Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter Linea der bebst: Johannes der .xxi. JOhannes der xxi. auß hispania oder portugalia von der statt Vlixbona puertig ein tusculanischer bischoff vnd cardinal dauor Petrus artzt genannt wardt zu eim babst erkom. vnd wiewol diser man sunst gelert was vnd auch gelert lewt lieb het so sagt man doch das er an vnwissenheit vnd vnschicklichkeit zu regiren vnd ze hanndeln vnnd an vngleicheit der sytten leichtfertig gewesen sey. Sie sagen er hab in seinem leben vil geschuben. sunderlich ettlich regel der ertzney dienstlich. vnd auch ein buch das die ertzte einen schatz der armen nennen. Diser babst vermanet Michaelem paleologum den kriechischen kaiser die einung in dem concili zu Lyon zugesagt vnd gesatzt zu halten. Zu dises babsts zeitten verfolgten die venediger die von ancona mit einem schweren meer krieg zu derselben zeit haben die templarier in der stat Tyro wonende den venedigern vil gerechtigkeit vnnd freyung irer kawflewt verguennet. Dazwischen hat der benant krichisch kaiser disen babst Johannem mit verzickten wanckelbern worten auffgezogen bis derselb babst zu Viterbio in einer kamer die er pawen hieß nach verscheinung acht monat seins babstthums verfiele vnd starb. Nicolaus der dritt Jar der werlt. vim.iiijc.lxxvi.Jar cristi. jm.ijc.lxxvij. NIcolaus der dritt ein römer vrsiner geschlechts. vormals iohannes caietanus genant wardt. doch nach verzug sechßer monat zu babst erkorn. dann die cardinel zohen alßpald nach absterben des obgenanten babst Johannis gein rom in willen einen newen babst zewelen. So vnderstunnd sich koenig Karl von sicilia durch beystand des roemischen rats die versammlung der cardinel in sein aufsehen vnnd bewarung zeziehen. das dann der kirchen zu großem vnd ime zu mererm schaden gelanget. dann er het lieber einen gallischen denn einen welschen zu babst erwelet gesehen. damit verzohe sich die wale schier bis in den sibenden monat dem gantzen cristenlichen stand zu mercklichem geuerde vnd entgeltnus. darumb wardt der adel vnnd das gemain volck welschs lands demselben könig karln fast abhold vnd vnguenstig. vnd darumb wardt diser Johannes caietanus dauor ein cardinal zu babst erkorn vnnd Nicolaus der dritt genant. Diser Nicolaus was mit gaben des leibs vnd auch des gemuets also geziereet das er gar vil dings handlet. vnd noch vil mer zu handeln fuer name alles zu anzaigung seiner kluegheit vnnd großmuetigkeit dienende. doch maynet er in seinen babstthumb nichtz gedechtnus wirdigs zetun. dann wo eer des benanten koenig Karls gewalt vnd mechtigkeit drucken vnd myndern moecht. vnd das hat er auch auß smschicklichkeit seiner anschlegigen fuersichtigkeit vnd kluogheit gethan. vnd demselben koenig karln vil stett. land vnd lewt die sein vorfaren der roemischen kirchen gewaltigclich abgedrungen hetten vnd ein fuerdrer vnd liebhabir gelerter mann vnd ein mylter außtayler gaistlicher wirdigkeit. darumb machet er ettwieuil bischoff vnd cardinel auß ettlichen gelerten mannen prediger vnd parfueßer ordens vnd andern. So hat er auch vil schoener gepew an den gotzhewßern vnd sunst zu rom gethan. Man schreibt von ime das er die ambt der heilligen mess also innigclich vnd andechtigclich gehalten das er die weil alweg seine zeher vergoßen het. doch manglet er der nachred nicht. dann er wardt beschuldigt das er die seinen zu vil liebet vnd inen vil hab vnd guots gebe. zu letst starb er zu rom vomm schlag im dritten iar seins babstthumbs. Gwilhelmus placentius artzt Gwilhelmus durandi GWilhelmus ein burger zu placencia vnd artzt zu seiner zeit hohberuembt hat diser zeit zuo Verona oder Bern vmb einen gemainen sold gelesen. vnnd daselbst ein schoens buoch in der wundertzney gemacht von allen seuechen vnd kranckheyten darnach gar treffenlich in vier buecher gezogen. Gwilhelmus durandi prediger ordens speculator zugenambt ein prouintzialischer bischoff ein iunger des lerers Hostiensis vnd ein fuertreffenlicher lerer der gaistlichen recht hat diser zeit als er selbs bezeuegt ein nuetzliche summ in dem rechten gemacht vnd die speculum genent. vnd darumb den zunamen speculator dauon behabt. Er hat auch noch ein anders buch beschriben. vnd (als ettlich sagen) dz buch rationale diumorum genant gemacht. DIe vnglawbigen schiffeten auß affrica in hinders vnd vorders hispania. aber die cristen warden wunderperlicher weiß mit dem creuetz bezaichnet vnd legten sie mit großer schlacht ernider. Blat CCXVII der werlt right DJeweil man zu Vtrich auf eyner pruogken ob der musel tantzet do wardt dz allerheilligst sacrament zu einem krancken allda fuergetragen. vnnd demselben sacrament von den tantzern kein zucht noch ere erbotten. darumb zerprache die prugk vnd fieln bey zwayhundert menschen in den fluss der musel vnd ertruncken darinn zu straff irer vergessung got schuldiger danckperkeit. Löwenjunge EJn edels weib in costnitzer bistthumb gepare diser zeit ein vngewoenliche puerd. ein wundergestallten leoben. IN oebern schwaben ist ein monstrum in der statt Eßlingen (als man sagt) von einem weibe geporn. von dem nabel auff zwu prust vnnd zway hawbt gegen einander sich ansehennde. vier arm sich vmbfangent. auch zwu schame gehabt das ist von stund an nach seiner gepurt gestorben. siamesischer Zwilling Fuenfzehen schwebisch grafen beschlussen vnder einander wider kaiser Rudolfen ein puentnuß vnd teten ime vil verdriess. die namhaftigsten vnd fuernemsten vnder den selben warñ die grafen von montfort. helffenstain vnd von wittenberg vnd tockenßburg. Aber er zerruedet inen ire hab vnd gueeter vnd bezwunge sie ewigclich dem reich vnderworffen zesein. Darnach zerstoeret er die gschloeßer der rawber in teuotschem lannd an vil enden. von dem welschen gepirg bis gein brittannien hynein frid machende. DJe Venediger vnd Genueser hetten iren bey Ptolomaida angefengten krieg bis auff dise zeit her an vnd an geuebet. dauon wir ein wenig melden woellen. Nach der gepurt vnßers hailands iar schicten die venediger vnder Rainerio zeno dem hawbtman ein große mechtige heerschiffung an die gegent sicilie. Als sie aber die genuesischen schiffunng. als sie hoffeten alda nit funden do schiffeten sie in Asiam. Alda bey der statt Tyro legten sie der genueser schiffung die ine vngschihtlich begegnet ernider. vnd vnderstuonden sich in derselben freued auch die statt tyrum mit hilff vnd beystand der von Ptolomaida vnd Accone zeeroberñ. aber der anschlag gienng hindersich. Nw hetten die genueser ir kuntschaft das ettwieuil mit kawfmanschatz geladne schiff zu venedig auß vnd vber meer farñ wuerden. dem nach stelten dri genueser haymliche verwarttñg auff dieselben venedigische schiff. aber als die venediger von den spehern vnd kuntschaftern warnung empfiengen do legten sie die kawfmanschatz auß den schiffen an das gestadt vnd verluoren die leren schif. Vber drey iar darnach stieße von vngeschihten die venedigisch schiffung bey Lilibeo auff ein Genuesische schiffung. die wardt von der venedigischen gefangen. Als pald dz geschray gein genua kome do schickten die genueser der venediger schiffung starck nach. vnnd die genuesisch ergriffe die venedigischen an der drepanischen pforten vnd komen beder seyt zu großem kampff vnd streyt geineinander. aber die genueser empfiengen große beschedigung an verprennung vnd verlust irer schiffe. Auß vrsachen derselben niderlag verachtet kaiser Michael zu constantinopel der genueser geselschaft vnd name mit den Venedigern eynen fuenfierigen frid auff. DEr histori schreiber Ptolomeus lucensis setzt das babst Nicolaus (wo der tod seinen anschlag nit gewendet het) zwen koenig einen in lombardia vnd den andern in ethruria wolt gemacht haben. da mit Welschland vor den roemischen vnd sicilischen koenigen. die sich irer tittel mißbrauchten beschuetzt vnd beschirmt werden moecht. Derselb babst ordnet das hinfuero nymant auß koenigclichem pluot geporn zu einem ratherrñ zu tom aufgenomen werden solt. DEr tartari mitsambt den armeniern haben hunderttawsent babilonier vberwunden. vil auß inen erschlagen vnd sie in die flucht gebracht. So hat sich Sicilia die inseln in disem iar von Carolo irem koenig abgewenndt. Als der fuerst apulie desselben koenig Karls sun von des Arroganischen koenigs sun in eim schiff streyt mit vil volcks gefangen in apuliam gefueert vnd in fangknus gelegt wardt.
Das sechste Zeitalter. Die Linie der Päpste: Johannes der Einundzwanzigste. Johannes der Einundzwanzigste, aus Hispanien oder Portugal, aus der Stadt Lissabon gebürtig, zuvor ein Bischof von Tusculum und Kardinal, namens Petrus, Arzt, wurde zum Papst erwählt. Und obwohl dieser Mann sonst gelehrt war und auch gelehrte Leute liebte, so sagt man doch, dass er in Unwissenheit und Ungeschicklichkeit zu regieren und zu handeln und in Ungleichheit der Sitten leichtfertig gewesen sei. Man sagt, er habe in seinem Leben viel geschrieben, besonders einige nützliche Regeln der Arzneikunde und auch ein Buch, das die Ärzte einen „Schatz der Armen“ nennen. Dieser Papst ermahnte Michael Palaiologos, den griechischen Kaiser, die im Konzil von Lyon zugesagte und festgesetzte Einigung zu halten. Zu Zeiten dieses Papstes verfolgten die Venezianer die Bewohner von Ancona mit einem schweren Seekrieg. Zur selben Zeit haben die in der Stadt Tyros wohnenden Templer den Venezianern viele Rechte und Freiheiten für ihre Kaufleute gewährt. Dazwischen hat der genannte griechische Kaiser diesen Papst Johannes mit zögerlichen, wankelmütigen Worten hingehalten, bis derselbe Papst in Viterbo in einer Kammer, die er bauen ließ, nach Ablauf von acht Monaten seines Papsttums verfiel und starb. Nikolaus der Dritte. Im Jahr der Welt 5476, im Jahr Christi 1277. Nikolaus der Dritte, ein Römer aus dem Geschlecht der Orsini, vormals Johannes Gaetanus genannt, wurde jedoch nach einem Verzug von sechs Monaten zum Papst erkoren, denn die Kardinäle zogen sogleich nach dem Ableben des obgenannten Papstes Johannes nach Rom, in der Absicht, einen neuen Papst zu wählen. Da unternahm es König Karl von Sizilien, durch Beistand des römischen Rates die Versammlung der Kardinäle unter seine Aufsicht und Bewahrung zu ziehen, was dann der Kirche zu großem und ihm zu noch größerem Schaden gereichte, denn er hätte lieber einen gallischen als einen welschen Papst gewählt gesehen. Damit verzögerte sich die Wahl fast bis in den siebten Monat, zum merklichen Schaden und Nachteil des gesamten christlichen Standes. Darum wurde der Adel und das gemeine Volk des welschen Landes demselben König Karl sehr abhold und ungünstig. Und darum wurde dieser Johannes Gaetanus, zuvor ein Kardinal, zum Papst erkoren und Nikolaus der Dritte genannt. Dieser Nikolaus war mit Gaben des Leibes und auch des Gemütes so geziert, dass er sehr viele Dinge handelte und noch viel mehr zu handeln sich vornahm, alles zur Anzeige seiner Klugheit und Großmütigkeit dienend. Doch meinte er, in seinem Papsttum nichts Gedächtniswürdiges zu tun, außer wo er die Gewalt und Mächtigkeit des genannten Königs Karls drücken und mindern mochte. Und das hat er auch aus Geschicklichkeit seiner anschlagigen Vorsichtigkeit und Klugheit getan, und demselben König Karl viele Städte, Länder und Leute, die seine Vorfahren der römischen Kirche gewalttätig abgedrungen hatten, [zurückgegeben]. Und ein Förderer und Liebhaber gelehrter Männer und ein milder Austeiler geistlicher Würdigkeit. Darum machte er etliche Bischöfe und Kardinäle aus etlichen gelehrten Männern des Prediger- und Barfüßerordens und anderen. So hat er auch viele schöne Bauten an den Gotteshäusern und sonst in Rom getan. Man schreibt von ihm, dass er die Ämter der Heiligen Messe so inniglich und andächtig gehalten, dass er die ganze Zeit seine Tränen vergossen habe. Doch mangelte es ihm nicht an Nachrede, denn er wurde beschuldigt, dass er die Seinen zu sehr liebte und ihnen viel Hab und Gut gebe. Zuletzt starb er in Rom vom Schlag im dritten Jahr seines Papsttums. Wilhelm von Piacenza, Arzt. Wilhelm Durandus. Wilhelm, ein Bürger von Piacenza und zu seiner Zeit hochberühmter Arzt, hat dieser Zeit zu Verona oder Bern um einen gemeinen Sold gelesen und daselbst ein schönes Buch in der Wundarzneikunde gemacht, von allen Siechtümern und Krankheiten, danach sehr trefflich in vier Bücher gezogen. Wilhelm Durandus, vom Predigerorden, mit dem Beinamen Speculator, ein Bischof der Provinz, ein Schüler des Lehrers Hostiensis und ein vortrefflicher Lehrer des geistlichen Rechts, hat dieser Zeit, wie er selbst bezeugt, eine nützliche Summe im Recht gemacht und diese „Speculum“ genannt, und darum den Beinamen Speculator davon behalten. Er hat auch noch ein anderes Buch beschrieben und (wie etliche sagen) das Buch „Rationale Divinorum“ genannt, gemacht. Die Ungläubigen schifften aus Afrika in Hinter- und Vorderhispanien. Aber die Christen wurden wunderbarer Weise mit dem Kreuz bezeichnet und legten sie mit großer Schlacht nieder. Blatt 217 der Weltchronik. Während man zu Utrecht auf einer Brücke über der Maas tanzte, da wurde das allerheiligste Sakrament zu einem Kranken allda vorgetragen. Und demselben Sakrament von den Tänzern keine Zucht noch Ehre erboten. Darum zerbrach die Brücke und fielen bei zweihundert Menschen in den Fluss der Maas und ertranken darin zur Strafe ihrer Vergessung gottgeschuldeter Dankbarkeit. Löwenjunge. Ein edles Weib im Bistum Konstanz gebar dieser Zeit eine ungewöhnliche Bürde: einen wundergestalteten Löwen. In Oberschwaben ist ein Monstrum in der Stadt Esslingen (wie man sagt) von einem Weibe geboren, vom Nabel auf zwei Brüste und zwei Häupter, die einander ansahen, vier Arme, die sich umfingen, auch zwei Schamen gehabt, das ist sogleich nach seiner Geburt gestorben. Siamesischer Zwilling. Fünfzehn schwäbische Grafen beschlossen untereinander wider Kaiser Rudolf ein Bündnis und taten ihm viel Verdruss. Die namhaftigsten und vornehmsten unter denselben waren die Grafen von Montfort, Helfenstein und von Württemberg und Teck. Aber er zerrüttete ihnen ihre Habe und Güter und bezwang sie, ewiglich dem Reich unterworfen zu sein. Darnach zerstörte er die Schlösser der Räuber in deutschem Land an vielen Enden, vom welschen Gebirge bis nach Britannien hinein, Frieden machend. Die Venezianer und Genuesen hatten ihren bei Akkon angefangenen Krieg bis auf diese Zeit immer weitergeführt. Davon wollen wir ein wenig berichten. Nach der Geburt unseres Heilands im Jahr [1277] schickten die Venezianer unter Rainerio Zeno, dem Hauptmann, eine große, mächtige Heerschiffung an die Gegend Siziliens. Als sie aber die genuesische Schiffung, wie sie hofften, dort nicht fanden, da schifften sie nach Asien. Dort bei der Stadt Tyros legten sie die genuesische Schiffung, die ihnen ungeschickt begegnete, nieder. Und unternahmen es in derselben Freude, auch die Stadt Tyros mit Hilfe und Beistand derer von Akkon und Tyrus zu erobern. Aber der Anschlag ging schief. Nun hatten die Genuesen ihre Kunde, dass etliche mit Kaufmannsgut beladene Schiffe von Venedig aus und über Meer fahren würden. Demnach stellten drei Genuesen heimliche Bewachung auf dieselben venezianischen Schiffe. Aber als die Venezianer von den Spähern und Kundschaftern Warnung empfingen, da legten sie die Kaufmannsgüter aus den Schiffen an das Gestade und verloren die leeren Schiffe. Über drei Jahre darnach stieß von ungefähr die venezianische Schiffung bei Lilibäon auf eine genuesische Schiffung. Die ward von der venezianischen gefangen. Als bald das Geschrei nach Genua kam, da schickten die Genuesen der venezianischen Schiffung stark nach.