Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Prediger orden DEr prediger orden ist diser zeit als ein newes gestirn von sant Dominico goetlicher weiß erweckt vnd vnder sant Augustins regel gestiftet. Dann als sant Dominicus mit Fulcone dem bischoff zu Tholosa in das lateranensisch concili vnd zu babst Innocentio kome vnnd bestettigung diss ordens begeret. darinn sich doch der babst von newigkeit wegen diss dings schwerlich erzaiget. do sahe der babst bey nacht in dem schlaf als ob sich die lateranensisch sant iohans kirch zu rom auß irem gepewgschick entloeset vnd zu schwerem niderfal genaygt het do wer der man gottes dominicus mit seinen achßeln darunder gestanden vnd het den niderfal desselben gepews aufgehalten. Auß bewegnus solchs gesihts name der babst das begern an mit vermanung ein regeln zeerwelen. demnach keret er wider zu seinen. xvi. bruedern vnd ordneten zu Tholosa die regel der prediger. die wardt darnach von babst Honorio angenomen vnd bestettigt. Diser orden ist vnder andern oerden wider die ketzerey zu irer vertreibung vnd außrewtung alweg der vngestuemst vnnd heftigst gewest. Vnd auff das sie am ambt des predigens nit verhindert wuerden so setzten sie inen fuer ligende gueeter vnd ierlich zinss vnd rennt hinzewerffen. das dann darnach in gemaynem capitel zu Bononia beschloßen wardt. Disen orden hat nachfolgend Raymundus sant dominici nachkomen. vnd fueroan die andern an leben. lere vnd ordnungen wunderperlicher weyß geauffet. Die fuernamsten derselben sind Petrus der martrer. Thomas von aquino vnd Vincencius die behailligten. Auch Petrus von Tarantasia. Inncentius der fuenft. vnd Benedictus der. xi. bede bebst. Hugo cardinalis. Albertus der gross. Petrus de palude. Jacobus de voragine. Antoninus bischoff zu Florentz die heilligen beichtiger vnd vil ander. Parfuoßer orden. DIsen orden der parfuoßer. der myndern brueeder genant hat diser zeit babst Honorius (wiewol kuemerlich vnd schwerlich) bestettiget. dann der alt feind erkennet den kuenftigen nutz diss ordens in der kirchen gottes darumb mueet er sich den zu nichten zebringen. Disen orden hat der heillig Franciscus als einen garten der wollustperkeit vnd armuot mit vil großer arbait gepflantzt vnd ist auß der vngestueemigkeit diser werlt zu goetlichem dienst vnd anhang fliehende selbs erstlich darein getretten das er die andern sein mit bruedere mit den gaistlichen wassern der lere vnnd gnaden befeuechtigen moecht. Als er nw sahe das der orden sich an bruedern vnd schwestern auß anraytzung des heilligen gaists meret do machet er ein regel. die er selbs mit inpruenstigem hertzen hielt vnd seine mitbruedere zehalten vermanet. vnd ist das die regel. zu halten das heillig ewangelium vnßers herren ihesu cristi in gehorsam. armuot vnd keueschheit bis in den todt zeleben. Auß disem garten sind vil heilliger vnnd hohgelerter mann gewachßen. Nemlich Ludwig ein bischof Antonius vlixbonensis. Bonauentura ein cardinal. vnnd Bernhardinus von Senis alle vier in der heilligen zal geschriben. Auch drey bebst. Nicolaus der vierdt. Alexander der fuenft. vnd Sixtus der vierdt. vnd Alexander de ales. Richardus de media villa vnd vil ander vnzallich hohberuembt lerer. NAch der gepurt cristi tawsent.iic.xxi. iar haben die tartari Georgianam vnd das groeßer armenia vberzogen verheeret. verwueest vnd vnder sich gebracht. vnd sind darnach vber das ripheysch gepirg in Poln vnd Hungern komen. vnnd haben dieselben cristenlichen gegent mit zerruedung. name. prand vnd mord iemerlich beschedigt. veroesigt vnnd verderbt. JHerusalem die statt ist nw zum fuenften mal von Cordirio des großen Saladini sun. dieweil die cristen die statt Damiatam belegerten von grund auff verheeret worden. vnd doch der tempel des herren vnuerletzt bliben Aber als er ime fuergesetzt het das heillig grab anzegreiffen do wardt er durch bitte vnd anrueffen der cristen also erwaychet das er sein boßhaftigs fuernemen nit volstrecket. Sant Clara CLara die wunderwirdig vnd heillig iunckfraw von der statt Assis auß erberm geschlecht geporn (dann ir vater was ein ritter) vnd durch die zucht vnd ebenpild des heilligen Francisci zu goetlichen tugentlichen vbungen angewysen. ist diser zeit bey der statt Assis an tugent der heilligkeit vnd an gnaden in wirden vnd achtung gehalten worden. Sie hat bey sant Damians kirchen ein heillige sammlung vnd orden der armen frawen angefanngen vnnd darinn. xlii. iar mit wunderperlicher kestihung irs flaischs in vbung der tugent geleuechtet vnnd mancherlay wunderwerck mit den zaichen des creuetzs getan. Als aber die kirch vnder kaiser friderichen bedruckt was. vnd die feind die statt Assis. vnd die sarracen das iunckfraw closter bey sant Damian vberfallen hetten do ließe sie sich also kranck mit vorgeender monstranz darinn das heillige sacrament was fuer die feinnd tragen vnnd sprach ir gepet mit zehern zu got fragende. Mein herr ist es dir gefellig das dein vngewappente diern in die hend der haiden gegeben werden sollen. lieber herr behueete dein dienerin. do hoeret sie alßpald ein stymm sprechende. Ich wil euch alweg behueeten. vnd alßpald ließen die feind die bis auff die mawrn gestigen waren von irem feintlichen fuernemen. Babst Innncentius der vierdt mitsambt den cardineln hat sie in irem sterben haymgesucht vnd sie von ime vergebung aller suend erlangt. Also wardt sie von got gestercket dz sie in.xiiii. tagen kein leipliche speiß empfieng. darnach starb sie seligclich. Vnlanng darnach volget ir Agnes ir schwester nach. Als aber der herr in irer ere vil wunderzaichen getan het do wardt sie in die zal der heilligen geschriben. im iar des herren tawsent zwayhundert.lv. Sant Antoni von Padua ANtonius ein hispanier auß der statt Vlixibona puertig ein parfuosser bruder ein heilliger vnd mit vil tugenten gezierter man erstlich Ferdinandus getawft ist erstlich ein geregelter chorbruder gewest. Als er aber verstuond dz ettlich parfuoßer brueder vmb cristus willen ertoedt waren do name er fuer sie den orden an vnd helliget seinen leichnam wunderperlicher weiß. Er prediget vnd wonet langzeit zu Padua darumb nennet man in von dannen. Als er aber auß befelhe des babsts vil pilgrammen zu rom prediget do beweget er sein zungen also das die kriechen. frantzosen. teuetschen. lateinischen. engellendischen vnd alle die ine hoereten clerlich verstunden. dann er was also hohgelert das man ine ein archen der heilligen schrift nennet. Er starb diser zeit zu Padua in vnzallichen wunderzaichen beruembt. vnd wardt von babst Gregorio dem newnden alßpald in die zal der heilligen beichtiger geschriben. Als sein leichnam vil iar vnder der erden gelegen was vnnd von derselben stat an ein andere gelegt wardt so was sein zung in seinem mund noch also frisch vnd roetfar als ob er allererst deßmals verschieden wer Zu derselben zungen sprach der heillig Bonauentura O du gebenedeyte zung die du alweg got gebenedeyet hast Nw erscheynet wie gross verdiensts du gewest bist. Darnach in dem iar des herrn tawsent.iic.lxiii. haben die von Padua ein große schoene kirchen in seiner ere gepawt. Teuetscher brueder orden DEr teuetschen brueder orden in preueßen hat diser zeit vrsprung gehabt. daselbst dann pruteni das barbarisch vnd abgoettereisch volck bis auff kaiser friderichen den andern gewest ist. Dieweil nw die cristen vnder dem kaiserthumb desselben Friderichs die statt Ptolomaidam in Siria verlorn hetten do wurden die teuetschen brueeder sant Marie genant von dannen vertriben vnnd kereten widerumb in teuetsche lannd. Nw waren sie edel lewt vnd ritterlicher sachen erfarn vnd geuebet. auff das sie dann durch mueessigkeit nicht in verschwelckung koemen so hielten sie dem gemelten kaiser Friderichen fuer wie das land zu preueßen an teuetsche land stoßende nicht cristenlichs glawbens wer vnd das vnglawbig volck darinn offt die sachßen vnd andere inen nahendgelegne cristenliche voelcker vberfieln. angriffen vnd beschedigten. Nw weren die teuetschen brueeder in willen solch grob vnglawbig volck zezemen wo er der kaiser inen dasselb land so sie dz mit dem schwert eroberten volgen vnd ir bleiben lassen wolt. das verwilliget der kaiser mitsambt hertzog Cunraten von Mosauia der sich einen herren desselben lands nennet. vnd der kaiser gabe inen des einen brieff vnder der guldin bullen. Demnach brachten sie in kurtzer zeit alles preueßen land mit dem schwert in iren gewalt. Dise gegent ist reich an getrayd. vischen. willpret vih. wasser. wunn vnd wayde. auch vol inwonendes volcks. vnd mit vil namhaftigen stetten vnnd befestigung gezieret. Auß derselben zeit her hat sich daselbst das teuetsch gezueng vnnd der cristenlich glawb erhebt. So sind darnach ettwieuil bischoflich kirchen darinn auffgerichtet. Alda ist ein edels weyts geschloss Marieburg genant darinn hat der hoh mayster seynen hoff vnd wonung. vnnd nach dem die teuetschen disen orden erfunden haben. so wirdt nymant dann er sey ein teuetscher vnnd auß edeln eltern geporn in disen orden genomen. So fueeren sie in weyßem klait ein schwartzs creuetzs. in bedeuetdnus das sie wider die feynnd des creuetzs fechten woellen. Sie alle haben pert. außgenomen die priester. Fuer ir tagzeit beten sie das pater noster. vnnd lernen die schrift nicht. Sie sind ettwen reich vnd an mechtigkeit den koenigen gleich gewest vnd haben offt mit den polnern gefochten.
Der Predigerorden. Der Predigerorden ist zu dieser Zeit wie ein neues Gestirn von dem heiligen Dominikus auf göttliche Weise erweckt und unter der Regel des heiligen Augustinus gestiftet worden. Als nämlich der heilige Dominikus mit Fulko, dem Bischof von Toulouse, zum Laterankonzil und zu Papst Innozenz kam und die Bestätigung dieses Ordens begehrte, wobei sich der Papst wegen der Neuartigkeit dieser Sache jedoch schwer tat, da sah der Papst bei Nacht im Schlaf, als ob sich die Lateranische Sankt-Johannes-Kirche in Rom aus ihrem Gefüge gelöst und zu einem schweren Einsturz geneigt hätte. Da sei der Mann Gottes Dominikus mit seinen Schultern darunter gestanden und hätte den Einsturz desselben Gebäudes aufgehalten. Aus Bewegung solch eines Gesichts nahm der Papst das Begehren an mit der Ermahnung, eine Regel zu erwählen. Demnach kehrte er wieder zu seinen sechzehn Brüdern zurück und sie ordneten in Toulouse die Regel der Prediger. Diese wurde danach von Papst Honorius angenommen und bestätigt. Dieser Orden ist unter anderen Orden gegen die Ketzerei zu ihrer Vertreibung und Ausrottung stets der ungestümste und heftigste gewesen. Und damit sie im Amt des Predigens nicht behindert würden, so beschlossen sie, liegende Güter und jährliche Zinsen und Renten aufzugeben. Das wurde dann danach in einem Generalkapitel zu Bologna beschlossen. Diesen Orden hat nachfolgend Raimund, der Nachkomme des heiligen Dominikus, und fortan die anderen an Leben, Lehre und Ordnungen wunderbarer Weise aufgebaut. Die vornehmsten derselben sind Petrus der Märtyrer, Thomas von Aquin und Vinzenz die Heiligen. Auch Petrus von Tarentaise, Innozenz der Fünfte und Benedikt der Elfte, beide Päpste. Hugo Cardinalis, Albertus Magnus, Petrus de Palude, Jacobus de Voragine, Antoninus, Bischof zu Florenz, die heiligen Beichtväter und viele andere. Der Barfüßerorden. Diesen Orden der Barfüßer, der Minderbrüder genannt, hat zu dieser Zeit Papst Honorius (obwohl mühsam und schwer) bestätigt. Denn der alte Feind erkannte den künftigen Nutzen dieses Ordens in der Kirche Gottes, darum mühte er sich, ihn zunichtezumachen. Diesen Orden hat der heilige Franziskus als einen Garten der Wollustbarkeit und Armut mit viel großer Arbeit gepflanzt und ist aus der Ungestümigkeit dieser Welt zu göttlichem Dienst und Anhang fliehend selbst erstlich darein getreten, damit er die anderen, seine Mitbrüder, mit den geistlichen Wassern der Lehre und Gnaden befeuchten möchte. Als er nun sah, dass der Orden sich an Brüdern und Schwestern aus Anreizung des Heiligen Geistes mehrte, da machte er eine Regel, die er selbst mit inbrünstigem Herzen hielt und seine Mitbrüder zu halten ermahnte. Und das ist die Regel: das heilige Evangelium unseres Herrn Jesus Christus in Gehorsam, Armut und Keuschheit bis in den Tod zu leben. Aus diesem Garten sind viele heilige und hochgelehrte Männer gewachsen, nämlich Ludwig, ein Bischof, Antonius von Lissabon, Bonaventura, ein Kardinal, und Bernhardin von Siena, alle vier in die heilige Zahl geschrieben. Auch drei Päpste: Nikolaus der Vierte, Alexander der Fünfte und Sixtus der Vierte, und Alexander von Hales, Richard von Mediavilla und viele andere unzählige hochberühmte Lehrer. Nach der Geburt Christi im Jahr 1221 haben die Tataren Georgien und das größere Armenien überzogen, verheert, verwüstet und unter sich gebracht. Und sind danach über das Riphäische Gebirge nach Polen und Ungarn gekommen und haben dieselben christlichen Gegenden mit Zerstörung, Raub, Brand und Mord jämmerlich beschädigt, verwüstet und verdorben. Jerusalem, die Stadt, ist nun zum fünften Mal von al-Mu'azzam Isa, dem Sohn des großen Saladin, während die Christen die Stadt Damiette belagerten, von Grund auf verheert worden. Und doch blieb der Tempel des Herrn unverletzt. Aber als er sich vorgenommen hatte, das Heilige Grab anzugreifen, da wurde er durch Bitten und Anrufen der Christen so erweicht, dass er sein boshaftiges Vorhaben nicht vollstreckte. Die heilige Klara. Klara, die wunderwürdige und heilige Jungfrau aus der Stadt Assisi, aus ehrbarem Geschlecht geboren (denn ihr Vater war ein Ritter) und durch die Zucht und das Vorbild des heiligen Franziskus zu göttlichen tugendhaften Übungen angewiesen, ist zu dieser Zeit bei der Stadt Assisi an Tugend der Heiligkeit und an Gnaden in Würden und Achtung gehalten worden. Sie hat bei der Kirche Sankt Damian eine heilige Sammlung und einen Orden der armen Frauen angefangen und darin 42 Jahre mit wunderbarer Kasteiung ihres Fleisches in Übung der Tugend gelebt und mancherlei Wunderwerke mit dem Zeichen des Kreuzes getan. Als aber die Kirche unter Kaiser Friedrich bedrückt war und die Feinde die Stadt Assisi und die Sarazenen das Jungfrauenkloster bei Sankt Damian überfallen hatten, da ließ sie sich, obwohl krank, mit vorangehender Monstranz, darin das heilige Sakrament war, vor die Feinde tragen und sprach ihr Gebet mit Tränen zu Gott, fragend: „Mein Herr, ist es dir gefällig, dass deine unbewaffnete Dienerin in die Hände der Heiden gegeben werden soll? Lieber Herr, behüte deine Dienerin.“ Da hörte sie alsbald eine Stimme sprechen: „Ich will euch allezeit behüten.“ Und alsbald ließen die Feinde, die bis auf die Mauern gestiegen waren, von ihrem feindlichen Vorhaben ab. Papst Innozenz der Vierte mitsamt den Kardinälen hat sie in ihrem Sterben heimgesucht und sie von ihm Vergebung aller Sünden erlangt. So wurde sie von Gott gestärkt, dass sie in 14 Tagen keine leibliche Speise empfing. Danach starb sie seliglich. Unlängst danach folgte ihr Agnes, ihre Schwester, nach. Als aber der Herr in ihrer Ehre viele Wunderzeichen getan hatte, da wurde sie in die Zahl der Heiligen geschrieben im Jahr des Herrn 1255. Der heilige Antonius von Padua. Antonius, ein Spanier, aus der Stadt Lissabon gebürtig, ein Barfüßerbruder, ein heiliger und mit vielen Tugenden gezierter Mann, erstlich Ferdinand getauft, ist zuerst ein geregelter Chorherr gewesen. Als er aber verstand, dass etliche Barfüßerbrüder um Christi willen getötet waren, da nahm er für sie den Orden an und heiligte seinen Leichnam auf wunderbare Weise. Er predigte und wohnte lange Zeit zu Padua, darum nennt man ihn von dannen. Als er aber auf Befehl des Papstes vielen Pilgern zu Rom predigte, da bewegte er seine Zunge so, dass die Griechen, Franzosen, Deutschen, Lateiner, Engländer und alle, die ihn hörten, klar verstanden. Denn er war so hochgelehrt, dass man ihn eine Arche der Heiligen Schrift nannte. Er starb zu dieser Zeit zu Padua, berühmt durch unzählige Wunderzeichen. Und wurde von Papst Gregor dem Neunten alsbald in die Zahl der heiligen Beichtväter geschrieben. Als sein Leichnam viele Jahre unter der Erde gelegen war und von derselben Stätte an eine andere gelegt wurde, da war seine Zunge in seinem Mund noch so frisch und rotfarben, als ob er allererst damals verschieden wäre. Zu derselben Zunge sprach der heilige Bonaventura: „O du gebenedeite Zunge, die du allezeit Gott gebenedeit hast, nun erscheint, wie groß dein Verdienst gewesen bist.“ Danach, im Jahr des Herrn 1263, haben die von Padua eine große, schöne Kirche in seiner Ehre gebaut. Deutscher Brüderorden.