Schedelsche Weltchronik · Blatt 196

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Orden der cistercienser DIser orden hat nach der gepurt cristi tawsent.xcviii iar in Burgundia von Roberto dem gaistlichen vnd erwirdigen molinensischem abbt in der aynsidelschaft Cistercii genannt erstlich vrsprung gehabt. Welchen orden babst vrbanus vnder sant benedicten regeln doch mit vil zugesatzten ordnungen bestettigt hat. Der ist auß begabung vil freyheit in der gantzen werlt zu auffung vnd merung komen. dann als in dem lingonensischen bistthumb ein treffenlich beruembt closter molisinus genant gestiftet vnd darnach mit mancherlay guettern vnd auch mit erleuechten mannnen gemeret wardt. vnd aber die lang vnnd manigfeltig geselschaft an tugenten abzenemen begunde do giengen. xxi. muench mit Roberto dem vater als liebhaber himlischer vnnd verschmeher irdischer ding auß dem closter an ein wueest ende cistercium genant vnd inen von got fuergeordnet daselbst stifteten sie ein new statt vnd orden der gaistlichkeit. der cistercienser genant. Darnach auß ratt Oddonis des hertzogen zu burgundi vnd Hugonis des Lyonischen ertzbischofs vnd babstlichen stuols legaten. vnd waltheri des cabilonensischen bischofs fiengen sie an die aynsidelschaft zu einer abbtey auffzepawen. die kome darnach in kuertz an allen dingen zu wirderperlicher auffnemung. Stephanus abbt Robertus abbt RObertus der heillig man Molinensischer abbt auß campania puertig gieng erstlich in sannt Stephans closter in der Trecacensischen pfarr gelegen. darnach verließe er dasselb closter vnd gieng mitsambt Alberico. odone. iohanne. stephano. letaldo vnd petro den closterlewten in die wueestnus cistercium genant. daselbst richtet er ein closter auff durch hilff vnd macht der obgenanten ertzbischoffs vnd hertzogen. Als er aber darnach widerumb in das molisinisch closter gefordert wardt do wardt Albericus gar ein andechtig man an sein stat geordnet. durch desselben emssigkeit vnd tapfferheit hat der orden in heilliger gaistlichkeit vnd loeblichem wandel zugenomen. vnd von pascali dem babst freyung vnd enthebung erlangt. STephanus der abbt Cistercii ein liebhaber der gaistlichkeit. armuot vnd ordenlicher zucht hat nach der gepurt des herren tawsent hundert. vii. iar zu den zeiten kaiser Heinrichs des fuenften die carten der lieb mit gewalt des babstlichen sigels bestettigt. volbracht. Diser Stephanus betrueebet sich das so wenig person in seinen orden komen. dann man forchte die zumal gestrenngen obseruantz. do sahe er in der nacht durch den trawm ein große menig volcks zu dem closter geen. also am andern tag gieng Bernhardus mit seinen bruedern vnd weggeferten in den orden. den hater hohgemeret vnd gezieret als hernach volgt. Widerbringung der von Iherusalem vnnd anfang des konigreichs daselbst bey den cristen. DIe hertzogen oder hawbtlewt des cristenlichen heerzugs kamen am ersten tag des monats octobris zu antiochia zusamen vnd Boemundus wardt zu fuersten derselben statt antiochie erklert. Als aber dazwischen Hugo der groß gestorben was do entschlussen sich die andern hawbtlewt außgenomen Raymundo der die stat Cesariam belegeret mit heereßkraft gein iherusalem zeziehen. dem nach komen sie in Licia zusamen in fuersatz die statt Tortosam zestuermen. aber nach dreyen monaten zohen sie vngeschaft von dannen gein der statt Tripolim die ließen sie auff bitte irs koenigleins befridet. darnach schickten sie sich durch den nehern (wiewol vber das gepirg den scherpffern) weg gein Iherusalem zu vnd zohen mit dreyen rotten an dreyen oertern. Vnnd als sie aber nach ettlichen gelegern fuer ettwieuil stett hin zohen vnd vnderwegen ein statt von den tuercken vnd sarracenen auß forcht wueest gelassen funden. vnd fueroan bis auff sechs tawsent schrit gein iherusalem zu komen. vnd des morgens kawm vor aufgang der sunnen der statt iherusalem zynnen ansyhtig wurden do het ymant groß wunder gesehen mit wz großem geschray in die himel. mit wz iubel freued vnd frolockung. mit wz freuedenreichen vber die wang abfließenden zehern vnd mit was auff das angesyht nidergepogner demueetiger vnnd ere erbietlicher geperde die cristenlichen mann die beheilligten statt Iherusalem vnd das erwirdig heillig grabe des herren grueßeten. Nw ist dise statt in der palestinischen gegent syrie auff einem hohen berg gelegen vnd auch mit hohen bergen vmbgeben. sie hat weder innen noch auch in der nehe einich fluess. auch keinen prunnnen. sunder den einigen bach Syloe mit feuechten. vnd zu zeiten im summer mit keinem wasser fließende. der dann vom berg Syon enmitten durch das tall Josaphat rynnt. Aber daselbst hat man inner vnd außerhalb vnzallich vil cistern des regenwassers. Ir feld gehoert an vil voelcker vnnd feinde des cristenlichen namens. dann es sehen die arabier. moabitide vnd amonite vom aufgang. Sedumei. egypcii vnd philistei vom mittentag. Die meer stett Ptolomaida Tyrus vnd Tripolis vom nidergang. Vnd Tyberias Cesarea Decapolis vnd damascus von mitternacht in die iherosolimischen grentz hinein. Als nw die cristen an die mawer vnd pforten diser statt hinzu komen do warden sie rettig die statt allenthalben zeuembgeben vnnd fiengen an vier orten kreftigclich zestuermen. vnnd eroberten die mit gewalt. In solcher erobrung diser statt erlanget Gotfridus einen sundern ruom das er an dem ort do ime vnd seinen bruedern zestuermen zugeaignet wardt der erst auff die mawrn was vnd Balduino hulffe das er ab der mawrn in die statt steygende den cristen die pforten oeffnete. vnd sie als hinein drungen. do beschahe ein solche schlacht vnd pluotuergießeng in der statt oder allermaist im tempel das das menschlich pluot der toedten vber die knorren oder enckel auffstyge. wenn die nacht nit komen wer so hetten sie auch desselben tags den tempel eingenomen. Als man sich aber des andern tags den tempel. die oebern teyle des tempels zestuermen zugerichtet het do wardt den burgern mit erbermdlichem geschray vnd waynen gnad bittende sicherung des lebens zugesagt. In solcher gestalt ist die statt Iherusalem von den cristen erobert vnd gewunnen worden am xv. tag des monats iulii nach der gepurt cristi tawsent vnd in dem newnundnewntzigisten iar. nach dem dieselb statt in den zeitten Heraclii des kaisers von den sarracenen besessen wardt. darnach zohen die hawbtlewt iren harnasch ab vnd hießen die sarracen den tempel raynigen vnd wanderten demueetigclich oder kriechende zum heilligen grab Deßgleichen thet auch alle menig der cristen. Gotfridus der erst koenig zu Iherusalem ALs sie nw solche freued vnd andacht acht tag gehabt hetten do fiengen sie an zeratschlagen von eim koenig der statt zegeben. vnd Gotfridus wardt von den hawbtlewten vnd aller menigclichem zu koenig beruofft. vnd von den hawbtlewten auff den achseln zu dem heilligen grab des herren getragen. vnd nach loeblich gehaltnem ambt der mess ein koenig zu Iherusalem genant. vnd wiewol er die puerde vnd sorg des regirens anname so wolt er doch den tittel vnnd die kron des koenigreichs nit haben. vnd sprach dz es vnzimlich wer dz ein suendigs menschlein ein guldine kron auff sein hawbt setzete in der statt darinn der hayland der welt der ewig koenig ein duernine mit seinem allerheilligsten pluot genetzte kron getragen het. Darnach wardt Arnulphus der briester zu patriarchen daselbst erkorn. Aber in menschlichen dingen ist nichts zu der selligkeyt gehoerigs langwirig. dann ein iar nach eroberung der statt Iherusalem wardt diser gotfridus ein herr daselbst mit kranckheit des fibers oder kalten beladen vnd starb. Balduinus der ander koenig zu iherusalem BAlduinus ward nach absterben seins bruders Gotfridi mit verwilligung aller in dem heilligen land wonenden cristen. nit wie sein bruder als herr. sunder als koenig der stat iherusalem gekorn. vnd das beschahe im iar vnsers hails tawsent hundert eins. darinn babst Vrbanus der ander (der ein anfenger diser widererobrung des heilligen grabs was) gestorben ist. Balduinus regiret. xviii. iar. Die sarracen samelten groß heer in fuersatz den cristen die statt iherusalem widerab zedringen. do forderet er die Jenueser vnnd Venediger vnnd gewunne die statt Ptolomaidam. vnnd leget die sarracen veriagende ernyder. vnnd bestritte im andern streyt die egyptier vnnd erschluog calipham iren koenig. left EIn vngewonlicher stern ward in disem iar am freytag der ersten fastwochen vmb vesperzeit in dem mittag vnnd nydergang gesehen. der schyne xxv. tag alweg zu der einigen stund. dem lieffe ein großer palck oder tram entgegen. darnach an dem heilligen gruendonrstag des abent eßens des herren warden zwen monde vor tags. einer im aufgang. der ander im nydergang gesehen. Vnlang darnach erschine ein comet mit langen flammigen straymen. Von dem sprach ein closterman. Bistu komen vil muettern bewainendens ding. ich hab dich vor langst gesehen. aber yetzo schawe ich dich an als bedroenden die außtilgung diss vaterlannds.

Moderne Übersetzung

Der Orden der Zisterzienser. Dieser Orden hatte nach der Geburt Christi im Jahre 1098 in Burgund seinen Ursprung, durch Robert, den geistlichen und ehrwürdigen Abt von Molesme, in der Einsiedelei namens Cîteaux. Diesen Orden bestätigte Papst Urban II. unter den Regeln des Heiligen Benedikt, jedoch mit vielen zusätzlichen Ordnungen. Durch die Gewährung vieler Freiheiten kam er in der ganzen Welt zu Aufschwung und Verbreitung. Denn als im Bistum Langres ein trefflich berühmtes Kloster namens Molesme gestiftet und danach mit mancherlei Gütern und auch mit erleuchteten Männern vermehrt wurde, und aber die lange und vielfältige Gemeinschaft an Tugenden abzunehmen begann, da gingen 21 Mönche mit Robert, dem Vater, als Liebhaber himmlischer und Verächter irdischer Dinge aus dem Kloster an ein wüstes Ende, genannt Cîteaux, das ihnen von Gott vorherbestimmt war. Dort stifteten sie eine neue Stätte und einen Orden der Geistlichkeit, den Zisterzienserorden genannt. Danach begannen sie, auf Rat Oddos, des Herzogs von Burgund, und Hugos, des Erzbischofs von Lyon und päpstlichen Legaten, sowie Walthers, des Bischofs von Chalon, die Einsiedelei zu einer Abtei auszubauen. Diese kam danach in Kürze in allen Dingen zu ehrwürdiger Aufnahme. Stephanus, Abt. Robertus, Abt. Robert, der heilige Mann, Abt von Molesme, aus der Champagne gebürtig, ging zuerst in das Kloster des Heiligen Stephanus, gelegen in der Pfarrei Troyes. Danach verließ er dasselbe Kloster und ging mitsamt Alberich, Odo, Johannes, Stephan, Letald und Peter, den Klosterleuten, in die Wüstenei namens Cîteaux. Dort errichtete er ein Kloster durch die Hilfe und Macht des obgenannten Erzbischofs und Herzogs. Als er aber danach wiederum in das Kloster Molesme zurückgerufen wurde, da wurde Alberich, ein sehr andächtiger Mann, an seine Stelle gesetzt. Durch dessen Emsigkeit und Tapferkeit hat der Orden an heiliger Geistlichkeit und lobenswertem Wandel zugenommen und von Papst Paschalis II. Freistellung und Befreiung erlangt. Stephan, der Abt von Cîteaux, ein Liebhaber der Geistlichkeit, Armut und ordentlicher Zucht, hat nach der Geburt des Herrn im Jahre 1107, zu den Zeiten Kaiser Heinrichs des Fünften, die Charta der Liebe mit der Gewalt des päpstlichen Siegels bestätigt und vollbracht. Dieser Stephan betrübte sich, dass so wenige Personen in seinen Orden kamen, denn man fürchtete die überaus strengen Observanzen. Da sah er in der Nacht im Traum eine große Menge Volks zum Kloster gehen. So ging am anderen Tag Bernhard mit seinen Brüdern und Weggefährten in den Orden. Diesen hat er hoch vermehrt und geziert, wie hernach folgt. Wiedereroberung Jerusalems und Beginn des Königreichs daselbst bei den Christen. Die Herzöge oder Hauptleute des christlichen Heereszuges kamen am ersten Tag des Monats Oktober in Antiochia zusammen, und Bohemund wurde zum Fürsten derselben Stadt Antiochia erklärt. Als aber inzwischen Hugo der Große gestorben war, da entschlossen sich die anderen Hauptleute, ausgenommen Raimund, der die Stadt Caesarea belagerte, mit Heereskraft gen Jerusalem zu ziehen. Demnach kamen sie in Lykien zusammen, in der Absicht, die Stadt Tortosa zu stürmen. Aber nach drei Monaten zogen sie unverrichteter Dinge von dannen gen der Stadt Tripolis; diese ließen sie auf Bitte ihres Königleins befriedet. Danach machten sie sich auf den näheren (obwohl über das Gebirge den schärferen) Weg gen Jerusalem und zogen mit drei Rotten an drei Orten. Und als sie aber nach etlichen Belagerungen vor etlichen Städten hinzogen und unterwegs eine Stadt von den Türken und Sarazenen aus Furcht wüst gelassen fanden, und fortan bis auf sechstausend Schritte gen Jerusalem kamen, und des Morgens kaum vor Aufgang der Sonne die Zinnen der Stadt Jerusalem erblickten, da hätte jemand großes Wunder gesehen, mit welch großem Geschrei gen Himmel, mit welch Jubel, Freude und Frohlocken, mit welch freudenreichen, über die Wangen abfließenden Tränen und mit welch auf das Angesicht niedergebogener, demütiger und ehrerbietiger Gebärde die christlichen Männer die geheiligte Stadt Jerusalem und das ehrwürdige Heilige Grab des Herrn grüßten. Nun ist diese Stadt in der palästinensischen Gegend Syriens auf einem hohen Berg gelegen und auch mit hohen Bergen umgeben. Sie hat weder innen noch in der Nähe einen einzigen Fluss, auch keinen Brunnen, sondern den einzigen Bach Siloah, der feucht ist und zu Zeiten im Sommer mit keinem Wasser fließt, der dann vom Berg Zion inmitten durch das Tal Josaphat rinnt. Aber daselbst hat man innen und außerhalb unzählig viele Zisternen des Regenwassers. Ihr Gebiet grenzt an viele Völker und Feinde des christlichen Namens. Denn es sehen die Araber, Moabiter und Ammoniter vom Aufgang (Osten), die Edomiter, Ägypter und Philister vom Mittag (Süden). Die Meerstädte Ptolemais, Tyrus und Tripolis vom Niedergang (Westen). Und Tiberias, Caesarea, Dekapolis und Damaskus von Mitternacht (Norden) in die jerusalemischen Grenzen hinein. Als nun die Christen an die Mauern und Pforten dieser Stadt herankamen, da wurden sie bereit, die Stadt allenthalben zu umgeben und fingen an vier Orten kräftiglich zu stürmen und eroberten sie mit Gewalt. Bei solcher Eroberung dieser Stadt erlangte Gottfried einen besonderen Ruhm, dass er an dem Ort, wo ihm und seinen Brüdern zu stürmen zugewiesen wurde, der erste auf den Mauern war und Balduin half, dass er, von der Mauer in die Stadt steigend, den Christen die Pforten öffnete. Und als sie hineindrangen, da geschah eine solche Schlacht und Blutvergießen in der Stadt oder allermeist im Tempel, dass das menschliche Blut der Toten über die Knöchel aufstieg. Wenn die Nacht nicht gekommen wäre, so hätten sie auch desselben Tages den Tempel eingenommen. Als man sich aber des anderen Tages den Tempel, die oberen Teile des Tempels, zu stürmen zugerichtet hatte, da wurde den Bürgern, die mit erbärmlichem Geschrei und Weinen um Gnade baten, Sicherung des Lebens zugesagt. In solcher Gestalt ist die Stadt Jerusalem von den Christen erobert und gewonnen worden am 15. Tag des Monats Juli, nach der Geburt Christi im Jahre 1099, nachdem dieselbe Stadt in den Zeiten Heraklios', des Kaisers, von den Sarazenen besessen wurde. Danach zogen die Hauptleute ihren Harnisch ab und ließen die Sarazenen den Tempel reinigen und wanderten demütiglich oder kriechend zum Heiligen Grab. Desgleichen tat auch die ganze Menge der Christen. Gottfried, der erste König zu Jerusalem. Als sie nun solche Freude und Andacht acht Tage gehabt hatten, da fingen sie an, zu ratschlagen, einen König der Stadt zu geben. Und Gottfried wurde von den Hauptleuten und der ganzen Menge zum König berufen und von den Hauptleuten auf den Achseln zum Heiligen Grab des Herrn getragen und nach lobenswert gehaltenem Amt der Messe ein König zu Jerusalem genannt. Und obwohl er die Bürde und Sorge des Regierens annahm, so wollte er doch den Titel und die Krone des Königreichs nicht haben und sprach, dass es unziemlich wäre, dass ein sündiges Menschlein eine goldene Krone auf sein Haupt setzte in der Stadt, darin der Herr...

Anmerkungen

xcviii
römisch für 98 (im Kontext 1098)
Burgundia
historischer Name für Burgund
Roberto
Robert von Molesme, Gründer des Zisterzienserordens
molinensischem abbt
Abt von Molesme (Kloster Molesme)
aynidelschaft
Einsiedelei
Cistercii
Cîteaux, Ort der ersten Zisterzienserabtei
babst vrbanus
Papst Urban II.
sant benedicten regeln
die Ordensregeln des Heiligen Benedikt von Nursia
auffung vnd merung
Aufschwung und Vermehrung/Verbreitung
lingonensischen bistthumb
Bistum Langres (lat. Dioecesis Lingonensis)
treffenlich
trefflich, ausgezeichnet
molisinus
Molesme, Kloster in Burgund
xxi.
römisch für 21
wueest ende
wüstes Ende, abgelegener Ort
cistercium
Cîteaux
Oddonis
Odo I., Herzog von Burgund
Hugonis des Lyonischen ertzbischofs
Hugo von Die, Erzbischof von Lyon
babstlichen stuols legaten
Legat des päpstlichen Stuhls
waltheri des cabilonensischen bischofs
Walter von Chalon, Bischof von Chalon-sur-Saône
wirderperlicher auffnemung
ehrwürdiger Aufnahme/Ansehen
Stephanus abbt
Stephan Harding, dritter Abt von Cîteaux
Robertus der heillig man Molinensischer abbt
Robert von Molesme
campania puertig
aus der Champagne gebürtig (Campania hier als Champagne zu verstehen)
Trecacensischen pfarr
Pfarrei Troyes (lat. Trecas)
Alberico
Alberich von Cîteaux, zweiter Abt von Cîteaux
odone. iohanne. stephano. letaldo vnd petro
weitere Mönche, Mitbegründer von Cîteaux
wueestnus
Wüstenei, abgelegenes Gebiet
molisinisch closter
Kloster Molesme
pascali dem babst
Papst Paschalis II.
STephanus der abbt Cistercii
Stephan Harding
vii. iar
römisch für 7 (im Kontext 1107)
kaiser Heinrichs des fuenften
Kaiser Heinrich V.
carten der lieb
Charta Caritatis (Charta der Liebe), die Verfassung des Zisterzienserordens
obseruantz
Observanz, strenge Einhaltung der Ordensregeln
Bernhardus
Bernhard von Clairvaux
Widerbringung
Wiedereroberung
hawbtlewt
Hauptleute, Anführer
heerzugs
Heereszug, Kreuzzug
octobris
Oktober
antiochia
Antiochia (heute Antakya, Türkei)
Boemundus
Bohemund von Tarent, Fürst von Antiochia
Hugo der groß
Hugo von Vermandois, Bruder des französischen Königs Philipp I.
Raymundo
Raimund IV. von Toulouse, einer der Anführer des Ersten Kreuzzugs
Cesariam
Caesarea Maritima, antike Stadt in Palästina
Licia
Lykien, historische Region in Kleinasien
Tortosam
Tortosa (heute Tartus, Syrien)
vngeschaft
unverrichteter Dinge, ohne Erfolg
Tripolim
Tripolis (heute Tripoli, Libanon)
koenigleins
Königlein, kleiner König (hier wohl der lokale Herrscher)
scherpffern
schärferen, beschwerlicheren
rotten
Rotten, Abteilungen, Truppenteile
gelegern
Belagerungen
tuercken vnd sarracenen
Türken und Sarazenen (allgemeine Bezeichnung für Muslime im Mittelalter)
sechs tawsent schrit
sechstausend Schritte (historische Maßeinheit, ca. 4,5 km)
zynnen
Zinnen, Mauerkronen
ansyhtig wurden
ansichtig wurden, erblickten
iubel freued vnd frolockung
Jubel, Freude und Frohlocken
zehern
Tränen
nidergepogner
niedergebogener
ere erbietlicher geperde
ehrerbietiger Gebärde
palestinischen gegent syrie
palästinensische Gegend Syriens (historische geographische Einordnung)
Syloe
Siloah, biblischer Bach und Teich in Jerusalem
Syon
Berg Zion
tall Josaphat
Tal Josaphat (Kidrontal)
cistern
Zisternen
Ir feld gehoert an
Ihr Gebiet grenzt an
arabier
Araber
moabitide vnd amonite
Moabiter und Ammoniter, antike Völker östlich des Jordans
aufgang
Osten
Sedumei
Edomiter (lat. Idumaei, Sedumaei)
egypcii
Ägypter
philistei
Philister
mittentag
Süden
Ptolomaida
Ptolemais (heute Akkon, Israel)
Tyrus
Tyrus (heute Sur, Libanon)
nidergang
Westen
Tyberias
Tiberias, Stadt am See Genezareth
Decapolis
Dekapolis, Bund von zehn Städten im Nahen Osten
damascus
Damaskus
mitternacht
Norden
iherosolimischen grentz
jerusalemischen Grenzen
rettig
bereit
allenthalben zeuembgeben
allenthalben zu umgeben, ringsum zu belagern
Gotfridus
Gottfried von Bouillon
sundern ruom
besonderen Ruhm
zugeaignet wardt
zugewiesen wurde
Balduino
Balduin I. von Jerusalem, Bruder Gottfrieds
pluotuergießeng
Blutvergießen
knorren oder enckel
Knöchel
erbermdlichem geschray vnd waynen
erbärmlichem Geschrei und Weinen
xv. tag
römisch für 15
iulii
Juli
newnundnewntzigisten iar
99. Jahr (im Kontext 1099)
Heraclii des kaisers
Kaiser Herakleios (byzantinischer Kaiser, 7. Jh.)
harnasch
Harnisch, Rüstung
demueetigclich oder kriechende
demütiglich oder kriechend (als Zeichen der Verehrung)
zeratschlagen
zu ratschlagen
aller menigclichem
der ganzen Menge
puerde vnd sorg
Bürde und Sorge
vnzimlich wer
unziemlich wäre, unpassend wäre
suendigs menschlein
sündiges Menschlein