Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Alexander von ales doctor ALexander von ales ein vnwidertreiblicher vnnd fuernemer lerer hat auch dise zeit mit seiner kunst vnd lere nit wenig erleuechtet. vnd auß seiner sinnreichigkeit auff des babsts Innocentii befelhe vnd gepote gar ein schrift reiche vnnd loebliche summ in der heilligen schrift gesammelt. vnd sunst vil tapffers guots dings beschriben vnd das alt vnd new testament schier alles außgelegt. vnd da mit verdient das er ein prunn des lebens genant wirdt. Auß goettlicher weißheit vnnd sundrer andacht vnd innigkeit die er zu der allerseligsten iunckfrawen Marie het empfieng er in den letsten tagen das klaid der brueeder sant Franciscen ordens. dann er verhieße wenn ymant in irem namen ettwas das muoglich wer an ine begeret so woelt er das volziehen. Nw begegnet ime einer sant Franciscen brueeder mit eim sack dz almuosen durch die statt sammlende. der sprach zu Alexandro. So ir langzeit der werlt in großem ruom dient. vnnd vnßer orden keinen maister hat so bit ich euch vmb gottes vnd der iunckfrawen seiner muter liebe willen ir woellet ewrer sele zu nutz vnd vnßerm orden zu eren vnßer klaid annemen. do antwurtet er. ich wil dir pald nachfolgen vnd tuon was du hast begert. also verließe er die werlt vnd gieng in den orden. Guido bonatus GVido bonatus ein sternseher was diser zeit in derselben kunst vnd practica also erfarn das ime darinn nichtz vnbekannt was Martinus scotus MArtinus scotus cistercienser ordens großer lere vnd sunderlichs lebens ist diser zeit zu rom in großem weerde gewest vnd hat ein kurtz geschihtbuch gesammelt vnd das nach ime martinianam genant. Aber diss lob schreiben die prediger einem bischoff irs ordens Martinus genant zu Alexander der villa dei ALexander de villa dei ein lerer der heilligen schrifft. sant Benedicten (ettlich sagen sant Franciscen) ordens hat diser zeit fuer die schuoler gar ein nuetzlichs buch geschriben vnd das in drey tayl getaylt. vnd faht sich also an Scribere clericulis etc. Vincentius prediger ordens VIncentius auß burgundia puertig ein gschihtbschreiber vnd maister der helligen schrift ein bruder prediger ordens hat diser zeit auch geleuechtet vnd vil vnzallich historien vnd sunnst von mancherlay materien vil treffenlichs loeblichs dings geschriben. DIe Florentiner brachten sich nach absterben kayser Friderichs der sie so fast bekuemmert het widerumb zu freyheit vnd fueerten die guelfos von demselben kayser vertriben wider haym vnnd richteten sich widerumb auff zu rechtem stand vnd wesen loeblichs regiments. Wittracht vnd krieg entstunden diser zeit zwischen den venedigern vnd genuesern von eins closters wegen in asia. denselben beden stetten vnd dem gantzen cristenlichen stand zu großem schaden vnd beschwerde. Hostiensis ein cardinal MIchael paleologus ein kriechischer man dem kriechischen kaiser theodoro mit freuendschaft verwandt vertribe die gallier vnd venediger auß kriechenland vnnd er schluog desselben kaisers zwen suen. die ime doch als eim vormund befolhen warn. vnd vnderstuond sich des kaiserthumbs vnd regiret. xlv. iar. vnnd also endet sich das kaiserthumb der lateinischen vnd fiengen an die kriechen zeregiren vnd hielten das kriechisch kaiserthumb hundert.xcvi.iar bis nach der gepurt cristi tawsent.iiiic.liiii.iar. HEmricus der hostiensisch cardinal was in menschlichen vnd goettlichen rechten diser zeit ein hohgelert man vnd darumb bey babst Alexandro hohgeachtet. vnd hat auff desselben babsts begern vil nuetzlichs guots dings. vnnd ein wunderwirdige summ in beden rechten geschriben. ODofredus der ander ein hohgelert man werltlicher recht hat diser zeit auch vil loeblicher schriften in demselben rechten gemacht. Aymo ein engellendischer ein general parfuoßer ordens ein hohgelert man der heilligen schrift hat zu der zeit der hieuor geschriben mann auch geplueet. S. Thomas von aquino THomas von aquin prediger ordens ein doctor. ein iunger des großen Alberti auß grafen geschlecht in der nachpawrschaft apulie vnd sicilie puertig ist zu den zeitten als die bewegnussen vnnd auffruor in dem koenigreich Sicilie wandelper wesende koenig Cunrat der schwab die statt Aquinum zerstoeret durch seine edeln eltern die in derselben statt die oebersten waren vnd von dannen fluhen den brueedern des cassinensischen closters auffzeziehen befolhen worden. alda hat er sich auff die lernung vnd gaistlichkeit zebegeben angefengt vnd darnach auß laytung goetlicher gnaden. mit der er von kintheit auff begabt was sant Dominici orden angenomen. vnd ein fast gaistlich vnd volkomen leben bis an sein ende volbracht. vnd darinn zu solcher vbertreffenlichkeit schriftlicher kunst vnd weißheit glangt. nymant vber ine wesende gefunden wardt. dann er zohe gein Coelne vnd name also zu das er nach etlichen iaren zu parys die ersten statt der lere hielt. Daselbst hat er vier also treffenliche bueecher gemacht das er ein englischer lerer genant wardt. Als er darnach von babst Vrbano gein rom gefordert vnd ime hoher stand der wirdigkeit angepoten wardt. do verachtet er die hohen stend vnd ergabe sich gantzen auff lesen vnd beschreibung. vnd hat vil tapfferer loeblicher ding beschriben. vnd schoene lawtere außlegung vnd erklerung nit allain der heilligen schrift. sunder auch natuerlicher kunst gemacht. zusambt dem das er auch in ruom der wunderwerck fast namhaftig gewest ist. Zu letst wardt er abermals gein rom gefordert in das concili gein Lyon durch Gregorium den zehenden fuergenomen zeziehen. Als er aber zu dem cassinischen berg komen was do bigriffe ine ein kranckheit vnd starb nach der gepurt cristi tawsent.iic.lxxiiii. iar am sibenden tag des monats marcii heilligclich. Den darnach babst Johannes der xxii. von manigfeltiger wunderzaichen wegen in die zal der heilligen beichtiger vnd lerer hat woellen schreiben zu Auion nach der gepurt vnßers haylands tawsent.iiic.xx. vnd drey iar. das geschahe nach seinem außgang auß diser werlt im fuenftzigsten iar. Carolus koenig CArolus koenig Ludwigs zu Franckreich bruder nach absterbem Mamfredi von babst Clemente ein koenig Sicilie erklert hat. xvii. iar geregirt. vnd also vnlang darnach die koenigreich Sicilie vnd apulie in seinen gewalt gebracht. Darnach zohe er pald mit allem heer gein Viterbium zum babst. Als er aber daselbst hoeret das Conradinus der iungling koenig Cunrats des schwaben enicklein von den gebellinern wider die gwelfiner in welsche land gefordert worden wer do zohe er in ethruriam. daselbst beschahe ein großer streyt vnd Conradinus wardt gefangen vnd enthawbtet. Diser Carolus machet darnach mit den Pisanern frid vnd zohe mit inen in affricam seinem bruder koenig Ludwigen zu hilf. aber nach dem er ine daselbst todt funde do machet er mit dem koenig Cunici frid. mit geding das er ime vnd seinen nachkomen ewigclich alle iar einen zinss gebe. 300px DIe seckt oder irrglawb der gaislenden hat in welschem land vrsprung gehabt vnnd von dannen in teuetsche land vnd in galliam gekrochen. Dieselben gaiselten sich mit geknoepften vnd mit stacheln darein verfasten gaiseln. Darauß entstuond vil irrung beym glawben vn den sacramenten Die zu letst zum tail mit fewr vnnd schwert außgerewtet wardt. DIe lerer der heilligen schrift sagen das diser zeit diss hernachgeschriben gebet von hohen lewten gelobt vnd von babst Clemente von koenig Ludwigs des heilligen bete wegen mit dreyer iar ablass als offt man das spricht begabt worden.Gesegnet sey der sueeß namen des herren Jhesu cristi vnd der gloriwirdigsten iunckfrawen Marie seiner muoter ewigclich vnd hinueber amen. Die iunckfaw Maria mit irem gueetigen sun gesegne vns. Philippus koenig PHilippus sant Ludwigs des koenigs sun hat sich nach absterben seins vaters vnd bruders in affrica des koenigclichen regiments vnderfangen vnd.xv.iar geregirt vnd was in heilligkeit des lebens seinem vater fast gleich. vnd fluhe vor der pestilentz auß affrica in welsche land vnd stellet zwischen den Genuesern vnd venedigern frid auff fuenff iar. vnd vbet anhayms vnd außerhalb vmb cristenlichs glawbens willen vil loeblicher werck der gueetihkeit. Vnd sunderlich hat er sannt Marie magdalene leichnam zu Massilia mit einem zierlichen grad vnnd groeßern capellen gezieret. vnd ir hawbt besunder in einem schreinlein verschloßen.
Alexander von Hales, ein unübertrefflicher und hervorragender Lehrer, hat auch diese Zeit mit seiner Kunst und Lehre nicht wenig erleuchtet. Und aus seiner Sinnreichigkeit hat er auf Befehl und Gebot Papst Innozenz’ eine sehr schriftreiche und lobenswerte Summe in der Heiligen Schrift gesammelt. Und sonst viel Tapferes, Gutes beschrieben und das Alte und Neue Testament schier alles ausgelegt. Und damit verdient, dass er ein „Brunn des Lebens“ genannt wird. Aus göttlicher Weisheit und besonderer Andacht und Innigkeit, die er zu der allerseligsten Jungfrau Maria hatte, empfing er in den letzten Tagen das Kleid der Brüder des heiligen Franziskus-Ordens. Denn er versprach, wenn jemand in ihrem Namen etwas, das möglich wäre, von ihm begehrte, so wollte er das vollführen. Nun begegnete ihm einer der Brüder des heiligen Franziskus mit einem Sack, das Almosen durch die Stadt sammelnd. Der sprach zu Alexander: „So Ihr lange Zeit der Welt in großem Ruhm dientet und unser Orden keinen Meister hat, so bitte ich Euch um Gottes und der Jungfrau, seiner Mutter, Liebe willen, Ihr wollet Eurer Seele zum Nutzen und unserem Orden zu Ehren unser Kleid annehmen.“ Da antwortete er: „Ich will dir bald nachfolgen und tun, was du begehrt hast.“ Also verließ er die Welt und ging in den Orden. Guido Bonatus, ein Sternseher, war dieser Zeit in derselben Kunst und Praxis so erfahren, dass ihm darin nichts unbekannt war. Martinus Scotus, des Zisterzienserordens, großer Lehre und besonderen Lebens, ist dieser Zeit zu Rom in großem Wert gewesen und hat ein kurzes Geschichtsbuch gesammelt und das nach ihm „Martinianam“ genannt. Aber dieses Lob schreiben die Prediger einem Bischof ihres Ordens, Martinus genannt, zu. Alexander de Villa Dei, ein Lehrer der Heiligen Schrift, des heiligen Benedikt- (etliche sagen des heiligen Franziskus-) Ordens, hat dieser Zeit für die Schüler gar ein nützliches Buch geschrieben und das in drei Teile geteilt. Und es fängt sich also an: „Scribere clericulis etc.“ Vinzenz von Beauvais, aus Burgund gebürtig, ein Geschichtsschreiber und Meister der Heiligen Schrift, ein Bruder des Predigerordens, hat dieser Zeit auch geleuchtet und viele unzählige Historien und sonst von mancherlei Materien viel Treffliches, Lobenswertes geschrieben. Die Florentiner brachten sich nach dem Absterben Kaiser Friedrichs, der sie so sehr bekümmert hatte, wieder zur Freiheit und führten die Guelfen, von demselben Kaiser vertrieben, wieder heim und richteten sich wieder auf zu rechtem Stand und Wesen lobenswerten Regiments. Zwietracht und Krieg entstanden dieser Zeit zwischen den Venezianern und Genuesern wegen eines Klosters in Asien, denselben beiden Städten und dem ganzen christlichen Stand zu großem Schaden und Beschwerde. Hostiensis, ein Kardinal. Michael Palaiologos, ein griechischer Mann, dem griechischen Kaiser Theodoros mit Freundschaft verwandt, vertrieb die Gallier und Venezianer aus Griechenland und erschlug desselben Kaisers zwei Söhne, die ihm doch als einem Vormund befohlen waren. Und unterstand sich des Kaisertums und regierte 45 Jahre. Und also endete sich das Kaisertum der Lateiner und fingen an die Griechen zu regieren und hielten das griechische Kaisertum 196 Jahre bis nach der Geburt Christi 1454 Jahre. Henricus, der hostiensische Kardinal, war in menschlichen und göttlichen Rechten dieser Zeit ein hochgelehrter Mann und darum bei Papst Alexander hochgeachtet. Und hat auf desselben Papstes Begehren viel Nützliches, Gutes und eine wunderwürdige Summe in beiden Rechten geschrieben. Odofredus der andere, ein hochgelehrter Mann weltlicher Rechte, hat dieser Zeit auch viel lobenswerter Schriften in demselben Recht gemacht. Aymo, ein Engländer, ein General des Barfüßerordens, ein hochgelehrter Mann der Heiligen Schrift, hat zu der Zeit der hiervor geschriebenen Männer auch geblüht. Thomas von Aquin, Predigerordens, ein Doktor, ein Jünger des großen Albertus, aus Grafengeschlecht in der Nachbarschaft Apuliens und Siziliens gebürtig, ist zu den Zeiten, als die Bewegnisse und Aufruhr in dem Königreich Sizilien wandelbar waren, König Konrad der Schwabe die Stadt Aquinum zerstörte, durch seine edlen Eltern, die in derselben Stadt die Obersten waren und von dannen flohen, den Brüdern des cassinensischen Klosters aufzuziehen befohlen worden. Alda hat er sich auf die Lernung und Geistlichkeit zu begeben angefangen und darnach aus Leitung göttlicher Gnaden, mit der er von Kindheit auf begabt war, den Orden des heiligen Dominikus angenommen. Und ein fast geistliches und vollkommenes Leben bis an sein Ende vollbracht. Und darin zu solcher Übertreffenlichkeit schriftlicher Kunst und Weisheit gelangt, dass niemand über ihn seiend gefunden ward. Dann er zog gen Köln und nahm also zu, dass er nach etlichen Jahren zu Paris die ersten Stätten der Lehre hielt. Daselbst hat er vier also treffliche Bücher gemacht, dass er ein „englischer Lehrer“ genannt ward. Als er darnach von Papst Urbanus gen Rom gefordert und ihm hoher Stand der Würdigkeit angeboten ward, da verachtete er die hohen Stände und ergab sich ganz auf Lesen und Beschreibung. Und hat viel tapferer, lobenswerter Dinge beschrieben. Und schöne, lautere Auslegung und Erklärung nicht allein der Heiligen Schrift, sondern auch natürlicher Kunst gemacht. Zusammen mit dem, dass er auch im Ruhm der Wunderwerke fast namhaftig gewesen ist. Zuletzt ward er abermals gen Rom gefordert, in das Konzil gen Lyon, durch Gregor den Zehnten vorgenommen zu ziehen. Als er aber zu dem cassinischen Berg gekommen war, da begriff ihn eine Krankheit und starb nach der Geburt Christi 1274 Jahre am siebten Tag des Monats März heiliglich. Den darnach Papst Johannes der XXII. von mannigfaltiger Wunderzeichen wegen in die Zahl der heiligen Beichtiger und Lehrer hat wollen schreiben zu Avignon nach der Geburt unseres Heilands 1323 Jahre. Das geschah nach seinem Ausgang aus dieser Welt im fünfzigsten Jahr. Karl, König Ludwigs zu Frankreich Bruder, nach Absterben Manfreds von Papst Clemens ein König Siziliens erklärt, hat 17 Jahre regiert. Und also unlang darnach die Königreiche Sizilien und Apulien in seinen Gewalt gebracht. Darnach zog er bald mit allem Heer gen Viterbo zum Papst. Als er aber daselbst hörte, dass Konradin, der Jüngling, König Konrads des Schwaben Enkel, von den Ghibellinen wider die Guelfen in welsches Land gefordert worden wäre, da zog er in Etrurien. Daselbst geschah ein großer Streit und Konradin ward gefangen und enthauptet. Dieser Karl machte darnach mit den Pisanern Frieden und zog mit ihnen in Afrika seinem Bruder König Ludwig zu Hilfe. Aber nachdem er ihn daselbst tot fand, da machte er mit dem König von Tunis Frieden, mit der Bedingung, dass er ihm und seinen Nachkommen ewiglich alle Jahre einen Zins gebe. Die Sekte oder Irrgläubigkeit der Geißelnden hat in welschem Land Ursprung gehabt und von dannen in deutsches Land und in Gallien gekrochen. Dieselben geißelten sich mit geknüpften und mit Stacheln darein verfassten Geißeln. Daraus entstand...