Schedelsche Weltchronik · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
center Blat II In dem anfang hat got beschaffen himel vnd erden aber die erde was eytel vnd lere vnd die finsternus waren auff dem antlitz des abgrunds vnd der gaist des herren swebet oder ward getragen ob den wassern. Moyses der gottlich prophet vnd geschicht beschreiber der schier. vijc. iar vor dem Troyanischen krieg gewest ist leret wie got der macher vnd ordner der ding als er diss werck fuername zu allererst den himel zeseyn einen stul des selben gottes des schoepffers gemacht vnd in die hoehe auffgehenckt vnd dar nach die erden gestifftet vnd den himel vnderworffen hat. Aber die finsternuessen hat er gesetzt in der erden dann sie begreuefft durch sich selbs nichtzit des liechts sie nemme es dann vom himel. In dez hat er gesetzt das ewig liecht vnd die obern gaist vnd das ewig leben. vnd hinwideruemb in der erden die finsternueß vnd die vndern gaist vnd den tod. Aber in dem das Moyses spricht das got beschaffen hab so stelt er damit ab drey irrung Platonis Aristotilis vnd Epicuri. dann Plato hielt das got vnd die vorpildnus oder gestaltnuß seiner geschoepff vnd yle von ewigkeit gewessen vnd im anfang die werlt von den selben yle gemacht worden wer. Die kriechen sprechen yle sey die erst vngeformt materi auß der: alle ding geschoepfft: vnd dise sichtpere element die sich mit etlicher eintrechtigleit einander vergleichen geformt. oder (als die andern sprechen) von der materi vnd form. oder von den aller dynnisten staub in der sunnen glantz erscheinende gemacht seyen. Aber got hat die werlt on ainiche vorligende vnd vorberaite materi beschaffen. dan er was zu ertrachten der allekluegst vnd zemachen der allersinnreichst ee dann er das werck der werlt fuername wann in im was dar brunn des volkummen vnd volbrachten guts das von den sellen guot als ein pach entspruenge. Er hat in anfang die engel. aller creatur die ersten gemacht vnd auß dem das nicht ist. dann er ist durch die ewigkeit starck. vnd durch die stercke vnermeßner machtigkeit. die des ends vnd der maß mangelt. als das leben des schoepffers. Daruemb was wunders ist das. ob der. der die werlt machen wolt vorhin ein materi darauß er machet fuerberaittet. auß dem das nit was. das haben villeicht auch die Saraceni verstanden. die sprechen das die engel von got auß den finsternussen zum liecht gefuert vnd mit ewiger frewd erfuelt seinen doch ist in etlichen die einpildung goettliches stammens nit bliben. sunder sie sind auß aigner verkerung vom guotten zum vbel getretten vnd zu teuefeln worden. Die erde was eytel. das ist (als Jeronimus oder die. lxx. außlegen) vnsyhtperlich vnd vnzesamen gefuegt. die er von irer zestrewlichkeit wegen einen abgrund nennet. vnd die die kriechyschen chaos haissen einen abgrund. heist er die erden. das ist ein materi mit driueltiger ermessung in die allerhohsten tieff außgepraittet. Da von auch Ouidius der poet in seinen gedicht gar schoen meldung thuet. vnd der gaist des herren ein werckzewg gotlicher kunst swebet ob den wassern: als der wil eins pawherren so er yde ding zemachen verordent. so die werck gottes volkomen sind. so wirdt die beschoepffung der ding außgedrueckt in sechser zall. des teill sind. ains zway drey. Nwn zaygt Moyses durch die werck der sechs tag nemlich in den ersten die beschoepfung. In dem andern vnd dritten die ordnung oder schickung. vnd in den andern die zierung.
Im Anfang hat Gott Himmel und Erde erschaffen; aber die Erde war öde und leer, und die Finsternis war auf dem Angesicht des Abgrunds, und der Geist des Herrn schwebte über den Wassern. Moses, der göttliche Prophet und Geschichtsschreiber, der ungefähr 700 Jahre vor dem Trojanischen Krieg lebte, lehrt, wie Gott, der Schöpfer und Ordner der Dinge, als er dieses Werk unternahm, zuallererst den Himmel als einen Thron desselben Gottes, des Schöpfers, machte und in die Höhe aufhängte und danach die Erde gründete und dem Himmel unterwarf. Aber die Finsternisse setzte er auf die Erde, denn sie empfängt aus sich selbst kein Licht, es sei denn vom Himmel. Darin hat er das ewige Licht und die oberen Geister und das ewige Leben gesetzt; und wiederum auf der Erde die Finsternis und die unteren Geister und den Tod. Aber indem Moses spricht, dass Gott erschaffen habe, so widerlegt er damit drei Irrtümer Platos, Aristoteles' und Epikurs. Denn Plato vertrat, dass Gott und die Urbilder oder Gestalten seiner Geschöpfe und die Hyle von Ewigkeit her gewesen seien und am Anfang die Welt aus derselben Hyle gemacht worden sei. Die Griechen sagen, Hyle sei die erste ungeformte Materie, aus der alle Dinge erschaffen und diese sichtbaren Elemente, die sich mit einiger Eintracht einander vergleichen, geformt, oder (wie die anderen sagen) aus Materie und Form, oder aus dem allerfeinsten Staub, der im Sonnenglanz erscheint, gemacht seien. Aber Gott hat die Welt ohne irgendeine vorliegende und vorbereitete Materie erschaffen, denn er war, was das Denken betrifft, der Allklügste und, was das Schaffen betrifft, der Allersinnreichste, ehe er das Werk der Welt unternahm; denn in ihm war der Brunnen des vollkommenen und vollbrachten Guten, das von dem selben Gut wie ein Bach entsprang. Er hat am Anfang die Engel, die ersten aller Kreaturen, gemacht und aus dem, was nicht ist; denn er ist durch die Ewigkeit stark und durch die Stärke unermesslicher Macht, der es an Ende und Maß mangelt, wie das Leben des Schöpfers. Darum, was ist es für ein Wunder, wenn der, der die Welt erschaffen wollte, zuvor eine Materie, aus der er sie machte, vorbereitete, und zwar aus dem Nichts? Das haben vielleicht auch die Sarazenen verstanden, die sagen, dass die Engel von Gott aus den Finsternissen zum Licht geführt und mit ewiger Freude erfüllt seien; doch ist in etlichen die Einbildung göttlichen Stammes nicht geblieben, sondern sie sind aus eigener Verkehrung vom Guten zum Übel getreten und zu Teufeln geworden. Die Erde war öde, das ist (wie Hieronymus oder die LXX auslegen) unsichtbar und ungefügt. Die er wegen ihrer Zerstreutheit einen Abgrund nennt. Und das, was die Griechen Chaos nennen, einen Abgrund, das nennt er die Erde. Das ist eine Materie mit dreifacher Ausdehnung in die allerhöchste Tiefe ausgebreitet. Davon auch Ovid, der Poet, in seinen Gedichten sehr schön Meldung tut. Und der Geist des Herrn, ein Werkzeug göttlicher Kunst, schwebt über den Wassern, wie der Wille eines Bauherrn, wenn er jedes Ding zu machen verordnet. So die Werke Gottes vollkommen sind, so wird die Erschaffung der Dinge ausgedrückt in sechsfacher Zahl, deren Teile sind: eins, zwei, drei. Nun zeigt Moses durch die Werke der sechs Tage, nämlich am ersten Tag die Erschaffung, in dem zweiten und dritten die Ordnung oder Schickung, und in den übrigen Tagen die Zierde.