Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter Linea der bebst: Martinus der vierd MArtinus der vierd dauor Symon genant ein cardinal auß gallia puertig ward nach langer zangkung allererst in dem sechsten monat nach absterben babst Nicolai zu babst erkorn. Diser babst machet an dem heilligen vrstend tag sechs cardinel. vnd setzet koenig Carolum der zu ime kom widerumb in die senatorischen wirdigkeit. der er dauor von babst Nicolao entsetzt wardt. Diser babst hat auch von desselben koenig Karls begern vnd anrueffen wegen Paleologum den kriechischen kaiser als einen vngehorsamen vnd verachter des verlaßen abschieds in dem concili zu Lyon. vnd Petrum den arrogonischen koenig als einen freuellichen vnnd gewaltsamen enthalter des Sicilischen koenigreichs verpannet. vnd das geschahe im ersten iar diss babsts. das was das tawsent zwayhundert vnnd ainundachtzigst iar vnßers hails. Im anfanng des iars darnach als die Perusiner die Fulginates vberzohen inen ire landschaft verwueesteten vnd darnach die statt belegerten vnd mit gewalt eroberten do warden die perusiner von disem babst in den pan getan vmb vil gelts gestraft vnd gein der kirchen wider außgesoenet. Diser babst hat dar nach wider die von der kirchen abdruennigen foriauoler einen krieg gefueert. vnnd sie kuertzlich widerumb zu gehorsam gebracht. von der auffruor wegen der Gibelliner wider die Guelfiner zohe diser babst gein Perus. daselbst starb er vnlang darnach am fieber vnd wardt alda in der hawbtkirchen begraben. Bey dess grab empfiengen vil krancken gesuntheit von got auß diss heilligsten babsts verdiestnus. Jar der werlt. vim.iiiic.lxxxiiii.Jar cristi. im.iic.lxxxv. Honorius der vierd HOnorius der vierd ein Roemer des sabellischen edeln alten geschlechts vormals Jacobus genant ein cardinal wardt zu Perus babst erkorn on langen verzug. dess sich vorbegebner sachhalben die cardinel besorgten. Diser babst kome gein rom nach der gepurt cristi vnßers hailands tawsent.iic.lxxxv. iar. dieweil deßmals sein bruder pandolffus die senatorischen vnd ratherrlichen wirdigkeit truoge. Zu dess zeitten das roemisch wesen in gerechtem vnd gerueelichem stand schwebet. Diser babst was den hendeln vnnd sachen der franckreichischen koenig allenthalben guenstig vnd wolgenaigt. vnd in allem seinem leben ein auffrichtiger frummer man vnd großer liebhaber cristenlichs stands vnd gaistlichkeit. dann er hat der carmeliten orden der vormals in dem concili nit gnuogsamilch bewert vnd von vil lewten angefochten was bestettiget. Er het gelert. geschickt. kluog vnd werltweyse lewt gar lieb. vnnd truog sundere gunst zu den die dem bebstlichen hof anhiengen vnd desselben warteten. Zu letst starb er im andern iar am ersten tag seins babstthumbs vnd der stuol feyret deßmals zehen monat. dann vil cardinel warden mit gcher kranckheit beladen. Aiser Rudolff sendet seinen cantzler in das ethrurisch land mit befelhe vnnd gewalt alle die die gelt geben frey zelassen vnd getrewe des roemischen kaiserthumbs zeerkleren. demnach gaben die von Luca. xiim. guldein vnnd warden mit freiheit begabt. So fiennge das florentinisch volck ein gar schoene nuotzpere newe form vnd weiß eins regiments an mit satzung vnd verodnung irer regirer mit vnderschiede yedes derselben regirer pflegnus vnd ambtes. ETtliche stett in oebern schwaben vormals fuer doerffer geachtet warden von dem roemischen kaiser mit mawrn eingefangen vnd mit burgerlichen stattrechten vnd freiheiten begabt. sunderlich Eßling Rewtling vnnd Haylprunn. right EIn meerfisch gestalt wie ein leob wardt dises iars in dem monat februario gefangen. vnnd zu babst Martino in die alten statt gebracht. der hewlet schrye vnd waynet als ein mensch das menigclicher der das hoeret erschracke. vnnd sich dess verwunderet. vnd diss was ein zaichen großer zwilewftigkeit. EIn kind wardt diser zeit mit kloen wie ein per. auß einer babsts Martini freuendin geporn. Dess schemet er sich also vbel das er alle pildnus der pern in seinen hewßern abschaben hieß. der werlt Blat CCXVIII Carolus der ander ein koenig zu Sicilia CArolus der ander des koenigs zu Sicilia sun hat diss iars nach absterben seins vaters also iung das koenigreich erbende. xxv. iar geregirt. vnnd vil streyts vnd schlahens wider Petrum den arrogonischen koenig gehabt. vnnd ine zu letst also verwundet das er vnlang darnach mit tod vergieng. Als sich nw Carolus also vor seinem feinnd gefreyet het do verzeret er die vbrigen zeit in frid. Darnach im fuentfen iar seins koenigreichs als der koenig zu hungern on manlich leibs erben vergienge do gelanget auch dasselb hungrisch koenigreich durch seins eegemahels erbschaft an ine. dz lihe er Carolo seinem erstgepornen sun. Zu letst starb er. xl. iar alt vnd ließ auß Maria seiner gemaheln des koenigs zu hungern tochter newn suen vnnd fuenff toechter. Die namhaftigern derselben waren Carolus marcellus zugenambt koenig zu hungern. Ludwicus der heillig. der parfuoßer orden an sich name. vnd Robertus ein nachkomen am koenigreich. Wentzlaw der ander ein koenig zu Beheym WEntzlaw der ander des namens der sechst koenig zu Beheim ein sun Othocari nach erschlahung seins vaters. viii. iar alt wardt von Ottone dem marggrafen zu Brandemburg in das Franckenland gefueert. vnd das koenigreich Beheim von ime als einem vormund fuenff iar verwesen. vnd darnach von demselben Wentzlaw selbst geregirt. Diser Wentzlaw hat die statt Prag. die von eim inheymischen fewr schier gar außgeprunnen was also darnach zierlich wider erpawt das es ein selige prunst geachtet mocht werden. Darnach hat sein gemahel Gutta kaiser Rudolffs tochter den krieg zwischen Albrechten irem bruder vnd irem gemahel gerichtet. Man sagt das in seiner kroenung ein große merckliche anzal garaysiger pferd zu Prag am koenigclichen hoff gespeyset worden weyen. vnnd der zuo fuoß ein vnentliche zal. Er hat ime die Poln vnderworffen vnd die koenigclichen kron von inen empfangen. So hat er den hungern auff ir begern seinen sun Wentzlaw. xiii. iar alt zu eim koenig gegeben. vnd darnach auf widerlawffen der hungern den babst Bonifacius Carolum des koenigs zu Sicilia sun zusendet wideranhayms zu ime genomen. vnd nit lang darnach im. xxx. iar seins alters sein leben geendet vnd wentzelawen seinen sun einen nachkomen am koenigreich gelaßen Thadeus von florentz artzt THadeus von florentz ein treffenlicher artzt hat diser zeit zu Bononia die ertzney gelesen vnd geleret vnd vil loeblichs dings in der ertzney vnd außlegung der schrift andrer ertzt gemacht. vnd starb zu Bononia. lxxx. iar alt. vnd ließ vnzallich reichthuemer hinder ime. die er auß seinem großen ruom mit seiner kunst gesammlet het. dann wann er von den welschen fuersten geforderet wardt so dinget er ime alltag hundert guldein zegeben. Vnd als er eins mals von babst Honorio zu ime zekomen geforderet wardt do wolt er vor vnd ee nicht komen ime wuerden dann alltag hundert guldein zu sold zegeben versprochen. vnd als aber derselb babst gesund vnnd von seiner kranckheit geledigt wardt do gabe er ime zehentawsent guldein. Philippus koenig zu franckreich PHilippus koenig zu franckreich der schoen zugenambt koenig philipsen sun hat in disem iar nach abgang seins vaters vber franckreich zeregiren angefangen vnnd xxix. iar geregirt. vnd einen fast schweren krieg wider Edouardem den koenig zu engelland gefueeret vnd vil schadens vnd vnfuogs empfangen. vnd babst Bonifacium den andern von seiner hohmueetigkeit wegen in einen kercker gedrungen. vnd als er die templarier außzetilgen fuergenomen het. erstlich iren hohmaister oder general verprennen vnd die andern grawsamlich ertoedten haißen. die vbrigen fluhen in forchten auß dem koenigreich. So hat er auch den iuden vor irs geytzs vnd andrer vbel tat wegen ire habe vnd gueeter genomen vnd auß seinem reich vertriben. Egidius Augustiner ordens EGidius von Rom augustiner ordens ein general vnd ein Bituricensischer ertzbischoff vnd Aquitanischer primas wardt diser zeit von wegen der groeße seiner synnschicklichkeit ein fuerst der lerer heilliger schrift genant. Er was ein edler roemer des geschlechts der columneser. vnd mit seiner lere vnd schriftlichen weißheit ein erleuechter seins ordens vnnd der gantzen cristenlichen kirchen. vnd auch eyn beschuetzer der lere vnd schriften seins maisters Thome von aquino. vnd hat an wunderzaichen scheinper ein seligs ende seins zeittlichen lebens genomen.
Das sechste Zeitalter. Linie der Päpste: Martin IV. Martin IV., zuvor Simon genannt, ein Kardinal, gebürtig aus Gallien, wurde nach langem Streit erst im sechsten Monat nach dem Ableben Papst Nikolaus' zum Papst erwählt. Dieser Papst ernannte am heiligen Ostertag sechs Kardinäle und setzte König Karl, der zu ihm kam, wieder in die senatorische Würde ein, der er zuvor von Papst Nikolaus enthoben worden war. Dieser Papst hat auch auf Bitten und Anrufen desselben Königs Karl den Paleologus, den griechischen Kaiser, als einen Ungehorsamen und Verächter des gefassten Beschlusses im Konzil zu Lyon, und Peter, den aragonesischen König, als einen frevelhaften und gewaltsamen Inhaber des sizilianischen Königreichs, verbannt. Und das geschah im ersten Jahr dieses Papstes, das war das tausendzweihundertachtzigste Jahr unseres Heils. Im Anfang des Jahres danach, als die Perusiner die Fulginaten überzogen, ihnen ihre Landschaft verwüsteten und danach die Stadt belagerten und mit Gewalt eroberten, da wurden die Perusiner von diesem Papst in den Bann getan, um viel Geldes gestraft und mit der Kirche wieder ausgesöhnt. Dieser Papst hat danach wider die von der Kirche Abtrünnigen, die Forlienser, einen Krieg geführt und sie kurz darauf wieder zum Gehorsam gebracht. Wegen des Aufruhrs der Ghibellinen wider die Guelfen zog dieser Papst nach Perugia. Daselbst starb er unlängst danach am Fieber und wurde dort in der Hauptkirche begraben. Bei dessen Grab empfingen viele Kranke Gesundheit von Gott aus des heiligsten Papstes Verdienst. Jahr der Welt: 5484. Jahr Christi: 1285. Honorius IV. Honorius IV., ein Römer aus dem edlen alten Geschlecht der Savelli, vormals Jakob genannt, ein Kardinal, wurde in Perugia ohne lange Verzögerung zum Papst erwählt, dessen sich die Kardinäle wegen der zuvor geschehenen Dinge besorgten. Dieser Papst kam nach Rom im Jahre tausendzweihundertfünfundachtzig nach der Geburt Christi, unseres Heilands, während damals sein Bruder Pandolf die senatorische und ratsherrliche Würde trug. Zu dessen Zeiten schwebte das römische Wesen in gerechtem und geruhigem Stand. Dieser Papst war den Handlungen und Sachen der französischen Könige allenthalben günstig und wohl geneigt und in allem seinem Leben ein aufrichtiger, frommer Mann und großer Liebhaber des christlichen Standes und der Geistlichkeit. Denn er hat den Orden der Karmeliten, der vormals im Konzil nicht genügsam bewährt und von vielen Leuten angefochten war, bestätigt. Er hatte gelehrte, geschickte, kluge und weltweise Leute sehr lieb und trug besondere Gunst zu denen, die dem päpstlichen Hof anhingen und desselben warteten. Zuletzt starb er im zweiten Jahr, am ersten Tag seines Papsttums, und der Stuhl war damals zehn Monate vakant, denn viele Kardinäle waren mit schwerer Krankheit beladen. Kaiser Rudolf sandte seinen Kanzler in das etruskische Land mit Befehl und Gewalt, alle die, die Geld geben, freizulassen und als Getreue des römischen Kaisertums zu erklären. Demnach gaben die von Lucca zwölftausend Gulden und wurden mit Freiheit begabt. So fing das florentinische Volk eine sehr schöne, nützliche neue Form und Weise eines Regiments an, mit Satzung und Verordnung ihrer Regierer, mit Unterschied der Pflege und des Amtes jedes derselben Regierer. Etliche Städte in Oberschwaben, vormals für Dörfer geachtet, wurden von dem römischen Kaiser mit Mauern umfangen und mit bürgerlichen Stadtrechten und Freiheiten begabt, insbesondere Esslingen, Reutlingen und Heilbronn. Ein Meerfisch, gestaltet wie ein Löwe, wurde dieses Jahres im Monat Februar gefangen und zu Papst Martin in die alte Stadt gebracht. Der heulte, schrie und weinte wie ein Mensch, dass jedermann, der das hörte, erschrak und sich dessen verwunderte. Und dies war ein Zeichen großer Zwieläufigkeit. Ein Kind wurde dieser Zeit mit Klauen wie ein Bär aus einer Freundin Papst Martins geboren. Dessen schämte er sich so übel, dass er alle Bildnisse der Bären in seinen Häusern abschaben hieß. Der Welt Blatt 218. Karl II., ein König zu Sizilien. Karl II., der Sohn des Königs von Sizilien, hat dieses Jahres nach dem Ableben seines Vaters, so jung das Königreich erbend, 25 Jahre regiert und viel Streit und Kämpfe wider Peter, den aragonesischen König, gehabt und ihn zuletzt so verwundet, dass er unlängst danach mit dem Tod verging. Als sich nun Karl so vor seinem Feind befreit hatte, da verbrachte er die übrige Zeit in Frieden. Danach, im fünften Jahr seines Königreichs, als der König von Ungarn ohne männliche leibliche Erben verging, da gelangte auch dasselbe ungarische Königreich durch seiner Ehegemahlin Erbschaft an ihn. Das lieh er Karl, seinem erstgeborenen Sohn. Zuletzt starb er, 40 Jahre alt, und hinterließ aus Maria, seiner Gemahlin, der Tochter des Königs von Ungarn, neun Söhne und fünf Töchter. Die namhafteren derselben waren Karl Martell, genannt König von Ungarn, Ludwig der Heilige, der den Barfüßerorden annahm, und Robert, ein Nachkomme im Königreich. Wenzel II., ein König zu Böhmen. Wenzel II. dieses Namens, der sechste König von Böhmen, ein Sohn Ottokars, wurde nach der Erschlagung seines Vaters, acht Jahre alt, von Otto, dem Markgrafen zu Brandenburg, in das Frankenland geführt, und das Königreich Böhmen von ihm als einem Vormund fünf Jahre verwaltet und danach von demselben Wenzel selbst regiert. Dieser Wenzel hat die Stadt Prag, die von einem heimischen Feuer schier ganz ausgebrannt war, danach so zierlich wieder aufgebaut, dass es als ein seliger Brand geachtet werden mochte. Danach hat seine Gemahlin Guta, Kaiser Rudolfs Tochter, den Krieg zwischen Albrecht, ihrem Bruder, und ihrem Gemahl geschlichtet. Man sagt, dass bei seiner Krönung eine große, merkliche Anzahl gepanzerter Pferde zu Prag am königlichen Hof gespeist worden seien und eine unendliche Zahl zu Fuß. Er hat ihm die Polen unterworfen und die königliche Krone von ihnen empfangen. So hat er den Ungarn auf ihr Begehren seinen Sohn Wenzel, dreizehn Jahre alt, zu einem König gegeben, und danach, auf Widerstand der Ungarn, als Papst Bonifatius Karl, den Sohn des Königs von Sizilien, zusandte, (hat er seinen Sohn) wieder heim zu sich genommen. Und nicht lang danach, im dreißigsten Jahr seines Alters, sein Leben beendet und Wenzel, seinen Sohn, einen Nachkommen im Königreich, hinterlassen. Thaddäus von Florenz, Arzt. Thaddäus von Florenz, ein trefflicher Arzt, hat dieser Zeit in Bologna die Arzneikunde gelesen und gelehrt und viel Lobenswertes in der Arzneikunde und Auslegung der Schriften anderer Ärzte gemacht und starb in Bologna, 80 Jahre alt, und hinterließ unzählige Reichtümer, die er aus seinem großen Ruhm mit seiner Kunst gesammelt hatte. Denn wann er von den wälschen Fürsten gefordert wurde, so handelte er aus, ihm täglich hundert Gulden zu geben. Und als er einmal von Papst Honorius aufgefordert wurde, zu ihm zu kommen, da wollte er zuvor und eher nicht kommen, ihm würden denn täglich hundert Gulden als Lohn zu geben versprochen. Und als aber derselbe Papst gesund und von seiner Krankheit befreit wurde, da gab er ihm zehntausend Gulden. Philipp, König von Frankreich.