Schedelsche Weltchronik · Blatt 198

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 198, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 198, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das sechst alter Orden der templarier DIser orden hat vnder babst Gelasio zu iherusalem seinen anfang genomen vnnd schier .ijc. iar beharret. Dann nach dem Gotfridus der durchleuechtigst hertzog zu Lothringen das koenigreich Jherusalem vndersich gebracht het vnd nw ettlich frumm vnd der ritterschaft geuebt mann vermerckten das die pilgram die auß andacht vnd innigkeit die heilligen stett besuchten mit rawb vnd mord bekuemert wuerden. do verpflichteten sie sich got dem herren ritterschaft zepflegen. Erstlich was ir ein kleine anzal in williger armuot. vnd ir maister einer in der vorwart des tempels von dannen sie iren namen des ordens hetten. Die woneten nit weit von dem heilligen grab vnnd woher die pilgram darzu komen so wartteten sie der mit grossem fleiß vnd belayteten die von einer heilligen statt zu der andern vor beschwerde der vnglawbigen. Sie fueerten solchs cristenlichs vnd tugentlichs leben das sie von den pilgram wunderperlicher weiß gelobt vnd deßhalb mit vil milten gaben des almuosens bedacht worden. Sie truogen fuer iren orden einen weyßen manntel mit einem roten creuetz. So machet inen sant Bernhart der abbt ein regel zehalten. Dieweil sie nw also in armuot vnnd haltung irer regel lebten do reichßneten sie in heilligkeit vnd tugenten. Alßpald sie aber zu reichthuemernn vnnd vberfluessigkeyt langten do begunde sich bey ine wollustperkeit vnd girigkeit von weil zu weil einzemischen vnd vnderzeschlaichen. Auß dem komen sie zu abfal der tugent in laster vnnd zu außtilgung. VOn der menschwerdung cristi tawsent vnd .xx. iar hat sich angehebt der orden der templischen ritterschaft genant sant Johanßen zu Jherusalem. Die leben vnder sant Augustins regel vnd haben schwartzs klayd in layscher gestalt vnd ein weiß creuetz auff der prust. vnd sind geordnet leiplich wider die vnglawbigen zestreytten. Jre fuernamsts anwesen ist in der innseln Rhodis. So sind sie vnder dem hohmaister daselbst mit allen iren kirchen vnd hewßern. dero vil in der werlt vnd reich sind. Vnd wiewol ir wenig clericken oder geweiht sind. so freueen vnd geprauchen sie sich doch persoelicher vnd hablicher freyheit der geweyhten. vnd verbringen teglich ir tagzeit den pater noster bettende. Dauon hienach auch meldung beschiht. Priesterkönig Johannes IN Indier land nennt man iren patriarchen briesteriohann. Dieselben patriarchen hat erstlich sanctus Matheus der appostel. vnnd darnach ein haymlicher camrer Candicis der koenigin in demselben land geordnet. So hat sant Thomas der appostell Indier land zumb cristenlichen glawben bekeret. Nw wirdt derselb briesteriohann nit allain als ein bischoff. sunder auch als ein kaiser geachtet. Von dem sagt man das ime .lxxij. koenig vnderworffen vnd ierlich zynsper seyen. vnd in denselben koenigreichen seyen hundert.xxvij. ertzbistthumb. vnd der oeberst bischoflich vnd kaiserlich stuol sey in einer großen mechtigen statt Bibrithh genant vnd hat Johannes der patriarch einer auß den großten der indier (der im iar des herren tawsent hundert.xx. gein rom kome) hat dem babst calisto. den cardineln vnnd andern prelaten offenlich gesagt. Wie sanctus Thomas der appostel ierlich in der statt Hulna in India gelegen dem volck das allerheilligst sacrament gebe. solchs mit seiner hand dem wirdigen raichende vnd dem vnwirdigen entziehende. BVrdinus ein aberbabst auß Hyspania puertig. den kaiser Heinrich der fuenft zu eim abgot auffgeworffen het gestattet mitsambt seinem anhangen den tyrannen an ettlichen sundern strassen solcher plackerey vnnd moerderey das nymannt sicher oder frey durch dieselben strass zumb concili des Calistus fuergenomen het gein Rom komen mocht. Demnach belegeret der babst Calistus die statt Sutrium darinn Burdinus was. Aber die burgere gaben denselben Burdinum von stund an herauß. Der wardt auff ein camel mit dem antlitz zumb schwantz gekert widersynns gesetzt. vnd also nit allain zu rom sunder von allem volck vnderwegen belachet. Doch enthielt sich Calistus von vergiessung des boßhaftigen menschen pluots vnd stieße den in ein closter. der werlt Blat CXCVIII Sant Bernhart BErnhardus abbt zu claraualle ein Burgundier was auß Castellione dem edeln gschloss oder statt von edeln eltern puertig. sein vater was ein gestrennger vnnd andechtiger ritter der statt defontanis bey diuione. So was sein muotter vom gschloss montißbarri genant. Die hat on disen Bernhardum sunst fuenff suen vnd ein tochter. die nachfolgend in ein closter kome gehabt. vnd dieselben ire kind mit gemayner vnd grober speyß (das sie got in den cloestern dest freyer dienen moechten) erzogen. Dieweil die muoter disen iren sun im leib truoge do sahe sie ein weiß huentlein ein wenig roetlet auff dem rugken vnd pellende. zu kuenftiger anzaigung seins geschrayes vnd pellens dz er wider die nachreder vnd entzieher der kirchen thun wurdt. Er kome in dem .xxij. iar seins alters mitsambt xxx. gesellen in das cisterciensisch closter. darinn name er also zu das er in kuortzer weil von seiner großen heilligkeit. schriftlicher weißheit vnd lere wegen zu abbt in claraualle erkorn wardt. Dasselb closter het er in großem ruom vnd ere .xxxvi. iar verwesen. vnd in seinem leben hundert vnd sechtzig cloester seins ordens außgepawt. vnd die cristenlichen kirchen mit heiligkeit seins lebens. sueeßigkeit seiner lere. vnd mit glori vnd ruom der wunderzaichen erleuechtet. vnd neben seinem heilligen vnd loeblichen leben sunst auß seiner synnreichen geschicklichkeit vil heilliger inniger. andechtiger. sueeßer. hoenigfließender schrift. buecher vnd lere gemacht vnnd hinder ime gelassen. Als bey den orienntischen die statt Edissa den cristen entwendet worden was. do hat er die fuersten. prelaten. edeln vnd das volck in gallia vnd auch Cunraten den roemischen koenig zu gemaynem zug wider die vnglawbigen auffwegig gemacht. Nach vil geuebten wunderzaichen starb er im .lxiij. iar seins alters selligclich. das was dz M.c.liij. iar des herren cristi. left Petrus alfonsus PEtrus alfonsus ein iud dauor moyses genant verließ den irrsal der iudischen vnd empfieng das sacrament des tawfs andechtigclich. vnd machet ein buoch wider die iuden vnd hayden treffenlich disputirende. vnd wardt an sant Peters vnd Pauls tag getawft. vnd von alfonso dem koenig Hyspanie auß dem tawf gehebt. vnd des zu gedechtnus vnd sant Peter zu eren Petrus vnd mit dem zunamen alfonsus genant. left DIser zeit. als in dem .M.c.xxviii. iar warden ettliche menschen im nidergang mit dem heilligen feuer also angezuendet dz inen ire glider wie die koln erschwartzten. Als sie aber in vnßer lieben frawen kirchen in derselben gegent lieffen vnd got anrueeffeten do erlangten sie von got durch fuerbette marie der iunckfrawen gesuntheit. IN disem iar in dem monat Junii hat es an ettlichen enden in Welschen lannden pluot geregnet. EIn saw gepare in der Liginensischen pfarr ein schweinlein das het menschens antlitz. So wardt desselben iars ein vierfueßiges huenlein außgebruetet. Cynocephalus FEuerige stralen oder spitzen erschynen am himel. die taylten sich durch den gantzen himel. So fieln stern auff die erden. so man wasser darauff goße so gaben sie einen hale. ES was ein harter winter. dem volget er große tewrung nach. also das vil lewt vnd vih starben vnd die foegel sichselbs erwuergten. Johannes von der zeit IN welschen landen wz ein erdbiden .xl. tag. der keret die doerffer vmb. DEr mond wardt bey nacht verfinstert vnd pluotfar. Ein weib gepare ein wunder gestalt zwifachs leibs. vornen eins menschen vnnd hindten eins hundes angesiht habende. JOhannes von der zeitt was des großen Karls wappen maister gewesen vnnd lebet .ccc.lxi. iar vnd starb.

Moderne Übersetzung

Das sechste Zeitalter. Der Orden der Templer. Dieser Orden nahm unter Papst Gelasius in Jerusalem seinen Anfang und bestand fast zweihundert Jahre. Denn nachdem Gottfried, der durchlauchtigste Herzog von Lothringen, das Königreich Jerusalem unter sich gebracht hatte und nun etliche fromme und in der Ritterschaft geübte Männer bemerkten, dass die Pilger, die aus Andacht und Innigkeit die heiligen Stätten besuchten, mit Raub und Mord geplagt wurden, da verpflichteten sie sich Gott dem Herrn, Ritterschaft zu pflegen. Anfänglich war ihre Anzahl gering in freiwilliger Armut, und ihr Meister war einer im Vorhof des Tempels, von woher sie ihren Namen des Ordens hatten. Sie wohnten nicht weit vom Heiligen Grab, und woher die Pilger dorthin kamen, da warteten sie mit großem Fleiß auf sie und geleiteten sie von einer heiligen Stätte zur anderen, zum Schutz vor der Belästigung der Ungläubigen. Sie führten ein so christliches und tugendhaftes Leben, dass sie von den Pilgern auf wundersame Weise gelobt und deshalb mit vielen milden Gaben des Almosens bedacht wurden. Sie trugen für ihren Orden einen weißen Mantel mit einem roten Kreuz. So schuf ihnen der Abt Sankt Bernhard eine Regel, die sie einzuhalten hatten. Während sie nun so in Armut und Einhaltung ihrer Regel lebten, da gediehen sie in Heiligkeit und Tugenden. Sobald sie aber zu Reichtümern und Überflüssigkeit gelangten, da begann sich bei ihnen Wollust und Gier von Zeit zu Zeit einzumischen und einzuschleichen. Daraus gerieten sie vom Abfall der Tugend in Laster und zur Auslöschung. Vom Jahre der Menschwerdung Christi tausend und zwanzig hat sich der Orden der templischen Ritterschaft, genannt Sankt Johann zu Jerusalem, angehoben. Diese leben unter der Regel des heiligen Augustinus und tragen schwarze Kleidung in weltlicher Gestalt und ein weißes Kreuz auf der Brust, und sie sind dazu bestimmt, leiblich gegen die Ungläubigen zu streiten. Ihr vornehmster Hauptsitz ist auf der Insel Rhodos. So stehen sie unter dem Hochmeister daselbst mit all ihren Kirchen und Häusern, von denen viele in der Welt und reich sind. Und obwohl wenige von ihnen Kleriker oder Geweihte sind, so erfreuen und gebrauchen sie sich doch der persönlichen und materiellen Freiheit der Geweihten und verrichten täglich ihr Stundengebet, indem sie das Pater Noster beten. Davon geschieht hiernach auch Meldung. Priesterkönig Johannes. Im Land Indien nennt man ihren Patriarchen Priesterjohann. Diesen Patriarchen hat zuerst Sankt Matthäus der Apostel und danach ein geheimer Kämmerer der Königin Kandake in demselben Land eingesetzt. So hat Sankt Thomas der Apostel das Land Indien zum christlichen Glauben bekehrt. Nun wird derselbe Priesterjohann nicht allein als ein Bischof, sondern auch als ein Kaiser geachtet. Von ihm sagt man, dass ihm zweiundsiebzig Könige unterworfen und jährlich zinsbar seien, und in denselben Königreichen seien einhundertsiebenundzwanzig Erzbistümer. Und der oberste bischöfliche und kaiserliche Stuhl sei in einer großen, mächtigen Stadt namens Bibrithh. Und Johannes der Patriarch, einer der größten der Inder (der im Jahre des Herrn tausendhundertzwanzig nach Rom kam), hat dem Papst Calixtus, den Kardinälen und anderen Prälaten öffentlich gesagt, wie Sankt Thomas der Apostel jährlich in der Stadt Hulna in Indien gelegen dem Volk das allerheiligste Sakrament gebe, solches mit seiner Hand den Würdigen reichend und den Unwürdigen entziehend. Burdinus, ein Gegenpapst, gebürtig aus Hispanien, den Kaiser Heinrich der Fünfte als einen Götzen aufgestellt hatte, gestattete zusammen mit seinen Anhängern den Tyrannen auf etlichen bestimmten Straßen solche Plackerei und Mord, dass niemand, der sich vorgenommen hatte, sicher oder frei durch dieselben Straßen zum Konzil des Calixtus nach Rom zu kommen, dies tun konnte. Demnach belagerte Papst Calixtus die Stadt Sutri, darin Burdinus war. Aber die Bürger gaben denselben Burdinus sofort heraus. Der wurde auf ein Kamel mit dem Antlitz zum Schwanz gekehrt, verkehrt herum gesetzt, und so nicht allein zu Rom, sondern von allem Volk unterwegs belacht. Doch enthielt sich Calixtus der Vergießung des Blutes des bösartigen Menschen und verbannte ihn in ein Kloster. Sankt Bernhard. Bernhard, Abt zu Clairvaux, ein Burgunder, war aus Châtillon, dem edlen Schloss oder der Stadt, von edlen Eltern gebürtig. Sein Vater war ein strenger und andächtiger Ritter der Stadt Fontaines bei Dijon. So war seine Mutter vom Schloss Montbard genannt. Diese hatte außer diesem Bernhard noch fünf Söhne und eine Tochter, die nachfolgend in ein Kloster kamen. Und dieselben ihre Kinder erzog sie mit einfacher und grober Speise, damit sie Gott in den Klöstern desto freier dienen konnten. Während die Mutter diesen ihren Sohn im Leib trug, da sah sie ein weißes Hündchen, ein wenig rötlich auf dem Rücken und bellend, als zukünftiges Zeichen seines Rufens und Bellens, das er wider die Verleumder und Schädiger der Kirche tun würde. Er kam in seinem zweiundzwanzigsten Lebensjahr zusammen mit dreißig Gefährten in das Zisterzienserkloster. Darin entwickelte er sich so, dass er in kurzer Zeit wegen seiner großen Heiligkeit, schriftgelehrten Weisheit und Lehre zum Abt in Clairvaux erwählt wurde. Dasselbe Kloster hatte er in großem Ruhm und Ehre sechsunddreißig Jahre verwaltet und in seinem Leben einhundertsechzig Klöster seines Ordens gegründet. Und die christlichen Kirchen mit der Heiligkeit seines Lebens, der Süße seiner Lehre und mit Ruhm und Ehre der Wunderzeichen erleuchtet. Und neben seinem heiligen und lobenswerten Leben hat er sonst aus seiner tiefsinnigen Begabung viele heilige, innige, andächtige, süße, honigfließende Schriften, Bücher und Lehren gemacht und hinterlassen. Als bei den Orientalen die Stadt Edessa den Christen entzogen worden war, da hat er die Fürsten, Prälaten, Edlen und das Volk in Gallien und auch Konrad, den römischen König, zu einem gemeinsamen Kreuzzug wider die Ungläubigen aufgewiegelt. Nach vielen vollbrachten Wundern starb er in seinem dreiundsechzigsten Lebensjahr selig. Das war das Jahr des Herrn Christi 1153. Petrus Alfonsi. Petrus Alfonsi, ein Jude, zuvor Moses genannt, verließ den Irrtum der jüdischen Lehre und empfing das Sakrament der Taufe andächtig. Und er machte ein Buch, trefflich disputierend wider die Juden und Heiden. Und er wurde am Tag der Heiligen Petrus und Paulus getauft und von Alfons, dem König Hispaniens, aus der Taufe gehoben. Und zum Gedächtnis dessen und zu Ehren des heiligen Petrus wurde er Petrus und mit dem Zunamen Alfonsi genannt. In dieser Zeit, als im Jahre 1128, wurden etliche Menschen im Westen mit dem heiligen Feuer so befallen, dass ihnen ihre Glieder wie die Kohlen schwärzten. Als sie aber in Unserer Lieben Frauen Kirchen in derselben Gegend liefen und Gott anriefen, da erlangten sie von Gott durch Fürbitte Marias der Jungfrau Gesundheit. In diesem Jahr, im Monat Juni, hat es an etlichen Orten in den welschen Ländern Blut geregnet. Eine Sau gebar in der Pfarrei Liginensis ein Schweinchen, das ein Menschenantlitz hatte. So wurde desselben Jahres ein vierfüßiges Hühnchen ausgebrütet. Cynocephalus. Feuerige Strahlen oder Spitzen erschienen am Himmel, die teilten sich durch den gan...

Anmerkungen

Das sechst alter
Das sechste Zeitalter (der Weltgeschichte nach der Chronik)
babst Gelasio
Papst Gelasius II. (Amtszeit 1118–1119). Der Templerorden wurde 1119 gegründet.
.ijc.
Römische Zahl für 200
beharret
bestand, dauerte an
Gotfridus der durchleuechtigst hertzog zu Lothringen
Gottfried von Bouillon, Herzog von Niederlothringen, Anführer des Ersten Kreuzzugs und erster Regent des Königreichs Jerusalem.
durchleuechtigst
durchlauchtigster, erlauchtester
Lothringen
Historisches Herzogtum im Heiligen Römischen Reich.
vndersich gebracht
unterworfen, erobert
geuebt
erfahren, geübt
vermerckten
bemerkt, festgestellt
bekuemert
geplagt, beunruhigt
zepflegen
auszuüben, zu pflegen
williger armuot
freiwilliger Armut
vorwart des tempels
Vorhof des Tempels (Salomos Tempel in Jerusalem), wo die Templer ihren ersten Sitz hatten.
heilligen grab
Heiliges Grab (Grabeskirche in Jerusalem)
wartteten sie der
sie warteten auf sie
belayteten die
sie geleiteten sie
vor beschwerde
vor Belästigung, zum Schutz vor
wunderperlicher weiß
auf wundersame Weise
almuosens bedacht worden
mit Almosen bedacht, beschenkt worden
sant Bernhart der abbt
Sankt Bernhard von Clairvaux (1090–1153), Zisterzienserabt, der die Regel für die Templer verfasste.
regel zehalten
Regel einzuhalten
reichßneten sie
sie wuchsen, gediehen
Alßpald
Sobald
langten
gelangten
wollustperkeit
Wollust, Genusssucht
girigkeit
Gier, Habgier
einzemischen vnd vnderzeschlaichen
sich einzumischen und einzuschleichen
abfal der tugent in laster
Abfall von der Tugend in Laster
außtilgung
Auslöschung, Vernichtung (bezogen auf den Templerorden, der 1312 aufgelöst wurde)
menschwerdung cristi
Menschwerdung Christi (Inkarnation)
tawsent vnd .xx. iar
Das Jahr 1020. Historisch wurde der Johanniterorden (Orden des Heiligen Johannes) bereits vor den Kreuzzügen als Hospital gegründet und erst später, um 1113, als geistlicher Ritterorden anerkannt. Die Angabe 1020 für die 'templische Ritterschaft genant sant Johanßen' ist historisch ungenau.
templischen ritterschaft genant sant Johanßen zu Jherusalem
Hier ist der Johanniterorden (Hospitaliter) gemeint, der auch als Malteserorden bekannt ist. Die Bezeichnung 'templisch' könnte hier im Sinne von 'Tempelritter-ähnlich' oder 'Kreuzritterorden' allgemein verwendet sein, obwohl es sich um einen anderen Orden handelt.
sant Augustins regel
Regel des heiligen Augustinus, eine der ältesten Ordensregeln.
layscher gestalt
in weltlicher Gestalt (nicht klerikal)
leiplich
leiblich, physisch
fuernamsts anwesen
vornehmster Hauptsitz
innseln Rhodis
Insel Rhodos. Die Johanniter hatten ihren Hauptsitz von 1310 bis 1522 auf Rhodos.
hohmaister
Hochmeister (Oberhaupt des Ordens)
dero
deren
freueen vnd geprauchen sie sich doch persoelicher vnd hablicher freyheit der geweyhten
sie genießen und nutzen dennoch die persönliche und materielle Freiheit der Geweihten (Kleriker).
verbringen teglich ir tagzeit den pater noster bettende
sie verrichten täglich ihr Stundengebet, indem sie das Pater Noster (Vaterunser) beten.
beschiht
geschieht
Priesterkönig Johannes
Prester John, eine legendäre Figur eines mächtigen christlichen Herrschers im Osten, dessen Reich im Mittelalter oft in Indien oder Äthiopien vermutet wurde.
Indier land
Land Indien (im Mittelalter oft eine vage Bezeichnung für Asien oder auch Äthiopien).
sanctus Matheus der appostel
Sankt Matthäus der Apostel.
haymlicher camrer Candicis der koenigin
geheimer Kämmerer der Königin Kandake. Dies bezieht sich auf den äthiopischen Eunuchen, der in der Apostelgeschichte (Apg 8,26-40) von Philippus getauft wurde. Kandake war der Titel der Königinnen von Äthiopien.
sant Thomas der appostell
Sankt Thomas der Apostel, dem die Evangelisierung Indiens zugeschrieben wird.
.lxxij.
Römische Zahl für 72
zynsper
zinsbar, tributpflichtig
hundert.xxvij.
Römische Zahl für 127
ertzbistthumb
Erzbistümer
stuol
Stuhl, Sitz (hier: Bischofssitz, Kaiserthron)
Bibrithh
Legendäre Stadt, oft als Hauptstadt des Reiches von Priesterkönig Johannes genannt.
im iar des herren tawsent hundert.xx.
Im Jahre des Herrn 1120. Dies ist ein wichtiges Datum in der Legende des Priesterkönigs Johannes, oft verbunden mit einem Brief, der an den byzantinischen Kaiser Manuel I. Komnenos gerichtet war.
gein rom kome
nach Rom kam
babst calisto
Papst Calixtus II. (Amtszeit 1119–1124).
raichende
reichend
entziehende
entziehend
BVrdinus ein aberbabst
Burdinus, ein Gegenpapst. Er war Gregor VIII. (Gegenpapst 1118–1121) und wurde von Heinrich V. eingesetzt.
Hyspania puertig
gebürtig aus Hispanien (Spanien)
kaiser Heinrich der fuenft
Kaiser Heinrich V. (Kaiser 1111–1125).
abgot auffgeworffen
als Götzen/Gegenpapst aufgestellt
gestattet mitsambt seinem anhangen den tyrannen
erlaubte zusammen mit seinen Anhängern den Tyrannen
sundern strassen
bestimmten Straßen
plackerey
Plackerei, Schikane
moerderey
Mord
fuergenomen het
sich vorgenommen hatte
belegeret
belagerte
statt Sutrium
Stadt Sutri (heute Sutri, Italien).
burgere
Bürger
von stund an herauß
sofort heraus
widersynns
verkehrt herum
vnderwegen belachet
unterwegs belacht
enthielt sich... von vergiessung des boßhaftigen menschen pluots
enthielt sich der Blutvergießung des bösartigen Menschen
stieße den in ein closter
verbannte ihn in ein Kloster
der werlt Blat CXCVIII
Seite 198 der Weltchronik (Schedelschen Weltchronik). CXCVIII ist die römische Zahl für 198.
BErnhardus abbt zu claraualle
Bernhard, Abt zu Clairvaux (Sankt Bernhard von Clairvaux).
Burgundier
Ein Bewohner Burgunds, einer historischen Region in Frankreich.
Castellione
Châtillon-sur-Seine, Geburtsort Bernhards.
gestrennger vnnd andechtiger ritter
strenger und andächtiger Ritter
defontanis bey diuione
Fontaines-lès-Dijon bei Dijon, Geburtsort des Vaters von Bernhard.
montißbarri
Montbard, Herkunftsort der Mutter Bernhards.
on disen Bernhardum sunst
außer diesem Bernhard noch
gemayner vnd grober speyß
einfacher und grober Speise
dest freyer dienen moechten
desto freier dienen konnten
weiß huentlein ein wenig roetlet auff dem rugken vnd pellende
ein kleines weißes Hündchen, ein wenig rötlich auf dem Rücken und bellend. Eine Vision der Mutter Bernhards, die seine spätere Rolle als 'Wachhund der Kirche' symbolisiert.
kuenftiger anzaigung seins geschrayes vnd pellens
als zukünftiges Zeichen seines Rufens und Bellens
nachreder vnd entzieher der kirchen
Verleumder und Schädiger/Entzieher der Kirche
.xxij. iar seins alters
im 22. Jahr seines Alters
xxx.
Römische Zahl für 30
cisterciensisch closter
Zisterzienserkloster (Orden, dem Bernhard angehörte).
name er also zu
er nahm so zu, er entwickelte sich so
in kuortzer weil
in kurzer Zeit
schriftlicher weißheit vnd lere wegen
wegen seiner schriftgelehrten Weisheit und Lehre
abbt in claraualle erkorn wardt
zum Abt in Clairvaux erwählt wurde.
.xxxvi. iar
Römische Zahl für 36 Jahre
verwesen
verwaltet
hundert vnd sechtzig cloester
160 Klöster
außgepawt
gegründet, erbaut
sueeßigkeit seiner lere
Süße seiner Lehre
glori vnd ruom der wunderzaichen
Ruhm und Ehre der Wunderzeichen
erleuechtet
erleuchtet
synnreichen geschicklichkeit
sinnreicher Geschicklichkeit, tiefsinniger Begabung
heilliger inniger. andechtiger. sueeßer. hoenigfließender schrift. buecher vnd lere
heiliger, inniger, andächtiger, süßer, honigfließender Schriften, Bücher und Lehren.
orienntischen
Orientalen, Menschen im Osten
statt Edissa
Stadt Edessa (heute Şanlıurfa, Türkei), die 1144 von den Muslimen zurückerobert wurde, was zum Zweiten Kreuzzug führte.
entwendet worden was
entzogen, weggenommen worden war
fuersten. prelaten. edeln vnd das volck in gallia
Fürsten, Prälaten, Edle und das Volk in Gallien (Frankreich).
Cunraten den roemischen koenig
Konrad III. (König 1138–1152), römisch-deutscher König, der am Zweiten Kreuzzug teilnahm.
gemaynem zug wider die vnglawbigen auffwegig gemacht
zu einem gemeinsamen Kreuzzug gegen die Ungläubigen aufgewiegelt/mobilisiert.
geuebten wunderzaichen
vollbrachten Wundern
.lxiij. iar seins alters
im 63. Jahr seines Alters
selligclich
selig, glückselig
M.c.liij. iar des herren cristi
Das Jahr des Herrn Christi 1153.
left
Marginalie, wahrscheinlich eine Anweisung für den Setzer oder eine Spaltenmarkierung.
PEtrus alfonsus
Petrus Alfonsi (ca. 1062–ca. 1140), ein getaufter spanischer Jude, Arzt und Schriftsteller.
iud dauor moyses genant
Jude, zuvor Moses genannt (sein jüdischer Name).
irrsal der iudischen
Irrtum der jüdischen (Lehre)
empfieng das sacrament des tawfs andechtigclich
empfing das Sakrament der Taufe andächtig
treffenlich disputirende
trefflich, ausgezeichnet disputierend
sant Peters vnd Pauls tag
Tag der Heiligen Petrus und Paulus (29. Juni).
alfonso dem koenig Hyspanie auß dem tawf gehebt
von Alfons, dem König Hispaniens, aus der Taufe gehoben (Pate sein). Wahrscheinlich Alfons VI. von León und Kastilien oder Alfons I. von Aragón.
gedechtnus
Gedächtnis
zunamen
Zunamen
.M.c.xxviii. iar
Das Jahr 1128.
im nidergang
im Westen (geographische Angabe)
heilligen feuer
Heiliges Feuer (Antoniusfeuer, eine durch Mutterkorn verursachte Krankheit, Ergotismus).
angezuendet
entzündet, befallen
glider wie die koln erschwartzten
Glieder schwärzten sich wie Kohlen.
vnßer lieben frawen kirchen
Kirchen Unserer Lieben Frau (Marienkirchen).
anrueeffeten
anriefen
erlangten sie von got durch fuerbette marie der iunckfrawen gesuntheit
erlangten sie von Gott durch Fürbitte Marias der Jungfrau Gesundheit.
Welschen lannden
Welsche Länder (romanische Länder, hier meist Italien).
pluot geregnet
Blut geregnet (ein Phänomen, das oft als schlechtes Omen gedeutet wurde, meist durch Rotalgen oder Staub verursacht).
EIn saw gepare in der Liginensischen pfarr ein schweinlein das het menschens antlitz
Eine Sau gebar in der Pfarrei Liginensis (unbekannter genauer Ort) ein Schweinchen, das ein Menschenantlitz hatte. Eine Missgeburt, die als Omen gedeutet wurde.
vierfueßiges huenlein außbruetet
vierfüßiges Hühnchen ausgebrütet. Eine weitere Missgeburt als Omen.
Cynocephalus
Kynokephalos (griechisch für 'Hundsköpfiger'). Eine legendäre Kreatur mit menschlichem Körper und Hundekopf, oft in mittelalterlichen Weltbeschreibungen erwähnt.
FEuerige stralen oder spitzen erschynen am himel. die taylten sich durch den gan
Feurige Strahlen oder Spitzen erschienen am Himmel, die teilten sich durch den ganzen... (Der Text bricht hier ab).