Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter Linea der bebst: Nicolaus der vierdt Jar der werlt. vim.iiiic.lxxxvii.Jar cristi. im.iic.lxxxviii. Icolaus der vierd ein picener von der statt Ascula vormals Jheronimus genant ein bruder parfuoßer ordens. darnach ein cardinal wardt im zehenden monat nach abgang babsts Honorii babst erkorn vnd in sant Peters stuol gesetzt. Der hat sich alßpald mit dem bebstlichen hoff in die Reatinischen statt getan. vnd nach eim iar wider gein rom kerende daselbst hoff gehalten. vnd schier auß allen gaistlichen oerden cardinel gemacht. dann er het sie alle gleich lieb vnd maynet nit das er seinen gesyppten vnd nahein gewandten mer dann einem yeden guoten menschen schuldig wer Vnd wiewol diser Nicolaus ein frumm mensch was so erewgten vnd begaben sich doch in zeiten seins babstthumbs vil dem cristenlichen vmbkraiß schedlicher vnseliger ding. vnd wiewol auch zu seinen zeiten frid zwischen den koenigen zu Arrogonia vnd Franckreich gemacht wardt so weeret doch dieselb freued nit lang. sunder erstlich erhuoben sich vil vnd mancherlay auffruor. zwayung. prand vnd todtschleg in der statt rom. So wardt die statt Tripolis im andern iar diss babsts vomm Soldan mit mord vnd prand verwueestet. wiewol der babst auff sein aigne costung vil weppner zu rettung derselben statt schicket. vnd andere creuetzer zesenden fuername. aber nach dem der cristenheit ir sachen sich in seinein babstthumb schwerlichen erewgten so ist diser babst (als ettlich maynen) vor vnmmuot in verdriess seins lebens gefallen vnd gestorben im fuenften iar seins babstthumbs vnd feyret der stuol deßmals bis in das dritt iar auß mißhelligkeit der cardinel. Celestinus der fuenft CElestinus der fuenft dauor Petrus moroneus genant ein gaistlicher closterman ist auff bite vnd begern koenig Karls vnd Latini des cardinals zu babst erkorn. Er was der schrift nicht hohgelert aber doch ein heillig man. vnd zohe nach vnwilligclih angenomnem babstthumb in die statt Aquilam daselbsthin die cardinel zu ime forderende. vnd machet alda. xii. new cardinel. vnd empfieng daselbst die bebstlichen kron. Bey derselben kroenung waren bey zwaymalhundert tawsent menschen die auß langgeharretem verzug der wale vnd in verwunderung diss mans heilligkeit. vnd das ein aynsidler vnd von der werlt abgesuenderter man zu einer soelchen wirdigkeit komen solt bewegt warden. aber Celestinus wolt von dess wegen die gestrengigkeit des vorigen lebens nicht endern. Nach dem er aber kein werlt gescheyd mensch was vnd deßhalb zu verwesung des bebstlichen ambts vnd gemayns stands vngenuogsam geachtet wardt do fieng man an von abtrettung zehandeln. Als solchs an koenig Karolum gelanget do fueeret er den babst mit ime gein Neapolis vnd vermanet ime wolgeregirten kirchen zeuerlassen. Aber Benedictus der cardinal ein behend listigs anschlagigs mensch vnnd der geschriben recht gelert zaiget dem babst in vil gaistlichen rechten das er schwerlich suendet so er sich vngenuogsam erkennet vnnd vom babststuol nicht abtrette. vnd bracht zu wegen das ein satzung gemacht wardt das einem babst gezymen moecht vom babstthumb abzesteen. Also vnlang darnach entschluoge sich Celestinus des bebstlichen ambts vnd ließe den cardineln gewalt vnd freye wilkuer einen andern babst zeerwelen. dem nach erweleten alßpald die cardinel Benedictum caietanum. Als aber Celestinus abgetretten was vnd widerumb in sein gewuenschte aynsidelschaft ziehen wolt do wardt er vnderwegen auff befelhe Benedicti der zu babst erkorn vnd bonifacius der acht genant wardt gefengclich angenomen. in das gschloss Sulmonis gefueert vnd alda aso schwerlich enthalten das er pald starb. dann Bonifacius besorget wo Celestinus in leben blib das volck moecht villeicht demselben Celestino als eim heilligen mann lieber dann ime als einem mit kunst erplaßnem nachfolgen vnnd anhangen. Diser Celestinus wardt durch Clementem den fuenften in der heilligen zal geschriben. Vgolinus ein bischof Golinus Augustiner ordens ein durchleuechtiger lerer der heilligen schrift erstlich bischoff zu Arimino. vnd darnach ein patriarch zu Constantinopel hat diser zeyt zu Parys in großer achtung wesende den ersten stuol der lere gehalten. dann er was zu sambt seiner schrift weißheit also ein guotsytig man das er damit der kirchen gottes deßmals fast ersprießlich. hilflich vnd fuerderlich gewest ist. vnd vil loeblichs dings den gelerten vnuerborgen schriftlich gemacht. Go bolionius prediger ordens ein beruembter doctor vnnd cardinal hat dise zeit mit helligkeit des lebens vnd mit vil von ime begriffnen schrifften erleuechtet. Deßgleichen hat auch getan Johannes von Parma parfuoßer ordens ein treffenlicher maister der heilligen schrift. der werlt Blat CCXVIIII Linea der kaiser: Adolffus ADolff ein graff von Nassaw ein gestreng man von den teuetschen churfuersten nach absterben kaiser Rudolffs gemainklich zu roemischem koenig erkorn herrschet sechs iar. Er was ein treffenlich man aber an volck vnd gelt nit fast mechtig Diser Adolff hat nach angenomnem reich. doch vnempfangen der kaiserlichen bekroenung vom babst im iar des herren tawsent.iic.xcii. ein heer gesammlet vnd damit gewaltigclich in meychßen gezogen. dem kome koenig Wentzelaw zu beheim zu gruenhaym entgegen. alda vereelichten sie ire kinder zesamen. vnd der kaiser bracht das Meischsnich marggrafthumb an das roemisch reich. Als er aber zu letst sich vnderfieng gepuerliche huldung vnnd pflicht von den verwandten des reichs zeerfordern do beschahe ime von hertzog albrechten zu oesterreich durch anhang vnd beylegung ettlicher churfuersten mercklicher widerstand. also das diser Adolff mit demselben Albrechten zu krieg kome. vnd von wenig wegen seins volcks von ime im feld zwischen Speyer vnd Wurms ernidergelegt vnd erschlagen wardt am tag der heilligen Processi vnd Martiniani. TRipolis die namhaftig statt in asia ist im andern iar babsts Nicolai des vierden durch belegerung. vergeweltigung vnnd machte in des Babilonischen Soldans gewalt gebracht. vnd von ime nach großem mord vil menschen vnnd nach vilfeltigem großem rawb vil vnzallicher vnerschetzlicher reichthuemer. habe vnd gueeter die man darinn funde. mit prunst vnd niderwerffung der gepew verheert vnd verwueestet worden. Derselb Soldan hat auch innerhalb dem dritten iar des benanten babsts fueroan in dem selben vngestuemigen grimmen die stett Tyrum. sidonem. barutum mitsambt iren befestigungen. merckten vnd schloeßern erobert vnd wie die statt Tripolim mit prannd zerruedet. Vnd auff das er aber durch soelchen wider die cristen geuebten iamer mord vnd prand die cristenlichen occidentalischen fuersten nicht bewegete in asiam zeziehen vnd sich solchs iamers an ime zerechen so machet er mit der statt Ptolomaida puentnus eins zwyierigen frids. Aber babst nicolaus schiket auff der kirchen versoldung anderhalb tawsent raysige pferd. den volget sunst vil volcks nach mit großer heereßkraft. on einichen sunderlichen treffenlichen hawbtman. das doch großer geferlichkeit waltet. vnnd zohen dahin gein Ptolomaidam. Nw was vormals ein große vnzalliche menig volcks in derselben statt. also das die menig diss rayßuolcks ettwielang vil mords rawbs vnd prands in den gegenten des Soldans vbten. das lidde der Soldan lange weil gedultigclich. Als aber solchs ein iar geweeret het do schicket der Soldan mit seinem sun als eim hawbtman anderhalbhunderttawsennt weppner fuer Ptolomaidam der belegeret dieselben statt schwerlich. Jn mittler zeit starb sein vater. vnd er wardt vom heer an seins vaters statt gesetzt. Nw entschluossen sich die in der statt. die weiber kinder vnnd krancken mit allem irem hawßrat auß der statt zelassen. vnd die statt mit. x.tawsent weppnern zehalten. Aber der new soldan erorberet darnach die statt mit gewalt. erschluog alle menschen die er darinn funde zu todt vnd beschediget die stat mit grawsammen prand vnd niderprechung der zynnen vnd mawr vnd das geschahe im iar des hails. jm.ijc.xc. Orden der Celestiner DEr Celestiner orden von dem vorgenanten babst Celestino als eim stifter desselben also genant hat diser zeit vnder sant Benedicten regel anfang vnd wunderperliche zunemung gehabt. darumb das nach diss heilligsten mans absterben in dem kercker von seiner manigfeltigen wunderzaichen wegen vil edel vnd hohgelert mañ der werlt gueter vnd geprengk verschmehende disen orden angenomen. vnd gar pald an personen vnd cloestern wunderperlicher weiß gemeret haben. DEs ordens der knecht der iunckfrawen marie ist philippusa ein fast gaistlicher man erster stifter gewest Der nit verne von Florentz starb. vnd disen orden hat er vnder sant Augustins regel auffgerichtet. vnd mit worten vnd ebenpilden in ein form gezogen vnnd ettlich zusatzung dabey gethan. Diser orden ist darnach von dreyen bebsten. Benedicto dem. xi. Bonifacio vnnd Vrbano den sechsten bestettigt vnd vnder den pettel oerden gezelet
Das sechste Zeitalter. Linie der Päpste: Nikolaus der Vierte. Jahr der Welt: 8487. Jahr Christi: 1288. Nikolaus der Vierte, ein Picener aus der Stadt Ascoli, vormals Hieronymus genannt, ein Bruder des Barfüßerordens, wurde danach Kardinal und im zehnten Monat nach dem Ableben Papst Honorius' zum Papst erwählt und auf den Stuhl Petri gesetzt. Er begab sich alsbald mit dem päpstlichen Hof in die reatinische Stadt und kehrte nach einem Jahr wieder nach Rom zurück, wo er Hof hielt. Er ernannte Kardinäle aus fast allen geistlichen Orden, denn er liebte sie alle gleichermaßen und meinte nicht, dass er seinen Verwandten und Nahestehenden mehr schuldig sei als jedem guten Menschen. Und obwohl dieser Nikolaus ein frommer Mensch war, ereigneten und begaben sich doch in den Zeiten seines Papsttums viele dem christlichen Umkreis schädliche, unselige Dinge. Und obwohl auch zu seinen Zeiten Frieden zwischen den Königen von Aragonien und Frankreich geschlossen wurde, währte dieselbe Freude doch nicht lange, sondern es erhoben sich erstlich viele und mancherlei Aufruhre, Zwietracht, Brände und Totschläge in der Stadt Rom. So wurde die Stadt Tripolis im zweiten Jahr dieses Papstes vom Sultan mit Mord und Brand verwüstet, obwohl der Papst auf eigene Kosten viele Bewaffnete zur Rettung derselben Stadt schickte und andere Kreuzfahrer zu senden beabsichtigte. Aber nachdem sich die Angelegenheiten der Christenheit in seinem Papsttum schwerwiegend entwickelten, ist dieser Papst (wie etliche meinen) aus Unmut in Verdruss seines Lebens gefallen und gestorben im fünften Jahr seines Papsttums, und der Stuhl blieb damals bis in das dritte Jahr vakant aus Misshelligkeit der Kardinäle. Coelestin der Fünfte. Coelestin der Fünfte, zuvor Petrus Moroneus genannt, ein geistlicher Klostermann, ist auf Bitte und Begehren König Karls und Latins des Kardinals zum Papst erwählt worden. Er war der Schrift nicht hochgelehrt, aber doch ein heiliger Mann und zog nach unwillig angenommenem Papsttum in die Stadt Aquila, dorthin die Kardinäle zu sich fordernd, und machte allda zwölf neue Kardinäle und empfing daselbst die päpstliche Krone. Bei derselben Krönung waren etwa zweihunderttausend Menschen, die aus langem Verzug der Wahl und in Verwunderung der Heiligkeit dieses Mannes und dass ein Einsiedler und von der Welt abgesonderter Mann zu einer solchen Würdigkeit kommen sollte, bewegt worden. Aber Coelestin wollte deswegen die Strenge des vorherigen Lebens nicht ändern. Nachdem er aber kein weltgewandter Mensch war und deshalb zur Verwaltung des päpstlichen Amtes und des allgemeinen Standes ungenügsam geachtet wurde, da fing man an, von einer Abdankung zu handeln. Als solches an König Karl gelangte, da führte er den Papst mit sich nach Neapel und ermahnte ihn, die wohlregierte Kirche zu verlassen. Aber Benedikt der Kardinal, ein gewandter, listiger, planvoller Mensch und des geschriebenen Rechts gelehrt, zeigte dem Papst in vielen geistlichen Rechten, dass er schwer sündige, wenn er sich als ungenügsam erkenne und vom Papststuhl nicht abtrete. Und er brachte zustande, dass eine Satzung gemacht wurde, dass es einem Papst geziemen möge, vom Papsttum abzustehen. Also entsagte Coelestin unlängst danach dem päpstlichen Amt und überließ den Kardinälen Gewalt und freie Willkür, einen anderen Papst zu erwählen. Demnach erwählten alsbald die Kardinäle Benedikt Caetani. Als aber Coelestin abgetreten war und wiederum in seine gewünschte Einsiedelei ziehen wollte, da wurde er unterwegs auf Befehl Benedikts, der zum Papst erwählt und Bonifatius der Achte genannt wurde, gefänglich angenommen, in das Schloss Sulmona geführt und allda so schwerlich festgehalten, dass er bald starb. Denn Bonifatius besorgte, wo Coelestin am Leben bliebe, das Volk möchte vielleicht demselben Coelestin als einem heiligen Mann lieber als ihm als einem mit Kunst Erblassenen nachfolgen und anhängen. Dieser Coelestin wurde durch Clemens den Fünften in die Heiligenzahl geschrieben. Ugolinus, ein Bischof des Augustinerordens, ein erleuchteter Lehrer der Heiligen Schrift, erstlich Bischof zu Rimini und darnach ein Patriarch zu Konstantinopel, hat dieser Zeit zu Paris in großer Achtung den ersten Lehrstuhl innegehabt. Denn er war samt seiner Schriftweisheit auch ein so tugendhafter Mann, dass er damit der Kirche Gottes damals sehr ersprießlich, hilfreich und förderlich gewesen ist und viel Lobenswertes den Gelehrten unverhohlen schriftlich gemacht hat. Go Bolionius vom Predigerorden, ein berühmter Doktor und Kardinal, hat diese Zeit mit Heiligkeit des Lebens und mit vielen von ihm verfassten Schriften erleuchtet. Desgleichen hat auch Johannes von Parma vom Barfüßerorden, ein trefflicher Meister der Heiligen Schrift, getan. Blatt 219. Linie der Kaiser: Adolf. Adolf, ein Graf von Nassau, ein strenger Mann, von den deutschen Kurfürsten nach dem Absterben Kaiser Rudolfs gemeinhin zum römischen König erwählt, herrschte sechs Jahre. Er war ein trefflicher Mann, aber an Volk und Geld nicht sehr mächtig. Dieser Adolf hat nach angenommenem Reich, doch ohne die kaiserliche Krönung vom Papst empfangen zu haben, im Jahr des Herrn 1292 ein Heer gesammelt und damit gewaltsam in Meißen gezogen. Dem kam König Wenzel von Böhmen zu Grünhain entgegen. Allda verheirateten sie ihre Kinder miteinander, und der Kaiser brachte das Meißnische Markgrafentum an das römische Reich. Als er aber zuletzt sich unterfing, gebührende Huldigung und Pflicht von den Verwandten des Reiches zu fordern, da geschah ihm von Herzog Albrecht von Österreich durch Anhang und Beilegung etlicher Kurfürsten merklicher Widerstand, sodass dieser Adolf mit demselben Albrecht in Krieg kam und wegen der geringen Anzahl seines Volkes von ihm im Feld zwischen Speyer und Worms niedergemacht und erschlagen wurde am Tag der Heiligen Processus und Martinianus. Tripolis, die namhafte Stadt in Asien, ist im zweiten Jahr Papst Nikolaus' des Vierten durch Belagerung, Vergewaltigung und Macht in die Gewalt des babylonischen Sultans gebracht und von ihm nach großem Mord vieler Menschen und nach vielfältigem großem Raub vieler unzähliger, unschätzbarer Reichtümer, Habe und Güter, die man darin fand, mit Brand und Niederwerfung der Gebäude verheert und verwüstet worden. Derselbe Sultan hat auch innerhalb des dritten Jahres des genannten Papstes fortan in demselben ungestümen Grimme die Städte Tyros, Sidon und Beirut mitsamt ihren Befestigungen, Märkten und Schlössern erobert und wie die Stadt Tripolis mit Brand zerstört. Und auf dass er aber durch solchen, wider die Christen geübten Jammer, Mord und Brand die christlichen abendländischen Fürsten nicht bewegte, nach Asien zu ziehen und sich solchen Jammers an ihm zu rächen, so machte er mit der Stadt Ptolemais ein Bündnis eines zweijährigen Friedens. Aber Papst Nikolaus schickte auf die Besoldung der Kirche anderthalbtausend reisige Pferde. Denen folgte sonst viel Volk nach mit großer Heereskraft, ohne irgendeinen besonderen trefflichen Hauptmann, was doch große Gefährlichkeit barg, und zogen dahin nach Ptolemais. Nun war vormals eine große unzählige...