Erstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das erst alter. Das erst alter der werlt von Adam bis zu der sintflus hat nach der hebreyschen schrifft. jm.vic.lvi. iar. aber nach sag der. lxx. außleger auch ysidori vnd anderer der zal her nach in disem buch bestimbt ist hat es gehabt. ijm.ijc.xlij. iar. DIe hoehst guothait wolt ir gut auch andern mittailen darumb beschuff sie ein vernuenftige creatur die das hoehst gut verstuend. versteende liebhet. lieb habende beseße vnd besitzende selig wer. Aber got machet den ersten menschen vnd formet seinen leib durch dienst der engel von lethen der erden in dem agker damasceno. vnd eingeystet in sein angesicht die geystung des lebens das ist. Er beschuff ein sel. die er dem gemachten leib vereinigt. vnd der mensch ist gemaht zu der pildnus gottes in naturlichen dingen vnd zu seiner gleichnuß in gnadenreichen dingen den dann got der herr mit wunderperlicher gnad durchgossen hat. ALs nw die geselten creatur der erden vnd das gefluegl geformirt vnd zu adam gefuert warden die zesehen da denn adam nit gefunden ward ein helfer im gleich da sendet der herr einen schlaff in adam. vnd nam aine auß seinen rippen: erfuellet fleisch fuer sie vnd machet die zu einem weib die adam sahe vnd sprach. diss pain ist nun von meinen gepainen. dise wirt genant Issa: das souil ist als ein weib dan sie ist von einem man genomen. Nw der herr fueret Adam in das paradeiß vnd hat daselbst von der ripp des slaffenden Euan gemacht vnd ime ein gesellein geformt. Aber er hat sie nit gemacht von haubt das sie vber den man nit hersthe. Auch nit von fueß des mans das sie nit verschmeht wuerd sunder von der seyten zu bewerung eins bands der lieb. Auch darumb das ein yder im selbs nicht mit adel der stat oder der gepurt sunder mit tugend gnad sameln sol. vnd wie wol der man ausserhalb des paradeiß vnd das weib dar in beschaffen ist so ist doch der man der an der vndern stat ward gemacht besser gefunden fuer Eua die im paradeiß geschaffen ward. Also hat got der hoehst werckman aller ding am sechsten tag der werlt.am.xxv. tag martij nach den geschoepff der thier des ertreichs vnd aller krichenden wuerm vnd der gefluegel von rotem erdklos oder letten in dem agker damasceno Adam der ersten menschen erschaffen als ein end vnd einen besitzer aller creatur. center Blat VII der werlt center Als nw durch eingebung des teuefels in gestalt der slangen die ersten eltern das gepot gottes uebertreten hetten da fluchet ine got. vnd sagt der slangen. verflucht wirdstu vnder allen geselleten vnd thiern der erden. auff deiner prust wirdstu geen. vnd die erden essen alle tag deins lebens. vnd dem weib saget er. Ich wirde vilfeltigen dein duerftigkeit vnd dein empfencknus. vnd du wirdst in smertzen gepern die kinder. vnd vnder dem gewalt des mans sein. vnd er wird ueber dich herschen. Vnd zu adam sprach er. verflucht ist die erde in deiner arbait. du wirdst auß ir essen. sie wird dir doerner vnd distel gepern. in dem sweis deins angesihts wirstu gespeyst mit deinem prot. bis du widergekert wirdst in die erden von der du genomen bist. vnd da ine got fellein roeck gemacht het warff er sie auß dem paradeis vnd setzet dar fuer cherubin mit flammigem swert den weg des holtz des lebens zebewaren. Do adam der erst mensch von der letten der erden geformt. vnd. xxx. iar erscheynende als der nam Eua seinem weib aufgesetzt ward. von der frucht des verpotten holtzs das im sein weib raichet geessen het sind sie von dem paradeis des wolusts in das ertreich der verfluchung außgeworffen das nach aufsatzung des herren gottes adam im sweis seins angesihts die erden arbeiten vnd mit seinem prot gespeiset werden. vnd Eua in duerftigkeit leben vnd kinder in smertzen gepern solt. die doch der herr mit vnuergleichlichem scheyn gezieret het. Aber der neydig feind irer seligkait hat sie betrogen da sie auß weiplicher leichtfertigkeit die frucht des pawms mit frefellicher getuerftigkeit versuechet vnd irn mann in irn willen zohe. also nach annemung der kosten pletter wardt sie auß dem wolust garten in den agker Ebron mitsambt irm mann in das enlend vertriben. do sie nw zeletst die smertzen der geperung zu mermal versuchet do kome sie mit muee vnd arbeit in das alter vnd in den tod der ir von dem herren verkuendet was.
Das erste Zeitalter. Das erste Zeitalter der Welt von Adam bis zur Sintflut hat nach der hebräischen Schrift 1656 Jahre gedauert. Aber nach der Aussage der 70 Ausleger, auch Isidors und anderer, deren Zahl später in diesem Buch bestimmt wird, hat es 2242 Jahre gehabt. Die höchste Güte wollte ihr Gut auch anderen mitteilen, darum erschuf sie eine vernünftige Kreatur, die das höchste Gut verstand, verstehend liebte, liebend besaß und besitzend selig wäre. Aber Gott machte den ersten Menschen und formte seinen Leib durch den Dienst der Engel aus Lehm der Erde auf dem Acker Damasceno und hauchte in sein Angesicht die Geistigung des Lebens, das ist: Er erschuf eine Seele, die er dem gemachten Leib vereinigte. Und der Mensch ist gemacht zur Bildnis Gottes in natürlichen Dingen und zu seiner Gleichnis in gnadenreichen Dingen, den dann Gott der Herr mit wunderbarer Gnade durchgossen hat. Als nun die gesellten Kreaturen der Erde und das Geflügel geformt und zu Adam geführt wurden, um zu sehen, da Adam keinen Helfer fand, der ihm gleich war, da sandte der Herr einen Schlaf über Adam. Und nahm eine aus seinen Rippen, füllte Fleisch für sie und machte sie zu einem Weib, das Adam sah und sprach: „Dieses Bein ist nun von meinen Gebeinen. Diese wird genannt Issa, das so viel ist wie ein Weib, denn sie ist von einem Mann genommen.“ Nun führte der Herr Adam in das Paradies und hat daselbst von der Rippe des Schlafenden Eva gemacht und ihm eine Gesellin geformt. Aber er hat sie nicht vom Haupt gemacht, damit sie nicht über den Mann herrsche. Auch nicht von den Füßen des Mannes, damit sie nicht verschmäht würde, sondern von der Seite zur Bewährung eines Bandes der Liebe. Auch darum, dass ein jeder in sich selbst nicht mit Adel des Standes oder der Geburt, sondern mit Tugend Gnade sammeln soll. Und obwohl der Mann außerhalb des Paradieses und das Weib darin geschaffen ist, so ist doch der Mann, der an der unteren Stätte gemacht wurde, besser befunden als Eva, die im Paradies geschaffen wurde. Also hat Gott, der höchste Werkmann aller Dinge, am sechsten Tag der Welt, am 25. Tag des März, nach der Erschaffung der Tiere des Erdreichs und aller kriechenden Würmer und des Geflügels, aus rotem Erdklos oder Lehm auf dem Acker Damasceno Adam, den ersten Menschen, erschaffen als ein Ende und einen Besitzer aller Kreatur. (Blatt VII der Weltchronik) Als nun durch Eingebung des Teufels in Gestalt der Schlange die ersten Eltern das Gebot Gottes übertreten hatten, da verfluchte sie Gott. Und sagte zur Schlange: „Verflucht wirst du unter allen gesellten und Tieren der Erde. Auf deiner Brust wirst du gehen und die Erde essen alle Tage deines Lebens.“ Und zum Weib sagte er: „Ich werde vervielfältigen deine Bedürftigkeit und deine Empfängnis. Und du wirst in Schmerzen die Kinder gebären und unter dem Gewalt des Mannes sein, und er wird über dich herrschen.“ Und zu Adam sprach er: „Verflucht ist die Erde in deiner Arbeit. Du wirst aus ihr essen. Sie wird dir Dornen und Disteln gebären. Im Schweiß deines Angesichts wirst du gespeist mit deinem Brot, bis du wiedergekehrt wirst in die Erde, von der du genommen bist.“ Und da ihnen Gott felleine Röcke gemacht hatte, warf er sie aus dem Paradies und setzte davor Cherubim mit flammigem Schwert, den Weg des Holzes des Lebens zu bewahren. Als Adam, der erste Mensch, von dem Lehm der Erde geformt und 30 Jahre alt erscheinend, als der Name Eva seinem Weib aufgesetzt wurde, von der Frucht des verbotenen Holzes, das ihm sein Weib reichte, gegessen hatte, sind sie aus dem Paradies des Wohlstands in das Erdreich der Verfluchung ausgeworfen worden, damit nach Anordnung des Herrn Gottes Adam im Schweiß seines Angesichts die Erde bearbeiten und mit seinem Brot gespeist werden, und Eva in Bedürftigkeit leben und Kinder in Schmerzen gebären sollte, die doch der Herr mit unvergleichlichem Glanz geziert hatte. Aber der neidische Feind ihrer Seligkeit hat sie betrogen, da sie aus weiblicher Leichtfertigkeit die Frucht des Baumes mit frevelhafter Begierde versuchte und ihren Mann in ihren Willen zog. Also nach Annahme der Feigenblätter wurde sie aus dem Lustgarten auf den Acker Hebron mitsamt ihrem Mann in das Elend vertrieben. Als sie nun zuletzt die Schmerzen der Geburt mehrmals versucht hatte, da kam sie mit Mühe und Arbeit in das Alter und in den Tod, der ihr von dem Herrn verkündet war.