Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter Linea der bebst // Siluester der drit SIluester der drit ein roemer wardt an des außgetribens babsts Benedicti stat zu babst aufgenomen. er blib aber nit lang in dem babstthumb inmaßen von den nehsten bebsten hieuor angezaigt ist. dann deßmals was der babstthumb dahin komen das nit die heilligen tugentreichen vnd hohgelertten. sunder die mechtigen gewaltigen. vnd die. die myet vnd gabe zeraichen hetten zum babstthumb gelangten. woelt got das solcher syt nit bis in vnßere zeit bliben wer. Jar der werlt .vim.iic.xxxiii.Jar Christi .im.xxxiiii. Gregorius der sechst GRegorius der sechst hat das babstthumb von Benedicto (als vor gemelt ist) empfangen. als solchs an koenig Heinrichen den dritten gelanget do empfieng er dess (als billich was) myßfallen vnd zohe mit großem heer gein rom vnnd vnderstund sich die gaistlichen sachen zestillen vnd zebefriden. vnd wardt mit vil allenthalben do hyn geforderten vettern ein concili gehalten. vnnd darinn Benedictus der .ix. Siluester der dritt. vnd Gregorius verdambt. also warden dise drey boeße wunderthier von irem gewalt abgedrungen. vnd Syndegerus bischoff zu Bamberg nachmals Clement der ander genannt zu babst erkorn. Doch setzt Gilbertus der gschihbschreiber das sich Gregorius bey der kirchen gottes verdienstlich gehalten. den babstlichen verdruckten stuol in kuertz mit hroßmechtigem gemueet widerbracht. vnd die rawber vnd moerder der ihenen die gein rom von andacht wegen wandern wolten abgethan hab darumb wardt er von den boßhaftigen schedlichen menschen ein todschlager vnd pluotiger genant. vnd dess auch von den cardineln beruechtigt. Demnach forderet gregorius in der kranckheit dar an er darnach starb die cardinel zu ime vnnd redstraffet sie das sie ime das. das er billich gethan het auß neyd verargeten. vnd sprach. wenn ich gestorben bin so legt meinen leichnam fuer die kirchen thuer. vnnd beschlysset die wol mit rigeln. do man nw also thet als er begeret hett do wurden die thuer in eim schweren windt geoeffnet vnd der leichnam mit allermenigclichs verwunderung hinein getragen in wone vnd vermuotung großer heilligkeit. Clemens der ander CLemens der ander dauor bischoff zu bamberg Syndegerus genant wardt in versammeltem concili auß verwilligung oder gescheft koenig heinrichs des dritten zu babst erkorn. vnd derselb koenig Heinrich in gegenwuortigkeit des concili zu kayser gekroenet. Ettwieuil schreiben das diser Clemens den roemern zu verhuettung kuenftiger irrung dergleichen vormals beschehen weren bey aydßpflicht die wale der bebst verbotten hab. es wer dann das sie auß gehaiße des kaisers dar zu gezwungen wuerden. Er starb seins babstthumbs im. ix. iar als ettlich sagen von gift. Damasus der ander DAmasus der ander auß bayern puertig dauor Stephanus genant kom nach clemente in den babstthumb. Ettlich maynen clemens sey auß diss Stephans verfueegung vergiftet worden. das glawben sie darumb das er sich alßpald nach absterben clementis des babstthumbs mit gewalt vnderstuond. aber Damasus lebet allain xxiii. tag darnach. Dann also hett diser sitten vberhand genomen das eim yeden ere geittigen menschen gezymmet sant peters stuol anzefallen vnd anzetasten. aber got als ein recher widerstuond disem Damaso durch abbruch seins lebens andern zu eim ebenpild der forcht vnd warnung. Leo der .ix. LEo der .ix. ein teuetscher ist nach der gepurt christi tausent .xlix. iar in solcher gestalt in das babstthumb gegangen. dann dieweil der babstlich stuol feyret do zohen die roemer zu kaiser Heinrichen gein sachsen in willen von ime eins babsts zebegern do vberredet der kuenig Brunonem den tullensischen bischoff einen schlechten aynfeltigen man. Als nw diser Bruno in babstlicher klaidung gein rom auff dem weg durch Vesuncium zohe do wardt er von zwayen muenchen vberedet das er die babstlichen zier abzohe do fueerten sie in pilgrams gestalt gein rom. Daselbst wardt er am letsten tag des sechsten monats von anfang der feyer des stuols zu babst ordenlich auffgenomen vnd Leo der. ix. genant. Er was ein so gueetiger milter vnd zu almuosen geben also geflißen das sein haws den armen alweg offen stuond. Er funde eins malß einen außmerckigen menschen vor seiner thuer den hieß er in sein pett legen. Als man den des morgens suchet vnd nyndert gefunden wardt do glawbet man das christus an eins armen statt beherbergt worden wer. Er starb im sechsten iar seins babstthumbs. der welrt Blat CLXXXIX Linea der kaiser: Heinrich der dritt HEinrich der dritt des vorgenantten kaiser Cunrats sun wardt im iar des herren tausent .xl. durch die churfuersten zu eim nachkomen seins vaters erkorn vnnd regiret .xvii. iar. Er was seinem vater in tugenten nit allain nit vngleich. sunder fuortreffenlicher vnd name noch in leben seins vaters ein schoene des koenigs von engelland tochter zu der ee. die wardt des eebruchs felschlich beschuldigt. aber doch durch ein kind das sie mit ir auß engelland dargebracht het gegen dem verclager. der ein großer starcker man was in eim kampff beschirmt mit obsygung des kinds gein den selben mann. Darnach schiede sie sich willigclich von irem gemahel vnd endet ir leben in cloesterlichem wesen. Nachfolgend vermehlet er ime des edeln pictauiensischen herzogen Guilhelms schwester Agnes genant vnnd hielt nach kuenigclichem sytten die hohzeit zu Ingel|heym. vnd hieß alle freyharten. loetter vnnd gawgkler außtreiben vnd alles das inen noch gewonheit der fuersten an klaidern pferden vnnd gelt zegeben was den armen zeraichen. Nw was er von natur ein froelich man. den menschen freuedsam. gein menigclichem demueetig. den feinden erschreckenlich. den armen gueetig vnd milt. Er zohe im ersten iar seins regiments wider Oldericum den behmischen koenig mit heers kraft. aber doch deßmals vngeschaft wider in teuetsche land vnnd koeme im andern iar mit sterkerm vnd basgeschickterm heer wider in beheim vnd bestritte denselben koenig Oldericum also das die beheim ettwieuil iar eim roemischen fuersten zinss geben muoßten. Zu derselben zeit warn die hungern gegen einander auch aufruerig. also das ein teyl petro irem koenig. vnnd der ander teil eim andern anhiengen. do wardt Petrus mit gewappenter hand außgetriben. vnd einer Alboinus genant zu koenig auffgenomen. Aber nichtzdestminder bliben die zwittrachtigkeiten zwischen den fuersten vnnd dem volck. Nu fluhe Petrus zu disem Heinrich ine vmb hilff vnd beystand anrueffende. demnach zohe Heinrich mit heers kraft in das hungrisch lannd veriaget Alboinum. setzet Petrum widerumb ein vnd stillet also dieselben auffruor. In myttler zeit entstuonden vnerhoerte zwittracht bey dem bebstlichen stuol darumb zohe er mit großem zeueg gein rom vnd warden drey bebst entsetzet. vnnd ein bischoff zu bamberg (als hieuor gemelt ist) zu babst geordnet. von dem empfieng koenig Heinrich die kaiserlich kron. Zu letst starb er vnd wardt zu Speyer begraben. Ettlich gschihtbschreiber schreiben von wunderperlichen vrsprung diss Heinrichs. also kaiser Cunrat der ander verschonet keins verletzers des frids. Nw het graf Leuepold den frid geprochen darumb stunnd er gegen dem kaiser in sorgen. demnach fluhe er in einen verren wald schwartzwald genant. alda enthielt er sich mit seiner gemahel in eim huettlein. Nw begab es sich vngeuerlich das der kaiser vom geiagde daselbst zu keret vnnd alda benachtet. In derselben nacht gepare die grefin einen knaben. do hoeret der kaiser ein stymm vom himel dreymal sprechende. O kaiser diss kind wird dein tochterman vnd erbe. des morgens gepote der kaiser seinen dienern das kind zetoedten. aber sie legten es auff einen pawm vnd brachten dem kaiser eins haßen hertz fuer des kinds hertz. do gieng der hertzog fuer vnd funde das kind vnd name es zu eim zugewuenschten erben auff. Lang darnach sahe der kaiser disen iungen in des hertzogen hawß argkwonende ob er der wer den er zeertoedten geschaft het. do name er ine auff zu eim reytter vnd befalhe ime der koenigin brieff zebringen. darinn gepote er der koenigin ine in angesyht dess briefs zeertoedten. Nw ruoet der iung vnderwegen in eins briesters hawß vnnd entschlieffe. dieweil brache der briester alßpald den brieff auff vnd schrib einen andern brieff auff maynung. alßpald die koenigin den brieff leße so solt sie dem iungen ir tochter geben als lieb ir ir leben wer. vnd als er daselbsthin kome do wardt ime des koenigs tochter gegeben. left EIn großer fewriger palck oder tramm ward am himel gesehen zwischen dem aufgang vnd mittemtag ob der sunnen gein dem nidergang lawffende vnd auff das erttreich fallende. ALs kaiser Heinrich obgenant am pfingstag in teuetschen landen zu mayntz dasselb fest loeblich begienge vnd ein wenig vor dem ambt der heilligen mess das kaiserlich gefeß beraytet wardt do entstund auß teuefelischer anraitzung ein auffruor zwischen des ertzbischofs vnd des abbts zu fulden dienern welcher herr neher beym kaiser sitzen solt. nach mancherlay wortten kom es zu den schlegen. also das der estrich der kirchen vol pluots wardt. aber bischofe vnd andere lieffen zu vnd die sach ward gestillet. die kirch gerainigt vnd das ambt der mess mit vil andacht volbracht. Vnnd als aber vnder anderm im sequentz ein verss gesungen wardt zu teuetsch der maynung. disen tag hast du ruomreich gemacht. do erschluchtzet alles volck vor forchten vnd der kaiser mercket des teuefels frolockung vnd sprach. Du erfinder aller boßheit hast disen tag trawrens vol gemacht. So woellen wir durch die gnad gottes disen tag den armen vnd duerftigen gnadenreich machen. Also nach volbrachtem ambt ließ er die duerftigen vnd armen fordern vnd gabe inen alle koestliche speys mit seinen aigen henden.
Das sechste Zeitalter, Linie der Päpste. Silvester III., ein Römer, wurde anstelle des vertriebenen Papstes Benedikt zum Papst erhoben. Er blieb jedoch nicht lange im Papsttum, wie es von den nächsten Päpsten zuvor angezeigt wurde. Denn damals war das Papsttum dahin gekommen, dass nicht die heiligen, tugendreichen und hochgelehrten, sondern die mächtigen, gewaltigen und diejenigen, die Lohn und Gaben zu reichen hatten, zum Papsttum gelangten. Wollte Gott, dass solcher Brauch nicht bis in unsere Zeit geblieben wäre. Jahr der Welt 6233, Jahr Christi 1034. Gregor VI. hat das Papsttum von Benedikt (wie zuvor erwähnt) empfangen. Als dies König Heinrich III. zu Ohren kam, missfiel es ihm (wie es billig war), und er zog mit großem Heer gen Rom und unternahm es, die geistlichen Angelegenheiten zu schlichten und zu befrieden. Und es wurde mit vielen von überall herbeigerufenen Vätern ein Konzil abgehalten, und darin wurden Benedikt IX., Silvester III. und Gregor verdammt. So wurden diese drei bösen Wundertiere von ihrer Gewalt abgedrängt. Und Suidger, Bischof zu Bamberg, später Clemens II. genannt, zum Papst erwählt. Doch schreibt Gilbert, der Geschichtsschreiber, dass Gregor sich bei der Kirche Gottes verdienstlich verhalten, den päpstlichen, unterdrückten Stuhl in Kürze mit großmächtigem Gemüt wiederhergestellt und die Räuber und Mörder derer, die aus Andacht nach Rom wandern wollten, beseitigt habe. Darum wurde er von den boshaften, schädlichen Menschen ein Totschläger und Blutiger genannt und dessen auch von den Kardinälen berüchtigt. Danach forderte Gregor in der Krankheit, an der er danach starb, die Kardinäle zu sich und rügte sie, dass sie ihm das, was er billig getan hatte, aus Neid verübelten. Und sprach: „Wenn ich gestorben bin, so legt meinen Leichnam vor die Kirchentür und verschließt sie wohl mit Riegeln.“ Als man nun so tat, wie er begehrt hatte, da wurden die Türen in einem schweren Wind geöffnet und der Leichnam mit jedermanns Verwunderung hineingetragen, in der Annahme und Vermutung großer Heiligkeit. Clemens II., zuvor Bischof zu Bamberg, Suidger genannt, wurde in versammeltem Konzil aus Einwilligung oder auf Betreiben König Heinrichs III. zum Papst erwählt. Und derselbe König Heinrich wurde in Gegenwart des Konzils zum Kaiser gekrönt. Etliche schreiben, dass dieser Clemens den Römern zur Verhütung künftiger Irrungen, dergleichen vormals geschehen waren, bei Eidespflicht die Wahl der Päpste verboten habe, es sei denn, dass sie aus Geheiß des Kaisers dazu gezwungen würden. Er starb in seinem neunten Jahr des Papsttums, wie etliche sagen, durch Gift. Damasus II., aus Bayern gebürtig, zuvor Stephan genannt, kam nach Clemens in das Papsttum. Etliche meinen, Clemens sei aus dieses Stephans Verfügung vergiftet worden. Das glauben sie darum, weil er sich alsbald nach dem Absterben Clemens' des Papsttums mit Gewalt unterstand. Aber Damasus lebte allein 23 Tage danach. Denn so hatte dieser Sitten überhandgenommen, dass es einem jeden ehrgeizigen Menschen geziemte, Sankt Peters Stuhl anzufallen und anzutasten. Aber Gott als ein Rächer widerstand diesem Damasus durch Abbruch seines Lebens, anderen zu einem Ebenbild der Furcht und Warnung. Leo IX., ein Deutscher, ist nach der Geburt Christi im Jahre 1049 in solcher Gestalt in das Papsttum gegangen. Denn während der päpstliche Stuhl vakant war, zogen die Römer zu Kaiser Heinrich nach Sachsen, in der Absicht, von ihm einen Papst zu begehren. Da überredete der König Brunon, den Bischof von Toul, einen schlichten, einfältigen Mann. Als nun dieser Bruno in päpstlicher Kleidung auf dem Weg nach Rom durch Besançon zog, da wurde er von zwei Mönchen überredet, dass er die päpstlichen Insignien ablege. Da führten sie ihn in Pilgergestalt nach Rom. Daselbst wurde er am letzten Tag des sechsten Monats, vom Anfang der Vakanz des Stuhls an, ordentlich zum Papst aufgenommen und Leo IX. genannt. Er war ein so gütiger, milder und zum Almosengeben so beflissener Mann, dass sein Haus den Armen stets offenstand. Er fand einmal einen außergewöhnlichen Menschen vor seiner Tür, den hieß er in sein Bett legen. Als man ihn des Morgens suchte und nirgends gefunden wurde, da glaubte man, dass Christus anstelle eines Armen beherbergt worden wäre. Er starb im sechsten Jahr seines Papsttums. Der Welt, Blatt 189, Linie der Kaiser: Heinrich III., der Sohn des vorgenannten Kaisers Konrad, wurde im Jahre des Herrn 1040 durch die Kurfürsten zu einem Nachfolger seines Vaters erwählt und regierte 17 Jahre. Er war seinem Vater in Tugenden nicht allein nicht ungleich, sondern vortrefflicher und nahm noch zu Lebzeiten seines Vaters eine schöne Tochter des Königs von England zur Ehe. Diese wurde des Ehebruchs fälschlich beschuldigt, aber doch durch ein Kind, das sie mit sich aus England mitgebracht hatte, gegen den Ankläger, der ein großer, starker Mann war, in einem Kampf beschirmt, mit dem Sieg des Kindes gegen denselben Mann. Danach schied sie sich williglich von ihrem Gemahl und endete ihr Leben in klösterlichem Wesen. Nachfolgend vermählte er sich mit der Schwester des edlen Herzogs Wilhelm von Poitou, Agnes genannt, und hielt nach königlicher Sitte die Hochzeit zu Ingelheim. Und hieß alle Freiharten, Lotter und Gaukler austreiben und alles, was ihnen nach Gewohnheit der Fürsten an Kleidern, Pferden und Geld zu geben war, den Armen zu reichen. Nun war er von Natur ein fröhlicher Mann, den Menschen freundlich, gegen jedermann demütig, den Feinden erschrecklich, den Armen gütig und mild. Er zog im ersten Jahr seines Regiments wider Oldřich, den böhmischen König, mit Heereskraft, aber doch damals erfolglos wieder in deutsche Lande und kam im anderen Jahr mit stärkerem und besser geschicktem Heer wieder nach Böhmen und bestritt denselben König Oldřich, sodass die Böhmen etliche Jahre einem römischen Fürsten Zins geben mussten. Zu derselben Zeit waren die Ungarn gegeneinander auch aufrührerisch, sodass ein Teil Peter, ihrem König, und der andere Teil einem anderen anhingen. Da wurde Peter mit gewappneter Hand ausgetrieben und ein Alboinus genannter zum König aufgenommen. Aber nichtsdestoweniger blieben die Zwistigkeiten zwischen den Fürsten und dem Volk. Nun floh Peter zu diesem Heinrich, ihn um Hilfe und Beistand anrufend. Danach zog Heinrich mit Heereskraft in das ungarische Land, verjagte Alboinus, setzte Peter wieder ein und stillte so dieselben Aufruhre. In mittlerer Zeit entstanden unerhörte Zwistigkeiten bei dem päpstlichen Stuhl, darum zog er mit großem Aufgebot gen Rom, und es wurden drei Päpste entsetzt und ein Bischof zu Bamberg (wie zuvor erwähnt) zum Papst geordnet. Von diesem empfing König Heinrich die kaiserliche Krone. Zuletzt starb er und wurde zu Speyer begraben. Etliche Geschichtsschreiber schreiben von wunderbaren Ursprüngen dieses Heinrichs. So verschonte Kaiser Konrad II. keines Verletzers des Friedens. Nun hatte Graf Luitpold...