Fünftes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das funft alter 300px Sibilla tiburtina die fuernamste weissagin. aigentlich Albumea genant hat in welschem land geschynen. vnd vil dings fuekundet. vnd nach dem sie Tiburre der statt bey dem gestadt Amonis des fluss als ein goettin geeret wardt. darumb wardt sie Tiburtina genant. vnd im strudel desselben wassers ir pildnus ein buoch in der hand haltende gefunden. Augustus octauianus (dem die Roemer goettliche ere erboten) hat dise Sibilla rates gefragt vnd sie im. als sie drey tag gefastet het gesagt von dem zaichen des gerichtz. vnd von befeuochtigung des ertreichs mit dem schwaiß. vnd wie der kueftig konig auß den himel komen vnd ein wasserfluss des fewrs vnd schwefels auß dem himel fallen wurdt mit lengerer meynung. in. xxvij. versen begriffen. daran die hawbtbuochstaben (als sant Augustin spricht) die meynung hielten. Jhesus cristus gottes sun ein haylmacher. als sie das gesagt het do thet sich in angesiht Octauiani der himel auff vnd fiel ein großer schein auff ine. vnd er sahe im himel ein vberschoebe iunckfrawen auff eim altar steend vnd ein kindlein tragend vnd hoeret alßpald ein stymm sprechende. Diser alter ist des suns gottes. vnd als nw Augustus in seiner schlaffkamer dz also hoeret vnd sahe do fiel er auff das ertreich vnnd bettet got an. darumb wolt sich Augustus nit mer einen got nennen laßen. An demselben end ist darnach zu gedechtnus diss dings ein tempel vnder dem tittel der heiligen iunckfrawen Marie in Ara celi gepawt worden. da dann die brueder sand Franciscen ordens yetzo wonen. Die andern beschreiben sie nit alt mit rotem klaid vnd rawhem fel auff der achseln mitt fliegendem har die schrifft in irer hand haltende. Cristus wirdt in Bethleem geporn vnd in Nazaret verkuendet werden. die weil Thaurus der fridsam stifter der rueoe regiret. O selig ist die muter der prust ine sewgen werden. Wunderzaichen warden in der gepurt Cristi gesehen. Ein oelprunn (als Eutropius vnd ander bezeuegen) hat zu Rom ihenßhalb der Tiber auß der erden den gantzen tag gefloßen. verkuendende die gnad Cristi allen voelkern gegeben sein. An demselben tag ist auch einguldiner cirkel vmb die sunnen erschinnen. so ist die sawl romuli vnd der tempel des frids gefallen. 150px Publius ouidius naso der hohberuembt poet hat diser zeit zu Rom gereichßnet vnd vil geschriben. vnnd auß Sulmone der Brucianischen statt vrsprung gehabt. vnd erstlich zu Athenis die poetrey vnd darnach die philozophey gar wol gelernet. vnd nachfolgend bey dem keyser Augusto mit leben vnd gerichte großen glawben erlangt. aber er wardt lang darnach im. l. iar seins alters von demselben Augusto in die inseln Pontum verschickt. sein leben was gleich der leichtfertigkeit wie sein geticht. Zu letst im. liiij. iar seins alters vnd im fuenften iar Tiberij des keisers starb er. 150px Titus liuius von Padua ein großer fuerst der kriechischem vnd latainischen geschihtbeschreiber ist. xvi iar vor der zukunft Cristi zu rom achtper gewesen. von dem schreibt sant Jheronimus auß den worten Plinij das ettlich edel lewt von verren gegenten gein Rom nit von Rom wegen sunder disen wunderwirdigen man in seinen milchfließenden schrifften beschawen. Diser liuius wardt von Augusto mit eren vnd reichthuemern gegabt dann er was also ein vberfleissiger erspeher der historien das er hundert vnd zehen historien buecher beschriben hat derselben buecher haben wir einen großen teil (auß vbel stand der zeit) verlorn. Er lebet. lxxx. iar vnd starb im vierden iar des keiserthumbs Tiberij zu Padua vnd ist daselbst begraben vnd sein grab nochmals in sandt Justine kirchen vorawgen. 150px Valerius maximus ein roemischer naturlicher maister vnd ein treffenlicher huebscher redner ist im. xv. iar vor der zukunft Cristi zu Rom achtper vnd dem keiser Augusto gar lieb gewesen. vnd hat vnder anderm newn buecher in clarer vnd scheinlicher art. von gedechtnus wirdigen reden vnd geschihten der mann die bey den roemern vnd kriechischen hohachtpar warnn gemacht. vnd sunst auch von lob der tugent vnd scheltung der laster geschriben. vnd vnder anderm gesagt. der goettlich zorn wandert mit langksammen gang zu rachssale seinselbs vnd vergleicht den verzug der straff mit schwerheit. 150px Solinus der treffenlich geschiht beschreiber vnd redner ist zu disen zeiten (als wir auß seinen buechern abnemen muegen) beruembt gewesen dann er machet ein gar guot buoch dz er von dem wunderperlichen dingen der werlt nennet vnd augusto octauiano zu rom zugeaignet. darinn er die werlt entworffen vnd die gelegenheit vnd vil orter der stett gemessen hat. Blat XCIIII der werlt 150px Strabo der beschreiber der geschichten vnd gelegenhait der erden. auch ein naturlicher maister vnd außleger der geticht Homeri des poeten auß Creta oder Candia pirtig. ist (als ettliche sagen) zu disen zeiten hohberuembt gewesen als wir auß seinen buechern erfinden. vnd nach dem er fast hohgelert vnd in erkantnus großer ding der erfarnst gehalten wardt hat er vnder andernn anzaigungen seiner tugent. xvij. huebscher buecher von beschreibung der werlt gemacht. vnd darinn die vnderlaßnen oder versawmten oder auß alter vergeßnen oerter der werlt beym nagel angezaigt. vnd fleißigclich verzaihent. die voelcker. nacion. geschihten. berg. meer vnd ire riefier vnd gegent clerlich fuer vnsere awgen gesetzt. Er het seinen vrsprung auß mueterlicher linien von dem pluot Mitridatis des konigs. 150px Anna ein hebreisch weib ein tochter ysachar des iuden ward Joachim dem heiligsten mann von irem geschlecht zu der ee gegeben. Dise Anna hat als sie lang vnperhaftig gewesen was nach vil gepettes vnnd zehern. auch fuergesandter englischer verkuendung die tochter Mariaz ein kuenftige gottes gepererin geporn. vnd pald nach absterben Joachim irs mans sich einem andern mann mit namen Cleophe vermehelt. Derselb Cleophas hat die vorgenanten Mariaz sein stiefftocher Joseph dem mann vereelichet. vnd Mariam sein tochter Apheo dem mann vertrwtet. auß der sind geporn Jocobus alphei Simon chananeus vnnd Judas thadeus. Dise Anna hat sich nach absterben Cleophe irs andern mans zum dritten mal nach dem gesetz Moysi einem mann Salome genant verheyrat. vnnd bey demselben die dritten tochter Mariam salome erobert die darnach Zebedeo vermehelt Jacobum den groessern vnnd Johannem den euangelisten gepare. Dise Anna het ein schwester mit namen ysmeria. auß der ist geporn Elizabet die muter Johannis des tawffers. als nw anna alle zeit irs lebens in den gepoten vnd wegen des hernn gewandert het do ruoet sie vol der tag in dem hernn 150px Zacharias der hebreisch man ein briester vnd prophet des herrnn. sant Johansen des tawffers vater. ein ebenpild gantzer heiligkeit hat sich mit Elizabeth der iunckfrawen Marie muter schwester vermehelt. die warnn bede an vnschuld. guettigkeit vnd gnad fast heilig. als sie nw langzeit vnperhaftig gewesen warnn vnd Elizabeth yetzo ir alter erraichet het vnd sich ire weipliche recht hetten geendet. do wardt der herr durch ir gebette bewegt also das er inen zu lest den sun Johannem den tawffer gaben. dann als zacharias sich nach der ordnung des briesterlichen ambts geprauchet vnd das opffer anzuendet vnd allain in dem tempel wesende auff der rechten hannd des altars einen engel sahe do erschrak. vnnd der engel sprach. Foerchte dich nit dein weib wird in dem nachfolgenden iar dir einen sun gepern vnd vil werden sich frewen in seiner gepurt vnd er wirdt groß vor dem herrnn. wein vnd alles truncken machends getranck wirdt er nit trincken. do sprach Zacharias. ich bin yetzo alt vnd mein weib ist fuergegangen in iren tagen. der engel antwurtet. du wirdst stumm solang bis dise ding erfuellt werden. als nw Zacharias auß dem tempel gieng vnnd nit reden mocht. do verstuonden die lewt das er ein gesiht gesehen het. also gieng Zacharias in sein haws vnd pald empfieng Elizabeth. vnnd vor scham enthielt sie sich fuenff monat verborgenlich. In dem sechsten monat wanderet Maria die iunckfraw vnnd muter des herrnn. die von dem heiligen geist geschwengert was zu Elizabeth sie zegruessen. vnd do Elizabeth des gruss Marie empfande do frolocket das vnsprechend kind vor freueden in muter leib. darnach hat Elizabet einen sun geporn vnd sich habenir nachpawrn vnd verwandten mit ir gefreueet. Als amm achten tag das kind beschnitten solt werden. do schrib sein vater. Joahannes ist sein namen. vnd sein mund wardt alßpald geoffnet vnnd er weyssagt sprechende. Gebenedeyet ist der herr got israhel etc. Zu letst ist er in aller heiligkeit als ein prophet gestorben. 150px Maria die allerseligst vnd hohgelobist gottes gepererin vnd ewig iunckfraw auß der wurtzel Jesse entsprungen ist in dem. xxviij. iar des keyserthummbs Augusti in Nazaretht der statt Juda. auß Joachim irm vater vnd Anna irer muter geporn. Diss was ein außerlesenstes vnd allermenigclichs awgen wunderperlichs iunckfrewlein. als die muter sie entwenet het wardt sie in dem dritten iar irs alters (nach geluebdnus) zu dem dienst des tempels mit andern iunckfrawen ergeben. vnd gleicherweis als sie wider den gewoenlichen lawff der iugent lernung andere ire gepilnn in adel vnnd schoene vbertroffen. also hat sie auch die lernung vnd beschaidenheit heiligs lebens von iugent auff auß ebenpild vnd lesen gelernet. also auch das sie in kuertz an heiligkeit vnd vbung geistlichs lebens vnd auch an demuot in goetlichen vnd menschlichen dingen andern heiligen iunckfrawen vnuergleichlich wardt. darumb hat got sie außerwelet zu einer muter der meschwerdung seins suns. vnd do sie das dreyzehend iar irs alters erfuellet het wardt sie auß schickung goetlichs rates dem Joseph von irem geslecht vermehelt. als pald nach solcher vermehlung ist der engel Gabriel gein Nazareth zu ir komen vnd mit großem liecht scheynende in die schlaffkamer der iunckfrawen ereerbietlich eingegangen. vnd hat sie gegruesset mit den wortten. Biß gegruesset vol gnaden der herr mit dir. vnd sprach verrer. Du hast gnad gefunden bey dem herrnn. nym war du wirdst empfahen vnd geperen einen sun vnd seinen namen haißen Jhesus. Darzu antwurtet Maria. Nym war ein diern des herrnn mir bescheh nach deinem wort. vnnd alßpald ist das wort fleisch worden. Vnlang darnach hat Maria ir muomen Elizabeth haimgesucht. ist drey monat bey ir bliben vnd hat daselbst gesungen dz wundersamm gesang magnificat. Großmacht mein sel dem herrnn. als nw Johannes geporn wz do keret Maria yetzo schwanger wider zu haws. do Joseph ir man sie also schwanger sein erlernet setzet er im fuer sie haimlich zeuerlaßen. aber dieweil er (als matheus setzt) dz also gedacht do mananet ine der engel durch einen trawm bezeuegende wz in ir empfangen wer dz wer von dem heiligen gaist. Die andern vbung vnd wuerckung des lebens der allerseiligsten iunckfrawen Marie bis zu dem leyden irs suns mag man auß dem ewangelio zusamen lesen. ---- ’
Das fünfte Zeitalter. Die Sibylla Tiburtina, die vornehmste Weissagerin, eigentlich Albumea genannt, ist im welschen Land erschienen und hat vieles verkündet. Und nachdem sie in Tibur, der Stadt am Gestade des Flusses Anio, als eine Göttin verehrt wurde, darum wurde sie Tiburtina genannt. Und im Strudel desselben Wassers wurde ihr Bildnis, ein Buch in der Hand haltend, gefunden. Augustus Octavianus (dem die Römer göttliche Ehre erwiesen) hat diese Sibylla um Rat gefragt, und sie hat ihm, nachdem sie drei Tage gefastet hatte, vom Zeichen des Gerichts, von der Befeuchtung der Erde mit dem Schweiß und wie der künftige König aus dem Himmel kommen und ein Wasserfluss aus Feuer und Schwefel aus dem Himmel fallen wird, mit längerer Bedeutung, in 27 Versen begriffen, gesagt. Darin hielten die Hauptbuchstaben (wie der heilige Augustinus spricht) die Bedeutung: Jesus Christus, Gottes Sohn, ein Heilmacher. Als sie das gesagt hatte, da tat sich im Angesicht Octavians der Himmel auf und ein großer Schein fiel auf ihn. Und er sah im Himmel eine überschöne Jungfrau auf einem Altar stehend und ein Kindlein tragend und hörte alsbald eine Stimme sprechend: „Dieser Altar ist des Sohnes Gottes.“ Und als nun Augustus in seiner Schlafkammer dies so hörte und sah, da fiel er auf die Erde und betete Gott an. Darum wollte sich Augustus nicht mehr einen Gott nennen lassen. An demselben Ort ist danach zum Gedächtnis dieses Dings ein Tempel unter dem Titel der heiligen Jungfrau Maria in Ara Coeli gebaut worden, wo dann die Brüder des heiligen Franziskus-Ordens jetzt wohnen. Die anderen beschreiben sie nicht alt, mit rotem Kleid und rauem Fell auf den Achseln, mit fliegendem Haar, die Schrift in ihrer Hand haltend: „Christus wird in Bethlehem geboren und in Nazareth verkündet werden, die Weile Taurus, der friedsame Stifter der Ruhe, regiert. O selig ist die Mutter, deren Brust ihn säugen wird.“ Wunderzeichen wurden bei der Geburt Christi gesehen. Ein Ölbrunnen (wie Eutropius und andere bezeugen) hat zu Rom jenseits des Tibers aus der Erde den ganzen Tag geflossen, verkündend, dass die Gnade Christi allen Völkern gegeben sei. An demselben Tag ist auch ein goldener Zirkel um die Sonne erschienen; so ist die Säule des Romulus und der Tempel des Friedens gefallen. Publius Ovidius Naso, der hochberühmte Poet, hat zu dieser Zeit in Rom gewirkt und viel geschrieben und hatte seinen Ursprung aus Sulmo, der brucianischen Stadt. Und erstlich hat er in Athen die Poesie und danach die Philosophie sehr gut gelernt. Und nachfolgend hat er beim Kaiser Augustus durch seine Lebensführung und sein Urteilsvermögen großes Ansehen erlangt. Aber er wurde lange danach, im 50. Jahr seines Alters, von demselben Augustus in die Region Pontus verschickt. Sein Leben war gleich der Leichtfertigkeit wie sein Gedicht. Zuletzt, im 54. Jahr seines Alters und im fünften Jahr des Kaisers Tiberius, starb er. Titus Livius von Padua, ein großer Meister der griechischen und lateinischen Geschichtsschreiber, ist 16 Jahre vor der Ankunft Christi in Rom angesehen gewesen. Von ihm schreibt der heilige Hieronymus aus den Worten Plinius', dass etliche edle Leute aus fernen Gegenden nach Rom kamen, nicht Roms wegen, sondern um diesen wunderwürdigen Mann in seinen milchfließenden Schriften zu betrachten. Dieser Livius wurde von Augustus mit Ehren und Reichtümern beschenkt, denn er war ein so überfleißiger Erforscher der Historien, dass er hundert und zehn Historienbücher beschrieben hat; von denselben Büchern haben wir einen großen Teil (aufgrund des schlechten Zustands der Zeit) verloren. Er lebte 80 Jahre und starb im vierten Jahr des Kaisertums Tiberius in Padua und ist daselbst begraben, und sein Grab ist nochmals in der Kirche der heiligen Justina vor Augen. Valerius Maximus, ein römischer Gelehrter und ein trefflicher, schöner Redner, ist im 15. Jahr vor der Ankunft Christi in Rom angesehen und dem Kaiser Augustus sehr lieb gewesen. Und hat unter anderem neun Bücher in klarer und anschaulicher Art von den denkwürdigen Reden und Geschichten der Männer, die bei den Römern und Griechen hochachtbar waren, verfasst. Und sonst auch vom Lob der Tugend und der Schelte der Laster geschrieben. Und unter anderem gesagt: „Der göttliche Zorn wandert mit langsamem Gang zur Rache seiner selbst“ und vergleicht den Verzug der Strafe mit Schwere. Solinus, der treffliche Geschichtsschreiber und Redner, ist zu diesen Zeiten (wie wir aus seinen Büchern entnehmen können) berühmt gewesen, denn er machte ein sehr gutes Buch, das er „Von den wunderbaren Dingen der Welt“ nennt und Augustus Octavianus in Rom zueignete. Darin hat er die Welt entworfen und die Lage und viele Orte der Städte vermessen. Blatt 94 der Welt. Strabon, der Beschreiber der Geschichten und Gegebenheiten der Erde, auch ein Naturforscher und Ausleger der Gedichte Homers, des Poeten, aus Kreta oder Candia gebürtig, ist (wie etliche sagen) zu diesen Zeiten hochberühmt gewesen, wie wir aus seinen Büchern erfahren. Und nachdem er fast hochgelehrt und in der Erkenntnis großer Dinge der Erfahrenste gehalten wurde, hat er unter anderen Zeugnissen seiner Tugend 17 schöne Bücher von der Beschreibung der Welt verfasst. Und darin hat er die unterlassenen oder versäumten oder aus Alter vergessenen Orte der Welt genauestens aufgezeigt und fleißig verzeichnet: die Völker, Nationen, Geschichten, Berge, Meere und ihre Flüsse und Gegenden klar vor unsere Augen gesetzt. Er hatte seinen Ursprung aus mütterlicher Linie vom Blut Mithridates' des Königs. Anna, ein hebräisches Weib, eine Tochter Isachars des Juden, wurde Joachim, dem heiligsten Mann aus ihrem Geschlecht, zur Ehe gegeben. Diese Anna hat, als sie lange unfruchtbar gewesen war, nach vielen Gebeten und Tränen, auch nach vorausgesandter englischer Verkündigung, die Tochter Maria, eine künftige Gottesgebärerin, geboren. Und bald nach dem Absterben Joachims, ihres Mannes, vermählte sie sich einem anderen Mann mit Namen Kleophas. Derselbe Kleophas hat die vorgenannte Maria, seine Stieftochter, Josef dem Mann verehelicht. Und Maria, seine Tochter, Apheo dem Mann anvertraut. Aus der sind geboren Jakobus Alphaei, Simon Kananäus und Judas Thaddäus. Diese Anna hat sich nach dem Absterben Kleophas', ihres zweiten Mannes, zum dritten Mal nach dem Gesetz Moses einem Mann namens Salome verheiratet. Und bei demselben die dritte Tochter Maria Salome erworben, die danach Zebedäus vermählt, Jakobus den Größeren und Johannes den Evangelisten gebar. Diese Anna hatte eine Schwester mit Namen Ismeria, aus der ist Elisabeth, die Mutter Johannes des Täufers, geboren. Als nun Anna alle Zeit ihres Lebens in den Geboten und Wegen des Herrn gewandert hatte, da ruhte sie, voll der Tage, im Herrn. Zacharias, der hebräische Mann, ein Priester und Prophet des Herrn, Vater des heiligen Johannes des Täufers, ein Ebenbild ganzer Heiligkeit, hat sich mit Elisabeth, der Schwester der Mutter der Jungfrau Maria, vermählt. Die waren beide an Unschuld, Güte und Gnade fast heilig. Als sie nun lange Zeit unfruchtbar gewesen waren und Elisabeth jetzt ihr Alter erreicht hatte und sich ihre weiblichen Rechte geendet hatten, da wurde der Herr durch ihre Gebete bewegt, sodass er ihnen zuletzt den Sohn Johannes den Täufer gab. Denn als Zacharias...