Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
VLm ist ein ziere des schwaben lands vnd ein kaiserliche reichs statt. vnd wiewol einich aygentlich anzaygung irs vrsprungs vnd anfangs nit vorawgen ist. yedoch wird ir alter vnd wirdigkeit vermuotet bey irem namen den sie von der aigenschaft naturlicher befeuchtigung irer lettigen erden zu felber gewachs geschickt gehabt vnd nach hinlegung der grobhait auß lateinischer art den namen Vlma von demselben felberwachs erlangt hat. Diss ist ein freye statt nymant den dem gepiet des roemischen koenigs vnderworffen. vnd neben oder bey Babenberg Slettstatt vnd Haganaw. eins auß den vier doerffern zu dem heilligen roemischen reich gewidennt. doch nit also oder dermassen das Vlm ein dorff sey. sunder als sie villeicht ettwen durch kriegs lewft zerstoeret worden vnd ettlich zeit an mawrn gewest ist. do ist sie darnach widerumb erpawet worden vnd zu starcker befestigung komen. An einem ort der mawrn fleueßet hin ein schiffreich wasser die Thonaw reich an wolgeschmachen vischen. darein rynnet auch oberhalb der statt ein mercklich wasser mit namen genant die yller. Auff dem wasser der statt. auch an andere ende darneben vnd darundter gelegen gross vnd vil mercklichs zymmer vnd prenholtzs zugefueert wirdet. Es rynnet auch darein durch die statt der fluss des wassers die plaw genant. Darzu ist dise statt mit tieffen greben vnd hohen thuernen bewaret vnnd mit zierlichen hewßern erfuellet. Vnder andern schoenen gepewen ist daselbst der heilligen gottes gepererin Marie pfarrkirch ein großer paw. vnd als man zalt von cristi gepurt tawsent drewhundert sibenundsibentzig iar angefangen vnd bis yetzo zu volendung diss buchs auffgerichtet. vnd sol vnd mag nach irer visirung derhalben gemacht bis dz der thurn daran volendet wirdt außgepawet werden. mit solcher großer mercklikher vnd vnzalberer arbeit kunst vnd kostung bißher vnd hinfuer zum ende dz der gleichen kawm in der werlt gefunden wirdet. fast hoh vnd mit grossen gewelben beladen vnd also weyt dz sie gross volck. der vil tawsent zu feyerlichen tagen darinn zusamen koemen begreiffen mag. Vnd ist kawm ein einiche kirch die souil pfarlewt hat. In derselben kirchen sinnd zwayundfuenftzig altar vnd zwuundfuenftzig gestifter pfruenden. darinn ist auch ein mercklich koestlich vnd wercklich sacrament gehews. auch gestuele in dem chore. Auch ist sueßt mit predigen vnd gesanck got dem almechtigen vnd seiner gepererin zu lob vnd eren vnd dem volck daselbst zu besserung des lebens vnd wesens ein großer zierlicher vnd mit mercklicher kost ewiger vnd vnabgencklicher gestieften gotzdienst in derselben kirchen. der teglich fruee vnd spaet stettlich darinn loeblich volbracht wirdet Vlm hat auch kluog ratgeben die des gemainen nutzs mit fuersichtiger regirung pflegen. darumb ist Vlm in kurtzen zeitten auß armuot zu reichthuemern. vnd von dienstperkeit zu herrlichkeit erwachßen. also das Vlm yetzo vil reicher stett an ewigen zinsen vnd guelten vbertrift. Vlm hat drey grafschaft schier mit allen iren anhengen vmb par gelt erkawft. Vnd treybt vnder vil henndeln nit mit kleinem nutz ein gewerb mit parchannten. vnd ist der handel so mancherlay das sich vil lewt da mit neren. vil verderben so werden vil reich damit. Vil mer treffenlicher stueck wern von dem lob vnd preyse der kaiserlichen statt Vlm zuschreyben. aber kuertzerung der materi wil das nit leyden.
Ulm ist eine Zierde des Schwabenlandes und eine kaiserliche Reichsstadt. Und obwohl kein eigentlicher Nachweis ihres Ursprungs und Anfangs vorliegt, wird ihr Alter und ihre Würdigkeit doch bei ihrem Namen vermutet, den sie von der Eigenschaft der natürlichen Befeuchtung ihrer lehmigen Erde, die für Weidengewächs geeignet ist, erhalten hat und nach Ableitung aus dem Lateinischen den Namen Ulma von demselben Weidengewächs erlangt hat. Dies ist eine freie Stadt, niemandem außer dem Gebiet des römischen Königs unterworfen. Und neben oder bei Bamberg, Schlettstadt und Hagenau ist sie eines der vier Dörfer, die dem Heiligen Römischen Reich gewidmet sind. Doch nicht so oder dermaßen, dass Ulm ein Dorf sei, sondern als sie vielleicht etwann durch Kriegsläufe zerstört worden und etliche Zeit ohne Mauern gewesen ist, da ist sie darnach wieder erbaut worden und zu starker Befestigung gekommen. An einem Ort der Mauern fließt ein schiffbares Gewässer, die Donau, reich an wohlschmeckenden Fischen. Darein rinnt auch oberhalb der Stadt ein bemerkenswertes Gewässer, mit Namen genannt die Iller. Auf dem Fluss der Stadt, auch an andere Orte, die daneben und darunter liegen, wird großes und viel bemerkenswertes Zimmer- und Brennholz zugeführt. Es rinnt auch darein durch die Stadt der Fluss, das Gewässer, die Blau genannt. Dazu ist diese Stadt mit tiefen Gräben und hohen Türmen bewehrt und mit zierlichen Häusern erfüllt. Unter anderen schönen Gebäuden ist daselbst die Pfarrkirche der heiligen Gottesgebärerin Maria ein großer Bau. Und wie man zählt, von Christi Geburt tausenddreihundertsiebenundsiebzig Jahre angefangen und bis jetzt zur Vollendung dieses Buches aufgerichtet. Und sie soll und mag nach ihrer Planung, die deshalb gemacht wurde, bis dass der Turm daran vollendet wird, ausgebaut werden. Mit solch großer, bemerkenswerter und unzählbarer Arbeit, Kunst und Kosten, bisher und hinfort bis zum Ende, dass dergleichen kaum in der Welt gefunden wird. Fast hoch und mit großen Gewölben versehen und so weit, dass sie ein großes Volk, dessen viele Tausende zu feierlichen Tagen darin zusammenkommen, fassen kann. Und es ist kaum eine einzige Kirche, die so viele Pfarrleute hat. In derselben Kirche sind zweiundfünfzig Altäre und zweiundfünfzig gestiftete Pfründen. Darin ist auch ein bemerkenswertes, köstliches und kunstvolles Sakramentshaus, auch Gestühle im Chor. Auch ist dort mit Predigen und Gesang Gott dem Allmächtigen und seiner Gebärerin zu Lob und Ehren und dem Volk daselbst zur Besserung des Lebens und Wesens ein großer, zierlicher und mit bemerkenswerten Kosten verbundener, ewiger und unabdinglicher gestifteter Gottesdienst in derselben Kirche, der täglich früh und spät stetig darin löblich vollbracht wird. Ulm hat auch kluge Ratgeber, die den gemeinen Nutzen mit fürsichtiger Regierung pflegen. Darum ist Ulm in kurzen Zeiten aus Armut zu Reichtümern und von Dienstbarkeit zu Herrlichkeit erwachsen, sodass Ulm jetzt viele reichere Städte an ewigen Zinsen und Gülten übertrifft. Ulm hat drei Grafschaften, fast mit allen ihren Anhängen, um bares Geld erkauft. Und treibt unter vielen Handelszweigen nicht mit geringem Nutzen ein Gewerbe mit Barchent. Und ist der Handel so mancherlei, dass sich viele Leute damit ernähren, viele verderben, so werden viele reich damit. Viel mehr treffliche Stücke wären von dem Lob und Preis der kaiserlichen Stadt Ulm zu schreiben, aber die Kürzung des Stoffes will das nicht zulassen.