Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Linea der bebst: Gregorius der zehend GRegorius der zehend ein walhe von placencia auß grafen geschlecht von mayland vertriben geporn vormals Theobaldus genant ein Laudensischer ertzdiacon in asia wesende ward zu viterbio in versammlung der cardinel babst erkorn. Diser was in allem seinem leben ein beruembt man. in handlung seiner sachen vnd gescheft kluog vnd fuersichtig. tapffer vnd starckmueetig. ein verschmeher des gelts vnd menschlicher ding. gueetig. mylt vnd senftmueetig gegen den armen cristi. vnd sunderlich gein den die zu der schoss des bebstlichen stuols zuflucht hetten. Er vnderstund sich alßpald nach angenomnem babstthumb durch mitgeprauch des vorgenanten koenig Philipsen zu franckreich fuersichtigkeit den schweren krieg vnnd auffruor zwischen den genuesern vnnd venedigern deßmals wesende zerichten. Nach richtung desselben zohe er mit Karolo dem koenig zu Sicilia gein Florentz. alda keret er mit anhang koenig Karls auß mitleyden der ellenden auß der statt vertriben burger fleiß fuer dieselben widerumb einzebringen. Darnach zohe der babst gein Lyon daselbst ein concili zehalten. do hin komen Paleologus der constantinopolitanisch kaiser. so wardt Rudolffus von den churfuersten zu roemischem koenig erkorn. Nach guoter handlung diss concili keret der babst widerumb in welsche land do kome Alphonsus der koenig castelle vnderwegen zu ime vnd beclaget sich der erwelung koenig Rudolffs zu dem kaiserthumb. vnd das seiner gerechtigkeit die er auß vorbeschehner wal zum reich het nicht verschonet wer. aber der babst gueetiget denselben Alphonsum mit vil vrsachen vnd guoten worten also das er sich seiner vermaynten forderung vnnd gerechtigkeit gegen dem new erkornen roemischen koenig verziege vnd enteueßeret. also zohe diser babst fueroan gein Arecio daselbst starb er im fuenften iar seins babstthumbs. Innocentius der fuenft INnocentius der funft ein burgundier dauor petrus tharentasiensis genant sant Dominici ordens ein hohgelert man der heilligen schrift wardt nach der gepurt cristi tawsent.iic.lxxv. iar zu Arecio babst erkorn. Zu derselben zeit schickten die Florentiner ir treffenliche botschaft gein rom vmb entledigung des panns darinn sie waren. die erlangten sie von disem babst. Er het die Genueser vnd Venediger auff sein maynung gezogen wo er mit dem tod nit vbereylt worden wer. dann er starb im sechsten monat seins babstthumbs in sant Johans kirchen. Adrianus der funft ADrianus der fuenft ein genueser vormals othobonus genant wardt zu Rom in sant Johansen lateran kirchen zu babst auffgenomen vnd was babst Innocentio dem vierden mit syppschaft verwandt vnnd von ime dauor zu eim cardinal gemacht. Diser was ein man eins großen gemueets vnd zohe von stundan nach angenomner pflegnus babstlichs ambts gein Viterbio in fuernemen vnd willen anschlege zemachen die mechtigkeit Karoli zemindern vnnd sendet deßhalb zu koenig Rudolffen zu ime zekomen. der was darinn auß verhinderung des kriegs den er wider den koenig zu beheim fueeret versewmlich. vnd diser babst was in fuersatz vil guoter ding zehandeln aber er wardt mit dem tod fuerkomen vnd starb am. l. oder. xl. tag seins babstthumbs zu Viterbio. Concili zu Lyon EIn concili oder grosse versammlung ward diss iars zu Lyon von babst Gregorio dem.x. fuergenomen. darinn erstlich von hilff oder rettung iherusalem zu thun gehandelt wardt. Daselbsthin kome Michael paleologus der kriechisch kaiser mit einem großen anhang vnd verwilliget zum dreyzehenden mal in die verainigung der orientalischen mit der occidentalischen oder roemischen kirchen mit ergerung des kriechischen volcks. Ettlich wolgeporn vnnd edellewt auß Scithia mit dem benanten kaiser komende empfiengen den tawff vnd bekenneten den cristenlichen glawben. So wardt Rudolff von den churfuersten zu roemischem koenig erwelt vnnd von babst Gregorio in dem concili auffgenomen mit geding das er in dem nachfolgenden iar fridlich in welsche land komen vnd die kaiserlichen kron vnd salbung empfahen. vnd darnach der statt iherusalem sein groeßte hilff vnd rettung wieuil er moecht tun solt der werlt Blat CCXVI Jar Cristi. im.iic.lxxiii. Linea der kaiser: Rudolffus RVdolffus graff zu habßpurg wardt nach langer feyre des roemischen kayserthumbs vnd zerruedung der gueeter des roemischen reichs mit gemayner eynhelliger wale der churfuersten zu roemischem koenig mit geding als hieuor steet in dem iar darnach zuo empfahung der kaiserlichen kron gein rom zeziehen erkorn. vnnd zu rettung des heilligen lands von babst Gregorio bestettigt. dann er was ein kluog fuersichtig anschlegig man. in seinen handlungen gestreng vnd ernstlich mit waffen vnd weere. gerecht. gotfoerchtig. vnd an fuertreffenlichkeit alles lobs vnnd preyss vngeprechlich. starcks leibs. schoens antlitzs. ratweyse. großmueetig vnd sunderlich mylt frey. In betrachtung vnd ermessung solcher loeblicher art vnd aigenschaft wardt er zu kaiser. vnd herrschet. xix. iar in vil muee vnd arbait der sachen vnd hendel teuetsche nation vnd land beruerende. Nw was diser Rudolff Othocari des koenigs zu beheim hoffmaister ettwen gewest. als er aber zu eim vogt vnd vorfechter gemains cristenlichs nutzs erwelt wardt do ließ er durch sein kayserliche potschaft von demselben Othocaro oesterreich. kernten vnd andere an welsche land stoßende gegent als zu dem roemischen kaiserthumb gehoerende erfordern. dann als hertzog Friderich zu oesterreich on leiplich erben mit tod vergienge do empfieng margaretha sein schwester die erbschaft desselben lands vnd verheyratet sich zu dem benanten Othocaro. vnd erlanget also das oesterreichisch edel fuerstenthumb. So het Vlrich der deßmals das fuerstenthumb zu kerndten besaß auch keinen leibs erben. darumb verkawffet er dem Othocaro Kerndten Krayn vnd die windischen marck vnd anders mer. vnd nach dem aber oesterreich kein frewlichs lehen wer. vnd vlrich on gehaiß oder verwilligung eins roemischen kaisers die benanten land vnd gegent als zum reich gehoerende zuuerkawffen nicht macht gehabt het. darumb begeret kaiser Rudolff von Othocaro ime des alles abzetretten. dess widersetzet sich Othocarus der behmisch koenig. doch warden sie durch vndertaydigung verainigt. also das oesterreich dem kaiser folgen. vnd sie bede zu bederseyten ire kinder zusamen vereelichen vnd die lande darumb der vnwil wer zu zu heyrat gueettern werden solten. vnd der behmisch koenig schwuor dem kaiser die ding also zehalten. Aber der koenig wardt durch sein weib mit worten also angeraytzet das er wider den kaiser ein gross heer sammlet. dem begegnet der kaiser vnd erschluog den koenig in eim großen streyt. Zu letst starb er vor alter vnnd schwachheit zu Erfurt. vnd sein leichnam wardt gein Speyer gefueert vnd bey andern kaysern begraben. Aber von seim absterben kom Gutta sein tochter mit Wentzeslao koenig zu beheim irem gemahel des Othocari sun zu ime gein Erfurt. Conradinus COnradinus kaiser Friderichs des schwaben enicklein von Cunraten seinem sun geporn zohe auff anrueffen der gibelliner wider die gwelfiner mit großem mechtigen heer der teuetschen erstlich gein Bernn. darnach gein Papiam. vnd von dannen durch der Carrarier stett bis an der genueser meer. Darnach sammlet er auß Lombardia vnd Romandiola der gibelliner ein gross heer vnd erschluog zu Arecio koenig Karls zu Sicilia marschalck. Darnach komen er vnd der hertzog zu oesterreich bede noch iung des alters vnnd des vngluecks mit demselben koenig Karln zu eim streyt. dauon warden sie fluechtig vnd vber achttag wider außerspehet. fuer Carolum gefueert vnd zum tod des schwerts verurtailt vnd damit getoedt. Mit disem Conradino endet sich das hertzogthumb zu schwaben. mit seinem schild vnd helm. Als die hertzogen zu schwaben dz roemisch kaiserthumb bis in das. im.iic.vnd.l.iar cristi erlich geregirt hetten. Iser zeit zohe Heinrich ein iungling des koenigs Richardi ettwen grafen zu Cornubia sun zum babst sachen halb sein vaterlich koenigreich betreffend zehanndeln. So kome Gwido ein graff zu montfort auch noch ein iungling mit koenig philipsen von franckreich auch dahin. Nw begabe es sich das sie auff einen tag in sant Laurentzen kirchen zu Viterbio komen. Als aber Gwido des obgenanten Heinrichs ansyhtig vnd berichtet wardt das er wer ein sun des koenigs Richardi von dem Symon desselben Gwidons vater in engelland betrieglich getoedt worden wer do tet er sich vngewarnet zu ime vnd erstache ine vnuerschont goettlicher ere in der benanten kirchen. Sant Hedwig HEdwig ein hertzogin zu Poln ein wittib wunderperlicher heilligkeit vom vater ein marggrafin zu bada vnnd von der muoter ein orientalische marggrafin vnnd grefin zu Rochlitz. zu Kitzing zu der lernung angewisen. vnd hertzog Heinrichen in schlesia vermehelt het drey suene vnnd souil toechter. Auß den der elter in einem streyt wider die vnglawbigen erschlagen wardt. Dise heillige Hedwig hat ein edels closter cistercier ordens zu Trebnitz nlt verre von Preßlaw gepawen. vnd darinn Gertrawten ir toch tochter vber hundert iunckfrawen zu ebbtissin gesetzt vnnd nach absterben irs gemahels auch daselbst innen ein heilligs leben gefueert. vnd wardt dach iren seligen absterben von irer vilfeltigen wunderzaichen wegen in der heilligen zal geschriben.
Linie der Päpste: Gregor der Zehnte. Gregor der Zehnte, ein Italiener aus Piacenza, aus einem Grafengeschlecht, das aus Mailand vertrieben wurde, geboren, ehemals Theobald genannt, ein Erzdiakon aus Lodi, der sich in Asien aufhielt, wurde in Viterbo in einer Versammlung der Kardinäle zum Papst gewählt. Dieser war in seinem ganzen Leben ein berühmter Mann, in der Abwicklung seiner Angelegenheiten und Geschäfte klug und umsichtig, tapfer und standhaft, ein Verächter des Geldes und weltlicher Dinge, gütig, mild und sanftmütig gegenüber den Armen Christi und besonders gegenüber denen, die zur Obhut des päpstlichen Stuhles Zuflucht suchten. Er unternahm es sogleich nach Annahme des Papsttums, durch die Mitwirkung der Umsicht des vorgenannten Königs Philipp von Frankreich, den schweren Krieg und Aufruhr, der damals zwischen den Genuesern und Venezianern herrschte, zu schlichten. Nach der Beilegung desselben zog er mit Karl, dem König von Sizilien, nach Florenz. Dort bemühte er sich mit Unterstützung König Karls, aus Mitleid mit den elenden, aus der Stadt vertriebenen Bürgern, diese wieder einzusetzen. Danach zog der Papst nach Lyon, um dort ein Konzil abzuhalten. Dorthin kam Palaiologos, der konstantinopolitanische Kaiser. So wurde Rudolf von den Kurfürsten zum römischen König gewählt. Nach guter Abwicklung dieses Konzils kehrte der Papst wieder in die welschen Lande zurück. Dort kam Alfons, der König von Kastilien, unterwegs zu ihm und beklagte sich über die Wahl König Rudolfs zum Kaisertum und dass seine Gerechtigkeit, die er aus einer zuvor erfolgten Wahl zum Reich hatte, nicht respektiert worden sei. Aber der Papst besänftigte denselben Alfons mit vielen Gründen und guten Worten, sodass er auf seine vermeintliche Forderung und Gerechtigkeit gegenüber dem neu erwählten römischen König verzichtete und sie aufgab. So zog dieser Papst fortan nach Arezzo, dort starb er im fünften Jahr seines Papsttums. Innozenz der Fünfte. Innozenz der Fünfte, ein Burgunder, zuvor Petrus Tarentasiensis genannt, vom Orden des Heiligen Dominikus, ein hochgelehrter Mann der Heiligen Schrift, wurde nach der Geburt Christi im Jahre 1275 in Arezzo zum Papst gewählt. Zur selben Zeit schickten die Florentiner ihre bedeutende Botschaft nach Rom, um die Aufhebung des Bannes zu erwirken, unter dem sie standen. Diese erlangten sie von diesem Papst. Er hätte die Genueser und Venezianer auf seine Seite gezogen, wäre er nicht vom Tod übereilt worden, denn er starb im sechsten Monat seines Papsttums in der Kirche des Heiligen Johannes. Hadrian der Fünfte. Hadrian der Fünfte, ein Genueser, ehemals Ottobono genannt, wurde in Rom in der Laterankirche des Heiligen Johannes zum Papst angenommen und war Papst Innozenz dem Vierten durch Verwandtschaft verbunden und von ihm zuvor zum Kardinal gemacht worden. Dieser war ein Mann von großem Geist und zog sogleich nach Übernahme des päpstlichen Amtes nach Viterbo, in der Absicht und dem Willen, Pläne zu schmieden, um die Macht Karls zu mindern, und sandte deshalb zu König Rudolf, damit dieser zu ihm komme. Dieser war darin aufgrund der Behinderung durch den Krieg, den er gegen den König von Böhmen führte, säumig. Und dieser Papst hatte die Absicht, viele gute Dinge zu behandeln, aber er wurde vom Tod ereilt und starb am 50. oder 40. Tag seines Papsttums in Viterbo. Konzil zu Lyon. Ein Konzil oder große Versammlung wurde dieses Jahres in Lyon von Papst Gregor dem Zehnten unternommen. Darin wurde erstlich über Hilfe oder Rettung Jerusalems gehandelt. Dorthin kam Michael Palaiologos, der griechische Kaiser, mit einem großen Gefolge und willigte zum dreizehnten Mal in die Vereinigung der orientalischen mit der abendländischen oder römischen Kirche ein, zur Verärgerung des griechischen Volkes. Etliche wohlgeborene und Edelleute aus Skythien, die mit dem genannten Kaiser kamen, empfingen die Taufe und bekannten den christlichen Glauben. So wurde Rudolf von den Kurfürsten zum römischen König erwählt und von Papst Gregor in dem Konzil aufgenommen, unter der Bedingung, dass er im folgenden Jahr friedlich in die welschen Lande komme und die kaiserliche Krone und Salbung empfange und danach der Stadt Jerusalem seine größte Hilfe und Rettung, soviel er vermöchte, zukommen lassen sollte. Weltchronik Blatt 216, Jahr Christi 1273. Linie der Kaiser: Rudolf. Rudolf, Graf von Habsburg, wurde nach langer Vakanz des römischen Kaisertums und Zerrüttung der Güter des römischen Reiches, durch allgemeine einstimmige Wahl der Kurfürsten zum römischen König erwählt, unter der Bedingung, wie zuvor steht, im Jahr danach zur Empfangnahme der kaiserlichen Krone nach Rom zu ziehen und zur Rettung des Heiligen Landes von Papst Gregor bestätigt. Denn er war ein kluger, umsichtiger, planvoller Mann, in seinen Handlungen streng und ernsthaft mit Waffen und Wehr, gerecht, gottesfürchtig und an Vortrefflichkeit, allem Lob und Preis unübertrefflich, starken Leibes, schönen Antlitzes, ratsam, großmütig und besonders mild und freigebig. In Betrachtung und Einschätzung solcher löblicher Art und Eigenschaft wurde er zum Kaiser und herrschte 19 Jahre in viel Mühsal und Arbeit, die Angelegenheiten und Händel der deutschen Nation und Länder betreffend. Nun war dieser Rudolf einst Hofmeister Ottokars, des Königs von Böhmen, gewesen. Als er aber zu einem Vogt und Vorkämpfer des allgemeinen christlichen Nutzens erwählt wurde, da ließ er durch seine kaiserliche Botschaft von demselben Ottokar Österreich, Kärnten und andere an die welschen Lande stoßende Gegenden als zum römischen Kaisertum gehörend einfordern. Denn als Herzog Friedrich von Österreich ohne leibliche Erben mit dem Tod verging, da empfing Margaretha, seine Schwester, die Erbschaft desselben Landes und verheiratete sich mit dem genannten Ottokar und erlangte so das österreichische edle Fürstentum. So hatte Ulrich, der damals das Fürstentum Kärnten besaß, auch keine leiblichen Erben. Darum verkaufte er dem Ottokar Kärnten, Krain und die Windische Mark und anderes mehr. Und nachdem aber Österreich kein freies Lehen war und Ulrich ohne Geheiß oder Einwilligung eines römischen Kaisers die genannten Länder und Gegenden, als zum Reich gehörend, zu verkaufen, keine Macht gehabt hätte, darum begehrte Kaiser Rudolf von Ottokar, ihm dies alles abzutreten. Dem widersetzte sich Ottokar, der böhmische König. Doch wurden sie durch Vermittlung geeinigt, sodass Österreich dem Kaiser zufallen sollte und sie beide auf beiden Seiten ihre Kinder miteinander verheiraten und die Länder, um die der Unwille war, zu Heiratsgütern werden sollten. Und der böhmische König schwor dem Kaiser, die Dinge so zu halten. Aber der König wurde durch sein Weib mit Worten so angereizt, dass er wider den Kaiser ein großes Heer sammelte. Diesem begegnete der Kaiser und erschlug den König in einem großen Streit. Zuletzt starb er vor Alter und Schwachheit in Erfurt, und sein Leichnam wurde nach Speyer geführt und bei anderen Kaisern begraben. Aber von seinem Absterben kam Guta, seine Tochter, mit Wenzel, König von Böhmen, ihrem Gemahl, dem Sohn Ottokars, zu ihm nach Erfurt. Konradin. Konradin, Kaiser Friedrichs des Schwaben Enkel, geboren von Konrad, seinem Sohn, zog auf Anrufen der Ghibellinen wider die Guelfen mit großem, mächtigem Heer de