Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Anfang des ordens grandimontensis genant left Sant Stephan Petrus damianus Johannes serapion Isaac ein artzt SenoArnulphus DIser orden hat vnder vater Stephano nach der gepurt cristi tawsent. lxxvi. iar vrsprung gehabt. Derselb Stephan eins edeln mans sun auß auernia wardt in seiner kintheit von seinem vater gein beneuentum gefueert vnd daselbst von sancto Milone dem ertzbischof. xii. iar in lernung guots tugenlichs lebens erzogen. Darnach zohe er auß vnnd durchwanderet vil wueestnus vnd aynoede vnd erkuendiget sich vil gaistlicher lewt lebens vnd wesens. Zu iungst kom er auß goettlicher belaytung in aquitania an einen waldigen berg. alda funnde er prunnen. spitzig felsen. wueests vnnd vnwegsams erttreich. dar ab frewet sich Stephanus vnd verhieß got alda alzeit zedienen. In dem. xxx. iar seins alters fieng er an in der aynsidelschaft mit stettigen fasten wachen vnd petten got zedienen. sein speyß was wasser vnd prot. vnnd zu zeiten ein proecklein waitziner kleyen. Als aber die zal seiner iunger sich meret do erzaiget er sich alweg als wer er der minst auß ine. Darnach in seiner letsten kranckheit sprach er zu seynen bruedern. Ich laß euch got des alle ding sind. werdt ir in liebhabung der armuot ime anhangen so wirdt er euch auß fuersichtigkeit. da mit er alle ding regiret alles das geben das euch nuetz ist. vnd starb darnach seligclich im. lxxx. iar seins alters. vnnd die brueder erweleten inen petrum lemonicensem zu einem prior. Nw vermayneten sant Augustins muench das das ende da dann dise brueeder mit sannt Stephan gewonet hetten inen zustuende. dem nach wolten die brueder von demselben ende weichen. vnd baten got inen ein bequemliche statt irs kuenftigen anwesens anzezaigen. als sie nw das Agnus dei drey mal gesungen hetten do wardt ein stymm von hymel gehoert sprechende dreymal. In grandimonte. das hoereten der prior vnd ettlich brueeder. nach ende der mess komen sie an die eroeffneten statt nit weyt von dem vorigen ende. alda machten sie ein kirchen vnd hewßer vnd truogen den heilligen leichnam daselbst hin vnd bestateten den vor dem altar. dauon weßten gar wenig menschen. Daselbst ward ein gihtpruechiger vnwissende gesund. so empfieng ein plinder dz gesiht. vnnd beschahen vil andere wunderzaichen. die verpote der prior in still zehalten das kein auffruor oder zulauff wuerde. PEtrus damianus ein doctor vnd cardinal in der heilligen schrift hohgelert vnd erfarn ist diser zeit derselben ding halben in großer achtung gehalten gewesen. vnd hat vil treffenlicher loeblicher vnd tapfferer ding geschriben Vnd sunderlich ein buoch wider die iuden. Auch vil exempel die zu seinen zeitten geschehen sind. dann er was an gaistlichkeit. demueetigkeit vnd weißheit ein namhaftig man. Vnd auff das er got in demuot destfreyer gedienen moecht so entschluog er sich seins bischoflichen wesens. Er truog (als dominicus setzt) ein eyßneynns pantzer an ploßem leib vnnd zwuo eyßnin guertel darumb vnd zwuo vmb die arm. JOhannes serapion der artzt ist diser zeit seiner kunst der ertzney beruembt gewest. vnd hat ettlich außzueg in der ertzney gemacht vnd zusamen gezogen. Isaac benimiram ein hohberuembter artzt Salomonis des artzts sun hat diser zeit auch vil dings in der ertzney geschriben. SEno bischof zu Tryer wardt von Thedorico dem trierischen grafen gefangen. zum drittenmal vber einen felsen abgestuetzt. vnd zu letst mit dem schwert zu tod erschlagen. ARnulphus hat erstlich in sannt Medards closter an zaichen vnd tugenten geschynen. Darnach wardt er in demselben closter ein abbt. vnd zu letst auß bebstlichem gescheft ein bischoff zu Lyon. Orden der geregelten chorherren left DIser orden hat zu der zeit babst Gregorii des sibenden vnd kaiser Heinrichs im iar des herren tawsent. lxxx. wider zeplueen angehebt in der kirchen sancti Ouirini. der erstlich von den apposteln darnach von sancto Augustino dem bischoff vnd fuertreffenlichen lerer ordenlich vnd regels weis auffgesatzt ist vnder maister yuone dem erwirdigen probst derselben kirchen. der darnach ein Carnotensischer bischoff wardt. In disem orden haben dise beruembte mann Hugo de sancto victore. Richardus de sancto victore. vnnd Hugo de sancto folieto geleuechtet. Yuo bischoff YUo der hohberuembst lerer gaistlicher recht vnd carnotensisch bischof wardt diser zeit in gallia in großer achtung vnd wirden gehalten. der dann vnder andern wercken vnnd gethaten seiner tugent weyßheit vnd kunst nach ysidoro dem hispalensischen bischoff ettlcih sammlung vnd außzueg gaistlicher recht gemacht vnd in ein buoch gezogen. vnnd sunst mancherlay lobwirdiger dinng gesammelt. gedicht vnd beschriben hat. Rasis ein artzt RAsis ein fuertreffenlicher artzt auß affrica puertig ist diser zeit in plueung vnd ruom gewesen. Ettlich setzen das er mit seinem aigen namen Bachilo gehaißen hab. so nennet ine auicenna Meamethum. Der ward in der statt Almansoria erzogen. vnd daselbst der arabischen zungen gar wol berichtet. also das er in derselben zungen auß allen lerern der ertzney die vor ime gewesen sind ettliche namhaftige buecher gesammelt. Auch in der astrologey vnd alchamey geschriben hat. Mathildis MAthildis die edel grefin vnd erber durchleuectig fraw wardt diser zeit sich gegen der roemischen kirchen wol haltende. von irer tugent vnd treffenlichen handlung wegen allenthalben gepreyset vnd beruembt. Bonifacius ein fast edler vnd großmechtiger man vnd Beatrix Heinrichs tochter waren ire elteren. dann nach dem sie ein einiche tochter was so ererbet sie nach irer eltern absterben die stett Lucam Parmam Regium Ferrariam Mantuam etc. darumb was sei in gantzem welschem land hohberuembt vnd lawtper vnnd deßhalb vermehlet sie sich in welschen landen eim mechtigen fuersten Gotfrid genannt. die dann auch als ein durchleuechtige fraw nit allain der zwayer hertzogen zu apulia vnd calabria. sunder auch Heinrichs gewalt so sie wider die roemischen bebst vbten großmuetigclich widertriben vnd sie auch zu widergebung der ding so sie der kirchen abgedrungen hetten gezwungen hat Aber als Heinrich kaiser Heinrichs sun vom vater in welsche land gesand bey der statt parma dise Mathildim vnd iren gemahel ernidergelegt vnnd denselben iren gemahel Gotfrid ertoedt het do vertrewtet sie ir zu der ee Azonem estensem des vorigen irs gemahels in dem vierden grad gesyppten freuend vnwissende solcher syppschaft. Als sie nw ettliche monat bey ime gewonet het vnd der ding berichtet wardt do suchet sie rat bey babst gregorio wz ir darinn zehandeln wer. also gepote ir der babst das sie sich gantz von seiner gemainschafft enthalten vnd entziehen solt. dem nach warden sie bede von einander geschieden. vnnd die fraw hienge darnach mit gepete vnd wachen got vnd der roemischen kirchen fleißigclich an vnnd starb darnach im. lxix. iar irs alters vol guoter werck. vnnd machet dauor ir gescheft vnd letsten willen. Erstlich das alle ir knecht vnd mayd frey sein solten. Darnach schicket sie alle ir guldine gefeß. silber geschirr vnnd koestlichste klaider den kirchen. vnnd begabet auch vil cloester vnd kirchen mit vil vnzallichen gueettern. vnnd vbergabe darnach alle ire erbschaft sancto Petro vnd empfienge an irem letsten ende von bischoff Anßhelmo alle sacrament cristi gar andechtigclich vnd erwirdigclich. vnd befalhe got die sel. vnnd ir leichnam wardt gar erlich zu der erden bestatet in einem sarch den man noch syht. GIbertus der wider Gregorium von kaiser Heinrich zu babst gekorn vnnd Clemens als hieuor steet genannt wardt zohe mit heereßkraft mit kaiser Heinrichen vnd seinem sun in welsche land gein rom vnd eroberet die leoninischen stat gar pald. Zu letst nach vil geuebten hendeln vnd sachen starb er eins gehen tods gepuerliche straff vnd peen seiner mißhandlung leydende.
Anfang des Ordens Grandimontensis genannt. Es lebten dort Sankt Stephan, Petrus Damianus, Johannes Serapion, Isaac ein Arzt, Seno, Arnulphus. Dieser Orden hatte unter Vater Stephanus nach der Geburt Christi im Jahre 1076 seinen Ursprung. Derselbe Stephan, Sohn eines edlen Mannes aus Auvergne, wurde in seiner Kindheit von seinem Vater nach Beneventum geführt und dort von Sancto Milo, dem Erzbischof, zwölf Jahre lang in der Lehre eines guten, tugendhaften Lebens erzogen. Danach zog er aus und durchwanderte viele Wüsten und Einöden und erkundigte sich nach dem Leben und Wesen vieler geistlicher Leute. Zuletzt kam er durch göttliche Führung in Aquitanien an einen waldigen Berg. Dort fand er Quellen, spitze Felsen, wüstes und unwegsames Erdreich. Darüber freute sich Stephanus und versprach Gott, dort allezeit zu dienen. Im dreißigsten Jahr seines Alters begann er in der Einsiedelei mit stetigem Fasten, Wachen und Beten Gott zu dienen. Seine Speise war Wasser und Brot, und zu Zeiten ein Bröcklein Weizenkleie. Als aber die Zahl seiner Jünger sich mehrte, da zeigte er sich stets, als wäre er der Geringste unter ihnen. Danach, in seiner letzten Krankheit, sprach er zu seinen Brüdern: „Ich lasse euch Gott, dem alle Dinge gehören. Werdet ihr in Liebe zur Armut ihm anhängen, so wird er euch aus Fürsichtigkeit, womit er alle Dinge regiert, alles das geben, was euch nützlich ist.“ Und starb danach seliglich im achtzigsten Jahr seines Alters. Und die Brüder erwählten sich Petrus Lemonincensem zu einem Prior. Nun meinten Sankt Augustins Mönche, dass das Ende, wo dann diese Brüder mit Sankt Stephan gewohnt hatten, ihnen zustünde. Demnach wollten die Brüder von demselben Ort weichen und baten Gott, ihnen eine bequeme Stätte ihres künftigen Anwesens anzuzeigen. Als sie nun das Agnus Dei dreimal gesungen hatten, da ward eine Stimme vom Himmel gehört, dreimal sprechend: „In Grandimonte.“ Das hörten der Prior und etliche Brüder. Nach Ende der Messe kamen sie an die eröffnete Stätte nicht weit von dem vorigen Ort. Dort machten sie eine Kirche und Häuser und trugen den heiligen Leichnam dorthin und bestatteten ihn vor dem Altar. Davon wussten nur sehr wenige Menschen. Dort wurde ein gichtbrüchiger Unwissender gesund, so empfing ein Blinder das Gesicht, und es geschahen viele andere Wunderzeichen. Die verbot der Prior, still zu halten, damit kein Aufruhr oder Zulauf würde. Petrus Damianus, ein Doktor und Kardinal, in der Heiligen Schrift hochgelehrt und erfahren, ist dieser Zeit derselben Dinge halben in großer Achtung gehalten gewesen und hat viele treffliche, lobenswerte und tapfere Dinge geschrieben, und sonderlich ein Buch wider die Juden. Auch viele Exempel, die zu seinen Zeiten geschehen sind, denn er war an Geistlichkeit, Demut und Weisheit ein namhafter Mann. Und auf dass er Gott in Demut desto freier dienen möge, so entschlug er sich seines bischöflichen Wesens. Er trug (wie Dominicus setzt) ein eisernes Panzer an bloßem Leib und zwei eiserne Gürtel darum und zwei um die Arme. Johannes Serapion, der Arzt, ist dieser Zeit seiner Kunst der Arznei berühmt gewesen und hat etliche Auszüge in der Arznei gemacht und zusammengezogen. Isaac Benimiram, ein hochberühmter Arzt, Sohn Salomons des Arztes, hat dieser Zeit auch vieles in der Arznei geschrieben. Seno, Bischof zu Trier, ward von Thedorico, dem Trierischen Grafen, gefangen, zum dritten Mal über einen Felsen abgestürzt und zuletzt mit dem Schwert zu Tode erschlagen. Arnulphus hat erstlich in Sankt Medards Kloster an Zeichen und Tugenden geschienen. Danach ward er in demselben Kloster ein Abt und zuletzt aus päpstlichem Geschäft ein Bischof zu Lyon. Orden der geregelten Chorherren. Dieser Orden hat zu der Zeit Papst Gregors des Siebten und Kaiser Heinrichs im Jahre des Herrn 1080 wieder zu blühen angefangen in der Kirche Sancti Quirini, der erstlich von den Aposteln, danach von Sancto Augustino, dem Bischof und vortrefflichen Lehrer, ordentlich und regelsweise aufgesetzt ist unter Meister Yvo, dem ehrwürdigen Propst derselben Kirche, der danach ein Carnotensischer Bischof ward. In diesem Orden haben diese berühmten Männer Hugo de Sancto Victore, Richardus de Sancto Victore und Hugo de Sancto Folieto geleuchtet. Yvo, Bischof. Yvo, der hochberühmteste Lehrer geistlichen Rechts und Carnotensischer Bischof, ward dieser Zeit in Gallien in großer Achtung und Würde gehalten, der dann unter anderen Werken und Taten seiner Tugend, Weisheit und Kunst nach Isidor von Sevilla, dem hispalensischen Bischof, etliche Sammlungen und Auszüge geistlichen Rechts gemacht und in ein Buch gezogen und sonst mancherlei lobwürdiger Dinge gesammelt, gedichtet und beschrieben hat. Rasis, ein Arzt. Rasis, ein vortrefflicher Arzt, aus Afrika gebürtig, ist dieser Zeit in Blüte und Ruhm gewesen. Etliche setzen, dass er mit seinem eigenen Namen Bachilo geheißen habe, so nennt ihn Avicenna Meamethum. Der ward in der Stadt Almansoria erzogen und daselbst der arabischen Zunge gar wohl berichtet, also dass er in derselben Zunge aus allen Lehrern der Arznei, die vor ihm gewesen sind, etliche namhafte Bücher gesammelt. Auch in der Astrologie und Alchemie geschrieben hat. Mathildis. Mathildis, die edle Gräfin und ehrbare, durchlauchtige Frau, ward dieser Zeit sich gegen der römischen Kirche wohl haltend, von ihrer Tugend und trefflichen Handlungen wegen allenthalben gepriesen und berühmt. Bonifacius, ein fast edler und großmächtiger Mann, und Beatrix, Heinrichs Tochter, waren ihre Eltern. Denn nachdem sie eine einzige Tochter war, so erbte sie nach ihrer Eltern Absterben die Städte Lucca, Parma, Reggio, Ferrara, Mantua etc. Darum war sie im ganzen welschen Land hochberühmt und lautbar, und deshalb vermählte sie sich in welschen Landen einem mächtigen Fürsten, Gottfried genannt, die dann auch als eine durchlauchtige Frau nicht allein der zwei Herzöge zu Apulien und Kalabrien, sondern auch Heinrichs Gewalt, so sie wider die römischen Päpste übten, großmütiglich widertrieben und sie auch zur Wiedergebung der Dinge, so sie der Kirche abgedrungen hatten, gezwungen hat. Aber als Heinrich, Kaiser Heinrichs Sohn, vom Vater in welsche Lande gesandt, bei der Stadt Parma diese Mathildis und ihren Gemahl erniedergelegt und denselben ihren Gemahl Gottfried ertötet hatte, da vertraute sie sich zur Ehe Azonem Estensem, des vorigen ihres Gemahls in dem vierten Grad gesippten Freund, unwissend solcher Sippschaft. Als sie nun etliche Monate bei ihm gewohnt hatte und der Dinge berichtet ward, da suchte sie Rat bei Papst Gregor, was ihr darin zu handeln wäre. Also gebot ihr der Papst, dass sie sich ganz von seiner Gemeinschaft enthalten und entziehen sollte. Demnach wurden sie beide voneinander geschieden. Und die Frau hing danach mit Gebet und Wachen Gott und der römischen Kirche fleißiglich an und starb danach im 69. Jahr ihres Alters, voll guter Werke, und machte davor ihr Geschäft und letzten Willen. Erstlich, dass alle ihre Knechte und Mägde frei sein sollten. Danach schickte sie alle ihre goldenen Gefäße, Silbergerät und kostbarsten Kleider den Kirchen und begabte auch viele Klöster und Kirchen.