Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter right EIn boßgaftige zawbrerin was in engelland die wardt nach irem tod dieweil die briester die psalm sungen von den teuefeln erschroeckenlich gezerret vnnd auff ein scheuehlich pferd gesetzt. durch die luft hingefueert vnd wol vier meyl ein erschroekenlichs forchtsams geschray gehoeret. Guido Campanus ZV den zeitten kaiser heinrichs des dritten ward die kirch der gloriwirdigen vrstend zu iherusalem dauor von den arabiern zerbrochen von den cristglawbigen herwider gepawet. dann nach dem der gewalt der egyptier wider die persier anfienng vberhannd zenemen haben die egiptier vor zukunft der tuercken von egypten bis gein anthiochiam alle gegent inngehabt mitsambt der heilligen statt iherusalem vnd irer anstoßenden gegent. Darnach schaffet der verweser calipha ein vngueetig. vnd got vnnd den menschen ein haßlich man vnder andern seinen mißtaten die bemelten kirchen der vrstend von grundauff niderzewerffen. vnd das beschahe nach der menschwerdung cristi tausent .xviii. iar dieweil herestus ein gueetiger man desselben tyrannen muoter bruder derselben kirchen vor was. von dannen an keret sich der glawbigen wesen auß bitterm schmertzen vnd vil anzaigungen zu boeßerm. Nach absterben desselben tyranen begunne daher sein sun auß begere des Constantinopolitanischen sich gueetigclicher zeerzaigen vnd verliehe den glawbigen gewalt dieselben kirchen wider zepawen. vnd nach dem aber der cristen zu iherusalem vermuegen nit genuogsam was zu auffrichtung solchs gepews do teten sie an den constantinopolitanischen kaiser begerung der hilff. der leget sein aigne costung dar. also das die cristen solche kirchen im iar cristi tausent .xlviii. mit prinnender begird widergepawt haben. Lantfrancus Hugo abbt Hermannus Theobaldus CAmpanus ein treffenlicher lerer vnd großer sternseher hat diser zeit in achtung wesende ettliche ding gar tapfferlich beschriben vnd sunderlich in den dingen die ptolomeus der sternseher gesetzt hat erklerung vnd zusatz getan mit anzaygung seiner vrsachen da bey gemeldet. Gwido ein hohberuembter gesangmaister auß etruria von der statt aretio puertig ist diser zeit in hohem lob vnnd preyß gewest vnd hat als die gelerten wißen schoene maysterliche anzaigung vnnd regel in der kunst der musica gesetzt. HVgo der cluniacensisch abbt an lere edler gepurt gueetigkeit vnd gaistlichkeit beruembt hat diser zeit ettliche lobwirdige vnd tapffere ding beschriben. Lantfrancus von papia puertig ein fuertreffenlicher lerer. vnd Anßhelmi des treffenlichen lerers maister was diser zeit in gallia vnd zu parys gar hohberuembt Der verließ auß vermanung des heilligen gaists die schuol zohe anhayms vnd gabe alles das sein den armen durch got vnd dienet got in großer demuot dieweil er lebet. Er wardt darnach ein ertzbischoff zu cantuaria vnnd vbet vil guots in den engellendischen kirchen. THeobaldus auch ein edler franckreichischer vnnd gaistlicher man ist diser zeit von wegen der lere vnd heillikeit seins lebens in großer achtung gewesen. vnnd hat auch ettliche ding gemacht vnd zusamen gesetzt. HErmannus der lam vnd auch ein gaistlicher auß teuetschem land puertig ein man fuertreffenlicher synnreichigkeit hat diser zeit als der der in goettlichen dingen hohgeuebt was vil tapfferer lobgesang. vnd sunderlich zu eren der iunckfrawen marie das Salue regina vnd sunst vil anderer treffenlicher kunstreicher ding gesetzt vnd gemacht. DEr leichnam des rysen Pallantis des suns Euandri wardt diser zeit gefunden vnd bey desselben hawbt ein prinnende lucern. derselb leichnam het enmitten der prust ein wunden fuenfthalb schuoh offen. so mocht die prinnend lucern mit keiner feuechtigkeit noch mit einichem gewalt des plasens außgeloescht werden. aber einer subtiler synnreichigkeit machet vnder dem flammen mit einem stil oder griffel ein loch vnd alßpald der luft vndten hinein gieng do verlasche das fewer. Der leib was also gross das er an ein mawer gelaynet die hoehe der zynnen vbertraffe. vber ettliche tag darnach zerfiel diser wie ein andrer menschlicher leichnam. Berengarius BErengarius ein doctor. als er diser zeit lang an heilligkeit vnd schriftlicher weyßheit vnnd lere geschynnen het do irret er darnach von weitlewftigkeit wegen seiner kunst an dem heilligisten sacrament vnd vergiftet vil menschen gemueet mit seyner irrung. Aber er wardt darnach mit goetliche gnad also erleuechtet das er in dem concili zu Vercellis sein irrung offenlich widerrueeffet. vnd alßpald von seiner subtilen vnd behenden lernung abließ. alles das sein vmb gottes willen außspendet vnd sich alle sein tag mit der arbait seiner hend darnach neret vnd sein tag heilligclich verzeret IN nachfolgenden iarn wardt ein concili zu Vercellis auß babsts leonis befelhe wider die irrung des benanten Berengarii gehalten. vnd derselb Berengarius als ein irrer in demselben concili verdambt. der doch darnach (als vorsteet) erleuechtet sein leben wol beschloße. Orden schadentall S. Johannes gualbertus BEy disen zeitten des iars cristi tawsent.xl. hat geschynen sant Johannes der stifter vnd aufsetzer des ordens Vallisumbrose genant vnder sant Benedicten regel mit zusatz ettlicher ordnung. vnd in groem klaid. der dann vil in tuscia vnd oebern Lombardia sinnd. Diser heillig auß der statt Florentz puertig (des vater Gwalbertus genant vnd ein ritter was) ist nach anzaigung seiner legend vnd histori also zu gaistlichem leben komen. Er het gegen seinen nachpawrn feintschafft von eins wegen der het ime seinen bruder erschlagen. nw zohe er eins tags vom land gein Florentz zu vnnd het etlich weppner bey ime do kome ime der todschlager seins bruders vngeuerlich entgegen nit verr von dem closter sant Minnati im gepirg. den fiel er an. vnnd als aber der todschlager gefangen sahen vnd kein hoffnung zeentpfliehen haben mocht do fiel er disem Johanni zu fueßen vnd bate ine durch ihesum cristum den gekreuetzigten vmb gnad vnd vergebung. Auß dem ward diser Johannes also bewegt das er seins zorns vmb den bruederlichen tod gein dem todschlager vergaße vnd ime alle verschuldung vergabe Vnd als aber diser Johannes in sant Minnati kirchen (die vnderwegen was) gienge vnd vor dem pild des crucifix stund do beweget das pild des crucifix sein hawbt gegen ime zu anzaigung goetlichs wolgefallens in nachlassung vnd vergebung verdienter schuld des todschlagers. Das selb creuetz wirdt noch hewt bey tag zu anzaigung vnd gedechtnus solchs wunderwercks in derselben kirchen bey Florentz auff eim berg mit großer ere erbietung geweiset. Auß vermanung solcher wundergeschiht wardt diser heillig bewegt das er sich pald in ein gaistlichs wesen fueeget vnd als ein ainsidler an das ort des appenninischen gepirgs Vallis vmbrosa. oder schadten tal genant absuenderet. vnd in heilligkeit seins lebens in ime groeßere gottes gnad erlanger. vnd an dem selben ende als ein andechtigster muench desselben ordens den tempel setzet. Von dem darnach vil andere ort ir namen vnnd vrsprung genomen haben. Derselb orden hat nachfolgend an vil heilligen vnd hohgelerten mannen geschynen. Als diser Johannes gaistlich wardt do fliße er sich sein flaisch mit fasten. massigkeit der speyß vnd getrancks auch mit wachen zezemen. vnnd mueessigkeit zemeyden. dem gepete vnnd gueetigen wercken anzehangen. Darnach vbet er werck der heilligkeit in gesundmachung der krancken. Zu letst im iar nach der menschwerdung cristi tawsent.lxxiii. starb er seligclich vnd wardt von vil seiner wunderwerck wegen von babst Gregorio dem sybenden vnlang darnach in die zall der hailligen geschriben. vnd nach seim todt am dritten tag in der kirchen des closters de pasignano begraben.
Das sechste Zeitalter. Eine boshafte Zauberin war in England, die wurde nach ihrem Tod, während die Priester die Psalmen sangen, von den Teufeln erschrecklich gezerrt und auf ein scheußliches Pferd gesetzt, durch die Luft hingeführt, und wohl vier Meilen weit wurde ein erschreckliches, furchtsames Geschrei gehört. Guido Campanus. Zu den Zeiten Kaiser Heinrichs des Dritten wurde die Kirche der glorwürdigen Auferstehung zu Jerusalem, zuvor von den Arabern zerbrochen, von den Christgläubigen wieder aufgebaut. Denn nachdem die Gewalt der Ägypter wider die Perser anfing überhand zu nehmen, haben die Ägypter vor der Zukunft der Türken von Ägypten bis gen Antiochia alle Gegenden innegehabt, mitsamt der heiligen Stadt Jerusalem und ihrer anstoßenden Gegend. Darnach schaffte der Kalif, ein Verwalter, ein ungütiger und Gott und den Menschen ein verhasster Mann, unter anderen seinen Missetaten, die bemeldeten Kirchen der Auferstehung von Grund auf niederzuwerfen. Und das geschah nach der Menschwerdung Christi tausendachtzehn Jahre, dieweil Herestus, ein gütiger Mann, der Mutterbruder desselben Tyrannen, derselben Kirchen Vorsteher war. Von dannen an kehrte sich der Zustand der Gläubigen aus bitterem Schmerzen und vielen Anzeichen zum Böseren. Nach dem Absterben desselben Tyrannen begann daher sein Sohn, aus Begehren des Konstantinopolitanischen Kaisers, sich gütiger zu zeigen und verlieh den Gläubigen die Erlaubnis, dieselben Kirchen wieder aufzubauen. Und nachdem aber das Vermögen der Christen zu Jerusalem nicht genügsam war zur Aufrichtung solches Gebäudes, da taten sie an den Konstantinopolitanischen Kaiser die Begehrung der Hilfe. Der legte seine eigene Kostung dar, also dass die Christen solche Kirchen im Jahr Christi tausendachtundvierzig mit brennender Begierde wieder aufgebaut haben. Lanfrank, Hugo Abt, Hermann, Theobald. Campanus, ein trefflicher Lehrer und großer Sternseher, hat dieser Zeit in Achtung stehend etliche Dinge gar tapferlich beschrieben und sonderlich in den Dingen, die Ptolemäus der Sternseher gesetzt hat, Erklärung und Zusatz getan, mit Anzeigung seiner Ursachen dabei gemeldet. Guido, ein hochberühmter Gesangsmeister aus Etrurien, von der Stadt Arezzo gebürtig, ist dieser Zeit in hohem Lob und Preis gewesen und hat, wie die Gelehrten wissen, schöne meisterliche Anzeigungen und Regeln in der Kunst der Musica gesetzt. Hugo, der cluniazensische Abt, an Lehre, edler Geburt, Gütigkeit und Geistlichkeit berühmt, hat dieser Zeit etliche lobwürdige und tapfere Dinge beschrieben. Lanfrank, aus Pavia gebürtig, ein vortrefflicher Lehrer und Meister des trefflichen Lehrers Anselm, war dieser Zeit in Gallien und zu Paris gar hochberühmt. Der verließ aus Vermahnung des Heiligen Geistes die Schule, zog heimwärts und gab alles das Seine den Armen um Gottes willen und diente Gott in großer Demut, dieweil er lebte. Er ward darnach ein Erzbischof zu Canterbury und übte viel Gutes in den englischen Kirchen. Theobald, auch ein edler französischer und geistlicher Mann, ist dieser Zeit wegen der Lehre und Heiligkeit seines Lebens in großer Achtung gewesen und hat auch etliche Dinge gemacht und zusammengesetzt. Hermann der Lahme, auch ein Geistlicher, aus deutschem Land gebürtig, ein Mann vortrefflicher Sinnreichigkeit, hat dieser Zeit, als der, der in göttlichen Dingen hochgeübt war, viele tapfere Lobgesänge und sonderlich zu Ehren der Jungfrau Maria das Salve regina und sonst viele andere treffliche, kunstreiche Dinge gesetzt und gemacht. Der Leichnam des Riesen Pallas, des Sohnes des Evander, ward dieser Zeit gefunden und bei desselben Haupt eine brennende Luzerne. Derselbe Leichnam hatte inmitten der Brust eine Wunde fünfeinhalb Schuh offen. So mochte die brennende Luzerne mit keiner Feuchtigkeit noch mit einigem Gewalt des Blasens ausgelöscht werden. Aber einer subtiler Sinnreichigkeit machte unter dem Flammen mit einem Stil oder Griffel ein Loch, und alsbald die Luft unten hineinging, da verlöschte das Feuer. Der Leib war also groß, dass er an eine Mauer gelehnt die Höhe der Zinnen übertraf. Über etliche Tage darnach zerfiel dieser wie ein anderer menschlicher Leichnam. Berengar, ein Doktor. Als er dieser Zeit lang an Heiligkeit und schriftlicher Weisheit und Lehre geschienen hatte, da irrte er darnach von Weitläufigkeit wegen seiner Kunst an dem heiligsten Sakrament und vergiftete viele Menschengemüter mit seiner Irrung. Aber er ward darnach mit göttlicher Gnade also erleuchtet, dass er in dem Konzil zu Vercelli seine Irrung öffentlich widerrief und alsbald von seiner subtilen und behenden Lehre abließ, alles das Seine um Gottes willen ausspendete und sich alle seine Tage mit der Arbeit seiner Hände darnach nährte und seine Tage heiliglich verzehrte. In nachfolgenden Jahren ward ein Konzil zu Vercelli auf Papst Leos Befehl wider die Irrung des benannten Berengar gehalten und derselbe Berengar als ein Irrer in demselben Konzil verdammt, der doch darnach (wie vorsteht) erleuchtet sein Leben wohl beschloss. Orden Schattental. Sankt Johannes Gualbertus. Bei diesen Zeiten des Jahres Christi tausendvierzig hat geschienen Sankt Johannes, der Stifter und Aufsetzer des Ordens, Vallisumbrosa genannt, unter Sankt Benedikts Regel mit Zusatz etlicher Ordnungen und in grauem Kleid, derer dann viele in Tuszien und Oberlombardei sind. Dieser Heilige, aus der Stadt Florenz gebürtig (dessen Vater Gualbertus genannt und ein Ritter war), ist nach Anzeigung seiner Legende und Historie also zu geistlichem Leben gekommen: Er hatte gegen seinen Nachbarn Feindschaft wegen eines, der ihm seinen Bruder erschlagen hatte. Nun zog er eines Tages vom Lande gen Florenz zu und hatte etliche Wappner bei ihm. Da kam ihm der Totschläger seines Bruders ungefährlich entgegen, nicht fern von dem Kloster Sankt Miniato im Gebirge. Den fiel er an. Und als aber der Totschläger gefangen sah und keine Hoffnung zu entfliehen haben mochte, da fiel er diesem Johannes zu Füßen und bat ihn durch Jesus Christus, den Gekreuzigten, um Gnade und Vergebung. Aus dem ward dieser Johannes also bewegt, dass er seines Zorns um den brüderlichen Tod gegen den Totschläger vergaß und ihm alle Verschuldung vergab. Und als aber dieser Johannes in Sankt Miniato Kirche (die unterwegs war) ging und vor dem Bild des Kruzifix stand, da bewegte das Bild des Kruzifix sein Haupt gegen ihn zur Anzeigung göttlichen Wohlgefallens in Nachlassung und Vergebung verdienter Schuld des Totschlägers. Das selbe Kreuz wird noch heute bei Tag zur Anzeigung und Gedächtnis solches Wunderwerks in derselben Kirche bei Florenz auf einem Berg mit großer Ehre und Ehrerbietung gewiesen. Aus Vermahnung solcher Wundergeschichte ward dieser Heilige bewegt, dass er sich bald in ein geistliches Wesen fügte und als ein Einsiedler an den Ort des apenninischen Gebirges, Vallisumbrosa oder Schattental genannt, absünderte und in Heiligkeit seines Lebens in ihm größere Gottesgnade erlangte und an demselben Ende als ein andächtigster Mönch desselben Ordens den Tempel setzte. Von dem darnach viele andere Orte ihren Namen und Ursprung genommen haben. Derselbe Orden hat nachfolgend an vielen heiligen und hochgelehrten Männern geschienen. Als dies