Schedelsche Weltchronik · Blatt 214

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 214, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 214, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Linea der bebst // Vrbanus der vierd VRbanus der vierd auß gallia puertig ein patriarch zu iherusalem wardt nach alexandro zu babst erkorn. vnd wiewol er auß niderm demueetigem geschlecht geporn wz so was er doch ein fuertreffenlicher außpuendiger wolberedter man. Als er eins mals schmahred hoeret auff mainung das er von eim schlechten vnedeln vater geporn wer. do saget er die antwurt. Nit die leiplich gepurt sunder ein tugentlichs leben vnd loblich that machen den man edel. Diser babst hat das hohzeitlich fest vnßers herren fronleichnams auffgesetzt vnd dar zu großen ablass verlihen. Diser Vrbanus name ime fuer das er der kirchen groeßern reichtumb zutragen woelt vnnd demselben nach so ließ er die mit dem creuetzgezaichenten faren vnnd vermanet graff Karln von franckreich koenig Ludwigs oeheim vnd tochterman sich der sachen des schirms der kirchen anzenemen. dar zu erpote sich karl dem babst vnd koenig zegefallen gar willig. Als aber ime verkuendet wardt das diser babst tod wer. do maynet man es wuerd sein fuernemen nit fuergang gewinnen. den der babst starb zu perus in dem virden iar seins babstthumbs vnd wardt in der bischoflichen kirchen daselbst begraben. vnd der babstlich stuol feyret deßmals fuenff monat. Diser Vrbanus wz den petel oerden mit fuerdernus gunst vnd freyheiten fast genaygt. beystendig vnnd ersprießlich. Clemens der vierd CLemens der vierdt dauor Gwido fulcodii genant. von Narbona wardt von seiner heilligkeit vnd lere wegen billich zu babst erkorn. Er was der fuernemst vnd foerderst rechtgelert man in allem franckreich. vnd der treffenlichst ratgeb an dem koenigclichen hof daselbst. Er het auch weib vnd kinder. aber nach absterben seins weibs wardt er erstlich ein podiensischer bischoff. darnach ein narbonenscher ertzbischoff. nachfolgend ein cardinal. vnd zu letst ein babst erwelet. dann babst Vrbanus sein vorfarn het inen als einen cardinal gross lobs ruoms vnd werltlicher hendel vnd sachen geuebten als einen babstlichen legaten außgeschickt die sachen der irrung zwischen koenig Heinrichen zu engelland vnd den grafen montisfortis zerichten vnd zeuertragen. In mitler zeit starb vrbanus vnd ward diser Clemens an sein stat babst erkorn also das er anhayms keren muoßt. vnd es was ein große notturftigkeit das diser babst in welsche land kome. aber er besorget sich vnderwegen vor Mamfredo dem entsetzten koenig Sicilie das er in eins petelmuenchs klaidern zu land zohe. also do er gein Perus kome do fueereten ine die cardinel gein viterbium. daselbst handlet er mitsambt den cardineln von den sachen durch den obgenanten Carolum anzenemen. aber vnlang darnach zohe Carolus mit schiffung vnd pflegnus seins babstlichen ambts also fuersichtigclich. beschaidenlich vnd loeblich gehalten das er der kirchen gueeter mer zu almuosen vnd goetlichen guoten wercken dann seinen freuenden vnd gesyppten gegeben hat. Vor vnd ee er babst wardt starb ime sein weib vnd ließe ime zwu toechter. derselben einer gabe er in ein closter. xxx. pfund. vnd der andern zu einem eemann iiic. turonensische pfund zu heyrat guot mit dem geding das sie nichtz weytter an ine fordern solten. So het er einen gesyppten freuend der het drey pfruend. denselben drunge er darzu das er nuor eine welche er woelt behalten vnd die andern zwu faren lassen solt. Als ine aber sein freuend baten ime ein groeßere pfruend zegeben do antwurtet er vnd sprach das er got dem herren vnd nit dem flaisch noch pluot lebet. Er starb darnach zu viterbio seligclich vnd feyret der stuol auß zwittracht der cardinel zway iar. Bernhardus ein doctor right BErnhardus compestellanus ein hoherfarner briester vnd lerer beder rechten des obgenanten babsts Innocentii diener vnnd capellan wardt auß desselben babsts ebenpild vnd fleiß also bewegt dz er ettwieuil schoener schrift in den rechten vnd anderm gemacht vnd hinder ime gelaßen hat NAch der gepurt cristi tawsent zwayhundert.lxiii. iar erschine ein mercklicher großer comet. vber drey monat vom auffgang bis in das mittel des hymels steygende vnd sein straymen gein dem nydergang streckende. vnd in der nacht darinn Vrbanus starb hoeret diser comet auff zescheynen. der werlt Blat CCXIIII Linea der kaiser // Alphonsus Richardus DEs roemischen reichs churfuersten warden nach absterben kaiser Friderichs vnd Cunrats seins suns nach der gepurt cristi tawsent.ijc.lvi. iar in der wale eins roemischen koenigs also zwittrechtig das sie zwen koenig. Nemlich Alphonsum den koenig castelle vnd Richardum grafen zu Cornubia. oder Comarchum de koenigs zu engelland bruder. aber ir keiner wardt bestettigt. also das das roemisch kaiserthumb abermals ettliche iar on ein hawbt blib bis an die zeit babsts Gregorii des zehenden vnd koenigs Rudoffen. DEr geschihtbeschreiber Ptolomeus lucensis setzt von Carolo gar klerlich das derselb Karolus mitsambt Beatrice seiner gemahel durch ettlich cardinel von babst Clemente darzu gesendt in sannt Johanßen kirchen zu rom mit den koenigclichen kronen iherusalem vnd sicilie bekroenet worden seyen. So ist auch wissentlich das diser carolus vor annemung derselben kron zugesagt. sich verpflicht vnd verschriben hab zu pension der lehenschaft. vnd zu veriehung vnd bekenntnus der vndertanigkeit der roemischen kirchen ierlich. xlviiim. guldein zeraichen. In denselben verpuentnuossen sey auch beschloßen. das einichen nachkomen die pflegnus des roemischen kaiserthumbs. ob ime auch solchs von den churfuersten befolhen wer anzenemen gezymmen sol. vnd solcher beschluoß geschahe auß betrachtung vnd angedechtnus der vergangnen kaiser Friderichs des ersten vnd ander zeit. vnd auch der deßmals gegenwuertigen auffruor vnd zwilewftigkeit. dann Alphonsus wolt das roemisch kaiserthumb dar zu er in der zwittracht erwelet was mit dem schwert vnd gabe annemen. So hetten die churfuersten in verachtung oder kleinschetzung des cornubischen grafen leichtlich in disen Carolum verwilligt. das wer denn alphonso verdrießlich gewest. vnd het villeicht welsche land mit heereßkraft vberzogen wo er sich vor Heinrichen vnd Friderichen seinen bruedern. dero er einen in franckreich vnd den andern in Affricam verschickt het nit het doerffen besorgen das sie ime villeicht in myttler zeit in das castellisch koenigreich fallen moechten. EIn wunderperliche pilgrammschaft hat sich diser zeit nit allain in Welschem land sunder auch außerhalb vnder dem volck erhebt. So warden auch bey zweyntzigtawsent kindere auß teuefellischem gespenst mit dem creuetz bezaichnet vnd zohen schar weiß an mancherlay pforten des meers. vil warden von den meer rawbern gefangen vnd gar wenig komen widerumb anhayms. Albertus der gross ALbertus der gross genant auß schwaben land von der statt Lawgingen an der Thonaw gelegen puertig prediger ordens ist diser zeit zu parys ob menigclichem der beruembst. der namhaftigst loeblichst lerer der kirchen. ein schein vnd ziere teuetschs lands. vnd an heilligkeit des lebens vnd der lere also gross gewest das nymant vber ine noch ime zegleichen was. darumb wardt er der gross Albertus genant. Nach der gepurt cristi tawsent.iic.lxii. iar wardt er bischoff zu Regenspurg gesetzt. aber von lieb wegen der lere ließe er das bistthumb vnd hat vil iar zu Coeln vnd zu Parys die heilligen schrift vnd die philozophey geleret. vnd vil schoener nuetzlicher scharpffer. subtiler vnd verstentlicher außlegung. nit allain der heilligen schrifft. sunder auch der buecher natuerlicher kunst vnd anders gar treffenlich begriffen. In sunderheit hat diser lerer gesetzt das ein schlechte betrachtung des leydens cristi nuetzer sey denn ein gantz iar zewasser vnd zeprot vasten. oder teglichen sich bis zu pluotuergiessung gaiseln etc. Von solcher großer frucht wegen das yederman mit leichter arbait moecht großen lon verdienen ist das buoch mit namen der Schatzbehalter zu Nuermberg gedruckt worden das einen leichten weg zu der ewigen seligkeit leret. Zu letst starb er zu Coeln im. lxxxvii. iar seins alters vnd wardt daselbst in des heilligen creuetz kirchen eerlich begraben. vnd hat (als man sagt) in seinem leben vnd nach seinem tod wunderzaichen geuebet. Bonauentura cardinal BOnauentura auß Tuscia puertig hat bey dem. xxii. iar seins alters das klaid sant Franciscen ordens angenomen. vnd kome auß lere vnd anweysung Alexanders von ales zu solcher volkomenheit schriftlicher wissenheit das er in dem sibenden iar seins eingangs als ein maister die andern in der heiligen schrifft leret. In dem. xiii. iar seins eingangs in disen orden wardt er ein general. vnd darnach ein cardinal. Zu sambt seiner großen heilligkeit was er mit der gnaden der synnschicklichkeit vnd großer glawbwirdigkeit also begabet das sein ruom in aller werlt erlawtet. So hat er gar vil treffenlicher zu andacht vnd innigkeit raytzende ding geschryben. Nach verascherung seins leibs wardt sein hertz noch vnuerwesen gefunden. darumb vnnd von seiner manigfeltigen wunderzaichen wegen ist er von babst Sixto dem vierden nach der gepurt cristi tawsent.iiiic.lxxxii. iar in der heilligen beichtiger schar billich geschriben worden.

Moderne Übersetzung

Linie der Päpste. Urban IV. Urban IV., aus Gallien gebürtig, ein Patriarch zu Jerusalem, wurde nach Alexander zum Papst gewählt. Und obwohl er aus niedrigem, demütigem Geschlecht geboren war, so war er doch ein vortrefflicher, hervorragender, wohlredender Mann. Als er einmal Schmähreden hörte, die besagten, dass er von einem schlechten, unedlen Vater geboren sei, da gab er zur Antwort: „Nicht die leibliche Geburt, sondern ein tugendhaftes Leben und lobenswerte Taten machen den Menschen edel.“ Dieser Papst hat das hochzeitliche Fest unseres Herrn Fronleichnams eingesetzt und dazu großen Ablass verliehen. Dieser Urban nahm sich vor, der Kirche größeren Reichtum zuzutragen, und demgemäß ließ er die mit dem Kreuz Gezeichneten ziehen und ermahnte Graf Karl von Frankreich, König Ludwigs Onkel und Schwiegersohn, sich der Sache des Schutzes der Kirche anzunehmen. Dazu erbot sich Karl dem Papst und König sehr willig, zu gefallen. Als ihm aber verkündet wurde, dass dieser Papst tot sei, da meinte man, es würde sein Vorhaben nicht vorankommen. Denn der Papst starb zu Perugia im vierten Jahr seines Papsttums und wurde in der bischöflichen Kirche daselbst begraben. Und der päpstliche Stuhl war damals fünf Monate vakant. Dieser Urban war den Bettelorden mit Förderung, Gunst und Freiheiten sehr zugeneigt, beiständig und ersprießlich. Clemens IV. Clemens IV., zuvor Guido Fulcodi genannt, von Narbonne, wurde wegen seiner Heiligkeit und Lehre billigerweise zum Papst gewählt. Er war der vornehmste und führende rechtsgelehrte Mann in ganz Frankreich und der trefflichste Ratgeber am königlichen Hof daselbst. Er hatte auch Weib und Kinder, aber nach dem Absterben seines Weibes wurde er erstlich ein Bischof von Le Puy, danach ein Erzbischof von Narbonne, nachfolgend ein Kardinal und zuletzt ein Papst erwählt. Denn Papst Urban, sein Vorgänger, hatte ihn als einen Kardinal, der großen Lobes, Ruhmes und weltlicher Händel und Sachen kundig war, als einen päpstlichen Legaten ausgeschickt, um die Angelegenheiten des Streits zwischen König Heinrich von England und dem Grafen Montfort zu schlichten und beizulegen. In der Zwischenzeit starb Urban, und dieser Clemens wurde an seine Statt zum Papst gewählt, sodass er heimkehren musste. Und es war eine große Notwendigkeit, dass dieser Papst in die welschen Lande käme, aber er besorgte sich unterwegs vor Manfred, dem abgesetzten König Siziliens, sodass er in Kleidern eines Bettelmönchs zu Lande zog. Als er also nach Perugia kam, da führten ihn die Kardinäle nach Viterbo. Daselbst handelte er mitsamt den Kardinälen von den Angelegenheiten, die durch den obgenannten Karl anzunehmen waren. Aber unlängst danach zog Karl mit Schifffahrt und führte die Angelegenheiten, die ihm vom Papst übertragen wurden, so vorsichtig, bescheiden und löblich, dass er die Güter der Kirche mehr zu Almosen und göttlichen guten Werken als seinen Freunden und Verwandten gegeben hat. Bevor und ehe er Papst wurde, starb ihm sein Weib und hinterließ ihm zwei Töchter. Der einen gab er in ein Kloster 30 Pfund, und der anderen zu einem Ehemann 300 turonensische Pfund als Heiratsgut, mit der Bedingung, dass sie nichts Weiteres von ihm fordern sollten. So hatte er einen verwandten Freund, der hatte drei Pfründen. Diesen drängte er dazu, dass er nur eine, welche er wollte, behalten und die anderen zwei aufgeben sollte. Als ihn aber seine Freunde baten, ihm eine größere Pfründe zu geben, da antwortete er und sprach, dass er Gott dem Herrn und nicht dem Fleisch noch Blut lebe. Er starb danach zu Viterbo seliglich, und der Stuhl war aus Zwietracht der Kardinäle zwei Jahre vakant. Bernhard, ein Doktor des Rechts. Bernhard von Compostela, ein hocherfahrener Priester und Lehrer beider Rechte, des obgenannten Papstes Innozenz' Diener und Kaplan, wurde aus desselben Papstes Vorbild und Fleiß also bewegt, dass er etliche schöne Schriften in den Rechten und anderem gemacht und hinter sich gelassen hat. Nach der Geburt Christi 1263 Jahre erschien ein merklicher, großer Komet, über drei Monate vom Aufgang bis in die Mitte des Himmels steigend und seinen Schweif gegen den Niedergang streckend. Und in der Nacht, darin Urban starb, hörte dieser Komet auf zu scheinen. Der Welt Blatt 214. Linie der Kaiser. Alfons X. und Richard von Cornwall. Des Römischen Reiches Kurfürsten wurden nach dem Absterben Kaiser Friedrichs und Konrads, seines Sohnes, nach der Geburt Christi 1256 Jahre in der Wahl eines römischen Königs so zwieträchtig, dass sie zwei Könige [wählten], nämlich Alfons, den König von Kastilien, und Richard, Graf von Cornwall, den Bruder des Königs von England. Aber keiner von ihnen wurde bestätigt, sodass das Römische Kaisertum abermals etliche Jahre ohne ein Haupt blieb, bis an die Zeit Papst Gregors X. und König Rudolfs. Der Geschichtsschreiber Ptolemäus Lucensis berichtet von Karl ganz klar, dass derselbe Karl mitsamt Beatrix, seiner Gemahlin, durch etliche Kardinäle, die von Papst Clemens dazu gesandt waren, in Sankt Johanns Kirche zu Rom mit den königlichen Kronen Jerusalems und Siziliens gekrönt worden seien. So ist auch wissentlich, dass dieser Karl vor Annahme derselben Krone zugesagt, sich verpflichtet und verschrieben habe, zur Lehensabgabe und zur Verleihung und Bekenntnis der Untertänigkeit der römischen Kirche jährlich 48.000 Gulden zu entrichten. In denselben Verpflichtungen sei auch beschlossen, dass keinem Nachkommen die Pflege des römischen Kaisertums, ob ihm auch solches von den Kurfürsten befohlen wäre, anzunehmen geziemen soll. Und solcher Beschluss geschah aus Betrachtung und Andenken der vergangenen Kaiser Friedrichs des Ersten und der zweiten Zeit, und auch des damals gegenwärtigen Aufruhrs und der Zwiespältigkeit. Denn Alfons wollte das römische Kaisertum, wozu er in der Zwietracht gewählt worden war, mit dem Schwert und Gabe annehmen. So hätten die Kurfürsten in Verachtung oder Kleinschätzung des kornischen Grafen leichtlich in diesen Karl eingewilligt. Das wäre dann Alfons verdrießlich gewesen und hätte vielleicht die welschen Lande mit Heereskraft überzogen, wo er sich vor Heinrich und Friedrich, seinen Brüdern, von denen er einen nach Frankreich und den anderen nach Afrika geschickt hatte, nicht hätte besorgen müssen, dass sie ihm vielleicht in der Zwischenzeit in das kastilische Königreich fallen könnten. Eine wunderbare Pilgerschaft hat sich dieser Zeit nicht allein im welschen Land, sondern auch außerhalb unter dem Volk erhoben. So wurden auch bei zwanzigtausend Kindern aus teuflischem Gespenst mit dem Kreuz bezeichnet und zogen scharenweise an mancherlei Pforten des Meeres. Viele wurden von den Seeräubern gefangen, und gar wenige kamen wieder heim. Albert der Große. Albert der Große genannt, aus Schwabenland, von der Stadt Lauingen an der Donau gelegen, gebürtig, des Predigerordens, ist dieser Zeit zu Paris über jedermann der berühmteste, der namhafteste, löblichste Lehrer der Kirche, ein Glanz und Zierde deutschen Landes. Und an Heiligkeit des Lebens und der Lehre so groß gewesen, dass niemand über ihn noch ihm zu gleichen war. Darum wurde er der große Albertus genannt.

Anmerkungen

Linea
Frühneuhochdeutsch für 'Linie', hier im Sinne von 'Reihe/Abfolge'
Vrbanus der vierd
Urban IV. (Papst von 1261–1264)
gallia
Lateinisch für Gallien, hier im Sinne von Frankreich
puertig
Frühneuhochdeutsch für 'gebürtig'
iherusalem
Alte Schreibweise für Jerusalem
alexandro
Alexander IV. (Papst von 1254–1261), Vorgänger Urbans IV.
babst
Frühneuhochdeutsch für 'Papst'
wz
Frühneuhochdeutsch für 'war'
demueetigem
Frühneuhochdeutsch für 'demütigem'
fuertreffenlicher
Frühneuhochdeutsch für 'vortrefflicher'
außpuendiger
Frühneuhochdeutsch für 'ausbündiger', 'hervorragender'
eins mals
Frühneuhochdeutsch für 'einmal'
schmahred
Frühneuhochdeutsch für 'Schmährede'
mainung
Frühneuhochdeutsch für 'Meinung'
wer
Frühneuhochdeutsch für 'wäre'
antwurt
Frühneuhochdeutsch für 'Antwort'
leiplich
Frühneuhochdeutsch für 'leibliche'
that
Frühneuhochdeutsch für 'Tat'
hohzeitlich fest vnßers herren fronleichnams
Das Fronleichnamsfest, das Urban IV. 1264 für die gesamte Kirche einführte
name ime fuer
Frühneuhochdeutsch für 'nahm sich vor'
groeßern
Frühneuhochdeutsch für 'größeren'
creuetzgezaichenten
Frühneuhochdeutsch für 'Kreuzfahrer'
faren
Frühneuhochdeutsch für 'ziehen lassen', 'ziehen'
graff Karln von franckreich
Karl von Anjou (1227–1285), Graf von Anjou und Maine, König von Sizilien und Neapel
koenig Ludwigs
Ludwig IX. (der Heilige) (1214–1270), König von Frankreich
oeheim
Frühneuhochdeutsch für 'Onkel'
tochterman
Frühneuhochdeutsch für 'Schwiegersohn'
schirms
Frühneuhochdeutsch für 'Schutz'
erpote sich
Frühneuhochdeutsch für 'erbot sich'
zegefallen
Frühneuhochdeutsch für 'zu gefallen'
verkuendet
Frühneuhochdeutsch für 'verkündet'
tod
Frühneuhochdeutsch für 'tot'
maynet
Frühneuhochdeutsch für 'meinte'
fuernemen
Frühneuhochdeutsch für 'Vorhaben'
fuergang gewinnen
Frühneuhochdeutsch für 'vorankommen'
perus
Perugia, Stadt in Italien
virden iar
Frühneuhochdeutsch für 'vierten Jahr'
stuol
Frühneuhochdeutsch für 'Stuhl', hier im Sinne von 'Heiliger Stuhl', 'Papsttum'
feyret
Frühneuhochdeutsch für 'feierte', hier im Sinne von 'war vakant'
deßmals
Frühneuhochdeutsch für 'damals'
fuenff
Frühneuhochdeutsch für 'fünf'
petel oerden
Frühneuhochdeutsch für 'Bettelorden' (z.B. Franziskaner, Dominikaner)
fuerdernus
Frühneuhochdeutsch für 'Förderung'
genaygt
Frühneuhochdeutsch für 'zugeneigt'
ersprießlich
Frühneuhochdeutsch für 'nützlich', 'förderlich'
CLemens der vierdt
Clemens IV. (Papst von 1265–1268)
Gwido fulcodii
Guido Fulcodi, der spätere Papst Clemens IV.
Narbona
Narbonne, Stadt in Südfrankreich
heilligkeit
Frühneuhochdeutsch für 'Heiligkeit'
lere
Frühneuhochdeutsch für 'Lehre'
billich
Frühneuhochdeutsch für 'billigerweise', 'gerechterweise'
fuernemst
Frühneuhochdeutsch für 'vornehmste'
foerderst
Frühneuhochdeutsch für 'vorderste', 'führende'
rechtgelert
Frühneuhochdeutsch für 'rechtsgelehrte'
treffenlichst
Frühneuhochdeutsch für 'trefflichste'
podiensischer bischoff
Bischof von Le Puy-en-Velay (lat. Podiensis)
ertzbischoff
Frühneuhochdeutsch für 'Erzbischof'
vorfarn
Frühneuhochdeutsch für 'Vorfahr', 'Vorgänger'
ruoms
Frühneuhochdeutsch für 'Ruhmes'
werltlicher hendel vnd sachen geuebten
Frühneuhochdeutsch für 'in weltlichen Angelegenheiten erfahren'
legaten
Päpstlicher Legat, Gesandter des Papstes
koenig Heinrichen zu engelland
Heinrich III. (1207–1272), König von England
grafen montisfortis
Simon de Montfort, 6. Earl of Leicester (ca. 1208–1265), englischer Adliger und Rebell
zerichten vnd zeuertragen
Frühneuhochdeutsch für 'zu schlichten und beizulegen'
mitler zeit
Frühneuhochdeutsch für 'Zwischenzeit'
an sein stat
Frühneuhochdeutsch für 'an seine Statt'
anhayms keren
Frühneuhochdeutsch für 'heimkehren'
notturftigkeit
Frühneuhochdeutsch für 'Notwendigkeit'
welsche land
Frühneuhochdeutsch für 'Italien'
Mamfredo
Manfred (ca. 1232–1266), König von Sizilien, Sohn Kaiser Friedrichs II.
entsetzten
Frühneuhochdeutsch für 'abgesetzten'
petelmuenchs
Frühneuhochdeutsch für 'Bettelmönchs'
gein
Frühneuhochdeutsch für 'nach', 'gegen'
viterbium
Viterbo, Stadt in Italien
mitsambt
Frühneuhochdeutsch für 'mitsamt'
obgenanten Carolum
Den obgenannten Karl von Anjou
schiffung
Frühneuhochdeutsch für 'Schifffahrt'
pflegnus
Frühneuhochdeutsch für 'Pflege', 'Verwaltung'
fuersichtigclich
Frühneuhochdeutsch für 'vorsichtig'
beschaidenlich
Frühneuhochdeutsch für 'bescheiden'
loeblich
Frühneuhochdeutsch für 'löblich'
gueeter
Frühneuhochdeutsch für 'Güter'
almuosen
Frühneuhochdeutsch für 'Almosen'
freuenden vnd gesyppten
Frühneuhochdeutsch für 'Freunden und Verwandten'
ee
Frühneuhochdeutsch für 'ehe'
ließe ime
Frühneuhochdeutsch für 'hinterließ ihm'
zwu
Frühneuhochdeutsch für 'zwei'
xxx.
Römische Zahl für 30
eemann
Frühneuhochdeutsch für 'Ehemann'
iiic.
Römische Zahl für 300
turonensische pfund
Währungseinheit, Pfund aus Tours (Frankreich)
heyrat guot
Frühneuhochdeutsch für 'Heiratsgut'
geding
Frühneuhochdeutsch für 'Bedingung'
nichtz weytter an ine fordern
Frühneuhochdeutsch für 'nichts Weiteres von ihm fordern'
gesyppten freuend
Frühneuhochdeutsch für 'verwandten Freund'
pfruend
Pfründe, ein kirchliches Amt mit Einkommen
drunge er darzu
Frühneuhochdeutsch für 'drängte er dazu'
nuor
Frühneuhochdeutsch für 'nur'
faren lassen
Frühneuhochdeutsch für 'aufgeben', 'verzichten'
flaisch noch pluot
Biblischer Ausdruck für menschliche Verwandtschaft oder weltliche Bindungen
seligclich
Frühneuhochdeutsch für 'seliglich', 'im Frieden'
zwittracht
Frühneuhochdeutsch für 'Zwietracht', 'Uneinigkeit'
zway iar
Frühneuhochdeutsch für 'zwei Jahre'
Bernhardus compestellanus
Bernhard von Compostela (der Ältere), Kanonist und Kaplan Innozenz' IV.
beder rechten
Beider Rechte, d.h. Kirchenrecht (kanonisches Recht) und Zivilrecht (römisches Recht)
Innocentii
Innozenz IV. (Papst von 1243–1254)
ebenpild
Frühneuhochdeutsch für 'Ebenbild', 'Vorbild'
ettwieuil
Frühneuhochdeutsch für 'etliche', 'einige'
gepurt cristi
Frühneuhochdeutsch für 'Geburt Christi'
tawsent zwayhundert.lxiii. iar
1263 Jahre (lxiii. ist römisch für 63)
erschine
Frühneuhochdeutsch für 'erschien'
mercklicher
Frühneuhochdeutsch für 'merklicher', 'auffälliger'
hymels
Frühneuhochdeutsch für 'Himmels'
straymen
Frühneuhochdeutsch für 'Schweif', 'Strahl' (eines Kometen)
nydergang
Frühneuhochdeutsch für 'Niedergang', 'Westen'
darinn
Frühneuhochdeutsch für 'darin'
zescheynen
Frühneuhochdeutsch für 'zu scheinen'
CCXIIII
Römische Zahl für 214
Friderichs
Friedrich II. (1194–1250), römisch-deutscher Kaiser
Cunrats seins suns
Konrad IV. (1228–1254), römisch-deutscher König, Sohn Friedrichs II.
tawsent.ijc.lvi. iar
1256 Jahre (ijc. ist römisch für 200, lvi. für 56)
wale
Frühneuhochdeutsch für 'Wahl'
zwittrechtig
Frühneuhochdeutsch für 'zwieträchtig', 'uneinig'
Alphonsum den koenig castelle
Alfons X. (1221–1284), König von Kastilien, einer der Doppel-Könige im Interregnum
castelle
Kastilien, Königreich auf der Iberischen Halbinsel
Richardum grafen zu Cornubia
Richard von Cornwall (1209–1272), Graf von Cornwall, Bruder Heinrichs III. von England, der andere Doppel-König im Interregnum
Comarchum
Vermutlich eine fehlerhafte oder alternative Schreibweise für Cornwall/Cornubia
hawbt
Frühneuhochdeutsch für 'Haupt', 'Oberhaupt'
Gregorii des zehenden
Gregor X. (Papst von 1271–1276)
Rudoffen
Rudolf von Habsburg (1218–1291), römisch-deutscher König ab 1273
Ptolomeus lucensis
Ptolemäus von Lucca (ca. 1236–1327), italienischer Dominikaner und Chronist
Carolo
Karl von Anjou (siehe oben)
klerlich
Frühneuhochdeutsch für 'klar'
Beatrice
Beatrix von der Provence (ca. 1229–1267), Gemahlin Karls von Anjou
gemahel
Frühneuhochdeutsch für 'Gemahlin'
sannt Johanßen kirchen zu rom
Die Lateranbasilika (San Giovanni in Laterano) in Rom
iherusalem vnd sicilie
Die Königreiche Jerusalem und Sizilien
wissentlich
Frühneuhochdeutsch für 'bekannt'
annemung
Frühneuhochdeutsch für 'Annahme'
pension der lehenschaft
Lehensabgabe, Lehenszins
veriehung
Frühneuhochdeutsch für 'Verleihung'
vndertanigkeit
Frühneuhochdeutsch für 'Untertänigkeit'
ierlich
Frühneuhochdeutsch für 'jährlich'
xlviiim.
Römische Zahl für 48.000 (m für mille, Tausend)
guldein
Gulden, eine historische Währungseinheit
zeraichen
Frühneuhochdeutsch für 'zu entrichten'
verpuentnuossen
Frühneuhochdeutsch für 'Verpflichtungen', 'Bündnisse'
einichen nachkomen
Frühneuhochdeutsch für 'keinem Nachkommen'
gezymmen sol
Frühneuhochdeutsch für 'geziemen soll', 'zustehen soll'
beschluoß
Frühneuhochdeutsch für 'Beschluss'
angedechtnus
Frühneuhochdeutsch für 'Andenken'
Friderichs des ersten vnd ander zeit
Friedrich I. Barbarossa und Friedrich II., die beiden Kaiser dieses Namens
gegenwuertigen
Frühneuhochdeutsch für 'gegenwärtigen'
auffruor
Frühneuhochdeutsch für 'Aufruhr'
zwilewftigkeit
Frühneuhochdeutsch für 'Zwiespältigkeit', 'Uneinigkeit'
gabe
Frühneuhochdeutsch für 'Gabe', 'Geschenk', hier wohl im Sinne von Bestechung oder Tribut
kleinschetzung
Frühneuhochdeutsch für 'Kleinschätzung', 'Geringachtung'
cornubischen grafen
Richard von Cornwall
verdrießlich gewest
Frühneuhochdeutsch für 'verdrießlich gewesen'
heereßkraft
Frühneuhochdeutsch für 'Heereskraft', 'Militärgewalt'
Heinrichen vnd Friderichen seinen bruedern
Heinrich und Friedrich, Brüder Alfons' X. von Kastilien
Affricam
Lateinisch für Afrika
castellisch koenigreich
Königreich Kastilien
wunderperliche
Frühneuhochdeutsch für 'wunderbare'
pilgrammschaft
Frühneuhochdeutsch für 'Pilgerschaft'
allain
Frühneuhochdeutsch für 'allein'
zweyntzigtawsent
Frühneuhochdeutsch für 'zwanzigtausend'
teuefellischem gespenst
Frühneuhochdeutsch für 'teuflischem Gespenst', 'teuflischem Einfluss'
bezaichnet
Frühneuhochdeutsch für 'bezeichnet', 'gekennzeichnet'
schar weiß
Frühneuhochdeutsch für 'scharenweise'
pforten des meers
Frühneuhochdeutsch für 'Häfen', 'Zugänge zum Meer'
meer rawbern
Frühneuhochdeutsch für 'Seeräubern'
Albertus der gross
Albertus Magnus (ca. 1200–1280), Dominikaner, Philosoph und Theologe
schwaben land
Schwabenland, historische Region in Südwestdeutschland
Lawgingen an der Thonaw
Lauingen an der Donau, Stadt in Bayern
prediger ordens
Dominikanerorden (Ordo Praedicatorum)
parys
Paris, Hauptstadt Frankreichs
ob menigclichem
Frühneuhochdeutsch für 'über jedermann', 'über alle anderen'
namhaftigst
Frühneuhochdeutsch für 'namhafteste', 'bekannteste'
schein vnd ziere
Frühneuhochdeutsch für 'Glanz und Zierde'
teuetschs lands
Frühneuhochdeutsch für 'deutsches Land'
nymant
Frühneuhochdeutsch für 'niemand'
zegleichen
Frühneuhochdeutsch für 'zu gleichen'