Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
left EIn großer berg in burgundi zerrisse vnd spielte sich vnd erstecket bey fuenftawsent menschen. dann er lieffe vil meyl. vnd zu letst legt er sich wunderperlich an einen andern berg. CIrillus ein kriechisch man vnd carmelitischer prior vnd doctor hat diser zeit in heilligkeit des lebens vnd in dem gaist der weissagung reichßnende der nachkomenden werlt kuenftige ding beschriben in vil wunderzaichen scheinper. got zu ere vnd der werlt zu verwundrung vnd erschrecken. GRossoium das arabisch volck hat diser zeit auß anraytzung des Soldans die cristen menschen in asia wonende. vnd sunderlich die templarier vnd hospitalier vilfeltigclich verfolgt vnnd bedruecket. vnnd darnach gein Jherusalem komende die cristglawbigen die von den suenen Saladini des egiptischen koenigs vnuerletzt bliben waren mit grosser ertoedtung getilget. vnnd dannoch das heillig grab. das bis zu denselben zeiten vnberueert behalten wardt mit der groeßisten schmahe so geschehen mocht geuneret vnd beflecket. Sant Ludwig koenig zu franckreich LVdwig der heillig koenig zu franckreich in dem. xiii. iar seins alters nach absterben seins vaters gekroenet vnd gesalbet hat. xli. iar geregirt. Diser Ludwig ein inpruenstiger liebhaber cristenlichs stands von Blancha der koenigin einer andechtigen frawen von kintheit auff in aller tugent erzogen. gedachte. redte oder tete nichtz dann wz got zugehoeret. darumb sammlet er in dem .xx. iar seins reichs ein gross mechtigs heer vnd fuore damit vber meer in egypten an das gestadt des fluss Nili. do gedachte das Sarracenisch volck auß der statt Damiata zeweichen. In disem heer warn ein bebstlicher legat. der patriarch von Jherusalem. vnnd auß Gallia vil bischoff vnnd ebbt. do belegeret sich Robertus der Pictauiensisch graff koenig Ludwigs bruder mit newem heer fuer die statt Damiata. die erobret koenig Ludwig mit schwerem streyt. vnd het nach erobrung derselben statt mit den sarracen mancherlay streyts. Zu letst wardt er von inen vberwunden vnd gefangen. vnd dieselb stat fuer seine entledigung den sarracenen wider eingeantwurt. Darnach stryt er abermals offt gluecklich wider sie. Zu iuengst kom ein sterben vnder sein heer also das er mit Johanßen seinem bruder vnd vil adels mit todt vergieng. Er wardt in der heilligen beichtiger zal geschriben. Sant Eadmundus ertzbischoff EAdmundus ertzbischoffe zu Cantuaria in dem iar des herren tawsent zwayhundert. lvii. von babst Innocentio dem vierden in der heilligen zal geschriben starb vnlang dauor. ein man wundersamer heilligkeit vnnd grosser weißheit auß eim dorff in engelland puertig. der sein iunckfrawschaft bis in den tod behielt. Als er maister der freyen kuenst wardt do pflage er teglich mess zehoern. das was auch seinen schulern ersprießlich vnd nutzper. darnach gabe er sich auf lernung der heilligen schrift vnd ward ein außpuendiger prediger vnd fast scharffer disputirer. vnd nachfolgend zu ertzbischoffe zu Cantuaria erkorn. alda er dann in grossen tugenten reichßnet. Darnach wardt er verfolget vnd fluhe haymlich auß engellannd vber meer in das ponteginacisch. vnnd von dannen in das solciacisch closter. Als er nw zum todt kranck wardt do empfieng er das heillig sacrament vnd verschied in dem pett sitzende vnd sein hawbt auff die hand stewrende. vnd sein leichnam wardt pontigniacum getragen vnnd in sannt Jacobs kirchen begraben. an vil wunderzaichen leuechtende. Sant Stanislaus STanislaus bischoff zu Krackaw in poln an lere vnd helligkeit ein durchleuechtig man hat diser zeit geschynen. vnd ist nach vil geuebten tugentlichen werken nach selligen absterben von babst Innocentio dem vierden in der haylligen zal geschriben worden. dann er hat in seinem leben vnd auch nach seinem abschied von hynnen an wunderzaichen geleuechtet. SAnt Albrecht von Tarpano auß Sicilia ein carmelit an verdienstnus. zaychen vnd lere beruembt. vnd ein ebenpild der gantzen voelkomenheit hat diser zeit geplueet. EIn grosser stayn fiele in sant Gabriels closter. der het das zaichen eins creuetzs vnd die pildnus cristi. vnd was mit guldinen buchstaben darauff geschriben. Jhesus nazarenus ein koenig der iuden vnd erleuechtet einen plinden. IN eim lannd oder gegent Sina genant fast verr gein auffgang gelegen sind zu vrsach grosser muee vnd plag ettlich segke vmbgefallen. worinn ein gar wunderlichs orientischs getrayd gewesen so die aingeporn rayß nennen. Sant Peter martrer prediger ordens PEtrus ein newer martrer von Verona oder Bern puertig prediger ordens des rechten cristenlichen glawbens ein starcker beschirmer ist gleich wie ein rosen von den doernern entsprungen. dann seine eltern waren ketzere die der manicheischen irrung anhiengen Als er ein iungling wardt do verließ er die werlt vnd seine eltern vnd gieng in der prediger orden. darinn fueeret er .xxx. iar ein loeblichs leben. als ein inpruenstiger liebhaber. sunderlicher hayer vnd ernstlicher verfechtiger des glawbens. Als er nw auß der stat Cumana (alda er dann ein prior der brueder prediger ordens was) auß bebstlichem befelhe zu erforschung der ketzer gein Mayland geen wolt. vnd in dem iar des herren tawsent. iic.lii. von beschutzung wegen cristenlichs glawbens mit seinem mitgeferten von dem Cumanischen see gein Mayland zukeret do wardt er bey der statt Barlasina von den Arrianischen ketzern begriffen vnd durch die seyten mit eim messer gestochen vnd also gemartert. vnd wiewol diser fechter des glawbens die schedlichen ketzereyschen irrung in seinem leben fast abgestellet het. yedoch hat er die nach seinem tod mit seinen verdienstnussen vnd scheinpern wunderzaichen also außgerewtet das vil menschen sich zu der schoss der kirchen gekeret haben. Von seiner heilligkeit vnd manigfeltiger wunderwerck wegen hat ine babst innocentius in der heilligen martrer zal geschriben. Ezelinus tyrann EZelinus vnd Alberinus gebruedere von rumano werden hie auch bedacht. dann diser zeit beschahe ein außoertterung des herkomens des adels in welschen landen. vnd was offenlich kundper das die andern edeln geschlecht welscher land eins eltern herkomens weren dann Ezelinus. dann er was nydrer tunckler gepurt vnd sein anherr ein teuetscher ritter vnd kriegßman mit kaiser otten dem dritten in welsche land komen. Nw kome diser Ezelinus vnder kaiser Friderichen dem andern (dem er dann an leben vnd sytten fast gleich was) zu solchen reichthuemern vnd mechtigkeit das er groeßere tyranney vnd wueetrichkeit vbet dann welsche land außerhalb kaiserlichs vnd koenigclichs tittels vormals nye erlydden het. dann der kaiser bracht die statt Veronam oder Bern durch disen Ezelinum in seinen gewalt. vnnd als die sachen teuetscher land gestillet warden vnd kaiser friderich in welsche land zohe do warden die von Padua erstlich durch listigkeit vnd schmaichlerey diss Ezelini auff des kaysers tail ze sein vberredet vnd alßpald durch Ezelinum mit dem ioch der dinstperkeit angefasset vnd mit teuetschem vnd Sarracenischem volck vbersetzt. vil in dz ellend verschickt. die iungen verschnytten vnd irs gesihts verplendet vnd nymants verschonet. Mit solchem schrecken vnd forcht bracht er auch die stett Vincentz vnd Brix vnder sich. vnd do er schier alle Venedische gegent verwueestet het do richtet er sich an Mayland. aber ime mißlunge vnd wardt ernidergelegt vnd hart verwund vnd starb in verzweiflung. als er xxxiiii iar vil stett mit gewaltiger verdruckung inngehalten het. Hugo cardinal HVgo prediger ordens des lebens vnd der lere ein namhaftig man ward durch babst Innocentium den vierden. der dann sunderliche große naygung vnd gunst zu gelerten lewten het vnd dieselben zu hohen stenden vnd wirdigkeiten fuerderet zu eynem cardinal gemacht. aber doch durch dieselben angenomnen wirdikeit in seinem vorigen leben der demueetigkeit. gaistlichkeit vnd andacht in kein weyß verandert. Mamfredus ein koenig MAmfredus kaiser Friderichs sun auß eim edeln koebßweib geporn hat nach absterben Cunrats seins bruders das koenigreich Sicilie erlangt vnd. xiii. iar geregirt. Diser Mamfredus wardt von babst Alexandro vermanet nichtzit wider der kirchen gerechtigkeit vnd gueetere in Sicilia fuerzenemen. Aber er verachtet die babstlichen vermanung vnd saget er wer seins gestorben bruders rechter erbe. Dem nach tet der babst ine in den pan vnnd schicket ein gross heer wider ine. do forderet mamfredus vil sarracen vnd vnglawbig zu ime vnd bracht das babstlich heer in die flucht. also das er ir eins teyls erschluog vnd eins teils fienge. Darnach vnderstund er sich die neapolitaner anzefechten. vnd sunst an andern oertern welscher land vil auffruor vnd arglistigkeit fuerzenemen. Darumb forderet babst vrbanus carolum des heiligen koenig Ludwigs bruder zu hilff vnd rettung wider Mamfredum vnd verkuendet inen einen koenig in Sicilia. demnach kome Carolus mit heerßkraft vnd erschluog disen Mamfredum vnd besaße das koenigreich sicilie in frid.
Ein großer Berg in Burgund zerriss und spaltete sich und begrub etwa fünftausend Menschen, denn er rutschte viele Meilen weit. Und zuletzt legte er sich wunderbar an einen anderen Berg. Cirillus, ein griechischer Mann und karmelitischer Prior und Doktor, hat zu dieser Zeit in Heiligkeit des Lebens und im Geist der Weissagung reichlich die zukünftigen Dinge der nachkommenden Welt in vielen Wunderzeichen offenbar beschrieben, Gott zur Ehre und der Welt zur Verwunderung und zum Schrecken. Das arabische Volk der Grossoier hat zu dieser Zeit auf Anreizung des Sultans die in Asien wohnenden Christen, und besonders die Templer und Hospitaliter, vielfältig verfolgt und bedrückt. Und danach, nach Jerusalem kommend, tilgten sie die Christgläubigen, die von den Söhnen Saladins, des ägyptischen Königs, unverletzt geblieben waren, mit großer Tötung. Und dennoch wurde das Heilige Grab, das bis zu denselben Zeiten unberührt geblieben war, mit der größten Schmach, die geschehen mochte, entehrt und befleckt. Der heilige Ludwig, König von Frankreich. Ludwig, der heilige König von Frankreich, wurde im dreizehnten Jahr seines Alters nach dem Ableben seines Vaters gekrönt und gesalbt und regierte einundvierzig Jahre. Dieser Ludwig, ein inbrünstiger Liebhaber des christlichen Standes, von Blanka, der Königin, einer andächtigen Frau, von Kindheit an in aller Tugend erzogen, dachte, redete oder tat nichts, als was Gott zugehörte. Darum sammelte er im zwanzigsten Jahr seines Reiches ein großes, mächtiges Heer und fuhr damit über Meer nach Ägypten an das Gestade des Flusses Nil. Dort gedachte das sarazenische Volk, aus der Stadt Damiette zu weichen. In diesem Heer waren ein päpstlicher Legat, der Patriarch von Jerusalem und aus Gallien viele Bischöfe und Äbte. Dort belagerte sich Robert, der Graf von Poitou, König Ludwigs Bruder, mit neuem Heer vor der Stadt Damiette, die König Ludwig mit schwerem Streit eroberte. Und er hatte nach Eroberung derselben Stadt mit den Sarazenen mancherlei Streit. Zuletzt wurde er von ihnen überwunden und gefangen, und dieselbe Stadt wurde für seine Entledigung den Sarazenen wieder eingeantwortet. Danach stritt er abermals oft glücklich wider sie. Zuletzt kam ein Sterben unter sein Heer, sodass er mit Johann, seinem Bruder, und vielen Adligen mit dem Tod verging. Er wurde in die Zahl der heiligen Bekenner geschrieben. Der heilige Edmund, Erzbischof. Edmund, Erzbischof von Canterbury, wurde im Jahr des Herrn tausendzweihundertsiebenundfünfzig von Papst Innozenz dem Vierten in die Zahl der Heiligen geschrieben, starb aber unlängst davor. Er war ein Mann wundersamer Heiligkeit und großer Weisheit, aus einem Dorf in England gebürtig, der seine Jungfräulichkeit bis in den Tod behielt. Als er Meister der freien Künste wurde, pflegte er täglich die Messe zu hören, was auch seinen Schülern ersprießlich und nutzbar war. Danach gab er sich auf die Lehre der Heiligen Schrift und wurde ein ausgezeichneter Prediger und sehr scharfer Disputierer und nachfolgend zum Erzbischof von Canterbury erkoren, wo er dann in großen Tugenden reichlich wirkte. Danach wurde er verfolgt und floh heimlich aus England über Meer in das Pontigny'sche und von dannen in das Kloster Solignac. Als er nun zum Tod krank wurde, empfing er das heilige Sakrament und verschied im Bett sitzend und sein Haupt auf die Hand stützend. Und sein Leichnam wurde nach Pontigny getragen und in der Kirche des heiligen Jakob begraben, an vielen Wunderzeichen leuchtend. Der heilige Stanislaus. Stanislaus, Bischof von Krakau in Polen, ein an Lehre und Heiligkeit durchleuchtender Mann, hat zu dieser Zeit geschienen. Und ist nach vielen geübten tugendhaften Werken nach seligem Ableben von Papst Innozenz dem Vierten in die Zahl der Heiligen geschrieben worden, denn er hat in seinem Leben und auch nach seinem Abschied von hinnen an Wunderzeichen geleuchtet. Der heilige Albert von Trapani aus Sizilien, ein Karmelit, an Verdiensten, Zeichen und Lehre berühmt und ein Ebenbild der ganzen Vollkommenheit, hat zu dieser Zeit geblüht. Ein großer Stein fiel in das Kloster des heiligen Gabriel, der hatte das Zeichen eines Kreuzes und die Bildnis Christi und war mit goldenen Buchstaben darauf geschrieben: „Jesus Nazarenus, ein König der Juden“, und erleuchtete einen Blinden. In einem Land oder einer Gegend, Sina genannt, fast weit gegen Aufgang gelegen, sind zur Ursache großer Mühe und Plage etliche Säcke umgefallen, worin ein gar wunderliches orientalisches Getreide gewesen, das die Eingeborenen Reis nennen. Der heilige Petrus Martyr, Predigerordens. Petrus, ein neuer Märtyrer, von Verona oder Bergamo gebürtig, des Predigerordens, ein starker Beschirmer des rechten christlichen Glaubens, ist gleich wie eine Rose von den Dornen entsprungen, denn seine Eltern waren Ketzer, die der manichäischen Irrung anhingen. Als er ein Jüngling wurde, da verließ er die Welt und seine Eltern und ging in den Predigerorden. Darin führte er dreißig Jahre ein löbliches Leben, als ein inbrünstiger Liebhaber, besonderer Heger und ernstlicher Verfechter des Glaubens. Als er nun aus der Stadt Como (wo er dann ein Prior der Brüder des Predigerordens war) auf päpstlichen Befehl zur Erforschung der Ketzer nach Mailand gehen wollte, und im Jahr des Herrn tausendzweihundertzweiundfünfzig von Schutz wegen des christlichen Glaubens mit seinem Mitgefährten vom Comer See nach Mailand zurückkehrte, da wurde er bei der Stadt Barlassina von den arianischen Ketzern ergriffen und durch die Seiten mit einem Messer gestochen und also gemartert. Und wiewohl dieser Fechter des Glaubens die schädlichen ketzerischen Irrungen in seinem Leben fast abgestellt hatte, jedoch hat er sie nach seinem Tod mit seinen Verdiensten und offenbaren Wunderzeichen also ausgerottet, dass viele Menschen sich zu dem Schoß der Kirche gekehrt haben. Von seiner Heiligkeit und mannigfaltiger Wunderwerke wegen hat ihn Papst Innozenz in die Zahl der heiligen Märtyrer geschrieben. Ezelin, Tyrann. Ezelin und Alberin, Gebrüder von Romano, werden hier auch bedacht, denn zu dieser Zeit geschah eine Ausrottung des Herkommens des Adels in welschen Landen. Und es war öffentlich kundbar, dass die anderen edlen Geschlechter welscher Lande eines älteren Herkommens wären als Ezelin, denn er war niederer, dunkler Geburt und sein Ahnherr ein deutscher Ritter und Kriegsmann, mit Kaiser Otto dem Dritten in welsche Lande gekommen. Nun kam dieser Ezelin unter Kaiser Friedrich dem Zweiten (dem er dann an Leben und Sitten fast gleich war) zu solchen Reichtümern und Mächtigkeit, dass er größere Tyrannei und Wüterichkeit übte, als welsche Lande außerhalb kaiserlichen und königlichen Titels vormals nie erlitten hatten. Denn der Kaiser brachte die Stadt Verona oder Bergamo durch diesen Ezelin in seinen Gewalt. Und als die Sachen deutscher Lande gestillt wurden und Kaiser Friedrich in welsche Lande zog, da wurden die von Padua erstlich durch Listigkeit und Schmeichelei dieses Ezelins auf des Kaisers Teil zu sein überredet und alsbald durch Ezelin mit dem Joch der Dienstbarkeit angefasst und mit deutschem und sarazenischem Volk übersetzt, viele in das Elend verschickt, die Jungen verschnitten und ihres Gesichts verblendet und niemand verschont.