Erster Tag · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Vom werck des ersten tags Vnd got sprach. Es werd das liecht. vnd das liecht ist worden. vnd got sahe das liecht das es guot wer vnd teylet das liecht von den finsternussen. vnd nennet das liecht den tag vnd die finsternus die nacht. vnd abent vnd fruee ist worden ein tag. moyses hat ein wunderperlich kunstwerck von goetlicher vnd nit menschlicher emßikeit den heimlichkeiten der gantzen natur schickerlich gezimmende gezaigt in seinem buch. das alle lere vnd auß prechlichkeit vnd sinnreichikeit vbertrifft. dann der glori wirdig got (der das war liecht ist) vnd das liecht liebett hat alle ding im liecht machende. das geschoepff der werlt am liecht gar recht angefangen. vnd die selben an dreyen tagen bis an den vierden (dar an die grossen liecht geformt sind) in iren vmkreis einen naturlichen tag volbracht. Diss ist vnder allen leiplichen dingen das edelst. vnd der geistlichen creatur das nehest vnd das allerbest. das sein schone allermeist gemainsam macht. so doch der allerkleynst punct der gantzen werlt krais erfuellt. daruemb allein das liecht ist das do mit die gantzen werlt guot vnd huepsch ist. durch vnraine ding on zerstoerung geende. vnd billich sahe er das liecht das es guot were. wann das liecht ist nichtz anders dann ein pildnus vnd zarte oder dynne vnd beschatliche gleichnus des ersten guots. als nw der gaist diese wasser zohe vnd den vnderwurff durchgienge. do ist auß gepiete gottes des werckmeisters entsprungen. das liecht. die zierde vnd der schein als ein liechter wolken die obern teil mit seiner clarheit erlewchtenden. (wie in den morgen des herprechenden sunnen glantz gewoenlich beschicht) in gestalt der sunnen geuebet oben vnd vnden den halben himel bescheinende. vnd darnach hat er abgesundert das die finsternus vnd das liecht vnderschiden halbhimel emisperia genant haben solten. das liecht hies er den tag von der clarheit. die die finsternus rainigt. vnd die finsternus von beschedigung die nacht. das die augen nit sehen soltten. nach ermessung diser teil hat er gemacht tag vnd nacht. da bey das gemercke des ewigen vmbkreis vnd laufs der zeit vnd iar besteen solt. vnd es ist worden ein tag. der da was der erst tag der werlt. aber nit der erst aller tag. daruemb ist er nit der erst sunder ein tag genent. vnd also hat got an disem tag die vnfoermlich materi. die engel. die himel. das liecht. die erden das wasser vnd den luft etc. gemacht. vnd zwen ainander widerwertig vnd vnderschidlich teil der erden: als den auffgang vnd den nidergang gesetzt. der auffgang wird got zugeygent. dann er ist der prunn des liechtes vnd ein erlewchter aller ding. vnd der vns das ewig leben auffgeen machet. Aber der nidergang wirt dem zerstreitten entruesten vnd boßhafftigen gemuet zugeschriben. dann er verbirgt liecht vnd bringt alweg die finsternus vnd suechet die menschen zetoetten vnd zeuergeen in sunden. dann gleicherweis als das liecht von anfang entspringt vnd die vernunfft des lebens im liecht swebt also kuembt die finsternus vom nidergang. vnd der tod vnd niderfal werden begriffen in der finsternus. Darnach hat got die andern oerter nemlich des mittags vnd mitternacht in der selben gestalt außgemessen. die auch den vordern zwayen oertern mit verwantschaft zugesellet werden. dann das ort das von wirm der sunnen heißer ist das hangt den anfang allernechst an. aber das ort das in kelt vnd ewigen gefruest qualet ist des tails des letzsten nidergangs. wann als die finsternus dem liecht. also ist auch die kelt der wirm widerwertig. daruemb als die wirm dem liecht. also ist der mittag dem auffgang vnd die kelt der finsternus. also auch die mitternacht dem nidergang aller nehst. center Blat III Vom werck des andern tags Amm andern tag sprach got. Es werde das firmament in dem mittel der wasser: vnd taile die wasser von wasseren vnd er hies das firmament den himel. Got hat das firmament gescheibelt. beweglich. andere empfintliche ding begreiffende gemacht. vnd auß zesammen gerunnen wassern in gestalt des cristals befestigt. vnd dar inn das angeheft gestirne. Nw wirt die spera des himels mit den dar inn angehefften gestirne in zwaie axen (der eine die mitternachtlich vnd die ander die mittaglich hayßt (von auffgang in den nidergang mit soelcher schnellikeit vmbgeweltzt. das sye die werlt zerpreche wo die planeten mit iren gegenlawff sie nit verhinderten. vnd der werckmeister der werlt hat die natur des himels mit wassern gemessigt das sie mit der hitz des obern feuers die vndern element nit anzundete. Etlich lerer nit allein auß den vnsern sunder auch auß den hebreyschen vnd andern haben geglawbt das vber die speras der siben planeten. vnd vber die achten speram. die sie die vnirrenden nennen. vnd auch vber die newnten speram. die mit vernunft vnd nit mit entpfindung erraicht werden. vnd die erst vndter den beweglichen leiplichen dingen ist noch der zehend vnbeweglich bleibend vnd gerueig himel sey. in massen dem Isaac der weise einer auß den bemelten lerrern helt. das soelcher zehend himel von Ezechiele durch den zaphir in gleichnus eines throns bezaichent sey. Also das die farb des zaphirs den glantz des lichts vnd die gleichnus des throns die vnbeweglichkeit bedewtten solt. Aber widerzekomen auff den moysen. der das wasser von wassern teilet so ist dreyerlay teylung der leyplichen ding vnder den mond. Etlich sind ob der mitteln gegent des lufts. als der oberst teil desselben elements. vnd das allerlewterst feueer. vnd daselbst lawtere vnuermischte vnd rechte element. So sind ettliche vnder der mitteln fuerscheinenden stat des lufts. als bey vns. da dann kein lawters element ist. sunder alle element von faystikeit wegen des werltlichen leibs gemischt sind. da zwischen ist ein gegent des lufts auch das firmament genant. dar inn regen. schne. plitzen. tornersleg. cometen vnd der gleichen erscheiynen. daruemb gar recht vnderschaidet diss firmament. nit allain der gelegenheit. sunder auch der aygenschafft halben der natur die obern element von den vndern. als die wasser von den wassern. darob sind die element puer vnd lawter. aber darunder in volkomner vermischung von elementischer slechtigkeit obgesuenderet. vnd er hat das firmament himel geheißen. dann der bedeckt alle empfintliche vnd vnsichtpere ding.
Vom Werk des ersten Tages. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und das Licht ward. Und Gott sah das Licht, dass es gut war, und teilte das Licht von der Finsternis. Und er nannte das Licht den Tag und die Finsternis die Nacht. Und Abend und Morgen ward ein Tag. Moses hat in seinem Buch ein wunderbares Kunstwerk von göttlicher und nicht menschlicher Sorgfalt, den Geheimnissen der gesamten Natur passend, gezeigt, das alle Lehre, Ausgeprägtheit und Sinnreichtum übertrifft. Denn der der Ehre würdige Gott (der das wahre Licht ist) und das Licht liebt, hat alle Dinge im Licht erschaffen und die Schöpfung der Welt ganz richtig mit dem Licht begonnen. Und dieselben haben an drei Tagen bis zum vierten (an dem die großen Lichter geformt sind) in ihrem Umlauf einen natürlichen Tag vollbracht. Dies ist unter allen leiblichen Dingen das edelste und der geistlichen Kreatur das nächste und das allerbeste, das seine Schönheit am meisten gemein macht, obwohl doch der allerkleinste Punkt den ganzen Weltkreis erfüllt. Darum ist allein das Licht das, womit die ganze Welt gut und hübsch ist, durch unreine Dinge ohne Zerstörung gehend. Und billig sah er das Licht, dass es gut war. Denn das Licht ist nichts anderes als ein Bildnis und zartes oder dünnes und schattenhaftes Gleichnis des ersten Gutes. Als nun der Geist diese Wasser zog und den Unterwurf durchging, da ist aus dem Gebiete Gottes, des Werkmeisters, das Licht entsprungen, die Zierde und der Schein, als eine lichte Wolke die oberen Teile mit seiner Klarheit erleuchtend (wie im Morgen des hervorbrechenden Sonnenglanzes gewöhnlich geschieht), in Gestalt der Sonne geformt, oben und unten den halben Himmel bescheinend. Und darnach hat er abgesondert, dass die Finsternis und das Licht unterschiedliche Halbhimmel, emisperia genannt, haben sollten. Das Licht hieß er den Tag von der Klarheit, die die Finsternis reinigt, und die Finsternis von Beschädigung die Nacht, dass die Augen nicht sehen sollten. Nach Ermessung dieser Teile hat er Tag und Nacht gemacht, dabei das Merkmal des ewigen Umkreises und Laufs der Zeit und Jahre bestehen sollte. Und es ist ein Tag geworden, der da war der erste Tag der Welt, aber nicht der erste aller Tage. Darum ist er nicht der erste, sondern ein Tag genannt. Und also hat Gott an diesem Tag die unförmliche Materie, die Engel, die Himmel, das Licht, die Erde, das Wasser und die Luft etc. gemacht. Und zwei einander widerwärtige und unterschiedliche Teile der Erde, als den Aufgang und den Niedergang, gesetzt. Der Aufgang wird Gott zugeeignet, denn er ist der Brunnen des Lichtes und ein Erleuchter aller Dinge und der uns das ewige Leben aufgehen macht. Aber der Niedergang wird dem zerstrittenen, entrüsteten und boshaften Gemüt zugeschrieben, denn er verbirgt Licht und bringt allweg die Finsternis und sucht die Menschen zu töten und in Sünden zu vergehen. Denn gleichermaßen, als das Licht von Anfang entspringt und die Vernunft des Lebens im Licht schwebt, also kommt die Finsternis vom Niedergang. Und der Tod und Niederfall werden in der Finsternis begriffen. Darnach hat Gott die anderen Orte, nämlich des Mittags und der Mitternacht, in derselben Gestalt ausgemessen, die auch den vorderen zwei Orten mit Verwandtschaft zugesellt werden. Denn der Ort, der von Wärme der Sonne heißer ist, der hängt dem Anfang allernächst an. Aber der Ort, der in Kälte und ewigem Gefrost gequält ist, ist des Teils des letzten Niedergangs. Denn wie die Finsternis dem Licht, so ist auch die Kälte der Wärme widerwärtig. Darum, wie die Wärme dem Licht, so ist der Mittag dem Aufgang und die Kälte der Finsternis, also auch die Mitternacht dem Niedergang allernächst. Blatt III. Vom Werk des zweiten Tages. Am zweiten Tag sprach Gott: Es werde das Firmament inmitten der Wasser: und teile die Wasser von Wassern. Und er hieß das Firmament den Himmel. Gott hat das Firmament kugelförmig, beweglich, andere empfindliche Dinge begreifend gemacht und aus zusammengeronnenen Wassern in Gestalt des Kristalls befestigt und darin das angeheftete Gestirn. Nun wird die Sphäre des Himmels mit den darin angehefteten Gestirnen in zwei Achsen (die eine die mitternächtliche und die andere die mittägliche heißt) vom Aufgang in den Niedergang mit solcher Schnelligkeit umgewälzt, dass sie die Welt zerbrechen würde, wo die Planeten mit ihrem Gegenlauf sie nicht verhinderten. Und der Werkmeister der Welt hat die Natur des Himmels mit Wassern gemäßigt, dass sie mit der Hitze des oberen Feuers die unteren Elemente nicht anzündete. Etliche Lehrer, nicht allein aus den unseren, sondern auch aus den hebräischen und anderen, haben geglaubt, dass über die Sphären der sieben Planeten und über die achte Sphäre, die sie die Unirrenden nennen, und auch über die neunte Sphäre, die mit Vernunft und nicht mit Empfindung erreicht werden und die erste unter den beweglichen leiblichen Dingen ist, noch der zehnte unbeweglich bleibende und ruhige Himmel sei. In der Weise, wie der weise Isaak, einer aus den bemeldeten Lehrern, hält, dass solcher zehnter Himmel von Ezechiel durch den Saphir in Gleichnis eines Thrones bezeichnet sei. Also dass die Farbe des Saphirs den Glanz des Lichts und die Gleichnis des Thrones die Unbeweglichkeit bedeuten sollte. Aber wiederzukommen auf Moses, der das Wasser von Wassern teilt: so ist dreierlei Teilung der leiblichen Dinge unter dem Mond. Etliche sind oberhalb der mittleren Gegend der Luft, als der oberste Teil desselben Elements und das allerlauterste Feuer, und daselbst lautere, unvermischte und rechte Elemente. So sind etliche unterhalb der mittleren, vorscheinenden Stätte der Luft, als bei uns, da dann kein lautereres Element ist, sondern alle Elemente von Feistigkeit wegen des weltlichen Leibes gemischt sind. Dazwischen ist eine Gegend der Luft, auch das Firmament genannt, darin Regen, Schnee, Blitze, Donnerschläge, Kometen und dergleichen erscheinen. Darum ganz recht unterscheidet dies Firmament, nicht allein der Gegebenheit, sondern auch der Eigenschaft halben der Natur, die oberen Elemente von den unteren, als die Wasser von den Wassern. Darob sind die Elemente pur und lauter, aber darunter in vollkommener Vermischung von elementarer Schlechtigkeit abgesondert. Und er hat das Firmament Himmel geheißen, denn der bedeckt alle empfindlichen und unsichtbaren Dinge.