Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
DIe cristenlichen fuersten die ettwen durch fleiß des babst Innocentii vnnd des lateranensischen concili zu rettung der statt Jherusalem bewegt worden waren sammelten ein heer vnnd zohen eins teils zu lannd. eins teyls zu wasser gein Constantinopel. vnd von dannen durch laytung des babstlichen legaten fuer die statt acconem. In disem heerzug waren koenig andreas zu hungern. der hertzog zu oesterreich. graff Heinrich von Nitternar vnd Gualterius des koenigs zu franckreich camrer. Die wurden mit iohanne dem koenig zu iherusalem zu rat erstlich Damiatam die statt in egypten an dem fluss Nilo gelegen zebestreyten. in hoffnung so sie die eroberten das die alßdenn Alkeyro vnd Babilonem die großen aneinanderstossenden stett dest baß bezwingen moechten. vnnd so denn also dise stett als wonunge der sarracenischen fuersten der soldanen bedrueckt wuerden so getraweten sie dz alles barbarisch sarracenisch volck nit allain auß iherusalem vnd auß dem heilligen land. sunder auch auß dem vmbkraiß der erden außgerewtet werden solt. Demnach wardt nach der gepurt cristi tawsent.iic.xviii. in dem mayen dise statt damiata belegert. dieselb statt ist mit dreyen fast dicken ziegelstaynin mawrn vmbfangen. vnnd von eim arm des nili in der groeße der tyber zu rom vmbflossen von dem newen babilone gegen dem aufgang drey tagrayse. vnd von dem berg sinay siben tagrayse gelegen. Dise statt Damiata ligt zwischen dem meer vnd dem fluss nili. vnd hat. xxviii. hoh vnd vnzallich klain thuern. Vnder andern was daselbst ein thurn Pharea genant. deßgleichen an dicke vnd hoehe nyndert nit gefunden wardt. darauß man der vorstatt kreme vnnd gemayner eueßerer gepewe vor den meer rawbern vnd nachtdieben hueetet. dieweil nw vnßer heer im zug fuer die statt vnderwegen was do ließ der soldan dise statt mit vorweer vnd polwerck vmb disen thurn vnnd sunst allenthalben bewarn vnd befestigen. vnd dieweil die vnßern solch vorweer vnd polwerck stuermten vnd den thurn vmb vnd vmb mit geschoss zeruedeten do wurden teglich vil lewt schadhaftig. aber der vnglawbigen mer denn der vnßern. Als nw die vnßern dise statt in den fuenften monat belegert hetten do vnderstunden sich ettliche der vnßern die schiltwach der feinde zeerspehen. vnd als sie aber an dasselb ende komen vnd die wechter eintweders tieff entschlaffen oder aber nit entgegen waren do stygen die vnßern auff die mawrn zerhaweten die pforten vnd erstachen die zulawffenden sarracen die das gethuemel hoereten vnd dieweil drungen die cristen durch die geoeffenten pforten hinein vnd eroberten also die statt. vnd die pforten vnd befestigung allenthalben warden den cristen zu bewarung vnd innhaltung eingegeben. vnd der erst vnd oeberst tempel derselben statt zu einer kirchen in der ere der gloriwirdigen iunckfrawen gottes gepererin auffgerichtet vnd zu eim bischofthumb geweyhet. Deßmals het damiata die gestalt einer weitberuembten vnd machtreichen statt. in der große vberfluessigkeit an gold silber vnd koestlichem hawßrat gefunden wardt. das alles der babstlich legat. die koenig vnd die heerfueerer vnder die cristenlichen ritter gleich außtaylten. so wardt auch gehandelt vnd geratschlagt von außtaylung der ligenden habe vnd gueetere in der statt vnd auff dem land wesende. 600px DAzwischen gelangten die cristenlichen sachen zu Damiata teglich mer vnd mer zu besserung. also das der babstlich legat. der hungerisch koenig Andreas vnd andere vom adel vnd ritterschaft hoffeten den soldan vnd sein sarracen gar pald zebedrucken. vnd beschlussen mit gemaynem rat zeziehen fuer die stett Alkeyro vnd babilon. daselbsthinein dann der Soldan schier alle varende gueeter. klaynat vnd reichthuemer der sarracen gefloehnet het. Nw geprauchet sich der Soldan solcher listigkeit das er die rynnen vnder der erden dardurch dz wasser auß dem Nilo allenthalben in das lannd gelaytet wardt abgraben. vnnd alle fueetrung des vihs vom weg thuon hieß. also das man souil damit sich menschen vnd vih drey tag enthalten kuende nicht finden moecht. dardurch komen die cristen in noch ein groeßere not das sie sich besorgten so sie widerumb gein Damiatam zukeren woelte das sie villeicht in den abgegraben rynnen der wasserfell schaden nemen wurden. demnach sendeten sie ir botschaft zu dem Soldan bey dem erlangten sie frid mit dem gedinng das sie dem Solan die statt Damiata mit aller habe vnd gueettern darinn gefunden volgen lassen solten. so solte er inen den partickel des creuetzs den er het einantwurten. vnd die gefangnen gegnen einander ledig sein. vnd das geschahe nach der gepurt cristi tawsent.iic. xxi. iar. Sant Elizabeth ELizabeth eins hungerischen koenigs tochter. eins lantgrafen zu hessen eelicher gemahel hat nach der gepurt vnsers haylands tawsent.iic.xxx. iar in teuetschen landen geleuechtet. von iugent auff gotzdienstlicher vbung geflißen vnd alle ire werck in got geordnet. als ein außrewterin der laster. ein ebenpild der geduldt. ein spiegel der vnschuld. vil verfolgung vnnd verschmehung von ires gesponsen reten vnnd von iren nehsten leydende. aber der herr was ir haymlicher troester. Der lantgraff ir gemahel gab ir freyen gewalt alle gueetige vnd gotzdienstliche werck zeueben. darauff ergabe sie sich mit gantzen kreften darinn bis in iren todt verharrende. lustperliche ding irem mund entziehende. der armen mit baden. betten. klaiden. wischen vnd waschen pflegende. vnd inen ein spital pawende. Als sie nw also in tugentlicher vbung einen schatz vil guoter werck gesammelt het do keret sie sich auß begirde der gemahelschaft cristi von der gemainschaft des irdischen gesponsen. vnd leget hin die klaydung werltlichs ruoms vnd empfieng von maister Cunrats von Marpurg hand einen groen rock. verachtet das geprengk vnd die ruomretigkeit der reichthuemer vnd machet sich der werlt gantz verschmehlich. vnd starb nach wunderwurcklichem vnd tugentlichem leben gar seligclich vnd wardt von babst Gregorio dem newnden in die zal der heilligen geschriben. dann vnder andern vnzallichen wunderzaichen die got durch sie tet hat sie. xvi. todten erweckt vnd einen plindgepornen erleuechtet. Die fuenff bueecher der gaistlichen rechten decretales genant. zu gleichnus der fuenff synn sind diser zeit von babst Gregorio dem newnden durch beystand Raymundi nach Innocentio dem dritten in ein ordnung gebracht vnd in fuenff tail getailt. in den gar vnderschiedlich satzung vnd ordnung begriffen sind an treffende die hoehsten trifeltigkeit. den cristenlichen glawben. gerichte. pfafheit. gemahelschaft vnd ir straff etc. RaymundusAccursius RAymundus prediger ordens. der dritt general desselben ordens an lere der sytten vnd heilligkeit des lebens ein scheinper man ist diser zeit babst Gregorio dem newndten in begreifung. satzung vnd ordnung der fuenff bueecher gaistlicher rechten decretales genant hilflich. beystendig vnd anweyßlich gewesen. vnd hat in der hohen schoel zu Bononia das gaistlich recht gelesen. vnd als man sagt an wunderwercken geschynen. Bartholomeus brixianusOdefredus ACcursius von Florentz der rechten ein hohgelert man hat diser zeit lebende auß weißheit seiner kunst vnd auß kluogheit vnd erfarung des regirens gemains stands erstlich vber das gantz werltlich recht außlegung geschriben. BArtholomeus brixianus der hohberuembt lerer in gaistlichen rechten hat diser zeit ettliche beysatze vnd gloss der gaistlichen rechten gemacht. vnd sunst ein buch der sendbrieff. vnd ein cronicken von den stetten welscher lannd gemacht. ODefredus von Beneuento ein hohberuembter lerer beder rechten. in denselben beden rechten gaistlichen vnd werltlichen ein außpuendigs vnnd fast nuetzpers buch gesammelt.
Die christlichen Fürsten, die einst durch den Eifer Papst Innozenz' und des Laterankonzils zur Rettung der Stadt Jerusalem bewegt worden waren, sammelten ein Heer und zogen teils zu Land, teils zu Wasser nach Konstantinopel und von dort unter Führung des päpstlichen Legaten vor die Stadt Akkon. In diesem Heerzug waren König Andreas von Ungarn, der Herzog von Österreich, Graf Heinrich von Nitternar und Gualterius, der Kämmerer des Königs von Frankreich. Sie beschlossen mit Johannes, dem König von Jerusalem, zuerst Damiette, die Stadt in Ägypten am Fluss Nil gelegen, anzugreifen, in der Hoffnung, wenn sie diese eroberten, dass sie alsdann Al-Kairo und Babylon, die großen aneinanderstoßenden Städte, desto besser bezwingen könnten. Und wenn dann also diese Städte als Wohnsitze der sarazenischen Fürsten, der Sultane, erobert würden, so trauten sie sich zu, dass alles barbarische sarazenische Volk nicht allein aus Jerusalem und aus dem Heiligen Land, sondern auch aus dem Umkreis der Erde ausgerottet werden sollte. Demnach wurde nach Christi Geburt 1218 im Mai diese Stadt Damiette belagert. Dieselbe Stadt ist mit drei sehr dicken Ziegelsteinmauern umfangen und von einem Arm des Nils, in der Größe des Tibers zu Rom, umflossen. Sie liegt vom Neuen Babylon gegen den Osten drei Tagesreisen und vom Berg Sinai sieben Tagesreisen entfernt. Diese Stadt Damiette liegt zwischen dem Meer und dem Fluss Nil und hat 28 hohe und unzählige kleine Türme. Unter anderem war daselbst ein Turm namens Pharea, dessengleichen an Dicke und Höhe nirgends gefunden wurde. Daraus schützte man die Krämer der Vorstadt und die allgemeinen äußeren Gebäude vor Meerräubern und Nachtdieben. Während nun unser Heer auf dem Zug vor die Stadt unterwegs war, ließ der Sultan diese Stadt mit Vorwerken und Bollwerken um diesen Turm und sonst überall bewahren und befestigen. Und während die Unseren solche Vorwerke und Bollwerke stürmten und den Turm ringsum mit Geschossen beschädigten, wurden täglich viele Leute verletzt, aber mehr von den Ungläubigen als von den Unseren. Als nun die Unseren diese Stadt im fünften Monat belagert hatten, unternahmen es etliche der Unseren, die Schildwache der Feinde zu erspähen. Und als sie aber an dasselbe Ende kamen und die Wächter entweder tief entschlafen oder aber nicht anwesend waren, da stiegen die Unseren auf die Mauern, zerhauten die Pforten und erstachen die zulaufenden Sarazenen, die das Getümmel hörten. Und derweil drangen die Christen durch die geöffneten Pforten hinein und eroberten also die Stadt. Und die Pforten und Befestigungen überall wurden den Christen zur Bewahrung und Besetzung übergeben. Und der erste und oberste Tempel derselben Stadt wurde zu einer Kirche in der Ehre der glorwürdigen Jungfrau, der Gottesgebärerin, aufgerichtet und zu einem Bistum geweiht. Damals hatte Damiette die Gestalt einer weitberühmten und mächtigen Stadt, in der große Überflüssigkeit an Gold, Silber und köstlichem Hausrat gefunden wurde. Das alles teilten der päpstliche Legat, die Könige und die Heerführer unter die christlichen Ritter gleichmäßig aus. So wurde auch gehandelt und beratschlagt von der Austeilung der liegenden Habe und Güter, die in der Stadt und auf dem Land vorhanden waren. Dazwischen gelangten die christlichen Angelegenheiten zu Damiette täglich mehr und mehr zur Besserung, so dass der päpstliche Legat, der ungarische König Andreas und andere vom Adel und der Ritterschaft hofften, den Sultan und seine Sarazenen gar bald zu besiegen. Und sie beschlossen mit gemeinsamem Rat, vor die Städte Al-Kairo und Babylon zu ziehen, dorthin hatte der Sultan dann schier alle fahrenden Güter, Kleinode und Reichtümer der Sarazenen geflüchtet. Nun bediente sich der Sultan solcher Listigkeit, dass er die Rinnen unter der Erde, wodurch das Wasser aus dem Nil überall in das Land geleitet wurde, abgraben ließ und alle Fütterung des Viehs entfernen ließ, so dass man so viel, womit sich Menschen und Vieh drei Tage erhalten könnten, nicht finden mochte. Dadurch kamen die Christen in noch eine größere Not, dass sie sich besorgten, wenn sie wiederum nach Damiette zurückkehren wollten, dass sie vielleicht in den abgegrabenen Rinnen der Wassergräben Schaden nehmen würden. Demnach sandten sie ihre Botschaft zu dem Sultan, bei dem erlangten sie Frieden mit der Bedingung, dass sie dem Sultan die Stadt Damiette mit aller Habe und Gütern, die darin gefunden wurden, überlassen sollten. So sollte er ihnen den Partikel des Kreuzes, den er hatte, zurückgeben, und die Gefangenen sollten gegeneinander freigelassen werden. Und das geschah nach Christi Geburt 1221. Die heilige Elisabeth, Tochter eines ungarischen Königs, eheliche Gemahlin eines Landgrafen zu Hessen, hat nach der Geburt unseres Heilands 1230 in deutschen Landen geleuchtet. Von Jugend auf gottdienstlicher Übung beflissen und alle ihre Werke in Gott geordnet, als eine Ausrotterin der Laster, ein Ebenbild der Geduld, ein Spiegel der Unschuld. Viel Verfolgung und Verschmähung von den Räten ihres Gemahls und von ihren Nächsten leidend, aber der Herr war ihr heimlicher Tröster. Der Landgraf, ihr Gemahl, gab ihr freie Gewalt, alle gütigen und gottdienstlichen Werke zu üben. Daraufhin ergab sie sich mit ganzen Kräften darin, bis in ihren Tod verharrend. Lustbare Dinge ihrem Mund entziehend, der Armen mit Baden, Betten, Kleiden, Wischen und Waschen pflegend und ihnen ein Spital bauend. Als sie nun also in tugendhafter Übung einen Schatz vieler guter Werke gesammelt hatte, da kehrte sie sich aus Begierde der Gemahlschaft Christi von der Gemeinschaft des irdischen Gemahls und legte hin die Kleidung weltlichen Ruhms und empfing von Meister Konrad von Marburgs Hand einen grauen Rock. Sie verachtete das Gepränge und die Ruhmredigkeit der Reichtümer und machte sich der Welt ganz verschmählich. Und starb nach wunderwirklichem und tugendhaftem Leben gar seliglich und wurde von Papst Gregor IX. in die Zahl der Heiligen geschrieben. Denn unter anderen unzähligen Wunderzeichen, die Gott durch sie tat, hat sie 16 Tote erweckt und einen Blindgeborenen sehend gemacht. Die fünf Bücher des geistlichen Rechts, Decretales genannt, zur Gleichnis der fünf Sinne, sind dieser Zeit von Papst Gregor IX. durch Beistand Raimunds nach Innozenz III. in eine Ordnung gebracht und in fünf Teile geteilt, in denen gar unterschiedliche Satzungen und Ordnungen begriffen sind, betreffend die höchste Dreifaltigkeit, den christlichen Glauben, Gerichte, Priesterschaft, Eheschaft und ihre Strafe etc. Raimundus vom Predigerorden, der dritte General desselben Ordens, an Lehre der Sitten und Heiligkeit des Lebens ein hervorragender Mann, ist dieser Zeit Papst Gregor IX. in der Zusammenstellung, Satzung und Ordnung der fünf Bücher des geistlichen Rechts, Decretales genannt, hilfreich, beiständig und anleitend gewesen. Und hat in der Hohen Schule zu Bologna das geistliche Recht gelesen und, wie man sagt, an Wunderwerken geschienen. Bartholomäus Brixianus, Odofredus, Accursius von Florenz, der Rechte ein hochgelehrter Mann... (Der Text ist hier abgeschnitten).