Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter Die acht verfolgung der kirchen beschahe auß gehaiße des kaisers Valeriani. der nach seinem angenomen kayserthumb von Nerone der achtend verfolger. allenthalben verschaffet die christen zepeynigen vnnd die abgoettter nit anbetten woelten zetoedten. vnd wiewol er anfengklich die hailigen gottes also eret das sein haws ein kirchen gottes geachtet wardt so wardt er doch darnach durch einen schwartzkuenster oder ketzer zu verachtung des christenlichen glawbens also verkeret das er dise verfolgung vbet. dess grausamkeit vnd tobung auß gottes vrteyl der werlt nit wenig schedlich gewest ist. dann vnlang darnach stuonden die teuetschen auff vnnd zohen mit feindlichen gemueet bis gein Rauenna vnnd verwueesteten vnd verheerten alle ding. left Ciprianus der hoherfarn lerer der kirchen vnd bischoff zu Carthago wardt auß befelhe Valeriam des kaisers nach langen ellend von Galerio maximo den ratgebern eynen gar harten mann am. xxiiij. tag des monats septembris mit enthawbtung gemartert. vnd man sagt dz mit ime in derselben statt gelidden haben Crescencius Victor Rosula vnd Generalis. Zu erst was Ciprianus ein haidnisch man fuertreffenlicher sinnreichigkeit mit viel guoten kuensten wolgezieret. vnnd anfenngclich leret er die kunst der zierrede. darnach kome er auß rate des briesters Cecilij zum cristenlichen glawben vnd gabe alle sein gueter den armen vnd wardt erst ein briester vnd darnach ein bischoff zu Carthago gemachet. Sein hohberuembts leben vnd marter hat Poncius ein briester desselben Cipriani vnnd ein mitgefert seins ellends in eim buoch beschriben. Das hawbt dis martres Cipriani wirdt in der kaiserlichen reichstatt Nuermberg in sant Laurentzen kirchen mit großer ere enthalten. Er hat vil buecher. vnd sunderlich von einigkit der kirchen geschriben. vnd wz mit der roemischen kirchen der maynung das die widerkerende ketzer nit widerumb getauft sunder allain mit auflegung der hand zu gnaden genomen werden solten. right Laurencius ein hispanier Sixti des babsts ertzdiacon vnd zugewuenschter sun ward zu Rom in gegenwuertigkeit Decij oder Galieni nach vil vbung der tugent. vnd noch mer geschlecht der peinigung. als des kerckers. darinn er einen plinden erleuechtet. vnd yppolitum tawffet. mit straichen. pleyzaynen vnd scorpionen. die schetz der kirchen anzzeaignn. geslagen vnd zu letst in der nacht von Valeriano vnd Deci den goettern zeopffern angemuo. vnd sprach. Mein nacht hat nichtz finsters oder tunckels. suender alle ding scheinen im liecht. Er wardt nach hartem schlag des munds am. x. tag des monats augusti auff eim eyßnin rost ob glueenden kolen grvwsamlich geprennet. vnd hat got dancksagende die marter starckmueetigclich verbracht. yppolitus mitsambt Justino haben den geprenden leichnam begraben. Ettlich sagen diser Laurencius sey eins hertzogen von Hispania sun gewesen. den der teuefel also iungen auß der wiegen in einen waldt vertruog den het der heilig sixtus als in Hispanien prediget vnder einen lorperpawm auß gottlicher schickung gefunden. vnd ine nach demselben pawm Laurencium genennt vnd mit großem fleiss zeneren vnd zelernen befolhen. den het er darnach mitsambt Vincenio gein rom gefuert vnd einen ertzdiacon auß ime gemacht. left Sabellius wz ein ketzer von dem die Sabellianischen ketzer irnn namen haben. die hielten vnd sprachen dz allain ein einige person des vaters vnd des suns vnd des hailigen gaists wer. Dise ketzerey wz vol lasterung in got dem vater vnd in Christum. dem lawgneten sie einen sun des hoehsten vaters sein. dauon entstuonden vil zwitrachtigkeit vnd ergernus in den kirchen des idergangs vnd aufgangs. aber er sit auch zu letst dem goettlichen gericht nit entwichen. sunder schnoedigclich vnd schentlich gestorben. Yppolitus einer des roemischen ratherrlichen geschlechts ist in dem iar vnd monat als er sant Laurencien begraben het ergriffen vnd darumb dz er ein crist wz lang hefftigclich gepeynigt. vnd do er den abgoettern nit opffern wolt mit kolben geslagen worden so lang bis die peiniger mueeden warden. Valerianus der vogt hieß auß befelhe Decij des kaisers vor yppolito in seinen angesiht mit fueßen an die helss vngezawmbter thier pinden vnd also durch distel vnnd doerner grawsamlich ziehen bis er starb amm. xiij. tag Augusti. Concordia wz der vorgenanten yppoliti nererin. zu der sprach der verweser. Nembt war ewrs lebens dz ir mit ewrm herrnn nit vergeet. da antwurtet sie. wir begern mer mit vnßerm herren zesterben denn vnzuechtigclich zeliben vnd er ließ sie mit pleyzaynen so lang slahen bis sie irnn gaist auff senndet. Romanus der ritter hat amm nachfolgenden tag an demselben end auch gelidden. Diser hat sich in verichung sant Laurencien auß gesiht eins engels bekerende laßen tauffen. darumb gepote der richter ine mit kolben zeslahen vnd nach seiner bestendigkeit zeenthawbten am newnden Augusti. Dess leichnam wardt darnach gein Lucam in die stat Ethrurie gefueert vnd erlich begraben. Blat CXXII der werlt right left QVirinus ein roemischer ambtman ist in diser verfolgung nach abschneidung seiner zungen vnd nach abhawung seiner hennd vnd fueß zu rom von cristenlichs glawbens wegen mit dem schwert gerichtet worden am. xxx. tag des monats marcij Theodora die iunckfraw Hermetis des martres schwester wardt diser zeit von Aureliano gemartert. Valentinus ein roemischer briester wardt nach erzaigung vil treffenlicher lere vnd geschihten von Claudio dem kaiser gefangen vnd von den goettern der haiden gefragt. vnd sprach dz Jupiter Mercurius vnd die andern goetter arme duerftige menschen gewesen wern. darnach erleuechtet er die tochter Ascerij. die bracht er mit. xlix. personen irs gesinds zu dem christenlichen glawben. Zu letst ward er auß befelhe es kaisers hart mit kolben geslagen vnd darnach enthawbtet amm. xiiij. tag des monats februarij. Cirilla die tochter des kaisers decij ein guote cristin ward deßmals auch zu Rom mit dem Schwert gerichtet am. xxviij. tag octobris als die historien schreiben. Die newndt verfolgung der kirchen beschahe auß bewegnus des kaisers Aureliani. aber als er auß eingebung boeßer rate sein brieff vnd schrifften an die verweser der Roemischen land vnd gegent het außgesendet die cristen zeuerfolgen do wardt er auß goetlichem vrteil vnd himel getroffen vnd starb schentlich. Ienff die hoberuembten statt der Sophoyer hat der kaiser Aurelianus vnder den Galliern in disem iar zepawen geschaft vnd nach seinen namen Aurelianam genent. dann wiewol Gallia die prouintz von grawsamkeit vnd tobheit wegen der kaiser Valeriani vnd Galieni lenger dann. xx. iar sich von gehorsam der Roemer entzohen het so ward sie doch auß kraft des kaisers Aureliani herwiderbracht. Dise statt ist der Schweitzer gegenten nahennd gelegen. vnd dabey der Leuiannisch oder Lusitanisch see. auß dem der fluss Rohdanus fleueßet. vber den ein fastloebliche hueltzinne prugk ist. Dise statt ist von groeße schoene vnd der buerger menig wegen nwnmaln ein gewerb statt oder kaufhaws des gantzen Sophoyschen lands. dahin dan von manigfeltiger meße wegen vnzalliche reichthuemer gebracht werden. Dise stat lang vnder dem hertzog zu Sophoy gewest vnd noch vnder ime. In diser statt sind vil hohberuembter mann gewesen. als Maximinus ein beichtiger. Auianus ein bischoff daselbst bede an heiligkeit vnd lere fuer name man. vnd Letus der briester in der hailigen schrifft edelich erfarn. vnd viel andere. Dise statt ist in iren geleger also geschickt das sie von vndenan einen berg auff raichet. vnd hat fast fruchtpere weinwachs. Daselbst ist auch seinem erstgepornen sun vbergeben. gaistliche sittlichkeit vnd weyse zebetten gelernet. vnnd ist in das concilium zu Basel zwischen zwayen seinen suenen schoenen iunglingen. der einer ein hertzog zu Sophoy. vnd der ander ein grafe zu Jenff was eingeritten vnd daselbst ein bischoff der Roemischen kirchen gekroenet worden als hernach volgt.
Das sechste Zeitalter. Die achte Verfolgung der Kirche geschah auf Geheiß des Kaisers Valerian. Dieser, nach seiner Annahme des Kaisertums, der achte Verfolger nach Nero, befahl überall, die Christen zu peinigen und jene zu töten, die die Abgötter nicht anbeten wollten. Und obwohl er anfänglich die Heiligen Gottes so ehrte, dass sein Haus als eine Kirche Gottes galt, so wurde er doch danach durch einen Schwarzkünstler oder Ketzer zur Verachtung des christlichen Glaubens so verkehrt, dass er diese Verfolgung ausübte. Deren Grausamkeit und Wüten war nach Gottes Urteil der Welt nicht wenig schädlich, denn unlängst danach standen die Deutschen auf und zogen mit feindlichem Gemüt bis nach Ravenna und verwüsteten und verheerten alle Dinge. Cyprian, der hocherfahrene Lehrer der Kirche und Bischof zu Karthago, wurde auf Befehl Kaiser Valerians nach langem Elend von Galerius Maximus, einem sehr harten Mann unter den Ratgebern, am 24. Tag des Monats September durch Enthauptung gemartert. Und man sagt, dass mit ihm in derselben Stadt Crescencius, Victor, Rosula und Generalis gelitten haben. Zuerst war Cyprian ein heidnischer Mann von vortrefflicher Sinnreichigkeit, mit vielen guten Künsten wohlgeziert. Und anfänglich lehrte er die Kunst der Zierde. Danach kam er auf Rat des Priesters Caecilius zum christlichen Glauben und gab alle seine Güter den Armen und wurde erst ein Priester und danach ein Bischof zu Karthago gemacht. Sein hochberühmtes Leben und Martyrium hat Pontius, ein Priester desselben Cyprian und ein Mitgefährte seines Elends, in einem Buch beschrieben. Das Haupt dieses Märtyrers Cyprian wird in der kaiserlichen Reichsstadt Nürnberg in Sankt Lorenz' Kirche mit großer Ehre aufbewahrt. Er hat viele Bücher, und besonders über die Einheit der Kirche geschrieben, und war mit der römischen Kirche der Meinung, dass die zurückkehrenden Ketzer nicht wieder getauft, sondern allein mit Auflegung der Hand zu Gnaden angenommen werden sollten. Laurentius, ein Spanier, Erzdiakon von Papst Sixtus und sein erwünschter Sohn, wurde zu Rom in Gegenwart des Decius oder Gallienus nach vieler Übung der Tugend und noch mehr Arten der Peinigung – wie des Kerkers, darin er einen Blinden erleuchtete und Hippolyt taufte – mit Streichen, Bleizainen und Skorpionen geschlagen, um die Schätze der Kirche anzuzeigen. Und zuletzt wurde er in der Nacht von Valerian und Decius angemahnt, den Göttern zu opfern, und sprach: „Meine Nacht hat nichts Finstres oder Dunkles, sondern alle Dinge scheinen im Licht.“ Er wurde nach hartem Schlag des Mundes am 10. Tag des Monats August auf einem eisernen Rost über glühenden Kohlen grausamlich verbrannt und hat Gott danksagend die Marter starkmütiglich vollbracht. Hippolyt samt Justin haben den verbrannten Leichnam begraben. Etliche sagen, dieser Laurentius sei der Sohn eines Herzogs von Hispanien gewesen. Den trug der Teufel, als er noch jung war, aus der Wiege in einen Wald. Den hatte der heilige Sixtus, als er in Hispanien predigte, unter einem Lorbeerbaum aus göttlicher Schickung gefunden und ihn nach demselben Baum Laurentius genannt und mit großem Fleiß zu nähren und zu lehren befohlen. Den hatte er danach samt Vinzenz nach Rom geführt und einen Erzdiakon aus ihm gemacht. Sabellius war ein Ketzer, von dem die Sabellianischen Ketzer ihren Namen haben. Die hielten und sprachen, dass allein eine einzige Person des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes sei. Diese Ketzerei war voll Lästerung gegen Gott den Vater und gegen Christus, dem leugneten sie einen Sohn des höchsten Vaters zu sein. Davon entstanden viel Zwietracht und Ärgernis in den Kirchen des Abendlandes und Morgenlandes. Aber er ist auch zuletzt dem göttlichen Gericht nicht entwichen, sondern schnödiglich und schändlich gestorben. Hippolyt, einer des römischen ratsherrlichen Geschlechts, ist in dem Jahr und Monat, als er Sankt Laurentius begraben hatte, ergriffen und darum, dass er ein Christ war, lange heftiglich gepeinigt worden. Und da er den Abgöttern nicht opfern wollte, wurde er mit Kolben geschlagen, so lange bis die Peiniger müde wurden. Valerian, der Vogt, hieß auf Befehl Kaiser Decius', vor Hippolyt in seinem Angesicht, ihn mit Füßen an die Hälse ungezähmter Tiere binden und so durch Disteln und Dornen grausamlich ziehen, bis er am 13. Tag des August starb. Concordia war die Nährerin des vorgenannten Hippolyt. Zu ihr sprach der Verweser: „Nehmt wahr eures Lebens, dass ihr mit eurem Herrn nicht vergeht.“ Da antwortete sie: „Wir begehren mehr, mit unserem Herrn zu sterben, denn unzüchtiglich zu leben.“ Und er ließ sie mit Bleizainen so lange schlagen, bis sie ihren Geist aufgab. Romanus, der Ritter, hat am nachfolgenden Tag an demselben Ort auch gelitten. Dieser hatte sich bei der Verehrung Sankt Laurentius' auf Anblick eines Engels bekehrend taufen lassen. Darum gebot der Richter, ihn mit Kolben zu schlagen und nach seiner Beständigkeit zu enthaupten am 9. August. Dessen Leichnam wurde danach nach Lucca in die Stadt Etruriens geführt und ehrenvoll begraben. Blatt 122 der Weltchronik. Quirinus, ein römischer Amtmann, ist in dieser Verfolgung nach Abschneidung seiner Zunge und nach Abhauung seiner Hände und Füße zu Rom des christlichen Glaubens wegen mit dem Schwert gerichtet worden am 30. Tag des Monats März. Theodora, die Jungfrau, Schwester des Märtyrers Hermes, wurde dieser Zeit von Aurelian gemartert. Valentin, ein römischer Priester, wurde nach Darlegung vieler trefflicher Lehren und Geschichten von Kaiser Claudius gefangen und nach den Göttern der Heiden gefragt. Und er sprach, dass Jupiter, Merkur und die anderen Götter arme, dürftige Menschen gewesen wären. Danach erleuchtete er die Tochter des Asterius. Die brachte er mit 49 Personen ihres Gesindes zum christlichen Glauben. Zuletzt wurde er auf Befehl des Kaisers hart mit Kolben geschlagen und danach enthauptet am 14. Tag des Monats Februar. Cyrilla, die Tochter des Kaisers Decius, eine gute Christin, wurde damals auch zu Rom mit dem Schwert gerichtet am 28. Tag des Oktober, wie die Historien schreiben. Die neunte Verfolgung der Kirche geschah aus Anlass des Kaisers Aurelian. Aber als er auf Eingebung bösen Rates seine Briefe und Schriften an die Verweser der römischen Länder und Gegenden ausgesendet hatte, um die Christen zu verfolgen, da wurde er aus göttlichem Urteil vom Himmel getroffen und starb schändlich. Genf, die hochberühmte Stadt der Savoyer, hat Kaiser Aurelian in diesem Jahr unter den Galliern zu bauen befohlen und nach seinem Namen Aureliana genannt. Denn obwohl Gallien, die Provinz, sich wegen der Grausamkeit und Wut der Kaiser Valerian und Gallienus länger als 20 Jahre dem Gehorsam der Römer entzogen hatte, so wurde sie doch durch die Kraft Kaiser Aurelians wiederhergestellt. Diese Stadt ist den Schweizer Gegenden nahe gelegen, und dabei der Genfersee oder Lacus Lemanus, aus dem der Fluss Rhone fließt. Über diesen ist eine sehr lobenswerte hölzerne Brücke. Diese Stadt ist wegen ihrer Größe, Schönheit und der Menge ihrer Bürger nunmehr eine Gewerbestadt oder Kaufhaus des ganzen Savoyer Landes, wohin dann wegen vielfältiger Messen unzählige...