Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Linea der bebst // Innocentius der dritt INnocentius der dritt auß Campania puertig von grafen geschlecht ein man eins bewerten lebens vnd hohgelert. von iugent auff zu Parys der lernung anhangende wardt von seiner schriftlichen weißheit vnd guotter sytten wegen durch den babst Celestinum in der cardinel zal genomen. vnd nach desselben absterben an sein statt erkorn. Aber wie ein hohberuembter vnd achtperer babst vnnd weglayter er gewesen sey das zaygen seine werck vnd buecher. die alle zemelden zelang wer. Er was der verfaylserey also gehessig das er ordnet dz einicher ambtman des babstlichen hofs nichts von einichem frembden nemen solt. außgenomen die schreyber vnd bullierer. den setzet er ein maß irs lons. Vnd auff das menigclichem ein sichrer freyer zugang zu den babstlichen amblewten gedeyhen so setzet er das vor den camern der notari vnd offenbaren schreiber kein thuerhueter sein solt. Vnnd wiewol auff absterben kaiser Heinrichs des sechsten große auffruor vnd zwittrachtigkeit in teuetschen landen entstunden. vnd diser innocentius mercklichen fleiß ankeret dieselben irrungen hinzelegen. aber es was vnuerfengklich. Als er aber verstunde das der sarracen gewalt vnd macht in asia vberhand genomen het do machet er ein groß concili zu rom. darinn erschynen vil treffenlicher achtperer vnd fuernemer mann. Nachfolgendt hat er vil schoener tapfferer vnnd zierlicher buecher vnd schriften von mancherlay materi gemacht. Vnd die gaistlichen recht Decretales genant zusamen gesetzt. Vnd nemlich vnder andern drey geordnet. Der eine ist die von den gerichten. wie offt ein fuerst wider den andern hanndelt das die straff dem babst zugehoere. vnd das die fuersten wie groß die sind die briester eren sollen. Die ander vnd die dritt von der erwelung. Diss babsts handlungen haben nicht wenig beystands fuerdrung vnnd hilff empfanngen von der heilligkeit der zwayer mann Dominici vnd Francisci. Diser babst hat auch ein buch durch den abbt Joachim gemacht widerworffen. vnnd auch die irrungen des ketzers Almerici. der darnach zu Parys mit seinen anhengern verprennt wardt. Diser Innocentius hat auch in zeit seins babstthumbs wercke der gueetigkeit nit versewmlich geuebet. Sunder zu Rom ein spital zum hailligen gaist genant. vnd noch ein anders daselbst zum thurn gehaißen erpawen. vnd Sant Sixts pawfelliche kirchen gebessert. Zu letst als er von richtung wegen der aufruor zwischen den ienuesern vnnd pisanern gein perusius koeme. do starb er in dem .xix. iar seins babstthumbs. vnnd er was in seinem leben. in seinen hanndlungen also ein auffrichtig vnd rechtfertig man. das nach seinem tod nichtz das er gehanndelt het verwandelt wardt. Concili zu Rom IN disem iar wardt durch babst Innocentium der widererobrung halb des gelobten lands vnd Jherusalem zu Rom ein große versammlung gehalten. darinn sind gewesen tawsent vnd dreyhundert prelaten mitsambt den patriarchen von Jherusalem vnnd Constantinopel. lxx. ertzbischoff. iiiic.xii. bischoff. viiic. ebbt priores vnnd conuent brueder. die legaten des kriechischen vnnd roemischen kaiserthumbs. vnd die bottschafter der koenig zu Jherusalem. franckreich. hispanien. engelland vnd cipern. vnd. wie wol von vil sachen gehanndelt ward so mocht doch nichtz zu fuergenomner hanndlung ersprießlichs gefunden werden. der krieg halben die zwischen den pisaniern vnd ihenueßern vnd an andern enden welscher land vor awgen waren. JOhannes der guot ein merer sant Augustins ordens von mantua puertig hat diser zeit in welschen landen gar ein gaistlichs vnd heilligs leben gefueert vnd vil cloester auffgerichtet. Von dannen her die brueder nach ime genant warden. Zu letst starb er vol tag vnnd guoter werck nach der gepurt cristi. M.cc.xxii. iar. Blat CCVII der werlt Linea der kaiser // Philippus PHilippus ein fuersten in schwaben vnd hertzog des ethrurischen lands kaiser heinrichs bruder. Friderichs desselben heinrichs suns vormund vnderstunnd sich des roemischen reichs. Aber sich begabe ein große vntrachtigkeit vnder den churfuersten nach absterben kaiser heinrichs. dann ettlich weleten Ottonem des hertzogs zu sachßen bruder. so woelten ettlich disen Philippsen. der von kaiser Heinrichen gesetzt wz als einen koenig haben. also kome die sach zu krieg vnnd auffruor. vnnd der koenig von franckreich hielt es mit Philipsen. so was der koenig von engelland auff hertzog Otten seyten. In mitler zeit hielten die walhen deron keinen fuer kaiser. Nw ruestet sich diser philips zumb krieg vnnd im iar des herren tawsent zwayhundert zohe er in dz elsass das selb land verwueestende vnd Straßburg belegernde vnd bracht die in seinen gewalt. In dem andern iar darnach tet er des gleichen in Thueringen den lantgrafen daselbst erniderlegende. Aber nach dem kaiser Heinrich vnd Friderich diss Philippsen bruder vnd vater (als wissentlich was) wider die roemischen kirchen gehandelt hetten do bestettiget Innocentius der babst hertzog otten zu kaiser. aber Philippus verfolget ottonem mit gewappenter hand vnnd vertribe ine allenthalben. Zu letst kome er gein Coelne. daselbst innen wardt er von Philippo schwerlich belegert vnd in einen streyt den er vor Coelne mit ime het ernidergelegt. vnd von den Coelnischen außgetriben. vnd die von Coelne huldeten Philippo als eim roemischen koenig. Als aber nw die fuersten mitsambt den stetten des reichs mit so langen kriegen vermueedet wurden do ward frid gemacht vnnd Philips zu roemischem kaiser erklert. vnd regiret also nit an muee vnd beschwerde. ix. iar. doch ist er nach angenomnem reich nit lang in ruoe bliben. sunder durch den lantgrafen zu Thueringen. oder (als ettliche andere schreiben) durch pfaltzgraf otten von Wittelßbach zu Babenberg erschlagen vnd darnach zu Speyer begraben worden. Diser Philipps was ein gueetig vnd mylt mensch. schwachs leibs. aber manlichs gemueets. schoens antlitzs mit liechtem har vnd mittelmassiger person. Otto der vierdt OTto des namens der vierdt ein hertzog zu sachßen wardt nach der gepurt cristi tawsent zwayhundert. ix. iar nach ertoedtung koenig Pphilipsen von seinen teutschen zu koenig erkorn vnd regiret drey iar. Der zohe alßpald gein rom vnd empfieng die kaiserlichen bekroenung von babst Innocentio. Als er aber dieselben kaiserlichen kron von dem babst empfangen het do griffe er wider sein pflicht vnd ayd da mit er dem roemischen stuol gewoenlicher weiß verwand wz die gueetter vnd landschaft der kirchen mit feindlicher hand an. vnd vnderstund sich auch die neapolitanischen gegent deßgleychen anzegreiffen. vnnd wiewol er durch babst Innocentium vilfeltigclich ersucht vnd bey seiner pflicht vermanet wardt dem babst als dem lehenherren die gueetter der kirchen wider zegeben so mocht doch der babst solchs von kaiser otten nicht er erlangen. demnach wardt er vomb babst verpannet vnd also in verstockung bleibende vnd alle roemische straße mit plackerey. rawberey vnd moerderey verfolgende des roemischen kaiserthumbs vnd teuetschen koenigreichs entsetzt. vnd die verwandten des reichs irer pflicht vnd huldung gegen demselben otten entloeßet. darumb fielen von ime ab der koenig zu beheim. der lantgraff zu thueringen. die ertzbischoff mayntz vnd Tryer. auch der hertzog z oesterreich. vnd auß der ritterschaft vnd adel die treffenlichsten. do keret Otto wider in teuetsche land vnd wardt darnach von den franckreichischem koenig phillipsen bestritten vnd starb vnlang darnach trawrig vnd vnmuotig nach der gepurt cristi tawsent zwayhundert. xviij. iar. Raynaldus der ertzbischoff zu Coelne hat nach der zerstoerung der statt Maylannd durch kayser Friderichen die leichnam der heilligen dreyer koenig von dannen gein Coelne gebracht. RIchardus ein kind wardt zu Parys von den iuden gemartert. das tet vil wunderzaichen. vnd als aber philipsen den koenig zu franckreich gelanget. das die iuden ettwieuil iar vil vbels vnd boßheit begangen vnnd geuebet hetten zu schmahe dem cristenlichen glawben do name er ine alle ire habe vnd gueter vnd vertribe sie auß seinem koenigreich.
Das sechste Zeitalter. Linie der Päpste. Innozenz der Dritte. Innozenz der Dritte, aus Kampanien gebürtig, von Grafengeschlecht, ein Mann bewährten Lebens und hochgelehrt. Von Jugend auf der Gelehrsamkeit in Paris anhängend, wurde er wegen seiner schriftlichen Weisheit und guten Sitten durch Papst Coelestin in die Kardinalszahl aufgenommen und nach dessen Ableben an seine Stelle erwählt. Aber wie ein hochberühmter und achtbarer Papst und Wegleiter er gewesen sei, das zeigen seine Werke und Bücher, die alle zu erwähnen zu lang wäre. Er war der Verfälschung so gehässig, dass er anordnete, dass kein Amtmann des päpstlichen Hofes nichts von irgendeinem Fremden nehmen sollte, ausgenommen die Schreiber und Bullierer. Diesen setzte er ein Maß ihres Lohnes. Und damit jedermann ein sicherer, freier Zugang zu den päpstlichen Amtleuten gedeihe, so setzte er, dass vor den Kammern der Notare und öffentlichen Schreiber kein Türhüter sein sollte. Und wiewohl nach Ableben Kaiser Heinrichs des Sechsten große Aufruhr und Zwietracht in deutschen Landen entstanden, und dieser Innozenz merklich Fleiß anwandte, dieselben Irrungen hinzulegen, aber es war unverfänglich. Als er aber verstand, dass die Macht und Gewalt der Sarazenen in Asien überhandgenommen hatte, da machte er ein großes Konzil zu Rom. Darin erschienen viele treffliche, achtenswerte und vornehme Männer. Nachfolgend hat er viele schöne, tapfere und zierliche Bücher und Schriften von mancherlei Materie gemacht und die geistlichen Rechte, Decretales genannt, zusammengesetzt. Und namentlich unter anderem drei geordnet. Der eine ist die von den Gerichten: wie oft ein Fürst wider den anderen handelt, dass die Strafe dem Papst zugehöre, und dass die Fürsten, wie groß sie sind, die Priester ehren sollen. Die andere und die dritte von der Erwählung. Dieses Papstes Handlungen haben nicht wenig Beistand, Förderung und Hilfe empfangen von der Heiligkeit der zweier Männer Dominikus und Franziskus. Dieser Papst hat auch ein Buch durch den Abt Joachim gemacht, widerworfen, und auch die Irrungen des Ketzers Almerich, der darnach zu Paris mit seinen Anhängern verbrannt wurde. Dieser Innozenz hat auch in Zeit seines Papsttums Werke der Güte nicht versäumnisvoll geübt. Sondern zu Rom ein Spital zum Heiligen Geist genannt und noch ein anderes daselbst zum Turm geheißen erbaut und Sankt Sixtus' baufällige Kirchen gebessert. Zuletzt, als er von Richtungs wegen der Aufruhr zwischen den Genuesern und Pisanern gen Perugia kam, da starb er im 19. Jahr seines Papsttums. Und er war in seinem Leben, in seinen Handlungen also ein aufrichtiger und rechtfertiger Mann, dass nach seinem Tod nichts, das er gehandelt hatte, verwandelt wurde. Konzil zu Rom. In diesem Jahr wurde durch Papst Innozenz der Wiedereroberung halber des Gelobten Landes und Jerusalems zu Rom eine große Versammlung gehalten. Darin sind gewesen 1300 Prälaten mitsamt den Patriarchen von Jerusalem und Konstantinopel, 70 Erzbischöfe, 412 Bischöfe, 800 Äbte, Prioren und Konventbrüder, die Legaten des griechischen und römischen Kaisertums und die Botschafter der Könige zu Jerusalem, Frankreich, Hispanien, England und Zypern. Und wiewohl von vielen Sachen gehandelt wurde, so mochte doch nichts zu vorgenommener Handlung ersprießliches gefunden werden, der Kriege halber, die zwischen den Pisanern und Genuesern und an anderen Enden welscher Lande vor Augen waren. Johannes der Gute, ein Mehrer Sankt Augustins Ordens, von Mantua gebürtig, hat dieser Zeit in welschen Landen gar ein geistliches und heiliges Leben geführt und viele Klöster aufgerichtet. Von dannen her die Brüder nach ihm genannt wurden. Zuletzt starb er voll Tage und guter Werke nach der Geburt Christi 1222 Jahre. Blatt 207 der Welt. Linie der Kaiser. Philipp. Philipp, ein Fürst in Schwaben und Herzog des etrurischen Landes, Kaiser Heinrichs Bruder, Friedrichs desselben Heinrichs Sohnes Vormund, unternahm sich des römischen Reiches. Aber es begab sich eine große Untrachtigkeit unter den Kurfürsten nach Ableben Kaiser Heinrichs, denn etliche wählten Otto, des Herzogs zu Sachsen Bruder, so wollten etliche diesen Philipp, der von Kaiser Heinrich gesetzt war, als einen König haben. Also kam die Sache zu Krieg und Aufruhr. Und der König von Frankreich hielt es mit Philipp, so war der König von England auf Herzog Ottos Seiten. In mittler Zeit hielten die Walen derer keinen für Kaiser. Nun rüstete sich dieser Philipp zum Krieg und im Jahr des Herrn 1200 zog er in das Elsass, dasselbe Land verwüstend und Straßburg belagernd, und brachte die in seinen Gewalt. In dem anderen Jahr darnach tat er desgleichen in Thüringen, den Landgrafen daselbst niederlegend. Aber nachdem Kaiser Heinrich und Friedrich, dieses Philipps Bruder und Vater (als wissentlich war) wider die römischen Kirchen gehandelt hatten, da bestätigte Innozenz der Papst Herzog Otto zu Kaiser. Aber Philipp verfolgte Otto mit gewappneter Hand und vertrieb ihn allenthalben. Zuletzt kam er gen Köln. Daselbst innen wurde er von Philipp schwerlich belagert und in einem Streit, den er vor Köln mit ihm hatte, niedergelegt und von den Kölnern ausgetrieben. Und die von Köln huldigten Philipp als einem römischen König. Als aber nun die Fürsten mitsamt den Städten des Reiches mit so langen Kriegen ermüdet wurden, da ward Friede gemacht und Philipp zu römischem Kaiser erklärt und regierte also nicht ohne Mühe und Beschwerde neun Jahre. Doch ist er nach angenommenem Reich nicht lang in Ruhe geblieben, sondern durch den Landgrafen zu Thüringen oder (als etliche andere schreiben) durch Pfalzgraf Otto von Wittelsbach zu Bamberg erschlagen und darnach zu Speyer begraben worden. Dieser Philipp war ein gütiger und milder Mensch, schwachen Leibes, aber männlichen Gemütes, schönen Antlitzes mit lichtem Haar und mittelmäßiger Person. Otto der Vierte. Otto des Namens der Vierte, ein Herzog zu Sachsen, wurde nach der Geburt Christi 1209 Jahre nach Ertötung König Philipps von seinen Deutschen zu König erkoren und regierte drei Jahre. Der zog alsbald gen Rom und empfing die kaiserliche Bekrönung von Papst Innozenz. Als er aber dieselbe kaiserliche Krone von dem Papst empfangen hatte, da griff er wider seine Pflicht und Eid, damit er dem römischen Stuhl gewöhnlicherweise verwandt war, die Güter und Landschaft der Kirche mit feindlicher Hand an und unternahm sich auch, die neapolitanischen Gegenden desgleichen anzugreifen. Und wiewohl er durch Papst Innozenz vielfältiglich ersucht und bei seiner Pflicht ermahnt wurde, dem Papst als dem Lehnsherren die Güter der Kirche wieder zu geben, so mochte doch der Papst solches von Kaiser Otto nicht erlangen. Demnach wurde er vom Papst verbannt und also in Verstockung bleibend und alle römische Straße mit Plackerei, Räuberei und Morderei verfolgend des römischen Kaisertums und deutschen Königreichs entsetzt. Und die Verwandten des Reiches ihrer Pflicht und Huldung gegen demselben Otto