Erstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das erst alter | Von dem paradeis vnd seinen vier flussen. Das irdisch paradeis vnder der gleich mitnachtlichen linien. gegen dem aufgang der sunnen gelegen hat got der herr von anbeginn gepflantzt. vnd ist nach lateinischer vnd hebreyscher sprach ein garten: oder pawmgartten. oder lustperkeit genant. als ein garten mit allerlay pawmen besaet. daselbst was auch das holtz des lebens. vnd sie sagen das dieselb statt mit einer fewrinen mawr von der erden bis an den himel voelligelich vmbschrenckt sey. vnd der engel gottes mit einen flammigen swert dauor stee vnd verhindere die die hinzu geen woellen. In dem selben paradeis sind Adam vnd Eua beschaffen. vnd darnach von suend wegen des fraß darauß vertriben worden. Darinn sind auch enoch vnd helias in wolluestperkeit. die zu letst von den henden anticristi sterben werden. Dise statt ist weit von vnserm inwonlichem teyl entlegen. vnd in aller wunsamkeit scheinperlich. vnd hat gesundlueftigkeit. fruchtperkeit. wunsamkeit vnd froelichkeit. Auß des mittel geet ein prunn der es gantz erfeuechtet. vnd der selb prunn wirdt in vier geperende fluess geteylt. als die außleger des buchs der geschoepff zeerkennen geben. Ganges oder phison Phison oder ganges heißt der erst fluss vnd ist ein gar groß vnd namhafftigs wasser indier land das das selb land alles vmbgeet. vnd gegen dem aufgang fliessende von. xviiÿ. großen vnd schifreichen fluessen gemeret wirdt. vnd rynnet zu letst an vil oertern in das groß meer. vnd mit wieuil fluessen er in das meer sincket so ist er doch so groß dz er amm engsten. viÿm: schrit weit. vnd amm weitisten hunderttausent schrit. vnd nynndert mynder dann xx. schrit tieff ist. Wider den selben fluss sol Cirus der persier koenig (als man sagt) gleich in vergessen anders seins fuernemens ein vnerhoerten krieg angenomen haben. dann do der selb Cirus auß seinen koeniglichen pferden das allerscheinlichst vnd wolgestaltst dem er getrawet durch disen fluss zeswimmen sahe in einem wirbel oder tuempffel desselben fluss mit dem rewtter darauff vndergeen vnd versincken do sol er (als man sagt) zornig gesworen haben dz er disen fluss der ein pferd vnd seinen guotten rewter verschlunden het also schmal vnd seuecht machen wolt das er den weibern kawm bis an die knye zewatten sein solt. vnd dise wort bliben nit an werck. dann er bekuembert sich damit ein gantzs iar. vnd zerteilet disen fluss in iiÿc. lx bach vngehindert. das diser fluss (als man sagt) gleich wie der Nilus sich zu etlichen zeiten des iars mere. vnd die vmbligen den felldung fruchtper mache. Gion oder nilus Gion oder nilus ist der ander fluss genant vnd in der gantzen werlt der allergroessist geachtet. vnd wirdt von ettlichen Melo geheissen. Etlich sagen es sey der fluss den die lerer der heilegen schrift Geon nennen. vnd der auß dem paradeis der wollustperkeit fließ. die inwoner des selben lands heis | | sen disen fluss nilum von dem erdklose oder letten den der selb fluss mit im zeueht vnd damit dz egyptisch feld fruchtper machet. Diser nilus koembt auß einem swartzen fluss (den die lewt daselbst einen vater des fluss nili heissen) mit schnellen lawff. vnd schaidet das gantz affricam von ethiopia. vnd machet vil inseln. vnd koembt in die allerberuembtisten inseln Merocin: vnd ist eins teils vneben. vnd einsteils schifftragend. vnd geuesset sich auß in einen fast weiten see. darnach wirdt er nach mancherlay an stoessen in den gebrochen felßen des gepirgs eingezwengt vnd fleuesset hin in ethiopiam der morenland in ein gegent Cattaduppa genant. vnd wird also gewaltiglich zwischen den entgegensteenden fellsen mit seiner vngestuemigkeit getriben dz er mit dem grossen hale der wasser die sich aneinander zerprechen die oren der inwoner daselbst bis zu der tawbheit verletzet. darnach legt sich die vngestuemigkeit vnd wirdt der fluss stil. vnd zu der schiffung wideruemb geprauchsam. vnd erst hebt er sich an bey der stat Cercasoruz dryfeltig zesein. der ein teil neyget sich gegen deltam vnd meliaz vnd wirdt abermals geteilt. vnd also das gantz egyptier land von dem gantzen. vnd doch in vil teil gsuenderten nilo mitsambt andern bachen auß ierlicher zunemung erfeuechtet. vnd zu letst fleuest er an siben grossen oertern in das egyptisch meer. Die alten schreiben diser nilus sey ein vast grosser nerer der wald. vnd ein erzieher großer wasserthier. der lindwuerm vnd wasserpferd. auch vil roerichs vnd alweg gronen der pintzen etc. vnd ein ierliche fruchtpere zunemung der erden vnd felldung. vnd solche wachsende zu nemung beschiht gewoenlich wenn die sunn imm ende des leoben ist bis zu dem mittel der iunckfrawen. darnach nymbt sie ab bis die sunn zu dem ende der iunckfrawen. oder bis zu anfang der wag koembt.Alßdenn wirdt der nilus innerhalb der alten flußstat wideruemb beschlossen. vnd sie sagen das das wasser diss fluss soelcher krafft vnd wuerckung sey das es die frawen fruchtper mache. Tigris Tigris der drit ist der allerschnellist fluss des groessern Armenie. vnd in der gantzen werlt bekant. vnd (als die vnsern sagen) einer auß den vier fluessen auß dem paradeis der wolluestperkeit entspringende. wann so diser fluss in die gegent der medeer raichet so wirdt er schnel vnd tigris genant. dann die medeer nennen ein schnells geschoss also. Aber pald darnach sind er einen see aritissa genant durch den lawfft er gewaltiglich gantzer vnd mancherlay farbig auß. vnd fellet darnach gegen dem berg Tauro in ein vngehewrs holes loch des berges. vnd koembt durch ein verborgene stat auß. vnd zeueht mit ime vil seekrawts vnd schlewms. vnd bringt zu dem see zoranda genant alle versenckte dig herfuer vnd wird widerumb ein fluss. vnd darnach abermals in verborgen durchgeung versencket. vnd so er. xxvm. schrit also verborgen geloffen ist so kuembt er wider zu land in der gegent Sophen Blat VIII der werlt | bey nympheum. also nahent arsenie dem fluss in der gegent artheni das ir yeder so er auß einicher vrsach wechst vnd außlaufft seinen fluss behellt. vnd doch bede miteinander fliessen. Diser fluss teylet sich bey den coridrianischen bergen in zwen. der ein begeuesset seleueciam vnd messenen. der ander feuechtet gein mitternacht gegen den feldern des pergs caucasi. vnd so sie wider zesamen rynnen so heisset er aber tigris. vnd fleueßt zu letst in der persier meer. wiewol ettlich sagen in das rot meer. Euphrates Euphrates der vierd fluss eyn fruchttrager genant ist vnder den andern fluessen in groesser gedechtnus gehalten. ettlich sagen das er auß den paradeis. ettlich in den grossern armenia in dem perg paracoatra nit verr von dem prunnen tigris entspringe. vnd so er ettlich zufluess in sich emphaht vnd damit stercker wird so kert er sein krefft gegen dem perg Taurus. vnd so im der nit widersteet so rynnet er fueran mit sig. vnd do wirdt er fellsig vnd gewaltsam vnd lasset camagenam auff der rechten. vnd arabiam auff der lingken hand. ettlich sagen er teyl sich in zway ort. der ein fließ in den tigrim. vnd der ander durch der Medeer vnd Gordianer land in Mesopotamiam. vnd teyle Babiloniam. vnd wie groß vnd schiffreich er vorher gewessen sey. so werd er doch darnach in weite pfuetschen getrennet. vnd ein feuechter bach. vnd also vnbekant das er sich nyndert offenlich außgiesse. ettlich sagen aber er fließ in das rot meer. ettlich setzen das seine wasser leblich seyn. daruemb er dann von den alten ein alter merer genant sey worden. Von dem fluss vnd mancherlay namen des meers Homerus spricht das alles erdtreich von dem grossen meer (dz ettlich das wendl meer nennen) beslossen werd. daruemb haisse auch die erde ein insel dann sie sey vom meer vmbfangen. vnd wo man an die oerter des erdreichs kome so finde man daselbst das meer. Dasselb meer fleueßt vom nydergang zu der lingken hand neben europaz. vnd zu der rechten seytten neben affricam. vnd lauffet denn nach zertrennung der zwayer perg (die man Hirculis seueln nennet) zwischen Mauritania der morn land vnd hispania. vnd bricht an einem ort vber das geswel des innern meers auß in die erden vnd fleuesset dardurch gein dem auffgang. also dz zway meer sind. der eins die erden vmbschrenckt. vnd das ander darauß durch die erden fleuesset. vnd dise bede meer haben mancherlay namen von den landen. innseln. gegenden. stetten vnd lewten. oder neben den sie hin fliessen. oder daran sie stossen. Ein zweifel ist gewest ob man gerings vmb dise erden schiffen moecht. Strabo maynet das man weder dz mit taglich meer (von vnleydenlicher hitz wegen) noch das mitternachtlich meer (von seines gefruests wegen) beschiffen moecht. Aber Julius solinus der geschichtbeschreiber setzt das alles meer das von India bis in hispaniam hinden affricam vmbgibt zeschiffen sey. in massen dann Plinius veronensis durch | | anzaigung ettlicher geschihten mit schiffungen an denselben oertern geuebt zuerkennen gibt. vnd schreibt das ettliche die er in seinen schrifften vnd buechern nennt gesehen worden seyen die von kauffmanschatz wegen auß Hispania bis in Ethiopiam der mornlannd mit schiffung geraysett haben. Von dem mitternachtlichen meer ist ein groessers gezencke wie wol wissentlich ist das auß verfuegung des kaysers Augusti das selb meer zum merern tail bey teuetschen landen bis an das gepirg der Cimbrier oder fleming beschiffet worden ist. So sind die Caspianischen gestadt mit heerßkrafft der Macedonier (dieweil Seleucus vnd Antiochus regirten) also außgespehet vnd durchschiffet worden das in kurtzer zeit schier die gantz mitternachtlich gegent beschiffet ward. So zeueht sich Plinius auff die zeuegknus Cornelÿ. der ein roemer vnd ein verwesser Gallie von eim koenig der schwaben gegeben ward vnd sagt von ettlichen indiern die von kauffmanschatz wegen auß india schiffende durch vngestuemigkeit in teuetsche land getragen warden. Otto der geschichtbeschreiber setzt das vnder den teuetschen kaysern ein indische schiffung mit kaufleuten auß india an dem teutschen gestadt begriffen worden seyen. die da von vngestuemen winden von der orientischen gegent komen waren. das doch in keynen weg het muegen beschehen wo das mitternachtlich meer vnbeschiflich vnd gefroren wer. als etlich maynen. Von dem paradeys setzen die lerer der heilligen schrifft. Dise statt was als damascenus sagt ein kammer aller frolockung. die ist hoeher dann die erd. vnnd mit gemassigten alierleuetersten lufft erleuechtet. vnd alweg mit blueenden pflantzen gezieret. vol guots gesmacks. vnd wont nichts vnuernunftigs darinn. die ist auch. als ysidorus spricht mit allen geflecht des holtzs vnd apfeltragender pawm besetzt. da ist kein hitz. sunder ein ewige guotgemessikeit des lufts. Auß der mitten laufft ein prunn der den gantzen waldt erfeuechtet. Das paradeys ist als der maister in historÿs setzt imm anfang der werlt. der sunnen aufgangs. so ein hohe statt das die wasser der sintflus dahin nit geraicht haben. dann Strabus vnnd Beda setzen das es bis in des monnds kreys raiche. wiewol ettlich dawider sind. vnnd diss ist die allerwunsambst statt. langer praite der erden vnd des meers. vnnd het der mensch nit gesuendt so het got auch das paradeis also geweitert das es alle menschen beslossen het. die pawm des paradis verliren ir lawb nymmer. vnd alda harren Enoch vnd helias vnerstoert bis auff den tag als der meister in historÿs setzt. vnd als beda sagt vor groesser hoehe kan nymant dohin komen. vnnd ist so hoh das es bis in den obern teil des lufts raicht. vnd das die wasser douon fallende so grossen hall machen das die menschen in der nehe wonen de ir gehoerde dauon verlirn. Als Basilius vnnd Ambrosius sagen. vnd dise wasser fliessen auß eynem
Das erste Zeitalter. Vom Paradies und seinen vier Flüssen. Das irdische Paradies, unter der Äquatorlinie gelegen, gegen den Sonnenaufgang hin, hat Gott der Herr von Anfang an gepflanzt. Und es ist nach lateinischer und hebräischer Sprache ein Garten oder Baumgarten oder Lustgarten genannt, gleich einem Garten, mit allerlei Bäumen besät. Dort war auch der Baum des Lebens. Und man sagt, dass dieser Ort mit einer feurigen Mauer von der Erde bis an den Himmel vollständig umschlossen sei, und dass ein Engel Gottes mit einem flammenden Schwert davor stehe und diejenigen hindere, die dorthin gehen wollen. In demselben Paradies wurden Adam und Eva erschaffen und danach wegen der Sünde des Essens daraus vertrieben. Darin sind auch Enoch und Elias in Wonne, die zuletzt von den Händen des Antichrist sterben werden. Dieser Ort ist weit von unserem bewohnten Teil entfernt und erscheint in aller Lieblichkeit, mit gesunder Luft, Fruchtbarkeit, Anmut und Freude. Aus seiner Mitte entspringt eine Quelle, die das Ganze bewässert, und diese Quelle wird in vier hervorströmende Flüsse geteilt, wie die Ausleger des Buches der Schöpfung zu erkennen geben. Ganges oder Phison: Phison oder Ganges heißt der erste Fluss und ist ein sehr großer und namhafter Strom im Land Indien, der das ganze Land umfließt und gegen den Sonnenaufgang fließt und von siebzehn großen und schiffbaren Flüssen gespeist wird. Schließlich mündet er an vielen Orten in das große Meer. Und mit wie vielen Armen er auch ins Meer fließt, so ist er doch so groß, dass er an der engsten Stelle sieben Meilen breit und an der weitesten hunderttausend Schritte und nirgends weniger als zwanzig Schritte tief ist. Gegen diesen Fluss soll Kyros, der König der Perser, wie man sagt, in Vergessenheit seines ursprünglichen Vorhabens einen unerhörten Krieg begonnen haben. Denn als er eines seiner königlichen Pferde, das schönste und wohlgestaltetste, dem er vertraute, beim Durchschwimmen dieses Flusses sah, wie es in einem Strudel mit seinem Reiter unterging und versank, soll er zornig geschworen haben, diesen Fluss, der ein Pferd und seinen guten Reiter verschlungen habe, so schmal und seicht zu machen, dass er den Frauen kaum bis an die Knie reichen werde. Und diese Worte blieben nicht ohne Tat, denn er bemühte sich ein ganzes Jahr darum und teilte den Fluss in dreihundertsechzig Bäche, sodass dieser Fluss sich, wie man sagt, ähnlich dem Nil zu gewissen Zeiten des Jahres vermehrt und die umliegenden Felder fruchtbar macht. Gion oder Nilus: Gion oder Nil heißt der zweite Fluss und wird in der ganzen Welt für den größten gehalten. Von einigen wird er Melo genannt. Manche sagen, es sei der Fluss, den die Lehrer der Heiligen Schrift Geon nennen und der aus dem Paradies der Wonne fließe. Die Bewohner des Landes nennen ihn Nil nach dem Erdschlamm, den er mit sich führt und durch den er das ägyptische Land fruchtbar macht. Dieser Nil kommt aus einem schwarzen Fluss, den die Leute dort den Vater des Nils nennen, mit schnellem Lauf, und trennt ganz Afrika von Äthiopien, bildet viele Inseln und gelangt zu den berühmten Inseln Meroe. Teilweise ist er uneben, teilweise schiffbar, ergießt sich in einen weiten See und wird danach durch Felsen des Gebirges gezwängt, fließt nach Äthiopien in eine Gegend namens Catadupa und wird dort mit solcher Gewalt zwischen Felsen getrieben, dass das gewaltige Rauschen die Ohren der Einwohner bis zur Taubheit schädigt. Danach beruhigt sich der Strom wieder und wird für die Schifffahrt nutzbar. Er teilt sich bei der Stadt Cercasorus dreifach, bewässert das ganze ägyptische Land und fließt schließlich an sieben großen Mündungen ins ägyptische Meer. Die Alten schreiben, dass dieser Nil ein großer Nährer der Wälder und Erzeuger großer Wassertiere sei, wie Lindwürmer und Nilpferde, sowie von Schilf und stets grünem Gewächs, und dass er die Felder jährlich fruchtbar macht. Diese Zunahme geschieht gewöhnlich, wenn die Sonne am Ende des Löwen steht bis zur Mitte der Jungfrau; danach nimmt sie ab bis zum Ende der Jungfrau oder zum Anfang der Waage. Dann wird der Nil wieder in sein Bett zurückgeführt. Man sagt auch, dass sein Wasser die Frauen fruchtbar mache. Tigris: Der dritte Fluss ist der Tigris, der schnellste Fluss Großarmeniens und in der ganzen Welt bekannt. Er soll einer der vier Flüsse sein, die aus dem Paradies entspringen. Wenn er in das Gebiet der Meder gelangt, wird er wegen seiner Schnelligkeit Tigris genannt, denn die Meder nennen ein schnelles Geschoss so. Bald darauf durchfließt er einen See namens Aritissa, stürzt dann in ein tiefes Loch im Taurusgebirge, tritt an verborgener Stelle wieder hervor, führt Schlamm und Pflanzen mit sich und gelangt zum See Zoranda. Danach verschwindet er erneut unterirdisch und tritt nach achtundzwanzig Meilen wieder hervor nahe Nymphaeum bei Arsene, nahe dem Fluss in der Gegend Artheni. Dort fließen zwei Flüsse zusammen, behalten jedoch jeweils ihren eigenen Lauf. Er teilt sich bei den kordyrenischen Bergen in zwei Arme: der eine bewässert Seleucia und Mesene, der andere fließt nordwärts gegen die Felder des Kaukasus. Schließlich vereinigen sie sich wieder und der Fluss mündet in das Persische Meer, manche sagen ins Rote Meer. Euphrat: Der vierte Fluss, Euphrat, wird als fruchttragend bezeichnet und steht unter den Flüssen in hohem Ansehen. Einige sagen, er entspringe im Paradies, andere im größeren Armenien im Gebirge Parachoatra nahe der Quelle des Tigris. Nachdem er Zuflüsse aufgenommen hat, richtet er seinen Lauf gegen das Taurusgebirge, durchbricht es und fließt weiter, lässt Commagene rechts und Arabien links und teilt sich dann, wobei ein Arm in den Tigris fließt, der andere durch das Land der Meder und Gordyener nach Mesopotamien und Babylonien. Obwohl er zuvor groß und schiffbar ist, verliert er sich später in Sümpfen und wird zu einem kleinen Bach. Manche sagen, er fließe ins Rote Meer. Andere schreiben ihm lebensspendende Kräfte zu, weshalb er von den Alten als großer Nährer bezeichnet wurde. Vom Meer: Homer sagt, dass die ganze Erde vom großen Meer umschlossen sei, weshalb die Erde als Insel gelte. Dieses Meer fließt vom Westen entlang Europa zur linken und Afrika zur rechten Seite und durchbricht zwischen Mauretanien und Spanien bei den Säulen des Herkules das Land, sodass ein inneres Meer entsteht. Daher gibt es zwei Meere: eines, das die Erde umschließt, und ein anderes, das durch die Erde fließt. Diese Meere tragen verschiedene Namen nach Ländern, Inseln und Völkern. Es bestand Zweifel, ob man die Erde vollständig umschiffen könne. Strabon meinte, das südliche Meer sei wegen Hitze und das nördliche wegen Kälte nicht schiffbar. Julius Solinus hingegen schrieb, dass das Meer von Indien bis Spanien um Afrika herum befahrbar sei, wie auch Plinius berichtet. Auch seien Kaufleute von Spanien bis Äthiopien gesegelt. Vom nördlichen Meer wird berichtet, dass es unter Kaiser Augustus teilweise befahren wurde. Ebenso hätten die Makedonen unter Seleukos und Antiochos die Küsten erkundet. Berichte sprechen auch von Indern, die durch Stürme nach Germanien gelangten. Vom Paradies: Die Lehrer der Heiligen Schrift sagen, das Paradies sei ein Ort aller Freude, höher als die Erde, mit reinster Luft und immer blühenden Pflanzen, frei von allem Unvernünftigen. Es sei reich an fruchttragenden Bäumen, ohne Hitze, mit ewiger milder Luft. Aus seiner Mitte fließt eine Quelle, die den ganzen Wald bewässert. Das Paradies liege am Anfang der Welt gegen den Sonnenaufgang und sei so hoch, dass die Wasser der Sintflut es nicht erreichten. Einige sagen, es reiche bis in den Kreis des Mondes. Es ist der herrlichste Ort der Erde. Hätte der Mensch nicht gesündigt, so hätte Gott es erweitert, um alle Menschen zu umfassen. Die Bäume verlieren dort niemals ihr Laub, und Enoch und Elias verweilen dort ungestört bis zum Ende. Wegen seiner großen Höhe kann niemand dorthin gelangen. Es reicht bis in den oberen Bereich der Luft, und die herabfallenden Wasser erzeugen ein so starkes Geräusch, dass die in der Nähe wohnenden Menschen ihr Gehör verlieren.