Fünftes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
120px Herodes antipas des großen Herodis sun hat nach Achelaum vorgenannt seynem bruder in verwesung Gallilee. xxiiij. iar geherrschet. dann nach außtreibung archilai wardt das reich der iuden in vier teil geteilt vnd disem Herodi Gallilea zugeordnet. Diser was der aller vnguetigst vnnd grausambst man. gegen den burgern ein todslager. gegen den edeln ein moerder. gegen den gesellen ein verwuester. gegen den inhamischen ein rawber. der in abtilgung weder seins volcks noch seiner kinder; noch außwendiger noch auch aigner lewt verschonet. sunder alle ding verachtet vnd enteret. dann er hat die briesterschaft der iuden abgenomen. vnd alle gesetz vnd ordnung zertrewet. vnd als er das weib Philippi seins bruders wider das gesetz genomen het darum ine der heilig Johannes der tawffer vermanet sie zelassen do wolt er ine toedten. aber er forcht das volck. dann Johannes (als der euangelist setzt) wardt von menigclichen als ein warer prophet gehalten. aber er ließ nach ime greiffen. ine in einen kercker legen. vnd vnlang vor dem tod Cristi enthawbten. Diser Herodes ist der zu dem Jhesus von Pilato in Jherusalem gesenndet vnnd von demselben Herode verspottet wider zu Pilato geschickt wardt darumb das Jhesus gefragt nit antwurten wolt. als Lucas schreibt. Zu letst wardt er von Caio dem kaiser gein Rom gefordert vnd in vil straflichen dingen vberwunden. vnd darumb gein Lyon in der Gallier statt verschickt. daselbst endet er sein leben erbermlich. aber seinen weib die do wz ein schwester agrippe. den dann Gaius ser liebet gab er freyheit wider anhayms in ir land zeziehen. sie sol get aber irmm mann in das ellend nach vnd sprach sie woelt irn mann nit verlassen in widerwertigkeit mit dem sie wer gewesen in gemainschafft der glueckseligkeit. vnd darnach hat Caius das lannd Gallileam Herodi agrippe gegeben der nachfolgend drey viertel der geteylten gegent gehalten hat. 120px In dem iudischen land warnn dreyerlay seckt oder beyglawben der iuden von gemaynem leben vnd wone der andern abgesuendert. Eine was der Phariseier. die zu den zeiten Ptolomei philadelphi entstund. vnd zu disen zeiten von scheins vnnd erzaigung wegen der heiligkeit zu Jherusalem in großer achtung (als wir auß der histori des ewangeliums abnemen muegen) bey den iuden gehalten wardt. die hießen darumb pharisei das ist die abgesuenderten. dann sie warnn von andern menschen mit klaidung vnd wandel abgetailt. wann sie geprauchten sich gestrengerer geistlicher vbung vnnd gar massiger speysung vnd truogen pirgamenine zettelein an der stirn vnd an der lingken hand die zehen gepot beschriben zu gedechtnus des gesetz. sie truogen auch weyte prem gepunden mit doernern mit dem sie gestachelt warden dabey der goetlichen gepot gedechtig zesein. sie rechenten got vnd der fuerordnung goetlicher fuersichtigkeit alle ding zu iren obern vnd eltern. antwurteten sie nymmer widerwertigs. vnd sprachen dz dz gericht gottes kuenftig wer. so wer alle sele vnzerstoerlich vnd hofften vnd verkuendeten die vrstend der todten. Dise phariseier warn vnserm herrnn Cristo fast widerwertig vnd seins todts mitwissende vnd mitschuldig. 120px Die ander steckt was der Saduceyer. aber nit dersselben geistlichkeit vnnd achtung wie die phariseier. sie hielten nit fuerordnung goetlicher fuersichtigkeit. sunder sprachen got wer ein anschawer aller ding. vnd es stuende in des menschen willen guots oder boeß zethun. sie widersprachen vrstend des flaisch vnd sagten es wernn nit engele. vnd mainten das die selen mit den leiben vergiengen. sie namen allain die fuenff buecher Moysi an vnd nach dem sie zefast ernstlich vnnd gestreng vnnd auch vnder ineselbs nit gaistlich warnn. darumb von solcher ernsthaftigkeit wegen nenneten sie sich Saduceos. das ist die gerechten. 120px Daselbst regiret auch die drit seckt Esseorum genant. die schier in allen dingen ein muenchisch vnnd aynsidlisch leben fueerten. sie verscheheten die hohzeiten der ee. nit auß verachtung der gemahelschaft oder zu verminderung menschlicher geperung. sunder zuuermeiden die vnmassigkeit der weiber. vermainende das ir keine dem mann trew hielt Sie warnn mit lieb vnder einander also verwandt. das sie als verschmeher der reichthemer ire hab vnd guetter vermischten. gleich ob zwischen ine als bruedern ein einige vaterliche erbschaft wer. sie achteten der salben nicht. sie hielten es fuer ein vnsewberkeit vnd vnzier so sie alweg in scheinenden weissen kleidern wernn. Sie hetten sunderlich schaffer vnd besorger irer gemaynen ding. aber kein sundere gewise statt. sunder in iglichen stetten ire behawsungen. sie verwandelten ire klaider vnd geschuech nit eer dann die vorigen wernn gantz zerrissen oder von geprauch langerzeit verzeret. sie warnn sunderlich gegen got geistlicher vbung vnd andacht. vor auffgang der sunnen nichtz vnzimlich redende. im auffgang bettende. vnd darnach bis zu der fuenften stund arbaitende. vnnd sich widerumb zusamen versamlende mit weißem leinen tuoch guertende. sich mit kaltem wasser waschende vnd also zum essen komende. vnd es gezimet auch keinem ichtzit zeuersuchen er het denn vor vnnd ee das gebett zu got getan. Nach ende des mals oder essens erwiderten sie ire gebett. sie bewisen die wirtschaft mit hohen fleiß. Einich aufruor. gethuemel oder geschray wardt in irnn herbergen nyndert gehoert: sunder sie hielten das hoehst schweigen. Einen schwuor hetten sie fuer einen maynayd. sie ließen nymant in ir seckt. dann vnder der bewerung eins iars. sie warden gezwungen zeschweren. das sie got den glawben. den menschen die gerechtigkeit. vnd den fuersten gehorsam laysten wolten. vnd so sie yezuzeiten andern vorwernn sich der kreft irs gewalts zu vnbillicher beschwerde der vnderthanen nymmer mer geprauchen solten. Zu irem gericht komen nit minder dann hundert person Derselben vrteil vnd erkantnus warnn darnach vnwiderrueflich. Den feyertag hielten sie also vnbeflecklich das sie daran weder kochten noch einich fewer anzuendeten. noch einicherlay gefaß rainigten. so gruoben sie mit einen peyhel in die erden vnd bedeckten sich vmb vnd vmb mit nidergelaßnen klaid dz sie nit gesehen wurden der sunen glantz einich schmahe vnd vnzucht zebeweisen. vnd wenn sie sich denn also rainigten so warffen sie alßdenn dz außgeworffen erdtrich wider ueber die gruben. Blat XCVII der werlt Veronica ein weib zu Jherusalem ein iungerin cristi vnd ein fraw an heiligkeit vnd zuechtigem wandel achtper wardt zu disen zeiten vnd Tiberio dem kaiser durch Volusianum den gestrengen man auß Jherusalem mit dem schwayßtuch cristi gein Rom gefordert. dann derselb kaiser (als ettlich schreiben) wardt mit schwerem seuechen einer krankheit begriffen. als pald er aber dise heilige frawen empfangen vnd das pild Cristi berueret het do wardt er von aller kranckheit gehailet. vnd dieselb Veronica von diss wunderwercks wegen von dem keiser darnach in großer achtung gehalten. dann sie verharret alda bis an ir end mit Petro vnd Paulo den aposteln vnd Clemente den babst ein kirchen gottes machennde. Dise ist die die vonn weiplicher ploedigkeit (als das euangelium innhelt) bekuemert vnnd dauon durch den herrnn nach beruerung der oerter seiner kleider gehailet wardt. von dem sie auch zu der zeit seins lebens das bemelt pild seins antlitzs zu eim zaichen der lieb empfienge. dasselb also in ein tuechlein eingedruckts pild ist Clementi dem babst vnd seinen nachkomen von derselben Veronica durch ein testament zu gewidemt. daselbst wirdt es bis auff dise zeit in sant Peters kirchen von den cristglawbigen menschen mit großer andacht vnd innigkeit gesehen vnd vil lobs dauon geschriben gefunden. 130px Xenarchus der naturlich maister ein gedechtnus wirdiger man. den Strabo der geschihtbeschreiber noch zumal iung gehoert hat ist zu den zeiten Tiberij des kaysers bey Sleueciam der statt Cilicie gestorben. vnd (als man sagt) nit lang anhayms bliben. sunder eintweders zu Alexandria oder zu Athenis oder zu rom von lernung wegen auß erwelt bis an sein alter alweg in großer ere gehalten gewesen. Disem wz der keyser Augustus darnach gar freuontlich. aber vnlang vor disen zeiten vnd seinen absterben verlore sein gesyhte. 130px Philo der iud von Alexandria pirtig gar ein hohgelert man wardt diser zeit in großer achtperkeit gehalten vnd hat vil treffenlicher vnd tapfferer ding geschriben. vnd mit seiner kunst vnd redsprechlichkeit das freuenlich fuernemen Appionis gegen den Juden gestillet. darinn vil haben in verwunderung seiner redsprechlichkeit gesprochen das Philo dem Platoni. oder Pluto dem Philoni nachfolg. Diser kom zu letst gein Rom vnd het red vnd wandel mit sant Peter. von dem wardt er im glawben also wol berichtet dz er von dem lob cristenlichs glawbens vnd wesens darnach vil geschriben hat. die (als der heilig Jheronimus bezeuegt) vnder den buechern die man Ecclesiasticos nennet gezelt werden. Auch allermaist gar erleuechte außlegung vber die fuenff buecher Moysi. vnd anders mer. 130px Agrippina was von Marco agrippa auß Julia des kaysers Octauiani tochter geporn vnd ein muter Cay caligule des keysers vnder den erleuechten hohberuembten frawen geachtet. Die wardt diser zeit von Tiberio dem kayser mit vil muotwilliger bekuemernus also betruebt das sie irselbs mit hungrung den tod erwarb. Dise wardt also iung Germanico einem zierlichen vnd gemainem nutz fuosam iungling vnd Tiberij des keysers zugewuenschtem sun vermehelt. vnd hat bey demselben irem mann drey suen. der einer hieß Caius caligula. der darnach vber die Roemer herrschet. do wardt ir man auß schickung Tiberij mit gift abgethan. vnd als sie nach weiplichem sitten den todt irs mans mit großem iamer bewainet do fiel Tiberius gegen ir in haß. also das sie von ime sie amm arm haltende mit vil hoenungen vnd schmelichen geperden bekuemert wardt. aber diss erberpider weib setzet ir fuer dem hohmuot des fuersten mit tod des magens zeempflihen. vnd fieng alspald an sich von aller speis zeenthalten. do das an Tiberium gelanget. vnd er aber weder mit betroung noch schlegen die frawen zu einnemung der speys bringen mocht. do ließ er ir die speyß gewaltigclich einnoeten. aber yemer Agrippina mit vergeweltigung verpittert wardt ye keckers vnd sterckers fuersatz vnd anfangs sie verharrende des boeßhafftigen fuersten gewaltsamkeit sterbende vberwand. vnd wiewol dise fraw mit iren todt irselbs bey den irn vil ruome lobs vnd ere erlanget hat. so hat sie doch damit den tiberio weit mer schand vnd nachred gelaßen 130px Agrippa der gross Aristoboli des konigs sun volget seinem vater im reich nach vnd regiret die iuden siben iar. Diser was von natur ein guot mensch vnnd hat die statt Jherusalem mit aigner costung vast gezieret. Aber der sun Aristoboli den der vater Herodes ertoedtet kom zu Tiberio. als aber derselb die verclagung nit annemen wolt do enthielt er sich zu Rom vnnd fliße sich ettlicher gewaltiger kunschaft zeerlangen. Nw hielt Agrippa sich mit großer verwandtschaft an Cayum den sun Germanici dieweil er noch in sunderm wesen was. vnd nach dem er saget das derselb ettwen keyser werden solt do wardt er bey Tiberio verclagt vnd auff befelh Tiberij eingesloßen vnnd also in großer hertigkeit bis in den tod Tiberij im kercker sechs monat gehalten vnd darnach durch Cayum auß den panden entledigt. vnd ime die gegent Philippi eingegeben vnd also ein konig genant. vnd in fuer die eißnin ketten die er imm kercker getragen het ein guldine geschanckt. vnd als er auß rom gein Jherusalem in den tempel kome hielt er opffer vnnd hienge diesleben ketten dselbst auff zu ewiger anzaigung seyns großen fals. Do er aber zu letst in Cesariam abstyge vnd geduldet sich einen got zehaißeni wardt er vomm engel geslagen vnd sprach mit auffgeplaßnem leib. Ich wardt vormals ein got genant. so lig ich yetz in todes pand. vnd starb imm. lvij. iar seins alters vnd ließ Agriuopam den sun. xvij. iar alt einen erben von drey toechter Beronicem Mariam vnd Drusillam. so het er einen bruder genant Herodes ein konig Calcidis der was von iugent wegen des suns dem reich vor.
Das sechste Zeitalter. Herodes Antipas, der Sohn des großen Herodes, hat nach seinem vorgenannten Bruder Archelaos in der Verwaltung Galiläas vierundzwanzig Jahre geherrscht. Denn nach der Vertreibung des Archelaos wurde das Reich der Juden in vier Teile geteilt und diesem Herodes Galiläa zugeordnet. Dieser war der allerungütigste und grausamste Mann: gegen die Bürger ein Totschläger, gegen die Edlen ein Mörder, gegen die Gefährten ein Verwüster, gegen die Einheimischen ein Räuber, der bei der Ausrottung weder sein Volk noch seine Kinder, noch Fremde noch eigene Leute verschonte, sondern alles verachtete und entehrte. Denn er hat die Priesterschaft der Juden entzogen und alle Gesetze und Ordnungen zerstört. Und als er das Weib Philippus', seines Bruders, wider das Gesetz genommen hatte, darum ihn der heilige Johannes der Täufer ermahnte, sie zu verlassen, da wollte er ihn töten. Aber er fürchtete das Volk, denn Johannes (wie der Evangelist schreibt) wurde von jedermann als ein wahrer Prophet gehalten. Aber er ließ ihn ergreifen, ihn in einen Kerker legen und unlängst vor dem Tod Christi enthaupten. Dieser Herodes ist der, zu dem Jesus von Pilatus in Jerusalem gesandt und von demselben Herodes verspottet wieder zu Pilatus geschickt wurde, darum weil Jesus auf Befragen nicht antworten wollte, wie Lukas schreibt. Zuletzt wurde er von Gaius dem Kaiser nach Rom gefordert und in vielen strafbaren Dingen überführt und darum nach Lyon, in der Stadt der Gallier, verschickt. Daselbst endete er sein Leben erbärmlich. Aber seinem Weib, das eine Schwester des Agrippa war, den Gaius sehr liebte, gab er Freiheit, wieder heim in ihr Land zu ziehen. Sie sollte aber ihrem Mann ins Elend nachfolgen und sprach, sie wollte ihren Mann nicht verlassen in Widerwärtigkeit, mit dem sie in Gemeinschaft der Glückseligkeit gewesen war. Und danach hat Gaius das Land Galiläa Herodes Agrippa gegeben, der nachfolgend drei Viertel der geteilten Gegend gehalten hat. Im jüdischen Land waren dreierlei Sekten oder Glaubensrichtungen der Juden vom gemeinen Leben und Wohnen der anderen abgesondert. Eine war die der Pharisäer, die zu den Zeiten Ptolemäus Philadelphus entstand und zu diesen Zeiten wegen des Scheins und der Darlegung der Heiligkeit zu Jerusalem in großer Achtung (wie wir aus der Geschichte des Evangeliums entnehmen können) bei den Juden gehalten wurde. Die hießen darum Pharisäer, das ist die Abgesonderten, denn sie waren von anderen Menschen mit Kleidung und Wandel abgeteilt. Wann sie sich strengerer geistlicher Übung und sehr mäßiger Speisung gebrauchten und pergamentene Zettelchen an der Stirn und an der linken Hand trugen, die zehn Gebote beschrieben, zur Gedächtnis des Gesetzes. Sie trugen auch weite Säume, gebunden mit Dornen, mit denen sie gestachelt wurden, dabei der göttlichen Gebote gedenk zu sein. Sie rechneten Gott und der Vorordnung göttlicher Fürsichtigkeit alle Dinge zu ihren Oberen und Älteren; antworteten sie niemals Widerwärtiges. Und sprachen, dass das Gericht Gottes künftig wäre, so wäre jede Seele unzerstörlich und hofften und verkündeten die Auferstehung der Toten. Diese Pharisäer waren unserem Herrn Christus fast widerwärtig und seines Todes mitwissend und mitschuldig. Die andere Sekte war die der Sadduzäer, aber nicht derselben Geistlichkeit und Achtung wie die Pharisäer. Sie hielten nicht an der Vorordnung göttlicher Fürsichtigkeit, sondern sprachen, Gott wäre ein Anschauer aller Dinge, und es stünde in des Menschen Willen, Gutes oder Böses zu tun. Sie widersprachen der Auferstehung des Fleisches und sagten, es wären keine Engel, und meinten, dass die Seelen mit den Leibern vergingen. Sie nahmen allein die fünf Bücher Mose an, und nachdem sie zu ernstlich und streng und auch unter sich selbst nicht geistlich waren, darum von solcher Ernsthaftigkeit wegen nannten sie sich Sadduzäer, das ist die Gerechten. Daselbst regierte auch die dritte Sekte, Essener genannt, die schier in allen Dingen ein mönchisches und einsiedlerisches Leben führten. Sie verschmähten die Hochzeiten der Ehe, nicht aus Verachtung der Gemahlschaft oder zur Verminderung menschlicher Gebärung, sondern zu vermeiden die Unmäßigkeit der Weiber, vermeinend, dass keine von ihnen dem Mann treu hielt. Sie waren mit Liebe untereinander also verwandt, dass sie als Verschmäher der Reichtümer ihre Habe und Güter vermischten, gleich als ob zwischen ihnen als Brüdern eine einzige väterliche Erbschaft wäre. Sie achteten der Salben nicht. Sie hielten es für eine Unsauberkeit und Unzier, wenn sie allweg in scheinenden weißen Kleidern wären. Sie hatten sonderliche Schaffner und Besorger ihrer gemeinen Dinge, aber keine besondere, gewisse Stätte, sondern in jeglichen Städten ihre Behausungen. Sie verwandelten ihre Kleider und Schuhe nicht eher, als die vorigen ganz zerrissen oder vom Gebrauch langer Zeit verzehrt waren. Sie waren sonderlich gegen Gott geistlicher Übung und Andacht, vor Aufgang der Sonne nichts Unziemliches redend, im Aufgang betend und danach bis zur fünften Stunde arbeitend. Und sich wiederum zusammen versammelnd, mit weißem Leinentuch gürtend, sich mit kaltem Wasser waschend und also zum Essen kommend. Und es geziemte auch keinem, irgendetwas zu versuchen, er hätte denn zuvor und ehe das Gebet zu Gott getan. Nach Ende des Mahls oder Essens erwiderten sie ihre Gebete. Sie bewiesen die Wirtschaft mit hohem Fleiß. Einiger Aufruhr, Getümmel oder Geschrei wurde in ihren Herbergen nirgends gehört, sondern sie hielten das höchste Schweigen. Einen Schwur hielten sie für einen Meineid. Sie ließen niemand in ihre Sekte, denn unter der Bewährung eines Jahres. Sie wurden gezwungen zu schwören, dass sie Gott den Glauben, den Menschen die Gerechtigkeit und den Fürsten Gehorsam leisten wollten. Und so sie jederzeit anderen vor wären, sich der Kräfte ihres Gewalts zu unbilliger Beschwerde der Untertanen nimmermehr gebrauchen sollten. Zu ihrem Gericht kamen nicht minder als hundert Personen. Derselben Urteil und Erkenntnis waren danach unwiderruflich. Den Feiertag hielten sie also unbeflecklich, dass sie daran weder kochten noch irgendein Feuer anzündeten, noch irgendein Gefäß reinigten. So gruben sie mit einem Beil in die Erde und bedeckten sich ringsum mit niedergelassenem Kleid, dass sie nicht gesehen wurden, dem Sonnenglanz irgendeine Schmach und Unzucht zu beweisen. Und wenn sie sich denn also reinigten, so warfen sie alsdann das ausgeworfene Erdreich wieder über die Gruben. Blatt 97 der Weltchronik. Veronica, ein Weib zu Jerusalem, eine Jüngerin Christi und eine Frau an Heiligkeit und züchtigem Wandel achtbar, wurde zu diesen Zeiten und von Tiberius dem Kaiser durch Volusianus, den gestrengen Mann, aus Jerusalem mit dem Schweißtuch Christi nach Rom gefordert. Denn derselbe Kaiser (wie etliche schreiben) wurde mit schwerem Siechtum einer Krankheit ergriffen. Alsbald er aber diese heilige Frau empfangen und das Bild Christi berührt hatte, da wurde er von aller Krankheit geheilt. Und dieselbe Veronica wegen dieses Wunderwerks von dem Kaiser danach in großer Achtung gehalten. Denn sie verharrte allda bis an ihr Ende mit Petrus und Paulus den Aposteln und Clemens dem Papst, eine Kirche Gottes machend. Diese ist die, die von weiblicher Blö...