Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Linea der bebst // Honorius der dritt HOnorius der dritt ein roemer wardt durch die cardinel zu Perusia zu babst erkorn. vnd soelche wal eylender denn vormals gewoenlicher weiß beschehen wz fuergenomen. dann die burger zu Perusia betrachteten die nott vnd beschwerde des verlornen gelobten lands vnd der krieg in welschen landen. dem nach verschluossen sie die cardinel beyeinander vnd gaben inen al tag mynder speyß auff dz sie die wal dest fuerderlichen thuon solten da mit dester eer zu hanndlung eins frids vnd anligender sachen der cristenheit gegriffen wuerd. Als nw diser babst den gewalt empfieng vnd eingesetzt wardt do vnderstund er sich durch sein botschaft vnnd legaten die handlung von seinem vorfarn angefenngt zuuolstrecken. dar zu vermanet ine auch Petrus der Constantinopolitanisch kaiser. den dann vnlang darnach mit Jolem seiner gemahel diser babst mit der kaiserlichen kron in sant Laurentzien kirchen außerhalb Rom begabet. vnd darnach zu handlung der cristenheit sachen Johannem von der seueln den cardinal zu einem legaten des babstlichen stuols geordnet. Diser babst hat Friderichen dem andern den kaiserlichen tittel gegeben. vnd ine doch darnach auß verschuldung seiner wirdigkeit entsetzet. vnd den koenig von iherusalem auß Asia gein rom komende gar gueetlich empfangen vnd vil gaistlicher satzung gemacht vnd auch ettliche koestliche gepew an den gotzhewßern zu rom gethan. Zu letst starb er in dem. xi. iar seins babstthumbs. Gregorius der newnd GRegorius der newnd zu babst erkorn vermanet kaiser Friderichen seinem zusagen nach den zug in dass heillig land fuerneme vnd volstrecket mit bedroung wo er dem kuertzlich nit noch koeme so wolt er die erkantnus vnd vrteil des pans vnd entsetzung von seinem vorfarn wider ine außgangen von newem bestettigen vnnd wider beschweren. demnach verhieß Friderich die ding fuerzenemen. vnnd wardt deßhalb ein tag zu Prundusio zusamen zekomen bestymbt. daselbsthin kome ein grosse menig volcks. sunderlich auß teuetschem land. der lantgraff zu hessen der dann mit großer anzal der ritter zu Prundusio starb. dieweil enthielt sich friderich in Sicilia in gestalt getichter kranckheit. Als aber Friderich des absterbens diss lantgrafen berichtet wardt do schiffet er in großer eyl gein Prundusio vnd name alle des lanndgrafen daselbst gelaßne habe vnd klaynat. Do nw diser babst Gregorius die arglistigkeit diss Friderichs erkennet do bestettiget er die vrteil des pans vnnd der entsetzung seins vorfarn wider disen Friderichen dauor beschehen. Vnder disen lewften vnd dieweil der babst von rom außen was do vnderstunden sich die roemischen ratherren wider ordnung der kirchen zehandeln vnd abfellig zewerden. also das auch Hanibal einer auß denselben ratherren in ketzerey verwilliget. dar ein vil briester gefallen waren. die besorgten sich auff des babsts widerkunft vnd macheten ein auffruor. aber die goetlich rachßale geschwayget sie pald. dann die Tiber ward also gross das sie vil schadens vrsachet. darnach kome ein soelche pestilentz das kawm der zehend mensch lebendig blib. do gab der babst haimlich vnd offenlich vil almuosens vnd hat sunst vil besserung. gepewe vnd bewarung an der statt rom gestiftet. Als aber diser babst zu letst vil beschwerde vnd bekoemernus von kaiser Friderichen erlidden het do berueffet er auß rat der koenig zu franckreich vnd engelland allermenigclichen auß dem cristenlichen vmbkrays zu eim concili. aber die straßen warden zu land vnd wasser durch kayser Friderichen verschloßen vnnd die cardinel von der pisanischen schiffung gefangen. vnd dardurch das concili verhindert. vnnd diser babst starb zu letst im. xv. iar seins babstthumbs. Celestinus der vierd CElestinus der vierdt von Mayland vormals ein Sabinensischer bischoff ein tugentlicher vnd wolgelerter man. aber doch alt vnd kranck wardt nach Gregorio zu babst erkorn. Der schicket zu Friderichen. der die statt Fauenciam belegeret het vnd het ine mit vil verhaißungen gern gewaichet. aber vor vnnd ee ime Friderich antwurtten mocht do starb celestinus am. xviii. tag seins babstthumbs. vnd der babstlich stuol stuond deßmals. xxi. monat oede auß vrsachen der fengknus der cardinel. als hieuor gemelt ist. die dann protestirten vnd bezeuegten das on sie kein wale einichs babst beschehen moecht. Deßmals was das gantz welsch land durch des obgemelten kayser Friderichs auffruor also bedruckt dz man sich teglich besorget er wuerdt die statt rom einnemen Linea der kaiser // Friderich der ander FRiderich des namens der ander wardt nach der gepurt cristi tawsent.iic.xii. iar nach entsetzung des vorgenanten kaiser Otten von den churfuersten an sein statt gesetzt vnd von babst Honorio bestettigt vnnd zu kaiser bekroenet. vnnd regiret xxxiii. iar. Diser Friderich was kaiser Heinrichs des sechsten sun auß Constancia seyner gemahel des koenigs Sicilie tochter in der statt Panormo vnder einem gezeldt mitten in einer gaßen geporn. dann die kaiserin constancia was also alt das nymant glawbet das sie nochmals perhaftig sein moecht. Auf das aber menigclichem solcher argkwon genomen wuerd vnnd die weyber freyen zugang zu irer geperung hetten so gepare sie also offenlich. Diser Friderich wardt vnder der gubernirung der kirchen vnd des babsts Innocentii erzogen vnnd darnach also ein mechtiger kaiser vnnd herr welschs lands Sicilie Sardinie Jherusalem vnd des Schwabenlands das keyner dz roemisch kaiserthumb großmechtigclicher ye inngehalten hat. dann er wz der kriegshendel geuebt. vnd der lateinischen. teuetschen. kriechischen. gallischen vnnd sarracenischen zungen kuendig vnd erfarn. auch kreftig milt vnd großtetig. aber doch nit on laster. vnkeuesch. nichtz dann zeitlichs achtende. Er het mit vil babsten krieg vnd widerwertigkeit. doch tet er große gepew in allen stetten des koenigreichs Apulie vnd Sicilie. Er het auß seiner ersten gemahel zwen suen Heinrichen vnd Cunraten. die machet er mitgenossen des reichs. Auß seiner andern gemahel des koenigs zu Jherusalem tochter het er den sun Jordanem. vnd auß seinem koebßweibe Friderichen koenig zu Antiochia. Manfredum den fuersten Tarenti darnach koenig zu Sicilia. vnd Rentzrundem machet er koenig zu Sardinia. Diser Friderich het erstlich nach empfangner kron der teuetschen koenig zu mayntz sein anwesen vnnd wonung in schwaben dem lannd seins geschlechts. Als er von der nyderlag die kaiser Otto erlidden het hoeret do bracht er die kaiserlichen statt Ach. die durch belegerung bedrueckt was wider in seinen gewalt. Alda er dann auß gewalt babst Innocentii des dritten die koenigclichen kron als gewoneit ist abermals empfienge. vnnd das er got dem herren ein danckperkeit erzaigete so ließ er sich mit dem creuetz zaichnen vnnd tet offenlich geluebde den cristglawbigen in asia hilff zethun. vnd dz er auch gein dem babst nit vndanckper erschyne so gabe er der roemischen kirchen ein guete grafschaft von dem koenigreich Sicilie. Als er nw zu roemischem koenig erkorn was worden do zohe er nach absterben Ottonis gein rome vnd empfieng daselbst von babst honorio die kaiserlichen kron. vnd wiewol er von Constancia seiner muoter bis in das. xxviii. iar seins alters zu guoten tugentlichen vnd loeblichen dingen gezogen vnnd vermanet wardt. yedoch verwandelt er seine guote sytten nach absterben seiner muter vnloeblich. dann er verachtet sein beschehens geluebde vnd vnderfieng sich vil grober handlung. vnd sunderlich der kirchen das ir abzedringen. Aber nach dem er auff vilfeltig gueetlich ersuchlig vnd vermanung seinem geluebd vnd zusagen nicht volg thun. noch auch der kirchen ire abgedrungene gueeter widergeben wolt do wardt er vom babst verpannet. vnd wiewol diser Friderich darnach abermals verhieße seinem geluebd nachzekomen vnd dem babst Gregorio zewillfaren so wardt er doch widerumb versewmlich vnd pruechig. dann wiewol er von Prandusio außschiffet so keret er doch bey nacht pald widerumb daselbsthin. Als er aber deßhalb von babst Gregorio mit dem pann verfolget wardt do schicket er seinen marschalck wider den soldan vorhin vnd kome darnach auch selbs fuer die statt Ptolomaidam. aber er ließ sein botschaft hinnder ime bey dem babst absolution zeerlanngen. Do ime der babst die nit geben wolt do zohe er wider hindersich in welsche land vnnd tet alda land vnd lewten vil bedrannknus vnnd vbels. den zwayen widerpartheyen Gibellinis vnd Guelfis gegen einander hilff raichende. Zu letst verfluchet vnd entsetzet babst Innocentius disen Friderichen vnd zelet alle ime verwandten irer pflicht ledig. Darnach wardt er bey Parma in eim streyt vberwunden. vnd zu letst durch Manfredum seinen sun mit gift getoedt oder ersteckt. left EIn finsternus der gantzen sunnen beschahe im iar des herren tawsent.iic.xxxviii. am sechsten tag iunii vmb die newnden stund vnd was also finster wie die nacht Die bedeuetet (als man maynet) den tod babst Gregorii des newnden vnd verdruckung der kirchen durch kaiser Friderichen. GRoss erdpidem entstunden vrberling vnd also gross hagel in den Saluinischen bergen das bey fuenftawsent menschen dauon vergiengen. Desselben iars ward Frießenland von den meer flueßen schier gantz versenckt. also das bey hunder tawsent menschen darinn verdurben.
Das sechste Zeitalter. Die Linie der Päpste. Honorius der Dritte. Honorius der Dritte, ein Römer, wurde von den Kardinälen in Perugia zum Papst gewählt. Diese Wahl wurde eiliger als gewöhnlich vorgenommen, denn die Bürger von Perugia bedachten die Not und Beschwerde des verlorenen Gelobten Landes und der Kriege in den welschen Ländern. Demnach schlossen sie die Kardinäle beieinander ein und gaben ihnen jeden Tag weniger Speise, damit sie die Wahl desto förderlicher tun sollten, damit desto eher zur Handlung eines Friedens und anliegender Sachen der Christenheit gegriffen würde. Als nun dieser Papst die Gewalt empfing und eingesetzt wurde, da unternahm er es, durch seine Botschaft und Legaten die Handlung, die von seinem Vorfahren angefangen wurde, zu vollstrecken. Dazu ermahnte ihn auch Petrus, der konstantinopolitanische Kaiser, den dann unlängst darnach mit Jolem, seiner Gemahlin, dieser Papst mit der kaiserlichen Krone in Sankt Laurentius' Kirche außerhalb Roms begabte. Und darnach zur Handlung der Christenheitssachen Johannes von der Sieben, den Kardinal, zu einem Legaten des päpstlichen Stuhls ordnete. Dieser Papst hat Friedrich dem Zweiten den kaiserlichen Titel gegeben und ihn doch darnach aus Verschuldung seiner Würdigkeit entsetzt. Und den König von Jerusalem, aus Asia kommend, gar gütlich empfangen und viele geistliche Satzungen gemacht und auch etliche köstliche Gebäude an den Gotteshäusern zu Rom getan. Zuletzt starb er im elften Jahr seines Papsttums. Gregorius der Neunte. Gregorius der Neunte, zum Papst erkoren, ermahnte Kaiser Friedrich, seinem Zusagen nach den Zug in das Heilige Land vorzunehmen und zu vollstrecken, mit der Bedrohung, wo er dem kürzlich nicht nachkäme, so wollte er die Erkenntnis und das Urteil des Banns und der Entsetzung von seinem Vorfahren wider ihn ausgegangen von Neuem bestätigen und wieder beschweren. Demnach verhieß Friedrich, die Dinge vorzunehmen, und ward deshalb ein Tag zu Brindisi zusammenzukommen bestimmt. Dorthin kam eine große Menge Volkes, besonders aus deutschem Land. Der Landgraf zu Hessen, der dann mit großer Anzahl der Ritter zu Brindisi starb. Dieweil enthielt sich Friedrich in Sizilien in Gestalt getäuschter Krankheit. Als aber Friedrich des Absterbens dieses Landgrafen berichtet wurde, da schiffte er in großer Eile gen Brindisi und nahm alle des Landgrafen daselbst gelassene Habe und Kleinodien. Als nun dieser Papst Gregorius die Arglistigkeit dieses Friedrichs erkannte, da bestätigte er das Urteil des Banns und der Entsetzung seines Vorfahren wider diesen Friedrich, das zuvor geschehen war. Unter diesen Läuften und dieweil der Papst von Rom außen war, da unternahmen sich die römischen Ratsherren, wider Ordnung der Kirche zu handeln und abfällig zu werden, also dass auch Hannibal, einer aus denselben Ratsherren, in Ketzerei einwilligte, darein viele Priester gefallen waren. Die besorgten sich auf des Papstes Widerkunft und machten einen Aufruhr. Aber die göttliche Rachsale schweigete sie bald, denn die Tiber ward also groß, dass sie viel Schadens verursachte. Darnach kam eine solche Pestilenz, dass kaum der zehnte Mensch lebendig blieb. Da gab der Papst heimlich und öffentlich viel Almosen und hat sonst viele Besserungen, Gebäude und Bewahrungen an der Stadt Rom gestiftet. Als aber dieser Papst zuletzt viel Beschwerde und Bekümmernis von Kaiser Friedrich erlitten hatte, da berief er aus Rat der Könige zu Frankreich und England allermänniglich aus dem christlichen Umkreis zu einem Konzil. Aber die Straßen wurden zu Land und Wasser durch Kaiser Friedrich verschlossen und die Kardinäle von der pisanischen Schiffung gefangen, und dadurch das Konzil verhindert. Und dieser Papst starb zuletzt im fünfzehnten Jahr seines Papsttums. Coelestinus der Vierte. Coelestinus der Vierte von Mailand, vormals ein sabinensischer Bischof, ein tugendhafter und wohlgelehrter Mann, aber doch alt und krank, ward nach Gregorius zum Papst erkoren. Der schickte zu Friedrich, der die Stadt Faenza belagert hatte, und hätte ihn mit vielen Verheißungen gern gewichen. Aber vor und ehe ihm Friedrich antworten mochte, da starb Coelestinus am achtzehnten Tag seines Papsttums. Und der päpstliche Stuhl stand desmals einundzwanzig Monate öde aus Ursachen der Gefangenschaft der Kardinäle, als hievor gemeldet ist, die dann protestierten und bezeugten, dass ohne sie keine Wahl eines Papstes geschehen mochte. Desmals war das ganze welsche Land durch des obgemelten Kaisers Friedrichs Aufruhr also bedrückt, dass man sich täglich besorgte, er würde die Stadt Rom einnehmen. Die Linie der Kaiser. Friedrich der Zweite. Friedrich, des Namens der Zweite, ward nach der Geburt Christi tausendzweihundertzwölf Jahre nach Entsetzung des vorgenannten Kaisers Otto von den Kurfürsten an seine Statt gesetzt und von Papst Honorius bestätigt und zu Kaiser gekrönt und regierte dreiunddreißig Jahre. Dieser Friedrich war Kaiser Heinrichs des Sechsten Sohn aus Konstanze, seiner Gemahlin, des Königs von Sizilien Tochter, in der Stadt Palermo unter einem Gezelt mitten in einer Gasse geboren. Dann die Kaiserin Konstanze war also alt, dass niemand glaubte, dass sie nochmals schwanger sein mochte. Auf dass aber männiglich solcher Argwohn genommen würde und die Weiber freien Zugang zu ihrer Geburt hätten, so gebar sie also öffentlich. Dieser Friedrich ward unter der Regierung der Kirche und des Papstes Innozenz erzogen und darnach also ein mächtiger Kaiser und Herr welschen Landes, Siziliens, Sardiniens, Jerusalems und des Schwabenlandes, dass keiner das römische Kaisertum großmächtiger je innegehalten hat. Dann er war der Kriegshändel geübt und der lateinischen, deutschen, griechischen, gallischen und sarazenischen Zungen kundig und erfahren, auch kräftig, mild und großtätig, aber doch nicht ohne Laster: unkeusch, nichts dann Zeitliches achtend. Er hatte mit vielen Päpsten Krieg und Widerwärtigkeit. Doch tat er große Gebäude in allen Städten des Königreichs Apulien und Sizilien. Er hatte aus seiner ersten Gemahlin zwei Söhne, Heinrich und Konrad. Die machte er Mitgenossen des Reichs. Aus seiner anderen Gemahlin, des Königs zu Jerusalem Tochter, hatte er den Sohn Jordan. Und aus seinem Kebsweibe Friedrich, König zu Antiochia, Manfred, den Fürsten von Tarent, darnach König zu Sizilien, und Enzio machte er König zu Sardinien. Dieser Friedrich hatte erstlich nach empfangener Krone der deutschen Könige zu Mainz sein Anwesen und Wohnung in Schwaben, dem Land seines Geschlechts. Als er von der Niederlage, die Kaiser Otto erlitten hatte, hörte, da brachte er die kaiserliche Stadt Aachen, die durch Belagerung bedrückt war, wieder in seinen Gewalt. Alda er dann aus Gewalt Papst Innozenz des Dritten die königliche Krone, als gewohnt ist, abermals empfing. Und dass er Gott dem Herrn eine Dankbarkeit erzeigte, so ließ er sich mit dem Kreuz zeichnen und tat öffentlich Gelübde, den Christgläubigen in Asien Hilfe zu tun. Und dass er auch gegen den Papst nicht undankbar erschiene, so gab er der römischen Kirche eine gute Grafschaft von dem Königreich Sizilien. Als er nun zu römischem König erkoren war worden, da zog er nach Absterben Ottos gen Rom und empfing daselbst von Papst Honorius den...