Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter Ein cristenlicher heerzug Jherusalem zeentledigen beschehen zur zeit babst vrbani des andern im iar des herren tausent.xciiij. IN zeitten des babsts Vrbani nach gehaltem concilic zu Claromonte sind die cristenlichen fuersten in gallia zu widererobrung der statt Jherusalem. die die sarracen lang zeit inngehabt hetten durch denselben babst mit schoener red also vermanet worden das allermenigclicher mit eim eynhelligen munnd ruoeffet. Got wil es. got wil es. Dieweil nw der babst mitsambt den bischoffen vnd prelaten von einem heerhawbtman zeerwelen ratschlagten ließen sich vil tausent menschen mit dem creuetz bezaichnen vnd ruesteten sich innerhalb wenig monaten bey dreymalhunderttausent menschen in solchen zug auff den weg vnd zohen auff constantinopel zu. Der erst heerfuerrer Petrus genant ain aysidler nam den weg mit vil volcks durch teuetsche vnd hungrische land. zu demselben geselleten sich drey mechtig grafen. nemlich Gotfredus Eustachius vnd Balduinus vnd zohen auch mit demselben heer. Aber die mechtigsten fuersten vnnd der adel. der Padiensisch bischoff als hawbtman dess zugs. auch des koenigs zu franckreich brueder. Hugo der gross genant. auch Raymundus Robertus vnd Stephanus die grafen mitsambt vil anderen treffenlichen grafen vnd edeln. zohen durch welschs land sich in drey hawffen taylende. So zohe Boemundus mit .xiim. außerleßen weppnern welscher iugent auch zu. Als nw Petrus obgenant mit seinem volck gein constantinopel kome vnd sich in die vorstett gelegert het do kund er die seinen nit also halten das sie die constantinopolitaner nit angriffen mit berawbung heilliger ding. Auß dem wardt Alexius der constantinopolitanisch kaiser bewegt das er von stundan Petrum bedrannget sich mit den seinen vor zeittiger weyle von dannen zethun. also zohe er erstlich in Nicomediam. vnd belegeret die wolbewartten statt Niceam. die dann die tuercken als der cristen zukunft vorwissende dauor mit volck vnd aller notturft zu widerstand der belegerung versorget vnnd befestigt hetten. aber nach dem die im geleger zugangs mangelten vnd die ritter bey ayntzling abfieln vnnd die christen in haymlicher verwarttung ernidergelegt wurden do muoßten sie von solcher belegerung ablaßen vnd empfiengen in der flucht einen solchen großen abbruch das Reinaldus der teuetschen heerhawbtman des cristenlichen glawbens verlawgnet vnd sich mitt ettlichen weppnern den vnglawbigen ergaben. vnd petrus wider gein constantinopel keret. Aber Boemundus bedrannge kaiser alexium mit bedroungen vnd verheißungen durch die gegent des kayserthumbs ziehen zelaßen. vnnd also komen die cristen wider fuer die statt Niceam. Nw was dieselb statt schwerlich zeerobern dann man mocht durch einen see zu verwarttung der zufart geschickt werden. do muoßten die burger auß gebruch vnd mangel aller ding erniderligen vnnd sich nach .lij. tagen vom anfang der belegerung ergeben. Als nw die statt besetzt wardt vnd man durch wueest stett ziehen solt do taylet sich dz heer auff zwu rott. vnd als Boemundus bey eim fließenden bach einen wurtzligen waydreichen erdpoden seine pferd vnd vihe wayden wolt do komen die sarracen an ine. den hetten sie ernidergelegt wo ime Hugo vnnd Gottfredus die zwen grafen alsopald 600px mit. xlm. geraysigen zu hilff vnd rettung komen wern. alda wardt beder seytten kreftigclich gestritten. In demselben streyt (darinn dann medi. tuercken. syrii. caldei. sarracen vnd arabier gewesen sind) sollen bey den. xlm. menschen vmbbracht vnd erschlagen worden sein. Aber Solimannus ir hertzog oder hawbtman kome in der flucht dauon. Nw behulffen sich die cristen des zeittigenden samens vnd frucht bis sie on vnfuog gein Iconium die hawbtstatt Licaonie komen. vnd dieselben mitsambt den stetten Heraclea vnd Tarso eroberten. alßdenn erlanget Balduinus ein man fuertreffenlichs gemueets vnnd synnreichigkeit erster die herrschung in asia mit der statt Tarso begabet. Darnach nayget sich das groeßer heer in Ciliciam. das klainer armenia genant. vnd komen nach erobrung der statt cesarea in dem land Capadocia gelegen vber hohe berg fuer antiochiam vnd machten ir heergeleger ettlich tawsent schrit von der statt an eim fluss durch den man on geferlichkeit nit geen mocht. vnd die hawbtlewt beschaweten die statt vnd fragten die gefangnen von gestalt derselben. die antwurteten sprechende. der koenig diser statt haißt Cassianus. vnnd als die hebreysch schrift anzaigt so ist dise statt erstlich Reblata vnnd darnach von Antiocho dem herrscher des aufgangs nach ime Antiochia genannt worden. sie ist mit zwifacher mawer vmbfangen. die inner von ziegelstaynen. die ewßer von quaderstaynen gepawt. vnnd hat in hoher gestalt. iiiic. lx thuern. vnd vier berg in ir. Auff derselben einem gegen dem aufgang ligende ist ein solche von natur befestigte purg das sie allem geschoß. allem kriegßzeueg vnd allem sturm leichtlich vorsteen mag. Die inwoner haißen dise gegent Celisyriam. Das geleger der statt ist an flueßen vnd prunnen befeuechtet. das feld vnd der erdpodem darumb fruchtper vnd waydreich. der see da bey vol guoter fisch. Dise statt ligt. xiim. schritt vom meer. alda dann der obgenant fluss fuer antiochiam rinnende ein pforten hat. Dise statt hat vom anfang der ersten kirchen große zierde empfangen dann Petrus der fuerst der appostell hat daselbst den ersten patriarchischen stuol auffgerichtet vnd gehalten. So hat Theophilus der sibend prelat daselbst nach petro zu abtilgung des namens des oeden koenigs anthiochi dise statt nach ime Theophiliam genennt. Dise statt ist vnder dem cristenlichen namen in solcher plueung gestanden das sie dreyundfuenftzig bischoff. hundert weyhbischoff vnd dreyhundert vnd sechtzig kirchen gehabt hat Als nw die cristen verstunden das man dise wolbefestigte statt lanngzeit belegern mueeßt do ward durch die hawbtlewt mancherlay weyß geratschlagt. vnd im iar vnßers hails tawsent.xcvii. mit großem gezeuege belegert vnd von Boamundo normano hertzog Roberts zu apulia sun dem gar hohberuembten man nach schwerer belegerung erobert durch einlassung Pirthi eins mechtigen burgers daselbst. der sich in verwunderung der krafft Boamundi verwilliget den cristen die statt einzegeben wenn sie denselben Boamundum vber die statt herrschen laßen wolten. Als die cristen in die statt komen do verschoneten sie schier allermenigclichs. Der koenig Cassianus fluhe in die gepirge vnd wardt von den Armeniern ertoedt. aber es kome Corbane der fuerst der ritterschafft des koenigs Persarum mit Sensadolo dem sun Cassiani. als aber sich der mangel aller nottuerftiger ding erewget do setzet ime Boemundus fuer wider sie in einen streyt zetreten. left Nw waren die sachen der cristen zu Antiochia also vbel gestalt das die schier in abfall vnnd verzweyflung gelangt weren wo vnßer gott sein naygung zu vnßerm hayl vnnd schutz tragende mit wunderzaichen nit beweyst het. dann das spere das die seytten ihesu cristi am creuetz geoeffnet hat wardt durch offenbarung eim gaistlichen mann beschehen in sant Andreßen kirchen gefunden. Dauon warden die cristenlichen hawbtlewt in solche große hoffnung auffgerichtet das sie inen fuersetzeten mit den feynden zefechten. demnach wardt diss heilligst speer als ein panyer auß wider die feynd getragen. vnd durch Boemundum der feynd bey hunderttawsent ernidergelegt. vnd bey. xv. tawsent cameln gefangen. Dauon warden die cristen also reich das sie von der eueßersten duerftigkeit zu hohster gnugsamkeit aller ding raichten von wundergeschiht wegen diss spers. Hildebertus bischoff HIldebertus der bischoff ein man großer sinnreichigkeit vnnd kunst ist diser zeit in weißheit vnd art gepundens gedichts beruembt gewest vnd hat vil anfechtung. fengknus vnd pande zu rom von cristenlichs glawbens vnd der kirchen wegen erlidden. vnd daselbst vil treffenlicher huebscher vnd außpuendiger sendbrieff gemacht vnd ettliche tappffere verss von seinem ellend. Auch ein buch von verdrossenheit diss lebens. vnd auch sein selbs clag. Auch ein schoens gepette an die heilligen trifeltigkeit. vnd sunst vil andere ding beschriben. SAnt Maurillus der Rothomagiensisch bischoff an tugenten vnd heilligkeit ein beruembt man hat diser zeit gelebt.
Das sechste Zeitalter. Ein christlicher Heereszug zur Befreiung Jerusalems geschah zur Zeit Papst Urbans II. im Jahre des Herrn 1094. In Zeiten Papst Urbans, nach dem Konzil von Clermont, wurden die christlichen Fürsten in Gallien zur Rückeroberung der Stadt Jerusalem, die die Sarazenen lange Zeit innegehabt hatten, durch denselben Papst mit schöner Rede so ermahnt, dass jedermann mit einstimmigem Mund rief: 'Gott will es! Gott will es!' Während nun der Papst mitsamt den Bischöfen und Prälaten über die Wahl eines Heerführers berieten, ließen sich viele tausend Menschen mit dem Kreuz kennzeichnen und rüsteten sich innerhalb weniger Monate, etwa dreihunderttausend Menschen, für diesen Zug und zogen auf Konstantinopel zu. Der erste Heerführer, Petrus genannt, ein Einsiedler, nahm den Weg mit viel Volk durch deutsche und ungarische Länder. Zu demselben gesellten sich drei mächtige Grafen, nämlich Gottfried, Eustach und Balduin, und zogen auch mit demselben Heer. Aber die mächtigsten Fürsten und der Adel, der Bischof von Le Puy als Hauptmann des Zuges, auch der Bruder des Königs von Frankreich, Hugo der Große genannt, auch Raimund, Robert und Stephan, die Grafen, mitsamt vielen anderen trefflichen Grafen und Edlen, zogen durch welsches Land, sich in drei Haufen teilend. So zog Boemund mit 12.000 auserlesenen Waffenträgern welscher Jugend auch zu. Als nun der oben genannte Petrus mit seinem Volk nach Konstantinopel kam und sich in den Vorstädten gelagert hatte, da konnte er die Seinen nicht so halten, dass sie die Konstantinopolitaner nicht angriffen mit Beraubung heiliger Dinge. Daraufhin wurde Alexios, der konstantinopolitanische Kaiser, bewogen, dass er sogleich Petrus drängte, sich mit den Seinen vorzeitig von dannen zu machen. So zog er zuerst nach Nicomedia und belagerte die wohlbewahrte Stadt Nicäa, die dann die Türken, die die Ankunft der Christen voraussahen, zuvor mit Volk und allem Nötigen zum Widerstand gegen die Belagerung versorgt und befestigt hatten. Aber nachdem es den Belagerern an Zugang mangelte und die Ritter einzeln abfielen und die Christen in heimlicher Verwahrung niedergemacht wurden, da mussten sie von solcher Belagerung ablassen und erlitten auf der Flucht einen so großen Verlust, dass Reinald, der Heerführer der Deutschen, den christlichen Glauben verleugnete und sich mit etlichen Waffenträgern den Ungläubigen ergab, und Petrus kehrte wieder nach Konstantinopel zurück. Aber Boemund drängte Kaiser Alexios mit Drohungen und Verheißungen, sie durch die Gegend des Kaisertums ziehen zu lassen, und so kamen die Christen wieder vor die Stadt Nicäa. Nun war dieselbe Stadt schwer zu erobern, denn man konnte durch einen See zur Sicherung des Zugangs geschickt werden. Da mussten die Bürger aus Erschöpfung und Mangel an allen Dingen nachgeben und sich nach 52 Tagen vom Anfang der Belagerung ergeben. Als nun die Stadt besetzt wurde und man durch wüste Städte ziehen sollte, da teilte sich das Heer in zwei Rotten. Und als Boemund bei einem fließenden Bach einen wurzelreichen, weidereichen Erdboden seine Pferde und Vieh weiden wollte, da kamen die Sarazenen an ihn. Ihn hätten sie niedergemacht, wenn ihm Hugo und Gottfried, die zwei Grafen, sogleich mit 40.000 Berittenen nicht zu Hilfe und Rettung gekommen wären. Dort wurde auf beiden Seiten kräftiglich gestritten. In demselben Streit (darin dann Meder, Türken, Syrer, Chaldäer, Sarazenen und Araber gewesen sind) sollen etwa 40.000 Menschen umgebracht und erschlagen worden sein. Aber Soliman, ihr Herzog oder Hauptmann, kam in der Flucht davon. Nun behalfen sich die Christen des reifenden Samens und der Früchte, bis sie ohne Schwierigkeiten nach Ikonium, der Hauptstadt Lykaoniens, kamen und dieselbe mitsamt den Städten Herakleia und Tarsus eroberten. Alsbald erlangte Balduin, ein Mann von vortrefflichem Gemüt und Sinnreichtum, zuerst die Herrschaft in Asien, mit der Stadt Tarsus ausgestattet. Danach neigte sich das größere Heer nach Kilikien, das Kleinarmenien genannt wird, und kam nach Eroberung der Stadt Caesarea, im Land Kappadokien gelegen, über hohe Berge vor Antiochia und errichteten ihr Heerlager etliche tausend Schritte von der Stadt entfernt an einem Fluss, durch den man ohne Gefahr nicht gehen konnte. Und die Hauptleute beschauten die Stadt und fragten die Gefangenen nach deren Beschaffenheit. Die antworteten und sprachen: 'Der König dieser Stadt heißt Cassianus. Und wie die hebräische Schrift anzeigt, so ist diese Stadt erstlich Reblata und danach von Antiochus, dem Herrscher des Ostens, nach ihm Antiochia genannt worden. Sie ist mit zweifacher Mauer umfangen, die innere aus Ziegelsteinen, die äußere aus Quadersteinen gebaut, und hat in hoher Gestalt 460 Türme und vier Berge in sich. Auf einem derselben, gegen den Osten liegend, ist eine solche von Natur befestigte Burg, dass sie allem Geschoss, allem Kriegsgerät und allem Sturm leicht widerstehen kann. Die Einwohner nennen diese Gegend Koilesyrien. Die Lage der Stadt ist an Flüssen und Brunnen befeuchtet, das Feld und der Erdboden darum fruchtbar und weidereich, der See dabei voll guter Fische. Diese Stadt liegt 12.000 Schritte vom Meer entfernt, wo dann der oben genannte Fluss, der vor Antiochia fließt, eine Pforte hat. Diese Stadt hat vom Anfang der ersten Kirche große Zierde empfangen, denn Petrus, der Fürst der Apostel, hat daselbst den ersten patriarchischen Stuhl aufgerichtet und gehalten. So hat Theophilus, der siebte Prälat daselbst nach Petrus, zur Tilgung des Namens des öden Königs Antiochus, diese Stadt nach ihm Theophilia genannt. Diese Stadt ist unter dem christlichen Namen in solcher Blüte gestanden, dass sie dreiundfünfzig Bischöfe, hundert Weihbischöfe und dreihundertsechzig Kirchen gehabt hat.' Als nun die Christen verstanden, dass man diese wohlbefestigte Stadt lange Zeit belagern müsste, da wurde durch die Hauptleute mancherlei Weise beraten und im Jahre unseres Heils 1097 mit großem Kriegsgerät belagert und von Boemund dem Normannen, Herzog Roberts von Apulien Sohn, dem sehr hochberühmten Mann, nach schwerer Belagerung erobert durch Einlassung Pirthus', eines mächtigen Bürgers daselbst, der sich in Verwunderung der Kraft Boemunds bereit erklärte, den Christen die Stadt zu übergeben, wenn sie denselben Boemund über die Stadt herrschen lassen wollten. Als die Christen in die Stadt kamen, da verschonten sie schier jedermann. Der König Cassianus floh in die Gebirge und wurde von den Armeniern getötet. Aber es kam Kurbugha, der Fürst der Ritterschaft des Königs der Perser, mit Sensadolo, dem Sohn Cassianus'. Als aber sich der Mangel aller notwendigen Dinge erhob, da setzte Boemund ihm vor, wieder gegen sie in einen Streit zu treten. Nun waren die Sachen der Christen zu Antiochia so übel bestellt, dass sie schier in Abfall und Verzweiflung geraten wären, wo unser Gott seine Neigung zu unserem Heil und Schutz tragend nicht mit Wunderzeichen bewiesen hätte. Denn die Lanze, die die Seiten Jesu Christi am Kreuz geöffnet hat, wurde durch Offenbarung, einem geistlichen Mann geschehen, in der Kirche des heiligen Andreas gefunden. Davon wurden die...