Fünftes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
| Das funft alter verwundert. vnd bekant das soelche vberwindung nicht auß menschlicher kraft sunder auß goetlichen gnaden geschehen wer. in der zerstoerung ist soelcher todslag geschehen. hunger vnd toedliche not. so du das alles wissen wilt liese. Josephum der nit gehoerte sunder geschene ding im vnd andernn wissend geschriben hat. Do also Titus mit seinem vater Vespasiano in die stat kome do ließ er Symonen (der der zerstoerung vrsach wz) in den triumph fueren mit stricken durch die gantzen stat schlayffen. seinen leib verwunden vnd darnach toetten. Vespasianus pawt einen tempel des frids vnd ließ darein legen der iuden heiligkeit. als die tafeln des gesetz vnd ander ding. Die stat ist dozumal gewesen ein behawsung der rawber vnd moerder piß auff die zeit Adriani. auch bey. l. iarnn vngepawt belyben. dieselbigen darnach Adrianus der keyser mit mawr vnd gepew vernewt vnd hat sie nach seinem namen Heliam gehaissen. vnd als der heilig Jheronimus zu Paulino schreibt so ist von der zeit Adriani piß auff Constantinum bey dem. c. vnd. lxxx. iarnn an der stat der vrstend der abgot Jouis. vnd auff dem berg des kreuetzs ein steyne sewl auff der der abgot Venus von den hayden angepet in maynung das sie vns durch solche vnere den heiligen stetten bewysen den glawben der vrstende vnd des kreutz entnemen moechten. Es haben auch vnßer fuersten die statt yezuzeitten lang beseßen vnd darnach wider verloren. Der groß Rarolus hat sie zum ersten mit großer arbeit erobert. darnach wider verlornn. Godfridus hat sie widerumb gewunnen. do mit sie auch behalten wuerde so ist keyser Conrad vnnd Ludwicus ein koenig zu franckreich mit macht piß in Asia gezogen. do aber vnßer fuersten dat nach treg sind worden so ist weder Jherusalem noch Anthiochia in vnßerm gewalt beliben. O der sinahheit vnd des iamers das also der vrsprung vnßers anfangs abgenomen hat das die feind des kreutzs den hohberuembten tempel Solomonis in den der herr oft gepredigt hat. Bethleem in dem er geporn warde. Caluariam do der herr gekreutzigt ist. die Sarracen dz zierlich grab in dem der herr von vnßern wegen geschlaffen hat besitzen suellen. das die cristen (wo sieselbst nit woelten) nit vnbedacht moechten lassen. Seht die stat des lebendgen gots. die ampt vnßerer erloessung. die stat die vns got mit wunderwercken erleuecht vnd mit seinem pluot geheiligt hat. in der die pluomen die ersten vrstend erschinen sein vber dy die ritterschafft Machmeti gewalt haben vnd dem suentlichen volck vntterworffen ist. | Blat LXIIII der werlt Hie hebt siech an das fuenft alter der werlt. vnd hat anfang von dem als die iuden gefangen gefurt wurden in Babilomam. vnd werdt biß auff die gepurt vnßers herrn Jhesu cristi bey. vc. xc. iarnn. wiewol ettlich in der rechnung anders vermaynen dy die iar der rechten gefencknus zelen woellen. von dem. xi. iar des reichs Sedechie. als Eusebius setzt. als dann haben dy. lxx. iar der gefencknus in dem andernn iar Darij ein ende. Josephus aber vnd der heilig Jheronimus rechen von dem. xiij. iar Josie des koenigs biß auff das drit iare des koenigs Ciri. Ettlich von dem letsten iar des koenigs Joachim biß auff das letst iar Ciri. Damit man aber dz recht verstee. die. lxx. iar die sich im dritten oder letsten iare Ciri enden sind aygenlich die iar iudischer gefencknus. die iar die sich aber enden in dem andernn Darij sein aygenlich die iar als die iuden gantz auß dem lannd komen sind. Vnd den schatz der heiligen geschrift haben wir suenderlich was geschehen ist von dem iar des anfangs der werlt: iiijm. vic. x. Von der sintfluss. ijm. iijc. lxix. Von der gepurt Abrahe. tausent. iijc. xxvij. Vnd von dem. xxviij. iar des reichs Tarquini des Roemischen koenigs. als auch bey den Medeernn Astyage. bey den Macedones Europe. bey den Lidos Aliacte. bey den Egypcios Vaphre. vnd bey den Caldeos Nabuchodonosor der erst geregirt haben. Hie hebt sich an die gefencknus der hebreyschen die do ist gewesen ein zerstoerung des volcks Jherusalem vnd weret. lxx. iar. Als das volck von israhel yetzo lang zeit den abgoeternn gedient auch das pluot der vnschuldigen vergossen hat. Do wolt got diss geslecht vertilgen vnnd verhenget das diss volck in dem reich Caldeorum. lxx. iar gefangen were. auff das. das nach disen. lxx. iaren ein news volck mit solchen suenden vnbeladen gein Jherusalem die zupawen komen solt.
Das fünfte Zeitalter war verwundert und erkannte, dass solch ein Sieg nicht aus menschlicher Kraft, sondern aus göttlicher Gnade geschehen war. Bei der Zerstörung ereignete sich solches Gemetzel, Hunger und tödliche Not. Wenn du das alles wissen willst, lies Josephus, der nicht Gehörtes, sondern Gesehenes, ihm und anderen bekannt, geschrieben hat. Als Titus also mit seinem Vater Vespasian in die Stadt kam, da ließ er Simon (der die Ursache der Zerstörung war) im Triumph mit Stricken durch die ganze Stadt schleifen, seinen Leib verwunden und danach töten. Vespasian baute einen Tempel des Friedens und ließ die Heiligtümer der Juden hineinlegen, wie die Tafeln des Gesetzes und andere Dinge. Die Stadt war damals eine Behausung der Räuber und Mörder bis auf die Zeit Hadrians, auch blieb sie etwa 50 Jahre lang unbewohnt. Dieselbe erneuerte danach Kaiser Hadrian mit Mauern und Gebäuden und nannte sie nach seinem Namen Aelia. Und wie der heilige Hieronymus an Paulinus schreibt, so stand von der Zeit Hadrians bis auf Konstantin etwa 180 Jahre lang an der Stätte der Auferstehung der Abgott Jupiter, und auf dem Berg des Kreuzes eine steinerne Säule, auf der der Abgott Venus von den Heiden angebetet wurde, in der Absicht, dass sie uns durch solche Unehre, die den heiligen Stätten erwiesen wurde, den Glauben an die Auferstehung und das Kreuz entziehen könnten. Es haben auch unsere Fürsten die Stadt zuweilen lange besessen und danach wieder verloren. Der große Karl hat sie zum ersten mit großer Mühe erobert, danach wieder verloren. Gottfried hat sie wiederum gewonnen. Damit sie aber auch behalten würde, so sind Kaiser Konrad und Ludwig, ein König zu Frankreich, mit Macht bis nach Asien gezogen. Da aber unsere Fürsten danach träge geworden sind, so ist weder Jerusalem noch Antiochia in unserem Gewalt geblieben. O der Schmach und des Jammers, dass also der Ursprung unseres Anfangs so abgenommen hat, dass die Feinde des Kreuzes den hochberühmten Tempel Salomos, in dem der Herr oft gepredigt hat, Bethlehem, in dem er geboren wurde, Golgatha, wo der Herr gekreuzigt ist, das zierliche Grab, in dem der Herr um unseretwillen geschlafen hat, besitzen sollen. Das die Christen (wenn sie es selbst nicht wollten) nicht unbedacht lassen könnten. Seht die Stadt des lebendigen Gottes, den Ort unserer Erlösung, die Stadt, die uns Gott mit Wunderwerken erleuchtet und mit seinem Blut geheiligt hat, in der die Blumen der ersten Auferstehung erschienen sind, über die die Ritterschaft Mohammeds Gewalt hat und dem sündhaften Volk unterworfen ist. Blatt 64 der Weltchronik. Hier beginnt das fünfte Zeitalter der Welt und hat seinen Anfang, als die Juden gefangen nach Babylon geführt wurden, und währt bis auf die Geburt unseres Herrn Jesus Christus, etwa 590 Jahre. Wiewohl etliche in der Rechnung anderes meinen, die die Jahre der eigentlichen Gefangenschaft zählen wollen, vom 11. Jahr des Reiches Zedekias, wie Eusebius setzt. Als dann haben die 70 Jahre der Gefangenschaft im zweiten Jahr des Darius ein Ende. Josephus aber und der heilige Hieronymus rechnen vom 13. Jahr des Königs Josia bis auf das dritte Jahr des Königs Kyros. Etliche vom letzten Jahr des Königs Jojakim bis auf das letzte Jahr des Kyros. Damit man aber das Rechte verstehe: Die 70 Jahre, die sich im dritten oder letzten Jahr des Kyros enden, sind eigentlich die Jahre jüdischer Gefangenschaft. Die Jahre, die sich aber im zweiten Jahr des Darius enden, sind eigentlich die Jahre, als die Juden ganz aus dem Land gekommen sind. Und den Schatz der Heiligen Schrift haben wir besonders, was geschehen ist vom Jahr des Anfangs der Welt: 4610. Von der Sintflut: 2369. Von der Geburt Abrahams: 1327. Und vom 28. Jahr des Reiches Tarquinius, des römischen Königs, als auch bei den Medern Astyages, bei den Makedoniern Europa, bei den Lydern Alyattes, bei den Ägyptern Apries und bei den Chaldäern Nebukadnezar der Erste regiert haben. Hier beginnt die Gefangenschaft der Hebräer, die eine Zerstörung des Volkes Jerusalem gewesen ist und 70 Jahre währt. Als das Volk von Israel jetzt lange Zeit den Götzen gedient und auch das Blut der Unschuldigen vergossen hat. Da wollte Gott dieses Geschlecht vertilgen und verhängte, dass dieses Volk im Reich der Chaldäer 70 Jahre gefangen wäre, auf dass nach diesen 70 Jahren ein neues Volk, mit solchen Sünden unbeladen, nach Jerusalem kommen sollte, um sie wieder aufzubauen.