Fünfter Tag · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Vom werck des funfften tags Amm fuenfften tag hot got gesprochen. die wasser sollen bringen kriechends ding lebendiger sele vnd gefluegel auff die erden vnder dem firmament des himels. vnd got hat beschaffen groß walfische. vnd alle lebendige vnd bewegliche sele. die sye vasser brachten in ir gestalt. vnd alles gefluegel nach seinem geschlecht. vnd got sahe das es guot was. vnd hat die gesegnet sprechende. Ir soellet wachssen vnd gefilfeltigt werden vnd erfuellen die wasser des meers. vnd die fogel vilfeltigend sich ob dem ertreich. daruemb hat got an disem tag den lufft vnd das wasser gezieret. den luft mit den gefluegel. vnd die wasser mit den schwimmenden dingen: Es werden groß walfisch vnd wasser thier wunderlich vnd auß vberfluessigkeit irer feuechtigkeit groessere in dem mere gefunden. vnd was in einichem teil der natur gepornn wirt das ist auch (als man gemainlich helt) in dez meer. kund vnd offenbar sind die ding die von geberung der thier hernach folgen. dann noch den pflantzen sind geselte ding die in bewegnus vnd empfintlichkeit gemainsamen wie wol die pitagorici den pflantzen auch ein vnbruefende empfintlichkeit zuschreyben. vnd die selben geseleten ding werden hie von moyse. vnd in Thimeo in dreyerlay getailt. als in dez lufft in wassern und auff der erden wonende. ob man anders sprechen mag das das gefluegel im luft wone. wir wollen vermeiden die disputationn. in was gestat die lieb der thier auß den elementen oder wie die besamungen den naturen der ding von got eingepflantzt seien. oder ob das leben der vnuernunfftigen thier. von der materi. oder ob alles leben von gotlichem anfang her kome. als plotinus gar vestigklich helt. welcher mainung moyses an dem ort villeicht zufallende gesehen wirt. dann nach dem er gesprochen hat: die wasser sollen kriechends ding lebendiger sele bringen. do setzt er darnach hin zu. vnd got hat beschaffen alle lebendige selen. do moecht ymant nit allain das halten. das die wasser auß gottes geheyß geperen vnd das darnach auch got gepere. sunder auch das. das an dem ort do von dem werck gottes meldung geschicht geschriben steet. Got hat beschaffen ein lebendige sele. wo aber der wasser gedacht wirt do steet das nit. die sele. sunder ein kriechends lebentiger sele herfuergepracht werden sol. vnd wiewol moyses von dreyerlay thiren der erden in den nachfolgenden tag meldung thut so sind doch die allermaisten vnd groeßisten thier in dem meer der indier. vnd zuuor werden in dez meer grosse wunder thier an dem ort do sich die sunn wendet: gesehen. vnd daselbst durch die grossen wellen von den hohen pergen in das mer fallende auß tieff des mers vbersich auff den menschen zugesicht getriben. vnd vil wunderperlicher ding von den naturen der fogel vnd fisch an mancherlay enden teglich erfaren. center Blat V Vom werck des sechsten tags Amm sechsten tag sprach got die erde soll bringen ein lebendige sele. die thier vnd die kriechenden vnd die wilden thier der erden nach irer gestalt. vnd got sahe das es guot was vnd sprach. machen wir einen menschen zu vnßer pildnus vnd gleichnus. vnd er sol vorsein den vischen des meers vnd den gefluegel des himels vnd den thiern aller erden. vnd got hat beschaffen den menschen zuo seiner der pildnus vnd gleichnus. Als nw got die obern teil der werlt geziert het do zieret er zu letzt am sechsten tag die erden mit den geschlechten der thier. Vnder den thiern der erden bedenckt Moyses dreier. als iohthier kriechende vnd wildthier. da bey er vns dreyerley vnderschid der vnuernueftigen thier in gemain zeerkennen gibt. dann diss sind wildthier die in volkomner fantesey vnd einpildnus wesende die mitteln stat vnder den vnuernueftigen thieren halten vnd kuennen doch von den menschen nit gezamet noch pendig gemacht werden. So sind kriechende thier die vnuolkumene fantesey vnd einpildnus. als die mitteln zwischen den vihe vnd pflantzen haben. Es sind auch iohthier die doch wiewol sie der vernuft mangeln menschlicher zucht etlicher maß fahig sind. vnd scheinen etwas der vernuft teilheftig zesein schir ein mittele art oder aigenschafft zwischen dem vihe vnd den menschen habende. Nw hat got geschafft das grosse vnd kleinere thier mancherlei geschlechtz vngleicher form werden solten. vnd sind yder thier worden bede mendlein vnd freuelein. auß welcher besamung der lufft vnd die erde vnd das meer erfueltt worden sind. vnd got hat ine allen von geschlecht zu geschlecht narung von der erden geben. das sie den menschen zu nutz vnd geprauch. als etlich zu speysung. vnd ettlich zebeklaidung gedienen moechten. vnd die die groesserer sterck vnd krefft weren zu erpawung des erdreichs helfen solten. Bisher ist von dreyen. als der vberhimlischen. himlischen vnd vnderhimlischen werlten beschreibung beschehen. Nw hinfuer ist von den menschen als der vierden werlt zemercken. do got alle ding mit wunderperlicher beschreybung verordent vnd ime fuergenomen het ein ewigs reich zemachen vnd vnzalich selen zeschoepffen. die vntoedlickeit zegeben. do machet er ein empfintliche vnd verstentliche gleichnus. das ist zu form oder gestalt seiner pildnus. der niehtz volkumners sein mag. vnd formet den menschen auß letten. oder kloße der erden. nach der er also genent ist. Got der macher aller ding hat gemacht den menschen von dez doch Cicero wiewol aller himlischer schrifft vnwissen. das das die propheten sagen geschriben hat. diss thier das wir einen menschen nennen. fuersichtig. behend. vilfeltig. scharpff gedechtig vol vernunfft vnd radts in clarer art vnd aigenschafft geporen sein von den hohsten got allein. dann er ist auß allen geslechten vnd naturen der geseleten geschoepff. teylheftig der vernunfft vnd gedenckung. der die andern geschoepff alle mangeln. Nw ist offt bey den kuengen vnd fuersten die gewonheit so sie ein groß mechtig vnd edele stat pawen vnd volbracht haben das sie alßdenn ir pild enmitten in der stat allermeniglichen zesehen vnd anzeschawen auffrichten. Also hat auch got der fuerst aller ding gethan. der nach den gantzen auffgerichten paw der werlt den menschen als den letzsten aller ding in den mittel der selben hat gesetzt vnd geformt zu seiner pildnus vnd gleichnus. also das mit mercurio wol gesprochen werden mag. O asclepi wie ein groß wunderwerck ist der mensch. diss sunderlichen namens mag sich die menschlich art wol beroemen: aus dem geschehen ist: das sich niemant ime zedienen verdriessen lassen soll. dann ime sind erd vnd element vnd die vnuernuftigen thier willig vnd dinstbar. ime treibt der himel ritterschafft. Ime sprechen die englischen gaist das hail. sich sol auch nymand verwundern das der von allen dingen geliebt wirt. in dem alle ding etwas der irn. ia auch sich gantz vnd alles das ir erkennen.
Vom Werk des fünften Tages. Am fünften Tag hat Gott gesprochen: „Die Wasser sollen hervorbringen kriechende Dinge lebendiger Seele und Geflügel auf der Erde unter dem Firmament des Himmels.“ Und Gott hat geschaffen große Walfische und alle lebendigen und beweglichen Seelen, die die Wasser in ihrer Gestalt hervorbrachten, und alles Geflügel nach seinem Geschlecht. Und Gott sah, dass es gut war, und hat sie gesegnet, sprechend: „Ihr sollt wachsen und euch vervielfältigen und die Wasser des Meeres erfüllen, und die Vögel sollen sich über dem Erdreich vervielfältigen.“ Darum hat Gott an diesem Tag die Luft und das Wasser geziert: die Luft mit dem Geflügel und die Wasser mit den schwimmenden Dingen. Es werden große Walfische und Wassertiere wunderbar und aus Überflüssigkeit ihrer Feuchtigkeit größer im Meer gefunden. Und was in irgendeinem Teil der Natur geboren wird, das ist auch (wie man gemeinhin annimmt) im Meer. Kund und offenbar sind die Dinge, die von der Zeugung der Tiere hernach folgen. Denn nach den Pflanzen sind beseelte Dinge, die in Bewegung und Empfindlichkeit gemeinsam sind, wiewohl die Pythagoräer den Pflanzen auch eine unprüfbare Empfindlichkeit zuschreiben. Und dieselben beseelten Dinge werden hier von Mose und im Timaios in dreierlei geteilt, als in der Luft, in den Wassern und auf der Erde wohnend. Ob man anders sprechen mag, dass das Geflügel in der Luft wohne, wir wollen die Disputation vermeiden, in welcher Gestalt die Liebe der Tiere aus den Elementen oder wie die Besamungen den Naturen der Dinge von Gott eingepflanzt seien. Oder ob das Leben der unvernünftigen Tiere von der Materie oder ob alles Leben von göttlichem Anfang herkomme, wie Plotin ganz festiglich hält. Welcher Meinung Mose an diesem Ort vielleicht zufallend gesehen wird. Denn nachdem er gesprochen hat: „Die Wasser sollen kriechende Dinge lebendiger Seele bringen“, da setzt er danach hinzu: „Und Gott hat geschaffen alle lebendigen Seelen.“ Da möchte jemand nicht allein das halten, dass die Wasser aus Gottes Geheiß gebären und dass danach auch Gott gebäre, sondern auch das, dass an dem Ort, wo von dem Werk Gottes Meldung geschieht, geschrieben steht: „Gott hat geschaffen eine lebendige Seele.“ Wo aber der Wasser gedacht wird, da steht das nicht: „die Seele“, sondern „ein kriechendes lebendiger Seele“ hervorgebracht werden soll. Und wiewohl Mose von dreierlei Tieren der Erde in den nachfolgenden Tagen Meldung tut, so sind doch die allermeisten und größten Tiere im Meer der Inder. Und zuvor werden im Meer große Wundertiere an dem Ort, wo sich die Sonne wendet, gesehen. Und daselbst durch die großen Wellen von den hohen Bergen in das Meer fallend, aus der Tiefe des Meeres übersich auf den Menschen zugesicht getrieben. Und viel wunderbarer Dinge von den Naturen der Vögel und Fische an mancherlei Enden täglich erfahren. Blatt V. Vom Werk des sechsten Tages. Am sechsten Tag sprach Gott: „Die Erde soll hervorbringen eine lebendige Seele: die Tiere und die Kriechenden und die wilden Tiere der Erde nach ihrer Gestalt.“ Und Gott sah, dass es gut war, und sprach: „Machen wir einen Menschen zu unserem Bildnis und Gleichnis. Und er soll vorstehen den Fischen des Meeres und dem Geflügel des Himmels und den Tieren aller Erde.“ Und Gott hat den Menschen zu seinem Bildnis und Gleichnis geschaffen. Als nun Gott die oberen Teile der Welt geziert hatte, da zierte er zuletzt am sechsten Tag die Erde mit den Geschlechtern der Tiere. Unter den Tieren der Erde bedenkt Mose dreierlei: als Jochtiere, Kriechende und Wildtiere. Dabei gibt er uns dreierlei Unterschied der unvernünftigen Tiere im Allgemeinen zu erkennen. Denn dies sind Wildtiere, die in vollkommener Fantasie und Einbildung seiend die mittlere Statt unter den unvernünftigen Tieren halten und doch von den Menschen nicht gezähmt noch bändig gemacht werden können. So sind kriechende Tiere, die unvollkommene Fantasie und Einbildung, als die Mittleren zwischen dem Vieh und den Pflanzen haben. Es sind auch Jochtiere, die doch, wiewohl sie der Vernunft mangeln, menschlicher Zucht etlichermaßen fähig sind und scheinen etwas der Vernunft teilhaftig zu sein, schier eine mittlere Art oder Eigenschaft zwischen dem Vieh und den Menschen habend. Nun hat Gott geschaffen, dass große und kleinere Tiere mancherlei Geschlechts ungleicher Form werden sollten. Und es sind jedes Tier sowohl Männlein als auch Fräulein geworden, aus welcher Besamung die Luft und die Erde und das Meer erfüllt worden sind. Und Gott hat ihnen allen von Geschlecht zu Geschlecht Nahrung von der Erde gegeben, dass sie den Menschen zu Nutzen und Gebrauch, als etliche zur Speisung und etliche zur Bekleidung dienen mochten. Und die, die größerer Stärke und Kräfte wären, zur Erbauung des Erdreichs helfen sollten. Bisher ist von dreien, als der überhimmlischen, himmlischen und unterhimmlischen Welten Beschreibung geschehen. Nun hinfort ist von den Menschen als der vierten Welt zu merken. Da Gott alle Dinge mit wunderbarer Beschreibung verordnet und ihm vorgenommen hatte, ein ewiges Reich zu machen und unzählige Seelen zu schöpfen, die Unsterblichkeit zu geben, da machte er ein empfindliches und verständliches Gleichnis, das ist zur Form oder Gestalt seines Bildnisses, der nichts Vollkommeneres sein mag. Und formte den Menschen aus Letten oder Kloß der Erde, nach der er also genannt ist. Gott, der Macher aller Dinge, hat den Menschen gemacht, von dem doch Cicero, wiewohl aller himmlischer Schrift unwissend, das, was die Propheten sagen, geschrieben hat: „Dies Tier, das wir einen Menschen nennen, vorsichtig, behend, vielfältig, scharf gedächtnisvoll, voll Vernunft und Rats in klarer Art und Eigenschaft geboren sein von dem höchsten Gott allein.“ Denn er ist aus allen Geschlechtern und Naturen der beseelten Geschöpfe teilhaftig der Vernunft und des Denkens, was den anderen Geschöpfen allen mangelt. Nun ist oft bei den Königen und Fürsten die Gewohnheit, so sie eine große, mächtige und edle Stadt bauen und vollbracht haben, dass sie alsdann ihr Bild inmitten in der Stadt jedermann zu sehen und anzuschauen aufrichten. Also hat auch Gott, der Fürst aller Dinge, getan, der nach dem ganzen aufgerichteten Bau der Welt den Menschen als den letzten aller Dinge in die Mitte derselben gesetzt und geformt hat zu seinem Bildnis und Gleichnis. Also dass mit Mercurius wohl gesprochen werden mag: „O Asclepi, wie ein großes Wunderwerk ist der Mensch!“ Dieses sonderlichen Namens mag sich die menschliche Art wohl rühmen; aus dem geschehen ist, dass sich niemand ihm zu dienen verdrießen lassen soll. Denn ihm sind Erde und Elemente und die unvernünftigen Tiere willig und dienstbar. Ihm treibt der Himmel Ritterschaft. Ihm sprechen die englischen Geister das Heil. Sich soll auch niemand verwundern, dass der von allen Dingen geliebt wird, in dem alle Dinge etwas des Ihren, ja auch sich ganz und alles das Ihrige erkennen.