Fünftes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
400px Johannes bapista der vorlauffer Jhesu cristi auß heiligen eltern Zacharia vnd Elisabet geporn was von seiner muter leib her geheiligt vnd vnder den suenen der weiber (als der herr selbs bezeuegt) kein groeßrer auferstanden. er was ein prophet vnnd mer dann ein prophet vnnd mer dann ein prophet. do er Cristum den erloeser mit eim finger zaiget sprechend. Nembt war das lamb gottes etc. vnd wiewol er nach verscheinung der vnsprechenden iar noch ein zarts vnd verlebten eltern einigs kind was yedoch ergabe er sich vmb lieb willen des himlischen vaterlands in die aynsidelschaft. Darnach im. xxx. iar seins alters vnd im. xij. iar Tiberij des kaysers (die weil poncius Pilatus der iudisch land verweset) geschah das wort des herrnn vber Johannem in der wuestnus vnd er kom in lale gegent des Jordans verkuendende den tauff des bueßwerigkeit. Vnlang vor anfang der predigung Cristi wardt er gefangen vnnd gekerckert von Herode antipa den er gestraft het sprechende. Dir gezimt nit zehaben das weib deins bruders. vnd Johannes wardt auff desselben weibs anregen ein iar mit gestanck des kerckers vnnd großer hungerung gehelligt. als nach außgang des iars Herodes am tag seiner gepurt alle fuersten vnd die eldlern zu der wirtschaft beruefft het. vnd die in der wirtschaft frolockten. do gaylet vnd sprang die tochter des eibs herodis also dz sie dem konig wolgefiel vnd der konig schwuer ir zegeben wz sie forderte. do begeret sie auß vermanung irer muter des hawbts iohannis in einer schueßel. vnd wiewol der konig von des geswornn ayds wegen betruebt wz. yedoch ließ er Johannem nach begere der buebin enthawbten. 400px Blat XCV der werlt Das sechst alter der werlt hat sich als vnser herr Jhesus cristus geporn wz angehebt. in dem anfang des. xlij. iars des keyserthumbs Augusti octauiani. in dem. xxxi. iar des konigreichs Herodis des außlendischen. vnd in den dritten iar der. c. xciij. olimpiadischen zal. vnd erpawung der statt rome. vijc. vijc. lix. iar. vom gefancknus der iuden. vc. xlv. iar. von dem koningreich dauid tausent. xxix. von der gepurt Abraha. ijm. xv. iar. von der sintfluss Noe. ijm. ixc. lvij. von adam. vm. c. xcix. iar. von der empfencknus Johannis des tawffers in dem sechten monat. vnd wirdt wrnn durch die gantzen zeit die man der gnaden haißt. vnd ist verzogen von der gebenedeiten gepurt cristi ihesu bis in dise gegenwuertige zeit tausent. iiijc. xc. vnd zway iar. vnd wird hinfuer seinen lawff haben bis zu der zeit anticristi. oder bis zum ende der werlt. so sich mit keiner gewisen ordnung der geperung oder zeit sunder gleich als mit einem agebkomnen tod der gantzen werlt enden wirdet. Ettlich nemen den anfang diss alters (als vor geschriben stet) von der menschwerdung cristi. ettlich von den tauff cristi von der kraft wegen dem wassernn gegeben nach entschafft der beschneidung. vnd ettlich von den leiden cristi. dann alßdenn ist die pfort des paradises geoffent vnd das sibend alter der ruoenden angegangen. vnd auß disem sechsten alter haben das cristenlich keyserthumb vnd dz hoehst babstlich bistumb mit lob. vrsprung vnd gruntfeste gehabt. 600px MAriannes ein konigin der hebreischen. ein tochter Aristoboli wardt von Herode irm mann auß neyd ertoedt. dann sie wz (als Josephus sagt) so großer vnd vngesehner schoene dz man maynet dz sie nit allain in derselben zeit andere frawen an wolgestaltnus vbertraffe sunder man hielt sie auch fuer ein himlisch pild. Zu letst wardt sie von irer muter vnd schwester gein Heroden verclagt dz sie ein entwerffnus irer pildung vnd gestalt Octauiano zugeschickt haben solt inen darmit zu irer begirde zeraytzen. das glawbet Herodes vnd hieß sie toedten. Die iuden haben nit gemangelt einich fuersten bis auff disen tag als sie erstlich disen außlendischen Herode angenomen haben dann es wz die zeit dz do koeme der den versprochen wz dz dem newen gesetz gelobet ist. dz er wer ein harrung der hayden. darumb hat. vnd gar billich ir salbung. das ist ir herrschung vnd gewalt ein ende gehabt. dann es was auß der schrift Danielis der heilig der heiligen komen.
Johannes der Täufer, der Vorläufer Jesu Christi, geboren von heiligen Eltern, Zacharias und Elisabeth, war von seiner Mutter Leib an geheiligt, und unter den Söhnen der Frauen (wie der Herr selbst bezeugt) ist kein Größerer auferstanden. Er war ein Prophet, und mehr als ein Prophet, und mehr als ein Prophet. Als er Christus, den Erlöser, mit einem Finger zeigte, sprechend: „Seht, das Lamm Gottes etc.“, und obwohl er nach Ablauf der unbestimmten Jahre noch ein zartes und einziges Kind betagter Eltern war, ergab er sich doch um der Liebe zum himmlischen Vaterland willen in die Einsiedelei. Danach, im dreißigsten Jahr seines Alters und im zwölften Jahr des Kaisers Tiberius (während Pontius Pilatus das jüdische Land verwaltete), geschah das Wort des Herrn über Johannes in der Wüste, und er kam in alle Gegenden des Jordans, verkündend die Taufe der Bußfertigkeit. Unlange vor dem Beginn der Predigt Christi wurde er gefangen und eingekerkert von Herodes Antipas, den er gestraft hatte, sprechend: „Dir geziemt es nicht, das Weib deines Bruders zu haben.“ Und Johannes wurde auf Anregung desselben Weibes ein Jahr lang mit Gestank des Kerkers und großer Hungerung gequält. Als nach Ablauf des Jahres Herodes am Tag seiner Geburt alle Fürsten und die Ältesten zu einem Festmahl berufen hatte, und die beim Festmahl frohlockten, da tanzte und sprang die Tochter des Weibes des Herodes, sodass sie dem König wohlgefiel, und der König schwor ihr zu geben, was sie forderte. Da begehrte sie auf Anregung ihrer Mutter das Haupt des Johannes in einer Schüssel. Und obwohl der König wegen des geschworenen Eides betrübt war, ließ er Johannes doch nach Begehren des Mädchens enthaupten. Blatt XCV der Welt. Das sechste Zeitalter der Welt hat sich, als unser Herr Jesus Christus geboren wurde, angehoben, im Anfang des zweiundvierzigsten Jahres des Kaisertums des Augustus Octavianus, im einunddreißigsten Jahr des Königreichs Herodes des Ausländers, und im dritten Jahr der 193. Olympiade, und der Erbauung der Stadt Rom 759 Jahre, von der Gefangenschaft der Juden 545 Jahre, von dem Königreich Davids 1029 Jahre, von der Geburt Abrahams 2015 Jahre, von der Sintflut Noahs 2957 Jahre, von Adam 5199 Jahre, von der Empfängnis Johannes des Täufers im sechsten Monat. Und es wird währen durch die ganze Zeit, die man die der Gnade heißt, und ist vergangen von der gebenedeiten Geburt Christi Jesu bis in diese gegenwärtige Zeit 1492 Jahre. Und es wird hinfort seinen Lauf haben bis zur Zeit des Antichristen oder bis zum Ende der Welt, das sich mit keiner gewissen Ordnung der Geburt oder Zeit, sondern gleichsam mit einem plötzlichen Tod der ganzen Welt enden wird. Etliche nehmen den Anfang dieses Zeitalters (wie zuvor geschrieben steht) von der Menschwerdung Christi, etliche von der Taufe Christi, wegen der Kraft, die den Wassern gegeben wurde nach Abschaffung der Beschneidung, und etliche von dem Leiden Christi. Denn alsdann ist die Pforte des Paradieses geöffnet und das siebente Zeitalter der Ruhenden angegangen. Und aus diesem sechsten Zeitalter haben das christliche Kaisertum und das höchste päpstliche Bistum mit Lob, Ursprung und Grundfeste gehabt. Mariamne, eine Königin der Hebräer, eine Tochter des Aristobulus, wurde von Herodes, ihrem Mann, aus Neid getötet. Denn sie war (wie Josephus sagt) von so großer und ungesehener Schönheit, dass man meinte, sie übertreffe nicht allein in derselben Zeit andere Frauen an Wohlgestalt, sondern man hielt sie auch für ein himmlisches Bild. Zuletzt wurde sie von ihrer Mutter und Schwester bei Herodes verklagt, dass sie einen Entwurf ihrer Abbildung und Gestalt dem Octavianus zugeschickt haben sollte, um ihn damit zu ihrer Begierde zu reizen. Das glaubte Herodes und ließ sie töten. Die Juden haben keinen einzigen Fürsten gemangelt bis auf diesen Tag, als sie erstlich diesen ausländischen Herodes angenommen haben, denn es war die Zeit, dass der kommen sollte, der versprochen war, der dem neuen Gesetz gelobt ist, dass er eine Hoffnung der Heiden sei. Darum hat, und gar billig, ihre Salbung, das ist ihre Herrschaft und Gewalt, ein Ende gehabt, denn es war aus der Schrift Daniels der Heilige der Heiligen gekommen.