Erster Tag · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Vom werck des dritten tags Amm dritten tag hat got die wasser vnder dem firmament an eine enige stat versamelt. vnd eß erschyne die trueckne. vnd got hieß die trueckne erden. aber die versamlung der wasser nennet er die meer. vnd got sahe das es guot was vnd sprach. Die erd sol geperen ein grunends vnd samenmachends krawt vnd ein frucht bringends apfelpawmholtz nach seinem geschlecht. Nach dem firmament vermanet er vns von der gentzigkeit. geleger vnd ordnung der element kuertzlich durch versamlung der wasser an ein stat vnd durch die zile den meer fuergesteckt das es die erden nit vberfiele. so nw kuenftig was das die etwan vnsychtlich erde vnder das gesycht komen solt. so was auch not das die wasser die vnder dem himel das ist vnder der miteln gegent des lufts sind an ein stat. das ist an ein gemaine vermischliche zusammenflueßung mit ordnungen vnd gestadten verwaret. versamelt werden solten. vnd also ist das: nit war das nyndert an enichen abgesuenderten vnd befloßnen enden wassere gefunden werden. dann das iuedisch meer wirt von den hircanischen meer. das hircanisch von dem adriatischen. das adriatisch von dem eurinischen meer. vnd dannoch sunst vnzelich fluoß der wasser. prunnen vnd see. durch verre von einander entlegne oerter geschiden. Aber darumb werden die wasser an ein ainige stat versamelt genant. dann die sundern vnd getailten versamlung der wasser des meres. oder der fluoß werden alle (als salomon spricht) sich zu den vrspruenglichen meer senckende in ein stat des meers versamelt. wenn aber die erde mit den guessen vberswelt wirt so ist sie vns weder nuetz noh sychtlich. sunder alßdenn vnßerm vnd des viehs geprauch fuegsam vnd fruchtbar so sie von meer weichende mer vnd mer vns zugesicht kombt. diss wirt hie gar offenperlich von moyse angezaigt. so er sie (als pald sie erscheint) ein gepererein der krewter vnd des lawbgewachs vnd der pawmen machet. so fueret er nach versamlung der wasser die erden herfuer als gruon vnd pluoende. aber er hat sie in dem mittel der werlt als ein centrum gesetzt vnd mit adern der metall. als mit gold. silber ertz. kupffer. zin. pley vnd eysen begabet. vnd mit allen geschlechten der krewter hohluostperlech in gruoner zeitigkeit als pald bekleidet. vnd die krewter haben samen. vnd die pawmen fast suesse frucht gepracht. Sie sagen auch das got an disem tag das paradeis. das ist den aller fruchtparsten vnd wunsamsten garten an allerlay geschlecht des holtz vnd der pawmen gemacht. vnd den mit aller wunsamkeit, der prunnen. der gruonenden erden vnd reichlich fruchttragender hoeltzer besetzet hab. center Blat IIII Vom werrck des vierden tags Amm vierden tag sprach got. Es sollen liechter in den firmament des himels werden vnd den tag vnd die nacht teilen. vnd zu zaichen. vnd zeiten vnd tagen vnd iaren sein. das sie scheinen in den firmament des himels vnd erlewchten die erden. vnd es ist also geschehen. vnd got hat gemacht zway grosse liecht. ein groessers liecht vorzesen den tag. vnd ein kleiners liecht vorzesein der naht. vnd die stern zetailen das liecht. vnd die finsternuß. Moyses gedenckt erstlich der himlischen ding die got gesetzt hat in den firmament zescheinen an den himel. vnd zeerlewchten die erden. als die sunnen. den mond vnd die stern. mit den der oberteil der werlt geziert wirdt. wie die erde mit den dingen die in ir werden. dann nach den er von der natur des firmaments geredt het. so gespuert ime nachuolgend von den wercken des gestirns vnd von irem ampt zesagen mit erklerung. zu welcherlay vbung vnd geprauch sie gestifft vnd zu was wuerkung sie von got gesand seyn. Der himlischem leiplichen ding sind zwu offenbar wurckung in die werlt. nemlich die bewegnus vnd die erlewchtung. So sind der bewegnus zwu. Eine der gantzen werlt do mit der himel vnd die spera des lufts vnd feuers in. xxiiÿ. stunden durch den gantzen krais der werlt mit volkonnem vmblawff bewegt werden. Die ander bewegnus ist des gestirns. vnd ist aigen. vilfeltig vnd mancherlay. vnder den selben ist die bewegnus der sunnen die fuernamst. dann die sunn vmblawfft in xÿ. monaten den zirckel aller zaichen. die sunn macht den tag. so macht der lawff der sunnen durch den selben zirckel ein iar. Die andern bewegnussen des gestirns werden in mancherlay zwischenfallender zeit verbracht. Daruemb garschickerlich hat vns moyses kuertzlich diser ding aller vermanet sprechende. das die gestirn in dem firmament gesetzt sein zu tagen. iaren vnd zeitten. dar zu hat er auch gar lawter angezaigt die andern wurckung der gestirne. die ist die erlewchtung. so er sagt das die gesetzt seyen zescheinen amm hymel vnd zeerlewchten die erden. daruemb zu solchen dinstperkeiten sind die leib des monds. der sunnen vnd der sternn außgetailt. vnd wiewol die sunn die im tag aufgeet einig allain ist yedoch ist sie ein wars liecht volkunner voelligkeit. die mit fuerderlichster wirm vnd allerclarsten schein alle ding erlewchtet. dann wiewol man vnzalich sterne schimern vnd glentzen sihet. nach den sie aber doch nit voellige vnd feste liecht sind. so raichen sie kain wirm von ine vnd muegen auch mit irer menig die finsternus nicht vberwinden. daruemb so werden zway fuename ding gefunden die mancherlay vnd aneinander widerwertigen gewalt haben. nemlich wirm vnd feuechigkeit die got wunderperlich zu auffenthaltung vnd geperung aller ding erdacht hat. Hie bey weren gar hohfrage zefueren vnd von yder ein rechts buch zemachen wie vnd welcher maß dise gestirne in dem firmament weren. auch welche geschoepff in irem adel vnd wirde die andern vbertreffen vnd von verrer art. aigenschafft. wurkung vnd natur des gestirns. auch von den ihenen die sich darauß verkundung künftiger ding geprauchen. so wil doch weder stat noch zeit gedulden lenger do von zeschreyben.
Vom Werk des dritten Tages. Am dritten Tag hat Gott die Wasser unter dem Firmament an einer einzigen Stätte versammelt, und es erschien das Trockene. Und Gott nannte das Trockene Erde, aber die Versammlung der Wasser nannte er die Meere. Und Gott sah, dass es gut war, und sprach: „Die Erde soll hervorbringen grünes und samenbildendes Kraut und fruchttragendes Baumholz nach seiner Art.“ Nach dem Firmament erinnert er uns kurz an die Ganzheit, Lage und Ordnung der Elemente durch die Versammlung der Wasser an einer Stätte und durch die dem Meer vorgesteckten Grenzen, damit es die Erde nicht überflute. Da es nun zukünftig war, dass die einst unsichtbare Erde sichtbar werden sollte, so war es auch notwendig, dass die Wasser, die unter dem Himmel, das heißt unter der mittleren Region der Luft sind, an einer Stätte, das heißt in einer allgemeinen, vermischbaren Zusammenfließung, mit Ordnungen und Ufern bewahrt, versammelt werden sollten. Und so ist es: Es ist nicht wahr, dass nirgendwo an irgendwelchen abgesonderten und umschlossenen Enden Gewässer gefunden werden. Denn das Judäische Meer wird vom Hyrkanischen Meer, das Hyrkanische vom Adriatischen, das Adriatische vom Eurinischen Meer [getrennt]. Und dennoch sind sonst unzählige Flüsse, Brunnen und Seen durch weit voneinander entfernte Orte geschieden. Aber darum werden die Wasser als an einer einzigen Stätte versammelt genannt, denn die einzelnen und geteilten Versammlungen der Wasser des Meeres oder der Flüsse werden alle (wie Salomon spricht), sich zu den ursprünglichen Meeren senkend, an einer Stätte des Meeres versammelt. Wenn aber die Erde mit den Wassergüssen überschwemmt wird, so ist sie uns weder nützlich noch sichtbar, sondern erst dann unserem und des Viehs Gebrauch fügsam und fruchtbar, wenn sie, vom Meer weichend, mehr und mehr uns zu Gesicht kommt. Dies wird hier ganz offenbar von Mose angezeigt, indem er sie (sobald sie erscheint) zu einer Gebärerin der Kräuter und des Laubgewächses und der Bäume macht. So führt er nach der Versammlung der Wasser die Erde hervor als grün und blühend. Aber er hat sie in die Mitte der Welt als ein Zentrum gesetzt und mit Adern der Metalle, wie mit Gold, Silber, Erz, Kupfer, Zinn, Blei und Eisen begabt, und mit allen Geschlechtern der Kräuter hochlustbringend in grüner Zeitigkeit sogleich bekleidet. Und die Kräuter haben Samen, und die Bäume haben sehr süße Frucht gebracht. Sie sagen auch, dass Gott an diesem Tag das Paradies, das ist den allerfruchtbarsten und wonnesamsten Garten an allerlei Geschlecht des Holzes und der Bäume gemacht und ihn mit aller Wonne, der Brunnen, der grünenden Erden und reichlich fruchttragender Hölzer besetzt habe. Blatt IIII. Vom Werk des vierten Tages. Am vierten Tag sprach Gott: „Es sollen Lichter am Firmament des Himmels werden und den Tag und die Nacht teilen, und zu Zeichen und Zeiten und Tagen und Jahren sein, dass sie am Firmament des Himmels scheinen und die Erde erleuchten.“ Und es ist also geschehen. Und Gott hat zwei große Lichter gemacht: ein größeres Licht, um den Tag zu beherrschen, und ein kleineres Licht, um die Nacht zu beherrschen, und die Sterne, um das Licht und die Finsternis zu teilen. Mose gedenkt erstlich der himmlischen Dinge, die Gott am Firmament gesetzt hat, um am Himmel zu scheinen und die Erde zu erleuchten, als die Sonne, den Mond und die Sterne, mit denen der obere Teil der Welt geziert wird, wie die Erde mit den Dingen, die in ihr sind. Denn nachdem er von der Natur des Firmaments geredet hatte, so gebührt ihm nachfolgend, von den Werken des Gestirns und von ihrem Amt zu sagen mit Erklärung, zu welcherlei Übung und Gebrauch sie gestiftet und zu welcher Wirkung sie von Gott gesandt sind. Der himmlischen leiblichen Dinge sind zwei offenbar wirkende Kräfte in die Welt, nämlich die Bewegung und die Erleuchtung. So sind der Bewegung zwei [Arten]: Eine der ganzen Welt, womit der Himmel und die Sphäre der Luft und des Feuers in 24 Stunden durch den ganzen Kreis der Welt mit vollkommenem Umlauf bewegt werden. Die andere Bewegung ist die des Gestirns und ist eigen, vielfältig und mancherlei. Unter denselben ist die Bewegung der Sonne die vornehmste, denn die Sonne umläuft in 12 Monaten den Zirkel aller Zeichen. Die Sonne macht den Tag, so macht der Lauf der Sonne durch denselben Zirkel ein Jahr. Die anderen Bewegungen des Gestirns werden in mancherlei zwischenfallender Zeit vollbracht. Darum hat uns Mose sehr geschickt kurz an all diese Dinge erinnert, sprechend, dass die Gestirne am Firmament gesetzt sind zu Tagen, Jahren und Zeiten. Dazu hat er auch ganz klar die anderen Wirkungen der Gestirne angezeigt, die ist die Erleuchtung, indem er sagt, dass sie gesetzt seien, um am Himmel zu scheinen und die Erde zu erleuchten. Darum sind zu solchen Dienstbarkeiten die Leiber des Mondes, der Sonne und der Sterne ausgeteilt. Und wiewohl die Sonne, die am Tag aufgeht, einzig allein ist, jedoch ist sie ein wahres Licht vollkommener Fülle, die mit förderlichster Wärme und allerklarstem Schein alle Dinge erleuchtet. Denn wiewohl man unzählige Sterne schimmern und glänzen sieht, nachdem sie aber doch nicht volle und feste Lichter sind, so reichen sie keine Wärme von sich und mögen auch mit ihrer Menge die Finsternis nicht überwinden. Darum werden zwei vornehme Dinge gefunden, die mancherlei und einander widerwärtige Gewalt haben, nämlich Wärme und Feuchtigkeit, die Gott wunderbar zur Aufrechterhaltung und Hervorbringung aller Dinge erdacht hat. Hierbei wären gar hohe Fragen zu stellen und von jedem ein ganzes Buch zu verfassen, wie und welchermaßen diese Gestirne am Firmament wären, auch welche Geschöpfe in ihrem Adel und ihrer Würde die anderen übertreffen, und von fernerer Art, Eigenschaft, Wirkung und Natur des Gestirns, auch von denen, die sich daraus zur Verkündung künftiger Dinge gebrauchen. So will doch weder Ort noch Zeit dulden, länger davon zu schreiben.