Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Orden der creuetztrager DEr creuetzer orden in dem lateranensischen concili vor langst angefengt. aber beyweiln vnderlessig bliben. wardt von babst Innocentio dem dritten in dem. xviii. iar seins babstthumbs widerauffgerichtet vnd bestettigt Der vrsprung diss ordens kombt also her das vnder den albaniern ein schedliche arge ketzerey entstund. die in dem roemischen volck vnd pfafheit ein große widerwertigkeyt vrsachet. darumb schicket der babst vil mit dem creuetz bezaichente wider dieselben ketzer. die warden vberwunden right Dem nach richtet er disen lang erloschen orden wider auf mit begabung vil freyheit vnd gnaden. Disem orden setzet darnach babst Innocentius der vierd zu lyon deßmals wesende ein regel. gepietende dz die gaistlichen diss ordens alweg ein creuetz in der hannd tragen solten. Vnnd Quiriacus der bischof vnd martrer sol zu der zeit Helene des grossen constantini muoter ein anfenger vnd layter diss ordens gewesen sein. aber diser orden ist bißher in abnemung komen vnnd schier zu nichten worden. DAvid ein Persier auß vnedelm geschlecht vnder inen geporn ein koenig des tartarischen volcks gar ein grosmueetig man hat diser zeit auß dem gepirg indierlands mit allen mannen vnd weibern seins volcks in feyndlicher maynung außgerayset vnd alle nahend gelegne stett gepluendert vnd berawbet. vnd sein volck mit außtaylung solchs rawbs vnder sie also geraytzt vnd willig gemacht das er mit inen fuerter Parthiam Medeam Assiriam Persiam Armeniam vnnd Sarmaciam in kuortzer zeit durchzogen vnd bis an das gestadt der Meotidischen pfuetzen komen ist. daselbst haben sie sich nidergelassen vnd grosse macht vnd gewalt vberkomen. Dise tartern sind vngestalt menschen. großer poltzender awgen. prayter antlitze. stirn vnnd nasen. mittelmassiger person. vnnd also stoltz vnd vbermueetig das sie irem herren Cham einen sun gottes nennen. yetzo ist Vso cassan ir fuerst. Orden der Carmeliten DIser orden der Carmeliten ist diser zeit in dem lannd Syria bey dem berg Carmelo von Alberto dem patriarchen zu iherusalem erweckt vnd mit vil freyheyten von ime begabet worden. vnd er hat demselben orden auß seinem gewalt ein regel gesetzt vnd bestettigt. Als nw diser orden sich in die werlt außpraytet vnd an treffenlichen cloestern vnnd personen teglich gemeret wardt do hat er vil anfechtung lannge zeit gelidden. Aber nach dem darnach babst Honorius der dritt betrachtet das solcher heilliger orden vnbillich solang angefochten vnd ettwen verfolgt worden wer so hat er disen orden. doch mit ettlicher verendrung des klaids vnder dem tittel der iunckfrawen Marie von dem berg Carmelo angenomen vnd bestettigt. dann man sagt dieweil diser orden seine erste beklaidung getragen het do wer er bey dem soldan in großer ere gehalten vnd mit vil almuosens begabet. vnd doch nach verendrung desselben klaids auß desselben soldans koenigreich vertriben worden. also das der von notwegen het mueßen in europam komen. alda hat diser orden wunderperlicher weyß gewachßen. vnd vil an heilligkeit vnd kunst hohberuembt vnd treffenlich mann geporn. Als Angelum Albertum Cyrillum vnd andere etc. Sant Dominicus DOminicus ein hispanier an heilligkeit vnd lere fast gezieret. ein layter. fueerer vnd vater der prediger hat diser zeit als ein morgenstern des cristenlichen glawbens geschynen. vnd ward in dem dorff calogura oder calaroga des Exoniensischen bistthumbs geporn Sein vater hieß Felix vnd sein muoter Johanna. die hetten drey suene. die warden gelert vnd zu briestern geweihet. Der dritt was diser selig Dominicus. Sein muoter sahe in dem schlaffe wie sie ein welflein ein angezundte fackeln in dem mund haltende truege. vnd als es auß irem leib gienge do zuendet es die gantzen werlt an in vorbedeuetnus das auß ir ein treffenlicher außpuendiger prediger geporn solt werden. dann er wz ein wunderperlicher schelter der laster. abstuermer der ketzerey vnd fleissiger vermaner der cristglawbigen. vnd von iugent auff wuchße mit ime die erbermdnus. Er was erstlich ein geregelter chorbruder. aber darnach hat er auß goettlicher fordrung mit seinen mit brueedern der prediger orden in vnglewplicher inpruenstigkeit eingestiftet. vnd das klaid des ordens von der hohwirdigsten gottes gepererin Maria empfangen. vnd entstandne ketzerey in gallia außgerewtet. Diser dominicus ein vater der gaistlichkeit hat darnach von babst Honorio. als er hoeret das die widerspennigen vnd zwittrachtigen zu Tholosa gezemet waren bestettigung des ordens erlanget. vnd als er nach solcher bestettigung vil cloester auffrichtet. wunderwerck vnnd zaichen getan. vnnd mancherlay gegent mit leren vnd predigen durchschwayfft vnnd erleuechtet het do do starb er zu Bononia nach der gepurt cristi tawsent zwayhundert dreyundzweintzig iar. vnnd wardt von babst Gregorio dem newndten in der heilligen zal geschryben. Sant franciscus FRanciscus ein walhe auß der statt Assis puertig wol ein goetlicher man vnnd erster einstifter des ordens der myndern brueder. was bey den iarn des herren tawsent. iic.viii. erstlich ein kawffman vnnd ein gantzer werlt mensch bis in das. xxv. iar. darnach verschmehet er alle irdische ding vnd folget cristo in allem seinem leben nach Vnd als er nw ettwielang geschueht vnd mit ringken geguert gangen was do wardt er gedechtig des worts des herren sprechende. Wer zu mir koembt vnd sich nit verzeyhet aller ding der mag nit mein iunger sein. vnd wurffe alle ding von ime vnnd leget ein vnachtpers schnoeds klaid an vnd guertet sich mit einem strick vnd fienge alßpald einen newen orden an. Mit dem hat er als die sunn in der werlt scheynende den cristenlichen stand hoh erleuechtet. Er was imeselbs also gestrenng vnnd hert das er in anfechtung des fleischs sich zu wintterzeit mit schne oder eyße decket. Er hieß die armuot alweg sein herrin. So hoeret er lieber schmahe dann lob von ime sagen. vnd verhueetet mit allem fleiß das er nit das zil der armuot vbertretende zu vberflueßigkeit koeme. Sein hertz schwebet in begirde der marter. darumb zohe er in dem sechsten iar seins angenomen ordens in Syriam vnd gienge fuor den Soldan. der empfienge in erlich. Zway iar vor seinem tod sahe er durch ein gesyhte ein engel in dem lufft mit sechs fluegeln mit außgestreckten henden vnnd mit zusamen gethanen fueßen an ein creuetz geheftet. zwen fluegen waren vber das hawbt außgereckt. vnd zwen zu fliegen außgespant vnd mit zwayen wardt der gantz leib bedecket. vnd die weil er solchs gesyhte lennger betrachtet do erschynen in seinen henden als narben der nagel. vnd sein rechte seyten als mit einem sper durchgraben. Als er nw. xviii. iar sichselbs vermueedet vnd seinem flaisch kein ruoe gelassen het do starb er zu Assis in seinem haymend im iar vnßers hayls tawsent. iic.xxii. vnd ward vber zway iar darnach durch babst Gregorium den newndten von der wunderwerck wegen die er von ime hoeret sagen. nach großer deßhalb gehalter versammlung alßpald in der heilligen zal geschriben. left ERdpidem vnd vil wundergestalter ding sinnd in disen iaren schier allenthalben gewesen. also das die stett Antiochia Tripolis vnnd Damascus gross tayls einfieln. So ertrencket das meer in einer innseln Sicilie wider des wassers natur hindersich weichende schier tawsent menschen. So fieln in welschem lannd hagelstayn groeßer denn die ganß ayre. EIn wunderlichs zaichen erschine im nydergang nach der sunnen an einem stern von mittem tag gein dem nidergang steygende. vnd wardt auch ein glantz als ein grosser palck gesehen aufsteygende in die hoeh des firmaments.
Der Orden der Kreuzträger. Der Kreuzfahrerorden, der im Laterankonzil vor langer Zeit begonnen, aber zwischenzeitlich unterbrochen worden war, wurde von Papst Innozenz III. im 18. Jahr seines Pontifikats wiederhergestellt und bestätigt. Der Ursprung dieses Ordens kommt daher, dass unter den Albanern eine schädliche, böse Ketzerei entstand, die im römischen Volk und der Priesterschaft große Widerwärtigkeiten verursachte. Darum schickte der Papst viele mit dem Kreuz Gezeichnete gegen diese Ketzer, die überwunden wurden. Danach richtete er diesen lange erloschenen Orden wieder auf, indem er ihm viele Freiheiten und Gnaden verlieh. Diesem Orden setzte danach Papst Innozenz IV., der sich damals in Lyon aufhielt, eine Regel, die gebot, dass die Geistlichen dieses Ordens stets ein Kreuz in der Hand tragen sollten. Und Quiriacus, der Bischof und Märtyrer, soll zu der Zeit Helena, der Mutter des großen Konstantin, ein Anfänger und Leiter dieses Ordens gewesen sein. Aber dieser Orden ist bisher in Verfall geraten und fast zu nichts geworden. David, ein Perser aus unedlem Geschlecht, unter ihnen geboren, ein König des tatarischen Volkes, ein sehr großmütiger Mann, ist zu dieser Zeit aus dem Gebirge Indiens mit allen Männern und Frauen seines Volkes in feindlicher Absicht ausgezogen und hat alle nahegelegenen Städte geplündert und beraubt. Und er hat sein Volk durch die Verteilung solcher Beute unter sie so gereizt und willig gemacht, dass er mit ihnen in kurzer Zeit Parthien, Medien, Assyrien, Persien, Armenien und Sarmatien durchzogen und bis an das Gestade der Mäotischen Pfützen gekommen ist. Daselbst haben sie sich niedergelassen und große Macht und Gewalt erlangt. Diese Tataren sind ungestalte Menschen, mit großen, hervorquellenden Augen, breiten Gesichtern, Stirnen und Nasen, von mittlerer Statur. Und sie sind so stolz und übermütig, dass sie ihren Herrn Cham einen Sohn Gottes nennen. Jetzt ist Uso Cassan ihr Fürst. Orden der Karmeliten. Dieser Orden der Karmeliten ist zu dieser Zeit im Land Syrien bei dem Berg Karmel von Albert, dem Patriarchen zu Jerusalem, erweckt und mit vielen Freiheiten von ihm begabt worden. Und er hat demselben Orden aus seiner Gewalt eine Regel gesetzt und bestätigt. Als nun dieser Orden sich in die Welt ausbreitete und an trefflichen Klöstern und Personen täglich gemehrt wurde, da hat er lange Zeit viele Anfechtungen erlitten. Aber nachdem danach Papst Honorius III. betrachtete, dass solch heiliger Orden unbillig so lange angefochten und bisweilen verfolgt worden war, so hat er diesen Orden, doch mit etlicher Veränderung des Kleides, unter dem Titel der Jungfrau Maria vom Berg Karmel angenommen und bestätigt. Denn man sagt, solange dieser Orden seine erste Bekleidung getragen hatte, da sei er bei dem Sultan in großer Ehre gehalten und mit vielen Almosen begabt worden. Und doch nach Veränderung desselben Kleides aus desselben Sultans Königreich vertrieben worden, sodass er notgedrungen nach Europa kommen musste. Dort ist dieser Orden wunderbarer Weise gewachsen und hat viele an Heiligkeit und Kunst hochberühmte und treffliche Männer hervorgebracht, wie Angelus, Albertus, Cyrillus und andere etc. Sankt Dominikus. Dominikus, ein Spanier, an Heiligkeit und Lehre sehr geziert, ein Leiter, Führer und Vater der Prediger, hat zu dieser Zeit als ein Morgenstern des christlichen Glaubens geschienen. Und er wurde in dem Dorf Calogura oder Calaroga des Bistums Exonien geboren. Sein Vater hieß Felix und seine Mutter Johanna. Die hatten drei Söhne, die gelehrt und zu Priestern geweiht wurden. Der dritte war dieser selige Dominikus. Seine Mutter sah im Schlaf, wie sie ein Wölflein trug, das eine angezündete Fackel im Mund hielt. Und als es aus ihrem Leib ging, da zündete es die ganze Welt an, in Vorbedeutung, dass aus ihr ein trefflicher, hervorragender Prediger geboren werden sollte. Denn er war ein wunderbarer Schelter der Laster, Abstuermer der Ketzerei und fleißiger Ermahner der Christgläubigen. Und von Jugend auf wuchs mit ihm die Barmherzigkeit. Er war erstlich ein geregelter Chorbruder. Aber danach hat er aus göttlicher Forderung mit seinen Mitbrüdern den Predigerorden in unglaublicher Inbrunst gestiftet. Und das Kleid des Ordens von der hochwürdigsten Gottesgebärerin Maria empfangen. Und entstandene Ketzerei in Gallien ausgerottet. Dieser Dominikus, ein Vater der Geistlichkeit, hat danach von Papst Honorius, als er hörte, dass die Widerspenstigen und Zwieträchtigen zu Toulouse gezähmt waren, die Bestätigung des Ordens erlangt. Und als er nach solcher Bestätigung viele Klöster aufrichtete, Wunderwerke und Zeichen getan und mancherlei Gegenden mit Lehren und Predigen durchschweift und erleuchtet hatte, da starb er zu Bologna nach der Geburt Christi tausend zweihundert dreiundzwanzig Jahre. Und er wurde von Papst Gregor IX. in die Heiligenzahl geschrieben. Sankt Franziskus. Franziskus, ein Italiener, gebürtig aus der Stadt Assisi, wohl ein göttlicher Mann und erster Stifter des Ordens der Minderbrüder, war in den Jahren des Herrn tausend zweihundert acht erstlich ein Kaufmann und ein ganzer Weltmensch bis in das 25. Jahr. Danach verschmähte er alle irdischen Dinge und folgte Christus in allem seinem Leben nach. Und als er nun eine Weile geschuht und mit Ringen gegürtet gegangen war, da wurde er gedenk des Wortes des Herrn, sprechend: „Wer zu mir kommt und sich nicht verzeiht aller Dinge, der mag nicht mein Jünger sein.“ Und er warf alle Dinge von sich und legte ein unachtbares, schnödes Kleid an und gürtete sich mit einem Strick und fing alsbald einen neuen Orden an. Mit dem hat er, wie die Sonne in der Welt scheinend, den christlichen Stand hoch erleuchtet. Er war sich selbst also streng und hart, dass er in Anfechtung des Fleisches sich zur Winterzeit mit Schnee oder Eis bedeckte. Er hieß die Armut stets seine Herrin. So hörte er lieber Schmach als Lob von sich sagen. Und verhütete mit allem Fleiß, dass er nicht das Ziel der Armut übertretend zu Überflüssigkeit käme. Sein Herz schwebte in Begierde der Marter. Darum zog er im sechsten Jahr seines angenommenen Ordens nach Syrien und ging vor den Sultan. Der empfing ihn ehrenvoll. Zwei Jahre vor seinem Tod sah er durch ein Gesicht einen Engel in der Luft mit sechs Flügeln, mit ausgestreckten Händen und mit zusammengetanen Füßen an ein Kreuz geheftet. Zwei Flügel waren über das Haupt ausgestreckt. Und zwei zu fliegen ausgespannt und mit zweien ward der ganze Leib bedeckt. Und die Weile er solches Gesicht länger betrachtete, da erschienen in seinen Händen als Narben der Nägel. Und seine rechte Seite als mit einem Speer durchgraben. Als er nun 18 Jahre sich selbst ermüdet und seinem Fleisch keine Ruhe gelassen hatte, da starb er zu Assisi in seinem Heimatland im Jahr unseres Heils tausend zweihundert zweiundzwanzig. Und er wurde über zwei Jahre danach durch Papst Gregor IX. wegen der Wunderwerke, die er von ihm sagen hörte, nach großer deshalb gehaltener Versammlung alsbald in die Heiligenzahl geschrieben. Erdbeben und viele wundergestaltete Dinge sind in diesen Jahren schier allenthalben gewesen, sodass die...