Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter Regenspurg die beruembt vnd gedechtnus wirdig vnd freye statt an der thonaw gelegen ist von tiberio nerone im als iar Cristus iesus fuer dz hail menschlichs geslechts gelidden hat erpawt vnd ettwen die hawbtstatt Bayern gewesen Vor alten zeiten haben die Norckewer dise gegent inngehabt. darumb haist man noch hewtbeytag einen teil ihenßhalb der Thonaw gelegen das Norckaw. nach den Norckawern komen die Bayern. Die fast alte buecher nennen das Bayerland Baioariam. aber yetzo haißt man sie Bauariam. vnd derselb Baioarisch namen ist her komen von dem Gallischen volck Bois genant. dann als die roemer (als Strabo setzt) dieselben Gallischen volker Baios auß iren gegenten vertriben. do zohen dieselben voelcker an die Thonaw vnd woneten mit dem Thaurisciern. so haben sie auch in Pannonia gewonet. vnd von dannen leichtlich in das Norckaw als ein anstossende gegent gelanget. Wiewol dieselb gegent ettwen (als Strabo schreibt) wueest gewest ist so ist sie doch yetzo fast wol erpawt. vnd hat groß loeblich stett vnd edel befestigung. aber Regenspurg vbertrift an zierde die andern. Imm Bayernlannd sind fuenff bischoflich stett. Die hawbtstatt derselben ist die ertzbischoflich statt Saltzburg. von dem fluss daran sie ligt also genant. die die alten Junauiam. das ist helffenburg hießen. aber das Regenspurgisch bischofthumb ist weylend hoh beruembt vnd gantz Behemer land demselben vnderworffen gewest. Dise statt sieben namen gehabt. Zu erst wardt sie genant von irm erpawer Tiberina oder Tuburina. dann Tiberius linie des weibs Augusti rechter vnd desselben Augusti stief sun wardt von Augusto mit grossem heer wider die Norckawer oder Bayern vnd Lechfelder gesendet vnd nach erniderlegung derselben dise statt von ime gepawen vnd nach ime Tiberina genant Zum andern ist sie langzeit Quadrata das ist die vierecket statt gehaißen worden darumb das sie in vieregckete gestalt vnd mit einer mawer von großen quadersteinen vmbfangen gewesen ist. als man an den vberbleiblingen der alten mawer hintter sant Pauls kirchen sehen mag. Zum dritten Hyatospolis oder Hyaspolis von wegen der groben sprach des volcks in der nachpawrschaft auff dem gewwesende. das seine wort mit weyttem zedentem mund außredet. oder aber von wegen dess zusamen fluss der sich erpraytenden wasser bey der statt. dann die Thonaw die Nab vnd der regen rinnen dabey gegen mitternacht ineinander. Zum vierden Germanßheym von dem teuetschen volck. die man Germanos haißt. die dann diselben statt pfleglich besuchten. oder von dem man Germanico der diser statt vor wz. Zum fuenften Reginopolis dz ist souil als konigßpurg von vilfeltiger zusamenkomung wegen daselbst der fuersten vnd konig. als die hoeff thuern vnd hohe gepew der herrnn anzaigen. Zum sechsten von dem fluss ymber dz ist zu teuetzsch regen. ymbripolis dz ist Regenspurg. dann derselb fluss Regen fleuestt gegen mitternacht in die Thonaw. Daselbst ist ettwen dise stat angefengt vnnd ir der namen Regenspurg dauon biß hieher bliben. Zum sibenden Katißbona von den schiffen oder floessen die kaufmanschatzs halben. vnd zu den zeiten des großen keiser Karls zu den kriegen daselbst zusamen komen vnd darumb als festigclich gelegen vnd mit gepewen bestercket auf disen hewtigen tag zu latein Katißbona genant wirdt. Thonaw der Blat XCVIII der werlt groß fluss teuetscher land. entspringt an dem teuetschen gepirg. vnd nymbt. lx. fluess die schier alle schiffreich sind in sich vnnd fleueßt vor diser loeblichen statt hin. vnd ist dabey vber dieselben Thonaw ein fast starcke steinine prugk mit vil schwynbogen. angefengt nach der gepurt cristi tausent hundert vnd in dem. xv. iar Der aller cristenlichst keyser Karl der groß hat mit gewappenter hand im das Bayer lannd vnderworffen. vnnd Taxillo der hertzog zu Bayern mitsampt den Huniern seinen nachtpawrn wider Karolum einen krieg erhebt. do machet derselb Karolus pald frid mit empfahung ettlicher zu geysel. vnd wendet sich wider die statt Regespurg vnd wider die vnglawbigen darinn. die erobret er vnd zwang sie das sie den cristenlichen glawben empfiehen. In demselben krieg wardt ein große menig der vnglawbigen vnd Hunier vor Regenspurg erslagen. darinn keiser Karln von den seinen auch ettliche verlore. die in sant Peters kirchen außerhalb der statt begraben sind. Von derselben zeit her hat dise edle statt große auffuug vnd zunemung empfangen. vnd wirdt auch gezirt mit einer bischoflichen kirchen. darnach in der ere sant Peters geweihet. vnd dauor sant Remigien kirchen genant. gar ein hohberuembt werck in der statt nochmals nit volbracht. Auch mit einem weiten sant Emerams closter sant Benedictem ordens. Item daselbst sind zway frawen muenster. das oeber vnser lieben frawen. vnd das vnder darinn sant Erhart der bischoff rastet. Vil hewser in diser statt haben geweiht kirchen vnnd aigen briester. Aber Arnolffus der keyser hat auß sundrer lieb die er zu diser statt vor andern stetten des reichs het sie an mawrn erweytert. vnd sant Emerams closter dareingefangen vnnd fast gezieret. dann als er von der schlacht der Nortmanorum wider gen Bayern zohe hat er die gepayne sancti Dionisij ariopagite in dem end seins alters disem closter gegeben mitsambt einem gar zierlichen ewangeli buoch mit guldinen buschstaben geschriben. vnd wardt zu letst bey inen begraben. Dise statt wirdt auch geziert mit dem erwirdigen martrer sancto Emeramo dem bischoff. vnd mit sant Wolffgang dem. xi. bischoff derselben statt. der wunderperliche ding bey inen gehandelt. vnd dant Pauls closter gepawt hat. So hat auch Albertus magnus in aller lerre vnd kunst der hoherfarn man daselbst das bisthumb geregirt. Vnd nach dem in diser statt Regenspurg die vier heilige leichnam sant Dionisij. sant Emerams. sand Wolffgangs vnd sant Erharts befloßen sind so mag sich dieselb statt der fuerbit vnd verdienstnus derselben irer heiligen patron vnd hawßuater gegen got dem almechtigen wol billich frewen.
Das sechste Zeitalter. Regensburg, die berühmte, gedenkwürdige und freie Stadt an der Donau gelegen, wurde von Tiberius Nero in dem Jahr erbaut, als Christus Jesus für das Heil des menschlichen Geschlechts gelitten hat, und war einst die Hauptstadt Bayerns. In alten Zeiten hatten die Noriker diese Gegend inne; deshalb nennt man noch heutzutage einen Teil jenseits der Donau gelegen das Noricum. Nach den Norikern kamen die Bajuwaren. Die sehr alten Bücher nennen das Bayernland Baioariam, aber jetzt nennt man es Bauariam. Und dieser bajuwarische Name stammt von dem gallischen Volk, genannt Boier, her. Denn als die Römer (wie Strabon berichtet) diese gallischen Völker, die Boier, aus ihren Gegenden vertrieben, zogen diese Völker an die Donau und wohnten mit den Tauriskern. Sie haben auch in Pannonien gewohnt und gelangten von dort leicht in das Noricum, als eine angrenzende Gegend. Obwohl diese Gegend einst (wie Strabon schreibt) wüst gewesen ist, so ist sie doch jetzt sehr gut bebaut und hat große, lobenswerte Städte und edle Befestigungen; aber Regensburg übertrifft die anderen an Pracht. Im Bayernland sind fünf Bischofsstädte. Die Hauptstadt derselben ist die erzbischöfliche Stadt Salzburg, so genannt nach dem Fluss, an dem sie liegt, die die Alten Juvavum, das ist Helffenburg, nannten. Aber das Regensburger Bistum war ehemals hochberühmt, und das ganze Böhmenland war demselben unterworfen gewesen. Diese Stadt hatte sieben Namen. Zuerst wurde sie von ihrem Erbauer Tiberina oder Tuburina genannt, denn Tiberius, der rechtmäßige Sohn der Frau des Augustus und dessen Stiefsohn, wurde von Augustus mit großem Heer gegen die Noriker oder Bajuwaren und Lechfelder gesandt, und nach deren Niederwerfung wurde diese Stadt von ihm erbaut und nach ihm Tiberina genannt. Zum Zweiten ist sie lange Zeit Quadrata, das ist die viereckige Stadt, genannt worden, weil sie eine viereckige Gestalt hatte und mit einer Mauer aus großen Quadersteinen umfangen gewesen ist, wie man an den Überbleibseln der alten Mauer hinter der St. Pauls Kirche sehen kann. Zum Dritten Hyatospolis oder Hyaspolis, wegen der groben Sprache des Volkes in der Nachbarschaft, in der Gegend, das seine Worte mit weit geöffnetem Mund ausspricht, oder aber wegen des Zusammenflusses der sich ausbreitenden Wasser bei der Stadt, denn die Donau, die Naab und der Regen fließen dort gegen Norden ineinander. Zum Vierten Germanßheym, von dem deutschen Volk, das man Germanen nennt, die dann diese Stadt regelmäßig besuchten, oder von dem Mann Germanicus, der dieser Stadt vorstand. Zum Fünften Reginopolis, das ist so viel wie Königsburg, wegen des vielfältigen Zusammentreffens der Fürsten und Könige daselbst, wie die Höfe, Türme und hohen Gebäude der Herren anzeigen. Zum Sechsten von dem Fluss Ymber, das ist zu Deutsch Regen, Ymbripolis, das ist Regensburg, denn derselbe Fluss Regen fließt gegen Norden in die Donau. Dort wurde diese Stadt einst angefangen, und ihr der Name Regensburg ist davon bis hierher geblieben. Zum Siebten Catisbona, wegen der Schiffe oder Flöße, die des Handels wegen und zu den Zeiten des großen Kaisers Karl zu den Kriegen daselbst zusammenkamen, und darum, als festungsartig gelegen und mit Gebäuden verstärkt, wird sie auf diesen heutigen Tag zu Latein Catisbona genannt. Die Donau, Blatt XCVIII der Welt, großer Fluss deutscher Lande, entspringt im deutschen Gebirge und nimmt sechzig Flüsse, die fast alle schiffbar sind, in sich auf und fließt vor dieser lobenswerten Stadt hin. Und dabei ist über derselben Donau eine sehr starke steinerne Brücke mit vielen Schwibbögen, begonnen nach der Geburt Christi, im Jahre eintausend einhundertfünfzehn. Der allerchristlichste Kaiser Karl der Große hat mit bewaffneter Hand das Bayernland unterworfen. Und Tassilo, der Herzog zu Bayern, erhob mitsamt den Hunnen, seinen Nachbarn, einen Krieg wider Karl. Da schloss derselbe Karl bald Frieden durch die Annahme einiger Geiseln und wandte sich wider die Stadt Regensburg und wider die Ungläubigen darin. Die eroberte er und zwang sie, dass sie den christlichen Glauben annahmen. In demselben Krieg wurde eine große Menge der Ungläubigen und Hunnen vor Regensburg erschlagen. Darin verlor Kaiser Karl auch einige der Seinen, die in der St. Peters Kirche außerhalb der Stadt begraben sind. Von derselben Zeit her hat diese edle Stadt großen Aufschwung und Zunahme erfahren und wird auch geziert mit einer Bischofskirche, danach zu Ehren des Heiligen Petrus geweiht und davor St. Remigius Kirche genannt, ein sehr hochberühmtes Werk, das in der Stadt noch nicht vollendet ist. Auch mit einem weiten St. Emmeram Kloster des Benediktinerordens. Ferner sind dort zwei Frauenklöster: das Obere Unserer Lieben Frau und das Untere, in dem der Bischof St. Erhard ruht. Viele Häuser in dieser Stadt haben geweihte Kirchen und eigene Priester. Aber Kaiser Arnulf hat aus besonderer Liebe, die er zu dieser Stadt vor anderen Städten des Reiches hatte, sie an Mauern erweitert und das St. Emmeram Kloster darin eingefasst und stark verziert. Denn als er von der Schlacht der Normannen wieder gen Bayern zog, hat er die Gebeine des Heiligen Dionysius Areopagita am Ende seines Alters diesem Kloster gegeben, mitsamt einem sehr zierlichen Evangelienbuch, mit goldenen Buchstaben geschrieben. Und er wurde zuletzt bei ihnen begraben. Diese Stadt wird auch geziert mit dem ehrwürdigen Märtyrer St. Emmeram, dem Bischof, und mit St. Wolfgang, dem elften Bischof derselben Stadt, der wunderbare Dinge bei ihnen gewirkt und das St. Pauls Kloster gebaut hat. So hat auch Albertus Magnus, der in aller Lehre und Kunst hoch erfahrene Mann, dort das Bistum regiert. Und nachdem in dieser Stadt Regensburg die vier heiligen Leichname St. Dionysius', St. Emmerams, St. Wolfgangs und St. Erhards enthalten sind, so mag sich dieselbe Stadt der Fürbitte und Verdienste dieser ihrer heiligen Patrone und Hausväter vor Gott dem Allmächtigen wohl billig freuen.