Schedelsche Weltchronik · Blatt 219

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 219, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 219, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das sechst alter Linea der bebst: Nicolaus der vierdt Jar der werlt. vim.iiiic.lxxxvii.Jar cristi. im.iic.lxxxviii. Icolaus der vierd ein picener von der statt Ascula vormals Jheronimus genant ein bruder parfuoßer ordens. darnach ein cardinal wardt im zehenden monat nach abgang babsts Honorii babst erkorn vnd in sant Peters stuol gesetzt. Der hat sich alßpald mit dem bebstlichen hoff in die Reatinischen statt getan. vnd nach eim iar wider gein rom kerende daselbst hoff gehalten. vnd schier auß allen gaistlichen oerden cardinel gemacht. dann er het sie alle gleich lieb vnd maynet nit das er seinen gesyppten vnd nahein gewandten mer dann einem yeden guoten menschen schuldig wer Vnd wiewol diser Nicolaus ein frumm mensch was so erewgten vnd begaben sich doch in zeiten seins babstthumbs vil dem cristenlichen vmbkraiß schedlicher vnseliger ding. vnd wiewol auch zu seinen zeiten frid zwischen den koenigen zu Arrogonia vnd Franckreich gemacht wardt so weeret doch dieselb freued nit lang. sunder erstlich erhuoben sich vil vnd mancherlay auffruor. zwayung. prand vnd todtschleg in der statt rom. So wardt die statt Tripolis im andern iar diss babsts vomm Soldan mit mord vnd prand verwueestet. wiewol der babst auff sein aigne costung vil weppner zu rettung derselben statt schicket. vnd andere creuetzer zesenden fuername. aber nach dem der cristenheit ir sachen sich in seinein babstthumb schwerlichen erewgten so ist diser babst (als ettlich maynen) vor vnmmuot in verdriess seins lebens gefallen vnd gestorben im fuenften iar seins babstthumbs vnd feyret der stuol deßmals bis in das dritt iar auß mißhelligkeit der cardinel. Celestinus der fuenft CElestinus der fuenft dauor Petrus moroneus genant ein gaistlicher closterman ist auff bite vnd begern koenig Karls vnd Latini des cardinals zu babst erkorn. Er was der schrift nicht hohgelert aber doch ein heillig man. vnd zohe nach vnwilligclih angenomnem babstthumb in die statt Aquilam daselbsthin die cardinel zu ime forderende. vnd machet alda. xii. new cardinel. vnd empfieng daselbst die bebstlichen kron. Bey derselben kroenung waren bey zwaymalhundert tawsent menschen die auß langgeharretem verzug der wale vnd in verwunderung diss mans heilligkeit. vnd das ein aynsidler vnd von der werlt abgesuenderter man zu einer soelchen wirdigkeit komen solt bewegt warden. aber Celestinus wolt von dess wegen die gestrengigkeit des vorigen lebens nicht endern. Nach dem er aber kein werlt gescheyd mensch was vnd deßhalb zu verwesung des bebstlichen ambts vnd gemayns stands vngenuogsam geachtet wardt do fieng man an von abtrettung zehandeln. Als solchs an koenig Karolum gelanget do fueeret er den babst mit ime gein Neapolis vnd vermanet ime wolgeregirten kirchen zeuerlassen. Aber Benedictus der cardinal ein behend listigs anschlagigs mensch vnnd der geschriben recht gelert zaiget dem babst in vil gaistlichen rechten das er schwerlich suendet so er sich vngenuogsam erkennet vnnd vom babststuol nicht abtrette. vnd bracht zu wegen das ein satzung gemacht wardt das einem babst gezymen moecht vom babstthumb abzesteen. Also vnlang darnach entschluoge sich Celestinus des bebstlichen ambts vnd ließe den cardineln gewalt vnd freye wilkuer einen andern babst zeerwelen. dem nach erweleten alßpald die cardinel Benedictum caietanum. Als aber Celestinus abgetretten was vnd widerumb in sein gewuenschte aynsidelschaft ziehen wolt do wardt er vnderwegen auff befelhe Benedicti der zu babst erkorn vnd bonifacius der acht genant wardt gefengclich angenomen. in das gschloss Sulmonis gefueert vnd alda aso schwerlich enthalten das er pald starb. dann Bonifacius besorget wo Celestinus in leben blib das volck moecht villeicht demselben Celestino als eim heilligen mann lieber dann ime als einem mit kunst erplaßnem nachfolgen vnnd anhangen. Diser Celestinus wardt durch Clementem den fuenften in der heilligen zal geschriben. Vgolinus ein bischof Golinus Augustiner ordens ein durchleuechtiger lerer der heilligen schrift erstlich bischoff zu Arimino. vnd darnach ein patriarch zu Constantinopel hat diser zeyt zu Parys in großer achtung wesende den ersten stuol der lere gehalten. dann er was zu sambt seiner schrift weißheit also ein guotsytig man das er damit der kirchen gottes deßmals fast ersprießlich. hilflich vnd fuerderlich gewest ist. vnd vil loeblichs dings den gelerten vnuerborgen schriftlich gemacht. Go bolionius prediger ordens ein beruembter doctor vnnd cardinal hat dise zeit mit helligkeit des lebens vnd mit vil von ime begriffnen schrifften erleuechtet. Deßgleichen hat auch getan Johannes von Parma parfuoßer ordens ein treffenlicher maister der heilligen schrift. der werlt Blat CCXVIIII Linea der kaiser: Adolffus ADolff ein graff von Nassaw ein gestreng man von den teuetschen churfuersten nach absterben kaiser Rudolffs gemainklich zu roemischem koenig erkorn herrschet sechs iar. Er was ein treffenlich man aber an volck vnd gelt nit fast mechtig Diser Adolff hat nach angenomnem reich. doch vnempfangen der kaiserlichen bekroenung vom babst im iar des herren tawsent.iic.xcii. ein heer gesammlet vnd damit gewaltigclich in meychßen gezogen. dem kome koenig Wentzelaw zu beheim zu gruenhaym entgegen. alda vereelichten sie ire kinder zesamen. vnd der kaiser bracht das Meischsnich marggrafthumb an das roemisch reich. Als er aber zu letst sich vnderfieng gepuerliche huldung vnnd pflicht von den verwandten des reichs zeerfordern do beschahe ime von hertzog albrechten zu oesterreich durch anhang vnd beylegung ettlicher churfuersten mercklicher widerstand. also das diser Adolff mit demselben Albrechten zu krieg kome. vnd von wenig wegen seins volcks von ime im feld zwischen Speyer vnd Wurms ernidergelegt vnd erschlagen wardt am tag der heilligen Processi vnd Martiniani. TRipolis die namhaftig statt in asia ist im andern iar babsts Nicolai des vierden durch belegerung. vergeweltigung vnnd machte in des Babilonischen Soldans gewalt gebracht. vnd von ime nach großem mord vil menschen vnnd nach vilfeltigem großem rawb vil vnzallicher vnerschetzlicher reichthuemer. habe vnd gueeter die man darinn funde. mit prunst vnd niderwerffung der gepew verheert vnd verwueestet worden. Derselb Soldan hat auch innerhalb dem dritten iar des benanten babsts fueroan in dem selben vngestuemigen grimmen die stett Tyrum. sidonem. barutum mitsambt iren befestigungen. merckten vnd schloeßern erobert vnd wie die statt Tripolim mit prannd zerruedet. Vnd auff das er aber durch soelchen wider die cristen geuebten iamer mord vnd prand die cristenlichen occidentalischen fuersten nicht bewegete in asiam zeziehen vnd sich solchs iamers an ime zerechen so machet er mit der statt Ptolomaida puentnus eins zwyierigen frids. Aber babst nicolaus schiket auff der kirchen versoldung anderhalb tawsent raysige pferd. den volget sunst vil volcks nach mit großer heereßkraft. on einichen sunderlichen treffenlichen hawbtman. das doch großer geferlichkeit waltet. vnnd zohen dahin gein Ptolomaidam. Nw was vormals ein große vnzalliche menig volcks in derselben statt. also das die menig diss rayßuolcks ettwielang vil mords rawbs vnd prands in den gegenten des Soldans vbten. das lidde der Soldan lange weil gedultigclich. Als aber solchs ein iar geweeret het do schicket der Soldan mit seinem sun als eim hawbtman anderhalbhunderttawsennt weppner fuer Ptolomaidam der belegeret dieselben statt schwerlich. Jn mittler zeit starb sein vater. vnd er wardt vom heer an seins vaters statt gesetzt. Nw entschluossen sich die in der statt. die weiber kinder vnnd krancken mit allem irem hawßrat auß der statt zelassen. vnd die statt mit. x.tawsent weppnern zehalten. Aber der new soldan erorberet darnach die statt mit gewalt. erschluog alle menschen die er darinn funde zu todt vnd beschediget die stat mit grawsammen prand vnd niderprechung der zynnen vnd mawr vnd das geschahe im iar des hails. jm.ijc.xc. Orden der Celestiner DEr Celestiner orden von dem vorgenanten babst Celestino als eim stifter desselben also genant hat diser zeit vnder sant Benedicten regel anfang vnd wunderperliche zunemung gehabt. darumb das nach diss heilligsten mans absterben in dem kercker von seiner manigfeltigen wunderzaichen wegen vil edel vnd hohgelert mañ der werlt gueter vnd geprengk verschmehende disen orden angenomen. vnd gar pald an personen vnd cloestern wunderperlicher weiß gemeret haben. DEs ordens der knecht der iunckfrawen marie ist philippusa ein fast gaistlicher man erster stifter gewest Der nit verne von Florentz starb. vnd disen orden hat er vnder sant Augustins regel auffgerichtet. vnd mit worten vnd ebenpilden in ein form gezogen vnnd ettlich zusatzung dabey gethan. Diser orden ist darnach von dreyen bebsten. Benedicto dem. xi. Bonifacio vnnd Vrbano den sechsten bestettigt vnd vnder den pettel oerden gezelet

Moderne Übersetzung

Das sechste Zeitalter. Linie der Päpste: Nikolaus der Vierte. Jahr der Welt: 8487. Jahr Christi: 1288. Nikolaus der Vierte, ein Picener aus der Stadt Ascoli, vormals Hieronymus genannt, ein Bruder des Barfüßerordens, wurde danach Kardinal und im zehnten Monat nach dem Ableben Papst Honorius' zum Papst erwählt und auf den Stuhl Petri gesetzt. Er begab sich alsbald mit dem päpstlichen Hof in die reatinische Stadt und kehrte nach einem Jahr wieder nach Rom zurück, wo er Hof hielt. Er ernannte Kardinäle aus fast allen geistlichen Orden, denn er liebte sie alle gleichermaßen und meinte nicht, dass er seinen Verwandten und Nahestehenden mehr schuldig sei als jedem guten Menschen. Und obwohl dieser Nikolaus ein frommer Mensch war, ereigneten und begaben sich doch in den Zeiten seines Papsttums viele dem christlichen Umkreis schädliche, unselige Dinge. Und obwohl auch zu seinen Zeiten Frieden zwischen den Königen von Aragonien und Frankreich geschlossen wurde, währte dieselbe Freude doch nicht lange, sondern es erhoben sich erstlich viele und mancherlei Aufruhre, Zwietracht, Brände und Totschläge in der Stadt Rom. So wurde die Stadt Tripolis im zweiten Jahr dieses Papstes vom Sultan mit Mord und Brand verwüstet, obwohl der Papst auf eigene Kosten viele Bewaffnete zur Rettung derselben Stadt schickte und andere Kreuzfahrer zu senden beabsichtigte. Aber nachdem sich die Angelegenheiten der Christenheit in seinem Papsttum schwerwiegend entwickelten, ist dieser Papst (wie etliche meinen) aus Unmut in Verdruss seines Lebens gefallen und gestorben im fünften Jahr seines Papsttums, und der Stuhl blieb damals bis in das dritte Jahr vakant aus Misshelligkeit der Kardinäle. Coelestin der Fünfte. Coelestin der Fünfte, zuvor Petrus Moroneus genannt, ein geistlicher Klostermann, ist auf Bitte und Begehren König Karls und Latins des Kardinals zum Papst erwählt worden. Er war der Schrift nicht hochgelehrt, aber doch ein heiliger Mann und zog nach unwillig angenommenem Papsttum in die Stadt Aquila, dorthin die Kardinäle zu sich fordernd, und machte allda zwölf neue Kardinäle und empfing daselbst die päpstliche Krone. Bei derselben Krönung waren etwa zweihunderttausend Menschen, die aus langem Verzug der Wahl und in Verwunderung der Heiligkeit dieses Mannes und dass ein Einsiedler und von der Welt abgesonderter Mann zu einer solchen Würdigkeit kommen sollte, bewegt worden. Aber Coelestin wollte deswegen die Strenge des vorherigen Lebens nicht ändern. Nachdem er aber kein weltgewandter Mensch war und deshalb zur Verwaltung des päpstlichen Amtes und des allgemeinen Standes ungenügsam geachtet wurde, da fing man an, von einer Abdankung zu handeln. Als solches an König Karl gelangte, da führte er den Papst mit sich nach Neapel und ermahnte ihn, die wohlregierte Kirche zu verlassen. Aber Benedikt der Kardinal, ein gewandter, listiger, planvoller Mensch und des geschriebenen Rechts gelehrt, zeigte dem Papst in vielen geistlichen Rechten, dass er schwer sündige, wenn er sich als ungenügsam erkenne und vom Papststuhl nicht abtrete. Und er brachte zustande, dass eine Satzung gemacht wurde, dass es einem Papst geziemen möge, vom Papsttum abzustehen. Also entsagte Coelestin unlängst danach dem päpstlichen Amt und überließ den Kardinälen Gewalt und freie Willkür, einen anderen Papst zu erwählen. Demnach erwählten alsbald die Kardinäle Benedikt Caetani. Als aber Coelestin abgetreten war und wiederum in seine gewünschte Einsiedelei ziehen wollte, da wurde er unterwegs auf Befehl Benedikts, der zum Papst erwählt und Bonifatius der Achte genannt wurde, gefänglich angenommen, in das Schloss Sulmona geführt und allda so schwerlich festgehalten, dass er bald starb. Denn Bonifatius besorgte, wo Coelestin am Leben bliebe, das Volk möchte vielleicht demselben Coelestin als einem heiligen Mann lieber als ihm als einem mit Kunst Erblassenen nachfolgen und anhängen. Dieser Coelestin wurde durch Clemens den Fünften in die Heiligenzahl geschrieben. Ugolinus, ein Bischof des Augustinerordens, ein erleuchteter Lehrer der Heiligen Schrift, erstlich Bischof zu Rimini und darnach ein Patriarch zu Konstantinopel, hat dieser Zeit zu Paris in großer Achtung den ersten Lehrstuhl innegehabt. Denn er war samt seiner Schriftweisheit auch ein so tugendhafter Mann, dass er damit der Kirche Gottes damals sehr ersprießlich, hilfreich und förderlich gewesen ist und viel Lobenswertes den Gelehrten unverhohlen schriftlich gemacht hat. Go Bolionius vom Predigerorden, ein berühmter Doktor und Kardinal, hat diese Zeit mit Heiligkeit des Lebens und mit vielen von ihm verfassten Schriften erleuchtet. Desgleichen hat auch Johannes von Parma vom Barfüßerorden, ein trefflicher Meister der Heiligen Schrift, getan. Blatt 219. Linie der Kaiser: Adolf. Adolf, ein Graf von Nassau, ein strenger Mann, von den deutschen Kurfürsten nach dem Absterben Kaiser Rudolfs gemeinhin zum römischen König erwählt, herrschte sechs Jahre. Er war ein trefflicher Mann, aber an Volk und Geld nicht sehr mächtig. Dieser Adolf hat nach angenommenem Reich, doch ohne die kaiserliche Krönung vom Papst empfangen zu haben, im Jahr des Herrn 1292 ein Heer gesammelt und damit gewaltsam in Meißen gezogen. Dem kam König Wenzel von Böhmen zu Grünhain entgegen. Allda verheirateten sie ihre Kinder miteinander, und der Kaiser brachte das Meißnische Markgrafentum an das römische Reich. Als er aber zuletzt sich unterfing, gebührende Huldigung und Pflicht von den Verwandten des Reiches zu fordern, da geschah ihm von Herzog Albrecht von Österreich durch Anhang und Beilegung etlicher Kurfürsten merklicher Widerstand, sodass dieser Adolf mit demselben Albrecht in Krieg kam und wegen der geringen Anzahl seines Volkes von ihm im Feld zwischen Speyer und Worms niedergemacht und erschlagen wurde am Tag der Heiligen Processus und Martinianus. Tripolis, die namhafte Stadt in Asien, ist im zweiten Jahr Papst Nikolaus' des Vierten durch Belagerung, Vergewaltigung und Macht in die Gewalt des babylonischen Sultans gebracht und von ihm nach großem Mord vieler Menschen und nach vielfältigem großem Raub vieler unzähliger, unschätzbarer Reichtümer, Habe und Güter, die man darin fand, mit Brand und Niederwerfung der Gebäude verheert und verwüstet worden. Derselbe Sultan hat auch innerhalb des dritten Jahres des genannten Papstes fortan in demselben ungestümen Grimme die Städte Tyros, Sidon und Beirut mitsamt ihren Befestigungen, Märkten und Schlössern erobert und wie die Stadt Tripolis mit Brand zerstört. Und auf dass er aber durch solchen, wider die Christen geübten Jammer, Mord und Brand die christlichen abendländischen Fürsten nicht bewegte, nach Asien zu ziehen und sich solchen Jammers an ihm zu rächen, so machte er mit der Stadt Ptolemais ein Bündnis eines zweijährigen Friedens. Aber Papst Nikolaus schickte auf die Besoldung der Kirche anderthalbtausend reisige Pferde. Denen folgte sonst viel Volk nach mit großer Heereskraft, ohne irgendeinen besonderen trefflichen Hauptmann, was doch große Gefährlichkeit barg, und zogen dahin nach Ptolemais. Nun war vormals eine große unzählige...

Anmerkungen

sechst alter
sechstes Zeitalter (Epoche in der mittelalterlichen Geschichtsschreibung)
Linea der bebst
Linie der Päpste
vim.iiiic.lxxxvii
römisch für 8487 (Jahr der Welt, nach einer mittelalterlichen Chronologie)
im.iic.lxxxviii
römisch für 1288 (Jahr Christi)
Nicolaus der vierdt
Nikolaus IV. (Papst von 1288 bis 1292)
Picener
Einwohner der Region Picenum (heutige Marken in Italien)
Ascula
Ascoli (Stadt in Italien)
Jheronimus
Hieronymus (Taufname von Nikolaus IV.)
parfuoßer ordens
Barfüßerordens (Franziskanerorden)
cardinal
Kardinal
abgang
Ableben
babsts Honorii
Papst Honorius IV.
sant Peters stuol
Stuhl Petri (päpstlicher Thron)
alßpald
alsbald, sofort
Reatinischen statt
Stadt Rieti (in Latium, Italien)
gein rom kerende
nach Rom zurückkehrend
gaistlichen oerden
geistlichen Orden
gesyppten
Verwandten
nahein gewandten
Nahestehenden
frumm
fromm
erewgten vnd begaben sich
ereigneten und begaben sich
umbkraiß
Umkreis
schedlicher vnseliger ding
schädliche, unselige Dinge
koenigen zu Arrogonia vnd Franckreich
Königen von Aragonien und Frankreich
weeret
währte
freued
Freude
sunder
sondern
erhuoben sich
erhoben sich
auffruor
Aufruhr
zwayung
Zwietracht
prand
Brand
todtschleg
Totschläge
Tripolis
Tripolis (Stadt im heutigen Libanon)
Soldan
Sultan (hier der Mamluken-Sultan von Ägypten)
aigne costung
eigene Kosten
weppner
Bewaffnete
creuetzer
Kreuzfahrer
fuername
beabsichtigte
cristenheit ir sachen
Angelegenheiten der Christenheit
schwerlichen erewgten
schwerwiegend entwickelten
vnmmuot
Unmut
verdriess seins lebens
Verdruss seines Lebens
feyret der stuol
der Stuhl blieb vakant (idiomatisch für eine Sedisvakanz)
mißhelligkeit der cardinel
Misshelligkeit der Kardinäle
Celestinus der fuenft
Coelestin V. (Papst 1294)
Petrus moroneus
Pietro da Morrone (bürgerlicher Name von Coelestin V.)
gaistlicher closterman
geistlicher Klostermann, Mönch
koenig Karls
König Karl II. von Neapel
Latini des cardinals
Kardinal Latino Malabranca Orsini
hohgelert
hochgelehrt
vnwilligclih angenomnem babstthumb
unwillig angenommenem Papsttum
Aquilam
L'Aquila (Stadt in Italien)
xii
römisch für 12
zwaymalhundert tawsent menschen
zweihunderttausend Menschen
langgeharretem verzug der wale
langem Verzug der Wahl
aynsidler
Einsiedler
abgesuenderter man
abgesonderter Mann
wirdigkeit
Würdigkeit
gestrengigkeit
Strenge
werlt gescheyd mensch
weltgewandter Mensch
verwesung
Verwaltung
gemayns stands
allgemeinen Standes (hier: der Kirche)
vngenuogsam
ungenügsam, unzureichend
abtrettung
Abdankung, Rücktritt
koenig Karolum
König Karl II. von Neapel
Neapolis
Neapel (Stadt in Italien)
wolgeregirten kirchen zeuerlassen
die wohlregierte Kirche zu verlassen (hier im Sinne von 'die Leitung der Kirche abzugeben')
Benedictus der cardinal
Kardinal Benedikt Caetani (später Papst Bonifatius VIII.)
behend listigs anschlagigs mensch
gewandter, listiger, planvoller Mensch
geschriben recht gelert
des geschriebenen Rechts gelehrt
schwerlich suendet
schwer sündigt
satzung
Satzung, Bestimmung
gezymen moecht
geziemen möge, angemessen sei
entschluoge sich
entsagte, verzichtete
gewalt vnd freye wilkuer
Gewalt und freie Willkür
Benedictum caietanum
Benedikt Caetani
aynsidelschaft
Einsiedelei
vnderwegen
unterwegs
befelhe Benedicti
Befehl Benedikts
bonifacius der acht
Bonifatius VIII. (Papst von 1294 bis 1303)
gefengclich angenomen
gefänglich angenommen, gefangen genommen
Sulmonis
Sulmona (Stadt in Italien)
schwerlich enthalten
schwerlich festgehalten
erplaßnem
Erblassenen (hier im Sinne von 'durch weltliche Künste/Macht erlangt', im Gegensatz zur Heiligkeit)
Clementem den fuenften
Clemens V. (Papst von 1305 bis 1314)
heilligen zal geschriben
in die Heiligenzahl geschrieben, heiliggesprochen
Vgolinus
Ugolinus (wahrscheinlich Ugolino da Montecatini, Bischof von Rimini)
Augustiner ordens
Augustinerordens
durchleuechtiger lerer
erleuchteter Lehrer
Arimino
Rimini (Stadt in Italien)
patriarch zu Constantinopel
Patriarch zu Konstantinopel
Parys
Paris (Stadt in Frankreich)
stuol der lere
Lehrstuhl
guotsytig man
tugendhafter Mann
ersprießlich
ersprießlich, nützlich
fuerderlich
förderlich
vnuerborgen
unverhohlen, offen
Go bolionius
Go Bolionius (möglicherweise Goffredo da Bussero oder eine andere Gelehrtenfigur des Predigerordens)
prediger ordens
Predigerorden (Dominikanerorden)
helligkeit des lebens
Heiligkeit des Lebens
begriffnen schrifften
verfassten Schriften
Johannes von Parma
Johannes von Parma (Franziskaner, Generalminister des Ordens)
treffenlicher maister
trefflicher Meister
Blat CCXVIIII
Blatt 219
Linea der kaiser
Linie der Kaiser
Adolffus
Adolf von Nassau (römisch-deutscher König von 1292 bis 1298)
Nassaw
Nassau (Grafschaft im Heiligen Römischen Reich)
gestreng man
strenger Mann
teuetschen churfuersten
deutschen Kurfürsten
kaiser Rudolffs
Kaiser Rudolf I. (römisch-deutscher König von 1273 bis 1291)
gemainklich
gemeinhin, allgemein
roemischem koenig
römischer König (Titel des gewählten, aber noch nicht vom Papst gekrönten Kaisers)
treffenlich man
trefflicher Mann
nit fast mechtig
nicht sehr mächtig
vnempfangen der kaiserlichen bekroenung
ohne die kaiserliche Krönung empfangen zu haben
tawsent.iic.xcii
römisch für 1292
gewaltigclich
gewaltsam
meychßen
Meißen (Markgrafschaft im Heiligen Römischen Reich)
koenig Wentzelaw zu beheim
König Wenzel II. von Böhmen
gruenhaym
Grünhain (Ort in Sachsen)
vereelichten sie ire kinder zesamen
verheirateten sie ihre Kinder miteinander
Meischsnich marggrafthumb
Meißnisches Markgrafentum
roemisch reich
römisches Reich (Heiliges Römisches Reich)
vnderfieng
unterfing, unternahm
gepuerliche huldung vnnd pflicht
gebührende Huldigung und Pflicht
verwandten des reichs
Verwandten des Reiches (hier: die Reichsfürsten)
hertzog albrechten zu oesterreich
Herzog Albrecht I. von Österreich (später römisch-deutscher König)
anhang vnd beylegung ettlicher churfuersten
Anhang und Beilegung etlicher Kurfürsten (Unterstützung und Vermittlung)
mercklicher widerstand
merklicher Widerstand
wenig wegen seins volcks
wegen der geringen Anzahl seines Volkes
ernidergelegt vnd erschlagen
niedergemacht und erschlagen
Speyer vnd Wurms
Speyer und Worms (Städte in Deutschland)
tag der heilligen Processi vnd Martiniani
Tag der Heiligen Processus und Martinianus (2. Juli)
namhaftig statt
namhafte, berühmte Stadt
asia
Asien
vergeweltigung vnnd machte
Vergewaltigung und Macht (hier: gewaltsame Eroberung)
Babilonischen Soldans
babylonischen Sultans (hier der Mamluken-Sultan von Ägypten)
rawb
Raub
unzallicher vnerschetzlicher reichthuemer
unzähliger, unschätzbarer Reichtümer
habe vnd gueeter
Habe und Güter
prunst vnd niderwerffung der gepew
Brand und Niederwerfung der Gebäude
verheert vnd verwueestet
verheert und verwüstet
fueroan
fortan
vngestuemigen grimmen
ungestümen Grimme
Tyrum
Tyros (Stadt im heutigen Libanon)
sidonem
Sidon (Stadt im heutigen Libanon)
barutum
Beirut (Stadt im heutigen Libanon)
merckten
Märkten
zerruedet
zerstört
geuebten iamer
geübten Jammer
occidentalischen fuersten
abendländischen Fürsten
bewegete
bewegte
asiam zeziehen
nach Asien zu ziehen
zerechen
zu rächen
Ptolomaida
Ptolemais (auch Akkon, Stadt im heutigen Israel)
puentnus eins zwyierigen frids
Bündnis eines zweijährigen Friedens
versoldung
Besoldung
anderhalb tawsent raysige pferd
anderthalbtausend reisige Pferde (berittene Soldaten)
heereßkraft
Heereskraft
on einichen sunderlichen treffenlichen hawbtman
ohne irgendeinen besonderen trefflichen Hauptmann
waltet
barg, herrschte
Ptolomaidam
Ptolemais (auch Akkon)
unzallic
unzählige (Text bricht ab)