Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Linea der bebst // Innocentius der vierd INocentius der vierdt dauor Synebaldus genant ein genueser wardt auß cardinal zu babst erkorn. das hoeret kaiser Friderich zumal vngern. dann er kennet diss menschen kraft. tugent vnd starckmueetigkeit. Als nw diser babst in sein ambt getretten was do tet er meldung von frid mit dem kaiser zemachen. Alßpald er aber verstuond das ime von demselben kaiser haymliche feintschaft beraytet wer do zohe er gein genua vnnd fiel alda in große geuerliche kranckheit. als er aber wider zu gesuntheit kome do fueeget er sich zu koenig philipsen gein franckreich. der hieße den babst erlich empfahen vnd gein Lyon fueeren. Daselbsthin berueeffet er ein concili. vnd forderet erstlich kaiser Friderichen zekomen. Aber nach dem er als vngehorsam zekomen verzohe so wardt er von disem babst verpannet vnd entsetzet. darab erzuernet kaiser Friderich also das er zu Parma die hewßer vnd schoene doerffer die des babsts verwandten zustunden in den grund verwueestet. vnd sunst auch an andern enden vil vnrats stiftet Diser babst hat außerhalb der handlung in dem concili beschehen vil treffenlicher buecher zu Lyon geschriben vnd gemacht. vnd sant Eadmundum von cantuaria in der heilligen zal geschriben. Daselbst zu Lyon ist erstlich von dem babst geordnet worden. als dann nochmals gehalten wirdt das die cardinel so sie offentlich yndert hin reyten woellen rot hueet fueeren soellen zu bedeuetnus vnd vermanung. als sie nach der babstlichen wirdigkeit in den hoehsten wirden sind. das sie auch also zu vergiessung irs pluots vmb den cristenlichen glawben vnd hayl des cristenlichesn volcks barayt seyen. Diser babst hat Petrum von Verona prediger ordens. der von den ketzern erschlagen wardt zu Perusia in der heilligen martrer cristi zal geschriben. Deßgleichen hat er auch getan Stanislao dem bischoff zu Crackaw. der in seinem leben an wunderwercken geschinen hat. Diser babst zohe zu letst auf bitte des adels in Sicilia gein Neapolis. daselbst starb er vnd wardt in sant Laurentzen kirchen daselbst gar erlich begraben. in dem ailfften iar andern monat.am.xij.tag seins babstthumbs. vnd diser babst hat geordnet das man alle iar in der cristenlichen kirchen den achten tag der feyer der gepurt der iunckfrawen Marie begen solte. Alexander der vierd ALexander der vierd vormals raynaldus genant auß campania puertig vnd ein hostiensischer cardinal wardt nach absterben Innocentij babsts des vierden das do geschahe nach der gepurt cristi zwelffhundert vnd in dem vierundfuenftzigisten iar durch die cardinel zu neapolis zu babst erkorn in eyle vnd on verzuog. auff dz sie die kirchen wider die gewaltsamkeit Mamfredi des koenigs zu sicilia versehen moechten. Diser babst vermanet alßpald denselben Mamfredum nichtz wider die roemischen kirchen fuerzenemen. Diser alexander was ein man groß gemueets vnd rats. vnd guottatig. zuuoran gein den armen cristen menschen. darumb verwurffe er ettliche buecher von eim gwilhelmus genant wider die armuot gemacht. Diser alexander verpannet den benanten Mamfredum in offner versammlung zu auiana vnd verfolget allenthalben die wueettrich vnd tyrannen. vnd vnderstund sich die krieg zwischen den Venedigern vnd genuesern zerichten. Auß vermanung eins gesihts darinn ime sant Augustin erschine volbracht er die aynung der aynsidler brueder von seinen vorfarn angefengt vnd bezwunge denselben orden die aynsidelschaft zeuerlassen. in die stett zeziehen vnd darinn zewonen. auff das sie wie die andern mit lere vnd predig vnnd ebenpild. auch mit beichthoern den menschen fruchtperlich vnd zum hail fuerderlich sein moechten. In dem selben stand bestettigt diser babst denselben orden. vnd gabe inen vnd auch den predigern vnd parfueßer vil freyheit vortail vnd ablas. vnd tet inen vil fuerdernus hilff vnd beystand. vnd het sunderliche guote naigung zu den gelerten diser oerden. also dz er vil derselben zu cardinalischer vnd bischoflicher wirdigkeit fuerderet. Als nw diser babst Clara die iunckfrawen im dritten iar seins babstthumbs in der statt Anamia in der heilligen zal geschriben het do vnderstund er sich abermals die sachen des kriegs zwischen den mechtigsten communen welscher land. der Venediger vnnd Genueser zerichten vnd zeuertragen. vnd zohe darumb gein viterbio. daselbst wardt er auß langem verzuog der sachen also verdroßen vnd vnmueetig das er starb. vnnd er wardt daselbst gar erlich vnd mit grosser solennitet bestattet zu der erden in sant Laurentzien kirchen in dem sibenden iar seins babstlichen stuols. vnnd derselb babstlich stuol stund deßmals nach absterben diss babsts in ruoe drey monat vnd vier tag. NAch dem kaiser Friderich der ander die roemischen bebst langzeit verfolget vnd den roemischen stuol mit vil iamers bekuemret vnd betrueebet het do ward er zu letst von babst Innocentio in dem concili zu Lyon verpannet. kaiserlichs vnd koenigclichs gewalts entsetzt. vnd der zwayer koenigreich Sicilie vnd Apulie berawbt. Also nach solcher entsetzung feyret das kaiserthumb. xxviij. iar bis auff babst Gregorium den zehenden vnd kayser Rudolffen. Linea der kayser // Heinrich der sibend HEinrich des namens der sybend wardt zu roemischem koenig erklert. Diser zeyt waren die sachen teuetscher land in grosser vnruoe vnd zwilewftigkeit. dann die churfuersten des reichs erweleten in kraft des befelhs inen von dem babst auff verpannung vnd entsetzung kaiser Friderich beschehen Heinrichen den lantgrafen zu thueringen zu eim roemischen koenig. wider denselben setzet sich Conrat des benanten kaisers Friderichs sun. den der vater dauor zu koenig gesetzt het. Aber nach dem das creuetz auß babstlichem befelhe wider disen Cunraten vnd kaiser Fridrichs guonner gepredigt wardt do gewunne der landgraff zu thueringen vil anhangs vnd gunsts. doch vnlang darnach starb er zu yßnach on erben. Wilhelm Ilhelm graff zu hollannd wardt nach absterben des lantgrafen zu thueringen wider kaiser Friderichen von den churfuersten zu roemischem koenig erkorn. aber doch vnlang darnach von den friesen erschlagen. Also das weder er noch auch der vorgenant heinrich zu kaiserlicher bekroenung nicht komen sind. DIe schedlichen namen der gwelfiner vnd gebelliner sind zu verderbnus gantzes welschs lands von zwayen teuetschen bruedern dieweil der babst vnd kaiser Friderich miteinander in zwittracht stunden diser zeit zu Pisa erfunden worden. dann es entstuond schier in allem volck welschs lands ein solche tobheit vnd vnsynnigkeit das der vater wider den sun vnd der bruder wider den bruder wueetet. vnd solche zwittrachtigkeit vrsachet kaiser Friderich. Von dem selben oder von seinen teuetschen warden den partheien namen gegeben. vnnd die die dem babst oder der kirchen anhiengen gwelfen. vnd die dem kaiser guenstig warn gebelliner genant. vnd als Ptolomeus von der statt Luca puertig setzt so sind dise vnselige namen erstlich in der statt Pistoria gehoert worden. die dann vnlang darnach alles welschs land außgenomen venedig vergiftet vnd vermayligt haben. das dann yetzo bey dritthalbhundert iarn her geweret hat. mit solcher tobheit. wueettung vnnd schedlichkeit das die walhen inen selbs vnder einander die zeit her mer vbels. args vnd schadens getan denn sie von den vnglawbigen eueßern voelckern erlidden haben. dann in solcher wueettung haben stett land vnd lewt bis zu vergiessung des pluots vnd irer außtilgung verfolget. vnd nicht allain die nachtpawern. sunder auch die weyt von einander geseßnen wo die einander begegnet sind haben sich vndereinander beschedigt. so hat auch yede parthey zu haß der andern ir sunder warzaichen an farben. fruechten klaidern. wandel. fingerzaigen stymm vnd geperde des leibs gehabt vnd getragen. Conrat CVnrat was kaiser Friderichs vnd Jole koenig hanßen von iherusalem tochter sun. auff den gefiele nach abgang seins vaters. den Mamfredus sein koebßsun erstecket alle verlaßne. erbschaft desselben seins vaters. Diser Cunrat erbet auch von kaiser Friderichen das schwaben land. aber er enthielt sich wenig darinn. darnach kome er gein Bern vnd fueeret daselbst durch die pforten ein gross mechtigs heer in dz koenigreich apulie. Diser Cunrat was seinem vater (als die historien setzen) in eregeitzigkeit vnd boßheit fast enlich vnd gleich. darnach zohe er in grimmen vnd mit bedroung fuer die statt Neapolis vnd eroeffnet die mawrn an vil enden. so keret er die mawrn der statt Capue gar vmb. vnnd verprennet die edeln statt Aquinum. Eins teyls wonet er in teuetschen landen. vnd eins teils fliße er sich bis in seinen tod zeerobern dz koenigreich Sicilie. vnnd er starb zu letst nit on argkwon des gifts das ime auß verfuegung Mamfredi seins brueders von den ertzten in einer clistyer eingegeben wardt. vnd setzet dauor Conradino seinem sun vormund ine die pflegnus des koenigreichs Sicilie vnd fleiß zu lernung der kunst lassende.
Linie der Päpste. Innozenz IV., zuvor Sinibaldus genannt, ein Genuese, wurde als Kardinal zum Papst gewählt. Das hörte Kaiser Friedrich sehr ungern, denn er kannte die Kraft, Tugend und Standhaftigkeit dieses Mannes. Als dieser Papst nun sein Amt angetreten hatte, sprach er davon, Frieden mit dem Kaiser zu schließen. Sobald er aber verstand, dass ihm von demselben Kaiser heimliche Feindschaft bereitet wurde, zog er nach Genua und erkrankte dort schwer und gefährlich. Als er aber wieder zu Kräften kam, begab er sich zu König Philipp nach Frankreich. Dieser ließ den Papst ehrenvoll empfangen und nach Lyon führen. Dorthin berief er ein Konzil und forderte Kaiser Friedrich auf, zu erscheinen. Doch nachdem dieser als ungehorsam zögerte zu kommen, wurde er von diesem Papst gebannt und abgesetzt. Darüber erzürnte Kaiser Friedrich so sehr, dass er in Parma die Häuser und schönen Dörfer, die den Verwandten des Papstes gehörten, dem Erdboden gleichmachte und sonst auch an anderen Orten viel Unheil stiftete. Dieser Papst hat außerhalb der Verhandlungen, die im Konzil stattfanden, viele bedeutende Bücher in Lyon geschrieben und verfasst und den heiligen Edmund von Canterbury in das Verzeichnis der Heiligen aufgenommen. Dort in Lyon wurde erstmals vom Papst angeordnet, wie es auch heute noch gehalten wird, dass die Kardinäle, wenn sie öffentlich irgendwohin reiten wollen, rote Hüte tragen sollen, als Zeichen und Mahnung, dass sie, da sie nach der päpstlichen Würde in den höchsten Ehren sind, auch bereit sein sollen, ihr Blut für den christlichen Glauben und das Heil des christlichen Volkes zu vergießen. Dieser Papst hat Petrus von Verona aus dem Predigerorden, der von den Ketzern erschlagen wurde, in Perugia in das Verzeichnis der heiligen Märtyrer Christi aufgenommen. Desgleichen hat er auch Stanislaus, dem Bischof von Krakau, getan, der in seinem Leben durch Wunderwerke geglänzt hat. Dieser Papst zog zuletzt auf Bitte des Adels in Sizilien nach Neapel. Dort starb er und wurde in der Kirche des heiligen Laurentius ehrenvoll begraben, im elften Jahr, im zweiten Monat, am zwölften Tag seines Papsttums. Und dieser Papst hat angeordnet, dass man jedes Jahr in der christlichen Kirche den achten Tag des Festes der Geburt der Jungfrau Maria begehen sollte. Alexander IV., vormals Rainaldus genannt, aus Kampanien gebürtig und ein Kardinalbischof von Ostia, wurde nach dem Tod Papst Innozenz' IV., der sich im Jahre 1254 nach Christi Geburt ereignete, von den Kardinälen in Neapel eilig und ohne Verzug zum Papst gewählt, damit sie die Kirche gegen die Gewalttätigkeit Manfreds, des Königs von Sizilien, schützen konnten. Dieser Papst ermahnte sogleich denselben Manfred, nichts gegen die römische Kirche zu unternehmen. Dieser Alexander war ein Mann großen Geistes und Rates und wohltätig, besonders gegenüber den armen christlichen Menschen. Darum verwarf er einige Bücher, die von einem namens Wilhelm gegen die Armut verfasst worden waren. Dieser Alexander bannte den genannten Manfred in einer öffentlichen Versammlung in Anagni und verfolgte überall die Wüteriche und Tyrannen und bemühte sich, die Kriege zwischen den Venezianern und Genuesen zu schlichten. Aufgrund der Mahnung einer Vision, in der ihm der heilige Augustinus erschien, vollendete er die Vereinigung der Einsiedlerbrüder, die von seinen Vorfahren begonnen worden war, und zwang denselben Orden, die Einsiedelei zu verlassen, in die Städte zu ziehen und dort zu wohnen, damit sie wie die anderen mit Lehre und Predigt und gutem Beispiel, auch mit Beichthören den Menschen fruchtbar und zum Heil förderlich sein könnten. In diesem selben Stand bestätigte dieser Papst denselben Orden und gab ihnen, und auch den Predigern und Barfüßern, viele Freiheiten, Vorteile und Ablässe und leistete ihnen viel Förderung, Hilfe und Beistand und hatte eine besondere gute Neigung zu den Gelehrten dieser Orden, sodass er viele von ihnen zu kardinalischer und bischöflicher Würde beförderte. Als dieser Papst nun die Jungfrau Klara im dritten Jahr seines Papsttums in der Stadt Anagni in das Verzeichnis der Heiligen aufgenommen hatte, bemühte er sich abermals, die Kriegsangelegenheiten zwischen den mächtigsten Kommunen der italienischen Länder, den Venezianern und Genuesen, zu schlichten und beizulegen und zog darum nach Viterbo. Dort wurde er durch die lange Verzögerung der Angelegenheiten so verdrossen und mutlos, dass er starb. Und er wurde dort sehr ehrenvoll und mit großer Feierlichkeit in der Kirche des heiligen Laurentius beigesetzt, im siebten Jahr seines päpstlichen Stuhls. Und derselbe päpstliche Stuhl blieb damals nach dem Tod dieses Papstes drei Monate und vier Tage vakant. Nachdem Kaiser Friedrich II. die römischen Päpste lange Zeit verfolgt und den römischen Stuhl mit viel Jammer bekümmert und betrübt hatte, wurde er zuletzt von Papst Innozenz auf dem Konzil zu Lyon gebannt, des kaiserlichen und königlichen Gewaltes enthoben und der zwei Königreiche Sizilien und Apulien beraubt. So ruhte nach solcher Absetzung das Kaisertum 28 Jahre lang bis auf Papst Gregor X. und Kaiser Rudolf. Linie der Kaiser. Heinrich, der siebte dieses Namens, wurde zum römischen König erklärt. Zu dieser Zeit waren die Angelegenheiten der deutschen Länder in großer Unruhe und Zwietracht, denn die Kurfürsten des Reiches wählten kraft des Befehls, der ihnen vom Papst nach der Bannung und Absetzung Kaiser Friedrichs erteilt worden war, Heinrich, den Landgrafen von Thüringen, zum römischen König. Gegen denselben setzte sich Konrad, der Sohn des genannten Kaisers Friedrichs, den der Vater zuvor zum König eingesetzt hatte. Doch nachdem der Kreuzzug auf päpstlichen Befehl gegen diesen Konrad und die Gönner Kaiser Friedrichs gepredigt wurde, gewann der Landgraf von Thüringen viel Anhang und Gunst, doch starb er unlange danach in Eisenach ohne Erben. Wilhelm, Graf von Holland, wurde nach dem Tod des Landgrafen von Thüringen von den Kurfürsten gegen Kaiser Friedrich zum römischen König gewählt, aber doch unlange danach von den Friesen erschlagen. So dass weder er noch auch der vorgenannte Heinrich zur kaiserlichen Krönung nicht gekommen sind. Die schädlichen Namen der Guelfen und Ghibellinen sind zum Verderben des ganzen italienischen Landes von zwei deutschen Brüdern, während der Papst und Kaiser Friedrich miteinander in Zwietracht standen, zu dieser Zeit in Pisa erfunden worden, denn es entstand fast im ganzen Volk des italienischen Landes eine solche Tollheit und Unsinnigkeit, dass der Vater gegen den Sohn und der Bruder gegen den Bruder wütete. Und solche Zwietracht verursachte Kaiser Friedrich. Von demselben oder von seinen Deutschen wurden den Parteien Namen gegeben, und die, die dem Papst oder der Kirche anhingen, Guelfen, und die, die dem Kaiser günstig waren, Ghibellinen genannt. Und wie Ptolemäus, gebürtig aus der Stadt Lucca, darlegt, so sind diese unseligen Namen erstmals in der Stadt Pistoia gehört worden, die dann unlange danach das ganze italienische Land, ausgenommen Venedig, vergiftet und verseucht haben, was dann jetzt seit zweieinhalb Jahrhunderten andauert.