Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Linea der bebst // Gregorius der sibend GRegorius der sibend vormals Ildebrandus genant wardt von menigclichen dieweil nochmals dz volck mitsambt der pfafheit in der begengknus des gestorben babsts was fuer einen babst zenennen gewelet. sagende das er von sant Peter darzu erkorn wer. Auß disem geschray giengen die cardinel in versamlung vnd weleten denselben Ildebrandum oerdenlich Gregorium den sibenden nenennende. Diss was das. xviii. iar des reichs kaiser Heinrichs des vierdten. als derselb kaiser mit schwerem krieg der sachßen beladen was. Diser babst was got vnd den menschen angeneme. kluog. fuersichtig gerecht. mylt. ein vater der armen. wittiben vnd waysen vnd ein ernstlicher gestrenger beschuetzer vnd beschirmer der roemischen kirchen wider die ketzerische vnfruemkeit vnd wider den gewalt der boeßen fuersten die sich der gueeter der kirchen mit gewaltsam vnderstunden. Diser babst vermanet kaiser heinrichen das er hinfuero nymant mer einich bistthumb oder pfruend durch symoneische geitzigkeit von myet oder gabe wegen befelhen solt. Darnach entsetzet diser babst bischoff Herman zu babenberg. vnd den bischoff zu Costnitz irer wirdigkeit von geuebter symoney wegen. In der fasten darnach hielt Gregorius zu rom ein concili da bey waren Gibertus der ertzbischoff zu rauenna vnd ein große anzal der Lombardischen bischoff. Dess vermanung wolt Heinrich auß verlayttung Giberti nit gefoelgig sein. sunder derselb Gibertus als ein kriegisch man machet des verwesers zu Rom sun wider disen Gregorium auffwegig das er ine in der waihenachten zu nacht mess haltende fieng. aber die roemer erledigten ine vnd kereten des verwesers sun hewßer vmb. der fluhe zu Heinrichen vnd der babst verpannet ine vnnd alle seine helffer. do machet Heinrich in gehabtem concili Gibertum zu babst wie hieuor bey beschreybung kaiser Heinrichs gemeldet ist. Darnach starb Gregorius im xiii. iar seins babstthumbs. Victor der dritt UIctor der dritt dauor Desiderius genant vnd abbt des cassinischen bergs hat sich alßpald nach empfangnem babstthumb die ihenen die auf Gregorii seins vorfarn seyten gewesen warn zebeschirmen vnderstanden vnd ime deßhalb kaiser Heinrich zu feynd gemacht. Auß dess arglistigkeit (als Martinus der gschihtbschreyber setzt) diser babst mit vergift dieweil er mess hielt in den kelckh geworffen getoedt wardt im andern iar seins babstthumbs. Vrbanus der ander URbanus der ander vormals Otto oder oddo genant erstlich auch ein closterman. darnach cardinal wardt im fuenften monat nach absterben Victoris zu babst erkorn. ein man von seiner schriftlichen lere vnd heilligs lebens wegen babstlicher ere wol wirdig. Er hat vil treffenlicher sendbrieff an die grefin Mathildim geschriben. Auß kleinen vertrawen der roemischen sachen zohe er gein melphim in fuersatz daselbst ein versamlung zehalten. Als er aber mercket das er in welschem land einich statt der ruoe nit haben mocht do hielt er zu placencia ein concili. alda stillet er die fuernamischkeit ettlicher gaistlichen wunderperlich. Darnach zohe er in galliam daselbst het er aber ein concili. darinn vermanet er die gallischen fuersten zu rettung der statt Iherusalem die von den sarracenen enthalten wardt. Man liset von ime das er nach der gepurt vnßers haylands tawsent vnd in dem vierundnewntzigisten iar vor der menig aller der die in demselben concili auß allem cristenlichen erttreich gefordert entgegen waren ein tapffere schoene red gethan. vnd zu entledigung der stat Iherusalem vnd des gelobten lands dreymal hundert tawsent menschen auffwegig gemacht hab. Darnach keret er wider gein rom in willen so die welschen sachen geschlichtet wuerden die walhen zu solchem zug auch aufzebringen. aber er wardt von Johanne eim haidnischen boßhaftigen man also feyntlich verfolget dz er sich in eins mechtigen burgers hawß zway iar enthielte. Doch nach absterben desselben wuertrichs fliße er sich der kirchen sachen zeschlichten. Zu letst nach vil erliddner verfolgung muee vnd arbait starb er im. xiii. iar seins babstthumbs. Orden der cartheueser DIser orden hat nach der gepurt christi vnßers hayldsan tansent. lxxxvi. iar in Gallia in dem Gracianopolitanischen bistthumb von Bruno dem heilligsten lerer goetlicher schrift anfang genomen. vnnd nach vrsprung seiner aufsatzung durch die hilff christi an cloestern vnd personen auffung vnd merung empfangen. vnd ist von alexandro dem dritten vnd vierden vnd von andern bebsten bewert. bestettigt vnnd mit mancherlay freihayten begabet worden. vnd hat vnder andern gaistlichen oerden (nit der zeit sunder der gestrengigkeit halben) alweg den vorgang gehalten. darumb nennet man ine ein wolgestaltiste seueln der kirchen. Der hat auß einem solchen erschrockenlichen fal vrhab empfangen. Dieweil die hochschuol zu paris in grosser plueung stund vnd vil treffenlicher hohweiser schuler vnd lerer auß mancherlay gegenten daselbsthin komende in allen kuensten synnreich gefunden warden. do was vnder inen einer die andern an clarheit der kunst. fruemmkeit des lebens vnnd hohen geruechde vbertreffende. der starb. die weil nw die vigili in beywesen großer anzall der doctor. magister vnd andrer gesungen wardt do richtet sich der tod leichnam in der par auff mit großer stymm schreyende. Ich bin auß gerechtem gericht gottes verclagt. des erschraken alle gegenwertigen vnd entslußen sich den leichnam desselben vnbegraben zelassen. Dess morgens schrie der tod leichnam wie vor. Am dritten tag kom schier die gantz statt das wunderperlich zehoern. do stuond der gestorben auff vnd schrye. Ich bin auß gerechtem gottes gericht verdambt. Da bey was eim maiser Bruno genant der sprach zu seinen iungern. Seht wie iemerlich vnd erpermdlich ist der vergangen der von menigclichem als heillig geachtet wardt. dem nach verließen sie die werlt vnd giengen in die wueestnus vnd aynoede. Bruno der erst cartheueser BRuno der heillig man ein hohberuembter philozophus vnnd lerer der heilligen schrift auß teuetschen landen von Coelne puertig ein thumherr der remensischen kirchen vnd schulmaister zu parys hat diseer zeit die werlt vnnd ir geprenngk verlaßen sich mit siben hohgelerten mannen in die aynsidelschaft der carthawsen gethan. daselbst ein closter gepawt vnd einen hohstrengen fuersatz abgesunderts wandels angefengt. welche gestrenngigkeit sein nachkomen yetzo vierhundert iar her hoh gehalten haben. mit langem fasten. alle freytag mit wasser vnd prot. nymmer einich flaisch eßende. wie kranck ymmer ymant ist. Herin klaid an ploßem leib tragende. So geen sie nymmer auß außgenomen der prior vnd schaffer sunder bleiben allain in den zellen mit gestrenngem schweygen vnd mit vil wachen. Diss heilligen fuersatzs ist Hugo der gratianopolitanisch bischof der von demselben Bruno das klaid des ordens empfieng ein anfennger gewesen. Etlich sagen das babst vrbanus vnder den iungern Brunonis einer gewesen sey. Hugo bischoff HVgo der gratianopolitanisch bischof het ein soelche zeuegknus von seiner muoter dz sie sein schwanger saget sie het durch einen trawm ein schoens kind empfangen. das hetten die heilligen vnd sant peter fuer gottes angesyht zestellen in den himel getragen. darumb als er geporn vnd ein kind wardt do wardt er zu lernung der schrift gethan in hoffnung sunderlichs verdiensts vnd gnaden bey got zewerden. als dann die goettlich gnad vil zierde der tugent in ine getragen hat. Diser Hugo sahe in der aysidelschaft der carthawsen in eim trawm ime got ein wonung nach seinem gefallen pawen vnd siben stern die ime layttung des wegs gaben. Also auß geruechde seiner heilligkeit komen zu ime siben mann die alle auß begirde angezuendet ein statt dem aynsidlischen leben schickerlich suchten. Der erst vnder denselben was (als vor steet) maister Bruno. auch sunst vier gelert vnd zwen layen. die giengen auß rat Hugonis in die aynoede der carthawsen dieselben pawende. Vnd wiewol sich diser Hugo bischoflicher puerden entladen vnnd der ruoe der selen wartten wolt. aber nach dem er als ein heillig vnnd mit vil tugenten geziert man. der allen vmb ine wonenden ein ebenpild der heilligkeit was allain mit seinem leben als mit einem spigel der tugent dem volck mer dann ymannt andrer ersprießlich sein moecht. So kund er bey den bebsten verwilligung seins abtrettens nit erlangen. Nach seinem absterben wardt er in der heilligen zal geschriben.
Reihe der Päpste. Gregor VII., vormals Hildebrand genannt, wurde von vielen, während das Volk mitsamt der Priesterschaft noch bei der Bestattung des verstorbenen Papstes war, zum Papst ausgerufen, sagend, dass er von Sankt Peter dazu auserwählt sei. Aufgrund dieses Geschreis versammelten sich die Kardinäle und wählten denselben Hildebrand ordnungsgemäß, indem sie ihn Gregor den Siebten nannten. Dies war das 18. Jahr der Herrschaft Kaiser Heinrichs IV., als derselbe Kaiser mit einem schweren Krieg der Sachsen belastet war. Dieser Papst war Gott und den Menschen angenehm: klug, fürsichtig, gerecht, milde, ein Vater der Armen, Witwen und Waisen und ein ernsthafter, strenger Beschützer und Verteidiger der römischen Kirche wider die ketzerische Gottlosigkeit und wider die Gewalt der bösen Fürsten, die sich gewaltsam der Güter der Kirche bemächtigten. Dieser Papst ermahnte Kaiser Heinrich, dass er hinfort niemandem mehr ein Bistum oder eine Pfründe durch simonistische Geizigkeit, wegen Miete oder Gabe, befehlen sollte. Danach enthob dieser Papst Bischof Hermann von Bamberg und den Bischof von Konstanz ihrer Würdigkeit wegen geübter Simonie. In der Fastenzeit danach hielt Gregor in Rom ein Konzil ab, bei dem Wibert, der Erzbischof von Ravenna, und eine große Anzahl lombardischer Bischöfe anwesend waren. Heinrich wollte dessen Ermahnung auf Verleitung Wiberts nicht Folge leisten, sondern derselbe Wibert, als ein kriegerischer Mann, machte den Sohn des Verwesers in Rom gegen diesen Gregor aufständisch, sodass er ihn in der Weihnachtsnacht, während er die Messe hielt, gefangen nahm. Aber die Römer befreiten ihn und plünderten die Häuser des Verwesers Sohnes. Dieser floh zu Heinrich, und der Papst verbannte ihn und alle seine Helfer. Da machte Heinrich in dem abgehaltenen Konzil Wibert zum Papst, wie zuvor bei der Beschreibung Kaiser Heinrichs erwähnt ist. Danach starb Gregor im 13. Jahr seines Papsttums. Viktor III., zuvor Desiderius genannt und Abt des Cassinischen Berges, hat sich alsbald nach empfangenem Papsttum unterstanden, jene zu beschützen, die auf der Seite seines Vorgängers Gregors gewesen waren, und sich deshalb Kaiser Heinrich zum Feind gemacht. Aus dessen Arglistigkeit (wie Martinus, der Geschichtsschreiber, berichtet) wurde dieser Papst mit Gift, während er Messe hielt, in den Kelch geworfen und im zweiten Jahr seines Papsttums getötet. Urban II., vormals Otto oder Oddo genannt, erstlich auch ein Klostermann, danach Kardinal, wurde im fünften Monat nach dem Absterben Viktors zum Papst erwählt. Ein Mann, seiner schriftlichen Lehre und seines heiligen Lebens wegen, der päpstlichen Ehre wohl würdig. Er hat viele treffliche Sendbriefe an die Gräfin Mathilde geschrieben. Aus geringem Vertrauen in die römischen Angelegenheiten zog er nach Melfi in der Absicht, dort eine Versammlung abzuhalten. Als er aber merkte, dass er im welschen Land keine Stätte der Ruhe haben konnte, da hielt er zu Piacenza ein Konzil ab. Dort dämpfte er die Anmaßung etlicher Geistlicher auf wunderbare Weise. Danach zog er nach Gallien, dort hielt er aber ein Konzil ab. Darin ermahnte er die gallischen Fürsten zur Rettung der Stadt Jerusalem, die von den Sarazenen gehalten wurde. Man liest von ihm, dass er nach der Geburt unseres Heilands im tausendvierundneunzigsten Jahr vor der Menge all derer, die in demselben Konzil aus allem christlichen Erdreich gefordert und anwesend waren, eine tapfere, schöne Rede gehalten und zur Befreiung der Stadt Jerusalem und des Gelobten Landes dreimalhunderttausend Menschen zum Aufbruch bewegt habe. Danach kehrte er wieder nach Rom zurück in der Absicht, sobald die welschen Angelegenheiten geschlichtet wären, die Italiener zu solchem Zug auch aufzubringen. Aber er wurde von Johannes, einem kirchenfeindlichen, boshaften Mann, so feindlich verfolgt, dass er sich in eines mächtigen Bürgers Haus zwei Jahre lang aufhielt. Doch nach dem Absterben desselben Wüterichs befliss er sich, die Angelegenheiten der Kirche zu schlichten. Zuletzt, nach viel erlittener Verfolgung, Mühsal und Arbeit, starb er im 13. Jahr seines Papsttums. Orden der Kartäuser. Dieser Orden hat nach der Geburt Christi, unseres Heilands, im Jahre 1086 in Gallien, im Bistum Grenoble, von Bruno, dem heiligsten Lehrer der göttlichen Schrift, seinen Anfang genommen. Und nach Ursprung seiner Gründung hat er durch die Hilfe Christi an Klöstern und Personen Aufschwung und Mehrung empfangen. Und ist von Alexander III. und IV. und von anderen Päpsten bewährt, bestätigt und mit mancherlei Freiheiten begabt worden. Und hat unter anderen geistlichen Orden (nicht der Zeit, sondern der Strengheit halber) stets den Vorrang gehalten. Darum nennt man ihn eine wohlgestaltetste Säule der Kirche. Dieser hat aus einem solchen erschrecklichen Fall seinen Ursprung empfangen. Während die Hochschule zu Paris in großer Blüte stand und viele treffliche, hochweise Schüler und Lehrer aus mancherlei Gegenden dorthin kommend in allen Künsten geistreich gefunden wurden, da war unter ihnen einer, der die anderen an Klarheit der Wissenschaft, Frömmigkeit des Lebens und hohem Ruf übertraf. Dieser starb. Während nun die Vigilien in Anwesenheit großer Anzahl von Doktoren, Magistern und anderen gesungen wurden, da richtete sich der tote Leichnam auf der Bahre auf, mit großer Stimme schreiend: „Ich bin aus gerechtem Gericht Gottes verklagt.“ Des erschraken alle Anwesenden und entschlossen sich, den Leichnam desselben unbegraben zu lassen. Des Morgens schrie der tote Leichnam wie zuvor. Am dritten Tag kam schier die ganze Stadt, das Wunderbare zu hören. Da stand der Verstorbene auf und schrie: „Ich bin aus gerechtem Gottesgericht verdammt.“ Dabei war ein Meister namens Bruno, der sprach zu seinen Jüngern: „Seht, wie jämmerlich und erbärmlich ist der dahingegangen, der von jedermann als heilig geachtet wurde.“ Demnach verließen sie die Welt und gingen in die Wüste und Einöde. Bruno, der heilige Mann, ein hochberühmter Philosoph und Lehrer der Heiligen Schrift, aus deutschen Landen, gebürtig aus Köln, ein Domherr der Reimser Kirche und Schulmeister zu Paris, hat dieser Zeit die Welt und ihr Getriebe verlassen, sich mit sieben hochgelehrten Männern in die Einsiedelei der Kartause begeben. Daselbst ein Kloster gebaut und einen hochstrengen Vorsatz abgesonderten Wandels angefangen. Welche Strengheit seine Nachkommen jetzt vierhundert Jahre lang hoch gehalten haben: mit langem Fasten, alle Freitage mit Wasser und Brot, niemals irgendein Fleisch essend, wie krank auch immer jemand ist. Härene Kleidung am bloßen Leib tragend. So gehen sie niemals hinaus, ausgenommen der Prior und der Schaffner, sondern bleiben allein in den Zellen mit strengem Schweigen und mit viel Wachen. Dieses heiligen Vorsatzes ist Hugo, der Bischof von Grenoble, der von demselben Bruno das Kleid des Ordens empfing, ein Anfänger gewesen. Etliche sagen, dass Papst Urban unter den Jüngern Brunos einer gewesen sei. Hugo, der Bischof von Grenoble, hatte ein solches Zeugnis von seiner Mutter, dass sie, als sie mit ihm schwanger war, sagte, sie hätte durch einen Traum ein schönes Kind empfangen...