnd auß himlischer dichtung des heiligen geistes des maisters der gantzen warheit hat dise ding alle begriffen. dem nit allain die vnsern. sunder die seinen vnd auch die heydnischen gezeuegnus seiner menschlichen weyshait vnd erfarung aller lere. vnd schrifft gegeben haben. Von den Salomon in seinen buch der weysheit als ein außleger der natur der wesenden ding: veriehen hat. das er soelche lere von den inneren dingen des gesetzs moysi genomen hab. Diser ist (als Lucas vnd Philon bey den unseren fast tapfer lerer sagen) In aller lere der egyptier hoherfaren gewest. So spricht Hermippus das Pitagoras vil dings in sein philosophey auß den mosayschen gesetz gewendt hab. Numenius philosophus sagt. nichts anders platonen sein dann den atticischen moysen. den in dem anfang seins wercks. von der natur. von dem geschoepff der gantzen werlt sind gleich als eckere oder felder eins schatzs aller warer weysheit vergraben: vnd diss ist erstlich beschehen an dem ende do er von aller dinge außflus auß got. von dem stapfel. von der zale. von der ordenung der werntlichen teill also hoh vnd weyslich redet. Darumb was es bey den alten hebreyschen ein gesetz ( des auch Jeronimus gedenckt) das niemant dan der zeitigs alters wer zu diser beschoepfung der werlt raichen solt. Was aber die heiligsten mann Ambrosius vnd Augustinus. Item Strabo vnd Beda vnd Remigius. Vnd auß den iungeren Egidius vnd Albertus. vnd auch bey den kreichischen Philon Origenes Basilius Theodorus Appolinarius Didimus Gernadius Chrisostomus etc. vber diss buch geschriben haben das wirt von vns gantz vnberuet bleiben. Auch woellen wir von den dingen die Jonethes oder anchelos oder Simeon der alt in Caldeyschen gezueng: oder auß den hebreyschen Eleazadus Aba Joannes Neonius ysaac Josephus Gerfonides Sadias Abraham etc. haben beschriben hie bey keyn meldung thun sunder in gestalt kurtzer beschreibung auß den propheten moyse einfueren die ordenung der sechs tag von gotlichem geschoepff der werlt. do von in den verporgen schrifften des heiligen glawbens meldung geschicht. Als nw got das geschoepff der werlt gemacht hett do hot er den ersten vnd groesisten sun fuergesetzt dem vnermessen werck vnd sich des selben als eins radtgeber vnd werckmeisters in ertrachtung. zierung vnd machung der ding gepraucht. Dann der selb ist an kluegheit vnd vernunfft vnd macht volkummen. Es ist auch zefragen warauß got dise so grosse vnd so wunderperliche ding gemacht hab. dann er hat alle ding gemacht auß nichten. daruemb ist gar uil gerechter vngeachtet der vnentpfintlichen vnd eiteln ding die augen do hin zu wenden da der stul. da die wonung des waren gottes ist. der das ertreich mit bestendiger vestikeit. auffgehenckt den himel mit scheinenden sternen vnderschiden die allerclarsten sunnen vnd ainig liecht zu beweysung seiner ainigen mayestat den menschlichen dingen angezuendet. das ertreich mit dem mere vmbringet. die wasserflues mit ewigen abfal zefliessen gebotten vnd den felderen sich auß zepraiten. den talleren sich zesencken. den walden sich mit lawbgewachs zebedecken. vnd die staynigen perg auffzesteigen verschaffet hat. Aber dise ding alle hat nit der Jupiter gemacht sunder der werckmeister der werlt der vrsprung des pesseren der genent wirt got. des anfang nit mag begriffen noch auch sol gesucht werden. Gnug ist den menschen zu volkumner klugheyt so er (das got sey) versteet vnd annimbt vnd eret den gemainen geperer menschlichs geschlechts vnd den pawmeister wunderperlicher ding. Die alten haben von dreyerlay werlt gesagt. von der obersten als der englischen oder vberuerstentlichen. von der himlischen. vnd von der vnder den monde. dar inn wir wonen. diss ist die werlt der finsternus. Aber ihene des lichts der himel wirt von licht vnd finsternus gemaßigt. On diese drey ist noch ein vierde werlt in der auch alle die ding die in den anderen werlten sindt gefunden werden vnd diß ist der mensch. In der schul ist ein gemains spruchwort das der mensch die kleine werlt sey. dar inn ein auß den elementen vermischter leib vnd himlischer gaist vnd die wachsende sele der pflantzen. vnd die sinlichkeit der vnuernueftigen thier vnd die vernunfft vnd englisch gemuet vnd gotes gleichnus gesehen wirdt. Von disen dreyen werlten hat moyses genugsamlich gesagt als got die geordent hat in massen im auch (als wir lesen) auff den perg do er das gelernt hat gepotten ward alle ding nach den ebenpild das er auff dem perg sahe zemachen. Was nw der mosaysch buchstab von den volbrachten wercken der sechs tag lere: das wollen wir kuertzlichen erzelen.
Das linke Blatt dieser Seite zeigt den Schluss des alphabetischen Registers der Schedelschen Weltchronik — konkret die Buchstaben V, W, X, Y, Z (Hinweis der Transkription: die alphabetische Ordnung richtet sich lediglich nach den ersten beiden Buchstaben; ein Eintrag kann sich auch auf der Folgeseite befinden, da die Blattzählung des Druckwerks abweicht). Das Register verzeichnet über tausend Einträge zu Personen, Orten, Ereignissen und Wundern mit Verweis auf die jeweilige Blattzahl (Folio) — zum Beispiel „Wien, Stadt in Österreich, wann und von wem sie erbaut worden sei: Folio XCVI (96)“, „Wilhelm, Graf zu Holland, römischer Kaiser: Folio CCXII (212)“, „Walpurgis, eine heilige Jungfrau: Folio CLXXII (172)“, oder „Zoroaster hat bei seiner Geburt gelacht: Folio XXII (22)“. Auf diesen Blattzahlen beruht das zeitgenössische Querverweissystem des Werks. Auf dem rechten Blatt beginnt die eigentliche Chronik mit der Vorrede auf „Folio I“: Ein kurze Beschreibung des Werks der sechs Tage von der Erschaffung der Welt. Vorrede. Folio I. Bei den allergelehrtesten und vornehmsten Männern, die die wahre Natur und Geschichte beschrieben haben, gibt es über die Erschaffung der Welt und den ersten Ursprung der Menschen zweierlei Auffassungen. Wir wollen davon den Anfang nehmen und, soweit es solch weit zurückliegenden Dingen zukommt, möglichst knapp schreiben. Einige meinten, die Welt sei ungeboren und unzerstörbar, und das menschliche Geschlecht sei von Ewigkeit her gewesen und habe keinen ersten Ursprung gehabt. Andere meinten, die Welt sei geschaffen und vergänglich, und die Menschen hätten einen Anfang ihrer Geburt genommen. Auch die griechischen hochgelehrten Männer, durch die die Geschichten gesammelt wurden, haben bekannt: vor dem Anbeginn aller Dinge, Himmels und der Erde, als noch alle Dinge beieinander waren, sei eine einzige Gestalt gewesen; erst nach der Absonderung und Teilung der bis dahin miteinander verbundenen Materie habe die Welt jene Ordnung und Gestalt empfangen, die wir heute sehen. Sie sagen: der sich ständig bewegende und feurige Teil habe wegen seiner Leichtigkeit nach oben gestrebt, und aus diesem Grund würden Sonne und die Vielzahl der Sterne im Kreis des ganzen Geschöpfes umgetragen. Der dunkle und irdische Teil aber sei mit den feuchten Dingen wegen ihrer Schwere in die untersten Orte abgesunken. Nachdem sich diese Dinge vermischt hatten, wurde aus dem Feuchten das Meer und aus den harten Dingen das lehmige und noch ganz weiche Erdreich. Als nun das Erdreich durch die Hitze der Sonne dicker geworden war und in ihm feuchte Faulnisse, von dünnen Häutchen bedeckt, aufwuchsen, da entstanden aus solchen Pfützen mancherlei Gestalten lebendiger Wesen. Diejenigen, die viel mehr Wärme empfangen hatten, wurden zu Geflügel und stiegen in die oberen Regionen auf. Die trockeneren und schwereren wurden zu kriechenden und irdischen Tieren. Die Wesen mit wässriger Natur wurden in das Element ihrer Art getragen. Als dann das Erdreich durch die Hitze der Sonne und durch die Winde dürr geworden war, wurden durch die Vermischung männlichen und weiblichen Geschlechts vollkommene Wesen geboren. Dies bezeugt Euripides der Tragiker, ein Schüler des Naturphilosophen Anaxagoras. Sie sagen: die Menschen, so anfangs in den Feldern geboren, lebten ein wildes und ungeordnetes Leben auf der Suche nach Weide, und Kräuter und Baumfrüchte boten ihnen bereitwillig Nahrung. Obwohl wir nun viele Gelehrte sehen, die — nicht nur in Lateinisch und Griechisch, sondern auch in Chaldäisch und Hebräisch, alte wie neue — über diesen Gegenstand geschrieben haben, wollen wir doch die alten Irrtümer beiseitelassen und uns den verborgenen mosaischen Schriften zuwenden, die von der Erschaffung der Welt und den Werken der sechs Tage sprechen — Schriften, in denen die verborgenen Dinge der gesamten Natur begriffen sind. Denn Moses der Prophet, ein Vater der Geschichtsschreibung, erfüllt von Gott und aus himmlischer Eingebung des Heiligen Geistes, des Meisters aller Wahrheit, hat all diese Dinge erfasst. Ihm haben nicht nur die Unsrigen, sondern auch die Seinen und selbst die Heiden Zeugnis gegeben für seine menschliche Weisheit und seine Erfahrung in aller Lehre und Schrift. Von ihm hat Salomo in seinem Buch der Weisheit als Ausleger der Natur der seienden Dinge bekannt, dass er solche Lehre aus den inneren Dingen des Gesetzes Moses’ genommen habe. Dieser (so sagen Lukas und Philon, bei den Unsrigen ganz vortreffliche Lehrer) war in aller Lehre der Ägypter wohlerfahren. Hermippus sagt, Pythagoras habe vieles aus dem mosaischen Gesetz in seine Philosophie übernommen. Der Philosoph Numenius sagt: Platon sei nichts anderes als ein „attischer Moses“. Denn am Anfang seines Werkes „Über die Natur“ und über die Erschaffung der ganzen Welt liegen gleichsam wie Äcker oder Felder die Schätze aller wahren Weisheit vergraben — besonders dort, wo er vom Hervorgehen aller Dinge aus Gott, von den Stufen des Seins, von der Zahl und von der Ordnung der weltlichen Teile so hoch und weise spricht. Darum galt bei den alten Hebräern das Gesetz (auch Hieronymus erwähnt es), dass niemand zu dieser Weltschöpfungslehre gelangen dürfe, der nicht reifen Alters sei. Was die heiligsten Männer Ambrosius und Augustinus, Strabo, Beda und Remigius und von den Jüngeren Ägidius und Albertus sowie bei den Griechen Philon, Origenes, Basilius, Theodor, Apollinarius, Didymus, Gennadius, Chrysostomus usw. über dieses Buch geschrieben haben, das bleibt von uns ganz unberührt. Ebenso wollen wir die Dinge, die Jonathan oder Onkelos oder Simeon der Alte in chaldäischer Sprache oder die Hebräer Eleazar, Abba, Johannes Neonius, Isaak, Josephus, Gersonides, Sa’adia, Abraham usw. beschrieben haben, hier nicht erwähnen, sondern in Form einer kurzen Darstellung aus dem Propheten Moses die Ordnung der sechs Tage der göttlichen Welterschaffung darstellen, wie in den verborgenen Schriften des heiligen Glaubens darüber berichtet wird. Als nun Gott das Werk der Weltschöpfung unternahm, setzte er den ersten und größten Sohn an die Spitze des unermesslichen Werkes und gebrauchte ihn als Ratgeber und Werkmeister beim Durchdenken, Schmücken und Hervorbringen der Dinge. Denn dieser ist vollkommen an Klugheit, Vernunft und Macht. Es ist auch zu fragen, aus welchem Stoff Gott diese so großen und wunderbaren Dinge gemacht habe. Er hat nämlich alle Dinge aus dem Nichts erschaffen. Darum ist es umso gerechter, ungeachtet der unempfindlichen und eitlen Dinge die Augen dorthin zu wenden, wo der Thron und die Wohnung des wahren Gottes ist — der die Erde mit beständiger Festigkeit aufgehängt, den Himmel mit leuchtenden Sternen gegliedert, die allerklarste Sonne als einziges Licht zum Beweis seiner einzigen Majestät für die menschlichen Dinge angezündet hat, der die Erde mit dem Meer umringt, den Wasserflüssen befohlen hat, in ewigem Abfluss zu strömen, der den Feldern geboten hat, sich auszubreiten, den Tälern, sich zu senken, den Wäldern, sich mit Laubgewächs zu bedecken, und den steinigen Bergen, sich emporzuheben. All diese Dinge aber hat nicht Jupiter gemacht, sondern der Werkmeister der Welt, der Ursprung alles Besseren, der Gott genannt wird — dessen Anfang nicht begriffen werden kann und auch nicht gesucht werden soll. Es genügt dem Menschen zu vollkommener Klugheit, wenn er versteht und annimmt, dass er Gott ist, und den gemeinsamen Erzeuger des menschlichen Geschlechts und den Baumeister der wunderbaren Dinge ehrt. Die Alten haben von dreierlei Welten gesprochen: von der obersten, der englischen oder überverständlichen; von der himmlischen; und von der unter dem Mond, in der wir wohnen. Diese ist die Welt der Finsternis. Jene aber, die Welt des Lichts, ist der Himmel; er wird von Licht und Finsternis gemäßigt. Neben diesen dreien gibt es noch eine vierte Welt, in der sich auch alle Dinge finden, die in den anderen Welten sind: und das ist der Mensch. In der Schule gibt es ein geläufiges Sprichwort: der Mensch sei die „kleine Welt“ (Mikrokosmos) — in ihm sehe man einen aus den Elementen vermischten Leib, einen himmlischen Geist, die wachsende Seele der Pflanzen, die Sinnlichkeit der unvernünftigen Tiere, die Vernunft und engelhafte Gesinnung und das Ebenbild Gottes. Von diesen drei (bzw. vier) Welten hat Moses hinreichend gesprochen, wie Gott sie geordnet hat — in derselben Weise, in der ihm (wie wir lesen) auf dem Berg geboten wurde, alle Dinge nach dem Vorbild zu gestalten, das er auf dem Berg gesehen hatte. Was nun die mosaische Schrift von den vollbrachten Werken der sechs Tage lehrt, das wollen wir im Folgenden kurz erzählen.