Schedelsche Weltchronik · Blatt 221

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 221, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 221, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das sechst alter BEy disen zeitten machten ettlich des reichs. vnd besunder die gaistlichen churfuersten von mancherlay zwilewstigkeit wegen wider koenig Albrechten puentnus vnd verschreibung miteinander. den beschuldigten sie das er Adolffen seinen herren in eim krieg umbbracht het. deßhalb er dann koenigclicher ere vnwirdig wer. darumb setzeten die andern fuernemsten fuersten teuetscher nation hertzog Rudolffen pfaltzgrafen bey rheyn zu eim richter des roemischen reichs. also das er hinfuero zu kuenftigen zeiten auß seiner tapfferheit dasselb ambt volfueeren solt auff das die roemisch koenig bewegt wuerden nichtzit vbels oder scheltung wirdigs im reich fuerzenemen dardurch sie der roemischen koenigclichen hoehe vnwirdig geschaetzt werden mochten. Judenverbrennung EIn arglistiger verfuerer gabe sich mit mancherlay anzaygungen fuer den verlornen kaiser Friderichen dar. vnd als er nw zu letst mit seiner listigkeit ime vil anhenger gemacht het do wardt er vomb kayser gefengklich angenomen vnd auff bekantnus seiner betriegerey verprennt. DIe iuden die sich an vil enden gemeret hetten sind in dem ersten iar koenig albrechts von irer boeser handlung wegen zu Nuermberg Wuertzburg Rotenburg vnd an vil enden daselbstumb verprennt worden. ALs nach der gepurt cristi M.cc.xcix. iar lawtprecht wardt dz Jacobus arrogonus der Sicilisch koenig gestoben wer do fueeret Robertus hertzog zu Calabria auß gehaiße koenig Karls seins vaters ein groß volck hinueber in Siciliam vnd er erobret die statt Cathinam. dem volget Philippus der tarentinisch hertzog sein bruder mit einer wolberayten schiffung eylends nach. dazwischen ruesteten sich die in Sicilia zu der gegen weer zu land vnd wasser. in mittler zeit schiffet dz philippisch heer gleich liederlicher weiß sich der sicherhait auff Robertum. der die benanten statt eingenomen het troestende. den erschyne desselben Roberts schiffung auß der cathinischen pforten von weyten vnd kome der philippischen schiffung on einiche schicklichkeit zumb streyt vnd were entgegen. do schiften die Sicilier mit wolbewarter streytschicklichkeyt in inpruenstiger begirde auff die zwuo schiffung zu. vnd griffen die die nach schiffet erstlich an. also dz dero ettlich gefangen. ettlich ertrenckt vnd ettliche zertrennt warden. so kome wenig schiff eyllends zu Roberto gein cathinam. Darnach wardt ein herttrer streyt mit der philipsen schiffung. aber hertzog Robertus gabe sich auß angst seins gemueets in die flucht. ließ die statt Cathinam vnd keret mit wenig vberblibnen schiffen wider in welsche lannd. Dinus ein doctor DInus mugelanus beder rechten ein hoherfarner lerer hat diser zeit die ersten statt vnder den doctoren vnd lerern in welschen landen erlangt. vnd in reden disputirn vnd entschaidung solchen glawben vnd kraft gehabt das sei gegenwuertigkeit fuer ein versammlung aller rechtlichen weyßheit geachtet wardt. dann er hat das gantz werltlich recht in vil bueechern außgelegt vnd erklert vnd gar vil schoener treffenlicher ratschleg gemacht. PEtrus de bella partita ein burgundier dem vorgenanten Dino an schriftlicher weißheit vnd lere wol gemess. hat diser zeit nit mynnder artlich vnd treffenlich dann derselb Dynus vber die werltlichen recht erklerung vnnd ander loeblich tueglich ding im rechten beschriben. Jacobus von arena IN dem iar cristi vnßers haylands. M.ccc. ward von babst Bonifacio dem achten auß gueetigem rat in nachfolgung der veter des alten testaments das erst iubel oder gnadenreich iar auffgesetzt. dasselb hinfuer alweg vber hundert iar zehalten. vnd was also geordnet. Welche menschen vber die gepirge vnd vber meer gein rom komende acht tag. vnd die in welschem land vnd iren innseln wonende daselbsthin ziehende. xv. tag die heilligen stett vnd gotzhewßer zu rom haymsuchten die erlangten ablass aller suende. Auß solchem ablaß komen vil menschen die langzeit gegeneinander offenlich vnd haymlich in großer schwerer hawbtfeintschaft gelegen waren zu frid guotwilligkeit vnd versoenung. IAcobus von arena was ein hoh erfarner rechtgelerter man. dess opinion vnnd wone in erklerung der gesetze alweg der maynung des rechten gewesen sind. vnd hat auch vil schoener ding imb rechten beschriben. NIcolaus von Neapolis auch diser zeit wesende hat auch als ein rechtgelerter vil treffenlicher schrifften vber erklerung der werltlichen recht geschriben. der werlt Blat CCXXI Johannes scotus parfuosser ordens JOhannes scotus parfueßer ordenns ein fast subtiler lerer der heilligen schrift hat im iar des herren: M.ccc. oder do bey als der ander Appollo geplueet vnd vor andern lerern der heilligen schrift ettliche gar fast subtile buecher gemacht. vnd vber die bueecher. vnd sunderlich vber das vierd von den hohen sinnen (das er dann als man sagt in ein ordnung gezogen hat) vil subtils dings geschriben. darumb er auch der subtil lerer genant wirdt. Sunst hat er auch vil außlegung vnnd erklerung der heilligen schrift vnd anders den gelerten wolwissende beschriben. vnnd als ein hohgelert man vil andere mann gelert gemacht. durch derselben sinnschicklichkeit hat die schriftlich weyßheit wunderperlicher gestalt zugenomen. Zu letst starb er am schlag. wiewol ettliche maynen das er lebendig vergraben worden sey. Raynerius prediger ordens RAynerius von pisa prediger ordenns ein treffenlicher maister. an lere vnd außsprechung tapffer ein fast frumm vnd schier heillig man wardt diser zeit in großer erwirdigkeit gehalten. Wie hohgelert schriftweyße vnd synnreich er gewesen sey das gibt zeerkennen ein buoch das er zebeschreiben anfieng. vnd sich on seinen tittel also anhebt Absolutio etc. Auß beschreybung der materi desselben buchs erscheint was schriftweisen vnd heilligen gemueets diser man gewesen sey. also das sein gedechtnus neben andern treffenlichen vnnd hohgelerten loeblichen mennern wol billich zemelden ist. Nicolaus von lyer. NIcolaus von Lyer parfuoßer ordens ein fuerscheynender lerer der heilligen schrift hat erstlich wider die vngueetigkeit der iuden disputirende vnd schreibende lang muee vnd arbait gehabt. vnd darnach inen zu schmahe vnd behoenung das new vnd alt testament mit emsigem fleiß in vil bueechern erklert vnd außgelegt. darumb ist sein namen in der gantzen werlt beruembt erschollen. Man sagt diser Nicolaus sey erstlich ein lerer der iuden gewesen vnd darumb hab er ir schrift vnd gezueng gar wol gekuendt vnd verstanden vnd sey darinn gar hohgelert gewesen vnd vom iudischen glawben zu cristo bekert worden vnd hab darnach der parfuoßer orden an sich genomen. Alanus ein doctor ALanus der hohgelert doctor sol zu disen zeiten (als ettlich setzen) gewesen sein. vnd wiewol er in aller kunst hoh erfarn was. so was er doch in der heilligen schrift vnnd naturlichen kunst der philozophey also fuertreffenlich das er verdienet der gemayn Alanus genant zewerden. Sein begrebnus ist in dem closter cistercii in eim marmorstaynin grab zur rechten hand als man von dem bethaws der kirchen heraußgeet. vnd auff seinem grab steet geschriben ein solche maynung. das alda begraben lig Alanus der alles das gewißt hab wz zewissen gewesen sey. Clara iunckfraw augustiner ordens CLara von dem stettlein Montisfalconi puertig augustiner ordens ein tugenthaftige vnd heilligs lebens beruembte iunckfraw ist in dem. M.cc.xcix. iar des herrn daselbst eins seligen außgangs auß diser werlt verschieden. Dise heilligst iunckfraw ist mit so großen verdiestnussen vnd wunderzaychen geziert gewest das sie in der heilligen zal gueetlich geschriben geachtet werden mag. Von dem lob irer heilligkeit sagen wir dise zeuegknus. die mit offen awgen mag gesehen werden vnd die man von einichem heilligen nye geleßen hat. dann als sie gestorben was do wardt alßpald in irem hertzen ein clars vnd offenbars pild des crucifixs gesehen mit den narben des leidens. darinn auch drey staynlein eins gleichen gewichts gefunden wurden zu scheinperer anzaigung der heilligkeit. FRaticelli die ketzer mitsambt irer ketzerey warden von babst Bonifacio verdambt mit emssigem fleiß erforschet vnd dieselben allenthalben außzerewten gepoten vnd darumb wardt der leichnam Hermanni der derselben ketzerey ein vrhaber vnd anfenger was zu Ferraria. xx. iar in der erden gelegen widerumb außgegraben vnd verprennt. Dise ketzer komen bey nacht in den hoelern zesammen. vnd die geweichten sungen nach cristenlicher gewonheit ir tagzeit. vnd nach mitternacht vermaneten sie mit lawter stymm man vnd frawen sich zeuermischen. vnd so dann ein kind vnder inen geporn wardt sa wardt dasselb kind ye von einer hand zu der andern durch sie alle außgeraicht solang bis dz kind starb. darnach ließen sie das tod kind praten vnd die aschen dauon in ein feßlein thun vnd einen wein darein gießen vnd denn die newen menschen irs aberglawbens dauon trincken zu bestettigung derselben in irer irrung

Moderne Übersetzung

Das sechste Zeitalter. Zu diesen Zeiten schlossen etliche des Reiches, und besonders die geistlichen Kurfürsten, wegen mancherlei Zwietracht Bündnisse und Vereinbarungen miteinander gegen König Albrecht. Sie beschuldigten ihn, dass er Adolf, seinen Herrn, in einem Krieg umgebracht hatte, weshalb er der königlichen Ehre unwürdig sei. Darum setzten die anderen vornehmsten Fürsten deutscher Nation Herzog Rudolf, Pfalzgraf bei Rhein, zu einem Richter des Römischen Reiches ein, sodass er fortan in zukünftigen Zeiten aus seiner Tapferkeit dieses Amt ausüben sollte, damit die römischen Könige bewogen würden, nichts Übles oder Tadelnswertes im Reich zu unternehmen, wodurch sie der römisch-königlichen Hoheit unwürdig geschätzt werden könnten. Judenverbrennung. Ein arglistiger Verführer gab sich mit mancherlei Anzeichen für den verlorenen Kaiser Friedrich aus. Und als er nun zuletzt mit seiner Listigkeit sich viele Anhänger gemacht hatte, da wurde er vom Kaiser gefangen genommen und auf Bekanntnis seiner Betrügerei verbrannt. Die Juden, die sich an vielen Orten vermehrt hatten, sind im ersten Jahr König Albrechts wegen ihrer bösen Handlungen zu Nürnberg, Würzburg, Rotenburg und an vielen Orten ringsum verbrannt worden. Als nach der Geburt Christi im Jahr 1299 bekannt wurde, dass Jakob II. von Aragón, der sizilianische König, gestorben war, da führte Robert, Herzog von Kalabrien, auf Geheiß König Karls, seines Vaters, ein großes Heer hinüber nach Sizilien, und er eroberte die Stadt Catania. Ihm folgte Philipp, der tarentinische Herzog, sein Bruder, mit einer gut ausgerüsteten Flotte eilends nach. Dazwischen rüsteten sich die in Sizilien zur Gegenwehr zu Land und zu Wasser. In der Zwischenzeit segelte das philippinische Heer gleich sorglos, sich der Sicherheit auf Robert, der die genannte Stadt eingenommen hatte, vertrauend. Da erschien desselben Roberts Flotte aus dem Hafen von Catania von Weitem und kam der philippinischen Flotte ohne jegliche Kampfbereitschaft entgegen. Da segelten die Sizilianer mit gut bewahrter Kampfbereitschaft in inbrünstiger Begierde auf die zwei Flotten zu und griffen die, die nachsegelte, zuerst an, sodass etliche von ihnen gefangen, etliche ertränkt und etliche zerstreut wurden. So kamen wenige Schiffe eilends zu Robert nach Catania. Danach gab es einen härteren Streit mit der Flotte Philipps. Aber Herzog Robert gab sich aus Angst seines Gemüts in die Flucht, verließ die Stadt Catania und kehrte mit wenigen übrig gebliebenen Schiffen wieder ins welsche Land zurück. Dinus, ein Doktor. Dinus Mugellanus, beider Rechte ein hocherfahrener Lehrer, hat zu dieser Zeit den ersten Rang unter den Doktoren und Lehrern in den welschen Ländern erlangt. Und in Reden, Disputationen und Entscheidungen hatte er solchen Glauben und solche Kraft, dass seine Gegenwart für eine Versammlung aller rechtlichen Weisheit geachtet wurde. Denn er hat das ganze weltliche Recht in vielen Büchern ausgelegt und erklärt und gar viele schöne, treffliche Ratschläge gemacht. Petrus de Bella Partita, ein Burgunder, dem vorgenannten Dino an schriftlicher Weisheit und Lehre wohl ebenbürtig, hat zu dieser Zeit nicht minder kunstvoll und trefflich als derselbe Dinus über die Erklärung des weltlichen Rechts und andere lobenswerte, nützliche Dinge im Recht geschrieben. Jakob von Arena. Im Jahr Christi, unseres Heilands, 1300, wurde von Papst Bonifatius VIII. aus gütigem Rat in Nachfolge der Väter des Alten Testaments das erste Jubel- oder Gnadenjahr eingesetzt, dasselbe fortan alle hundert Jahre zu halten. Und es war also geordnet: Welche Menschen über die Gebirge und über Meer nach Rom kommend acht Tage, und die im welschen Land und ihren Inseln wohnend dorthin ziehend, fünfzehn Tage die heiligen Stätten und Gotteshäuser zu Rom heimsuchten, die erlangten Ablass aller Sünden. Aus solchem Ablass kamen viele Menschen, die lange Zeit gegeneinander öffentlich und heimlich in großer, schwerer Hauptfeindschaft gelegen waren, zu Frieden, Gutwilligkeit und Versöhnung. Jakob von Arena war ein hocherfahrener Rechtsgelehrter, dessen Meinung und Gewohnheit in der Erklärung der Gesetze stets der Meinung des Rechts entsprochen haben. Und hat auch viele schöne Dinge im Recht beschrieben. Nikolaus von Neapel, auch zu dieser Zeit lebend, hat auch als ein Rechtsgelehrter viele treffliche Schriften über die Erklärung des weltlichen Rechts geschrieben. Blatt 221. Johannes Scotus, Barfüßerordens. Johannes Scotus, Barfüßerordens, ein sehr subtiler Lehrer der Heiligen Schrift, hat im Jahr des Herrn 1300 oder dabei als der zweite Apollo geblüht und vor anderen Lehrern der Heiligen Schrift etliche gar sehr subtile Bücher gemacht. Und über die Bücher, und besonders über das vierte von den hohen Sinnen (das er dann, wie man sagt, in eine Ordnung gebracht hat) viel Subtiles geschrieben, darum er auch der subtile Lehrer genannt wird. Sonst hat er auch viele Auslegungen und Erklärungen der Heiligen Schrift und anderes, den Gelehrten wohlbekannt, beschrieben und als ein hochgelehrter Mann viele andere Männer gelehrt gemacht. Durch dieselbe Geistesfertigkeit hat die schriftliche Weisheit in wunderbarer Gestalt zugenommen. Zuletzt starb er am Schlaganfall, wiewohl etliche meinen, dass er lebendig begraben worden sei. Raynerius, Predigerordens. Raynerius von Pisa, Predigerordens, ein trefflicher Meister, an Lehre und Aussprache tapfer, ein fast frommer und schier heiliger Mann, wurde zu dieser Zeit in großer Ehrwürdigkeit gehalten. Wie hochgelehrt, schriftweise und sinnreich er gewesen sei, das gibt zu erkennen ein Buch, das er zu beschreiben anfing und sich ohne seinen Titel also anhebt: Absolutio etc. Aus der Beschreibung der Materie desselben Buches erscheint, welch schriftweisen und heiligen Gemütes dieser Mann gewesen sei, sodass sein Gedächtnis neben anderen trefflichen und hochgelehrten, lobenswerten Männern wohl billig zu erwähnen ist. Nikolaus von Lyra. Nikolaus von Lyra, Barfüßerordens, ein hervorragender Lehrer der Heiligen Schrift, hat erstlich, disputierend und schreibend, lange Mühe und Arbeit gehabt gegen die Ungütigkeit der Juden. Und danach ihnen zur Schmach und Verhöhnung das Neue und Alte Testament mit emsigem Fleiß in vielen Büchern erklärt und ausgelegt, darum ist sein Name in der ganzen Welt berühmt erschallt. Man sagt, dieser Nikolaus sei erstlich ein Lehrer der Juden gewesen und darum habe er ihre Schrift und Sprache sehr gut gekannt und verstanden und sei darin sehr hochgelehrt gewesen und vom jüdischen Glauben zu Christus bekehrt worden und habe danach den Barfüßerorden angenommen. Alanus, ein Doktor. Alanus, der hochgelehrte Doktor, soll zu diesen Zeiten (wie etliche annehmen) gewesen sein. Und wiewohl er in aller Kunst hocherfahren war, so war er doch in der Heiligen Schrift und der natürlichen Kunst der Philosophie also vortrefflich, dass er verdiente, der gemeine Alanus genannt zu werden. Sein Begräbnis ist in dem Kloster Cîteaux in einem marmorsteinernen Grab zur rechten Hand, wenn man aus dem Bethaus der Kirche hinausgeht. Und auf seinem Grab steht geschrieben eine solche Meinung: dass allda begraben liege Alanus.

Anmerkungen

Das sechst alter
historisches dt. für 'Das sechste Zeitalter'
gaistlichen churfuersten
historische Bezeichnung für die Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier, die als Kurfürsten fungierten
zwilewstigkeit
historisches dt. für 'Zwietracht, Uneinigkeit'
koenig Albrechten
König Albrecht I. (römisch-deutscher König von 1298 bis 1308)
puentnus
historisches dt. für 'Bündnis'
Adolffen
Adolf von Nassau (römisch-deutscher König, 1292–1298, von Albrecht I. in der Schlacht bei Göllheim besiegt und getötet)
scheltung wirdigs
historisches dt. für 'Tadelnswertes'
teuetscher nation
historische Bezeichnung für das Heilige Römische Reich Deutscher Nation
hertzog Rudolffen pfaltzgrafen bey rheyn
Herzog Rudolf I. von der Pfalz (Pfalzgraf bei Rhein, Sohn König Albrechts I.)
verlornen kaiser Friderichen
Bezieht sich auf einen Betrüger, der sich als der verstorbene Kaiser Friedrich II. (gest. 1250) ausgab
Nuermberg Wuertzburg Rotenburg
Nürnberg, Würzburg, Rotenburg ob der Tauber (Städte in Franken, Schauplätze von Judenverfolgungen)
M.cc.xcix. iar
römisch für 1299
Jacobus arrogonus
Jakob II. von Aragón (König von Aragón und Sizilien)
Robertus hertzog zu Calabria
Robert von Anjou, Herzog von Kalabrien (später König von Neapel)
koenig Karls
Karl II. von Neapel (König von Neapel, Vater Roberts von Anjou)
Siciliam
Sizilien (Insel und Königreich)
Cathinam
Catania (Stadt auf Sizilien)
Philippus der tarentinisch hertzog
Philipp I. von Tarent (Fürst von Tarent, Bruder Roberts von Anjou)
liederlicher weiß
historisches dt. für 'sorglos, leichtfertig'
cathinischen pforten
historisches dt. für 'Hafen von Catania'
schicklichkeit zumb streyt
historisches dt. für 'Kampfbereitschaft'
inpruenstiger begirde
historisches dt. für 'inbrünstiger Begierde, leidenschaftlichem Verlangen'
welsche lannd
historische Bezeichnung für Italien
Dinus mugelanus
Dinus Mugellanus (italienischer Jurist, ca. 1257–1303)
beder rechten
historische Bezeichnung für das kanonische und das weltliche Recht
glawben vnd kraft
historisches dt. für 'Glaubwürdigkeit und Autorität'
werltlich recht
historisches dt. für 'weltliches Recht' (im Gegensatz zum Kirchenrecht)
PEtrus de bella partita
Petrus de Bella Partita (Jurist, Zeitgenosse von Dinus Mugellanus)
burgundier
Einwohner Burgunds
gemess
historisches dt. für 'ebenbürtig, gleichwertig'
M.ccc.
römisch für 1300
babst Bonifacio dem achten
Papst Bonifatius VIII. (Papst von 1294 bis 1303)
iubel oder gnadenreich iar
Das erste Heilige Jahr, 1300 von Papst Bonifatius VIII. ausgerufen
gepirge vnd vber meer
Bezieht sich auf Pilger, die aus dem Norden (über die Alpen) oder über See nach Rom reisten
welschem land vnd iren innseln
Italien und seine Inseln
xv. tag
römisch für 15 Tage
gotzhewßer
historisches dt. für 'Gotteshäuser, Kirchen'
ablass aller suende
Vergebung der Sündenstrafen durch die Kirche
hawbtfeintschaft
historisches dt. für 'Hauptfeindschaft, große Feindschaft'
IAcobus von arena
Jakob von Arena (italienischer Jurist, ca. 1255–1307)
wone
historisches dt. für 'Gewohnheit, Praxis'
maynung des rechten
historisches dt. für 'Rechtsmeinung, Rechtsauffassung'
NIcolaus von Neapolis
Nikolaus von Neapel (italienischer Jurist, Zeitgenosse)
CCXXI
römisch für 221
Johannes scotus
Johannes Duns Scotus (schottischer Franziskaner, Philosoph und Theologe, ca. 1266–1308)
parfuosser ordens
Bezeichnung für Franziskaner, die barfuß gingen oder einfache Sandalen trugen
Appollo
Apollon (Gott der Künste und des Lichts in der griechischen Mythologie, hier als Metapher für einen herausragenden Gelehrten)
vierd von den hohen sinnen
Bezieht sich auf das vierte Buch der Sentenzen des Petrus Lombardus, ein Standardwerk der mittelalterlichen Theologie
sinnschicklichkeit
historisches dt. für 'Geistesfertigkeit, Scharfsinn'
am schlag
historisches dt. für 'am Schlaganfall'
Raynerius von pisa
Raynerius von Pisa (Dominikaner, Theologe und Kanonist, gest. 1347)
prediger ordenns
Predigerorden (Dominikanerorden)
außsprechung tapffer
historisches dt. für 'in der Aussprache tapfer, wortgewandt'
schriftweyße
historisches dt. für 'in der Schrift gelehrt'
synnreich
historisches dt. für 'sinnreich, geistreich'
Absolutio etc.
lat. für 'Absolution etc.', der Anfang eines Werkes, dessen Titel nicht genannt wird
billich zemelden
historisches dt. für 'zu Recht zu erwähnen'
Nicolaus von Lyer
Nikolaus von Lyra (französischer Franziskaner, Theologe und Bibelkommentator, ca. 1270–1349)
fuerscheynender
historisches dt. für 'hervorragender, glänzender'
vngueetigkeit der iuden
historische, antisemitische Formulierung, die sich auf die vermeintliche Bosheit oder den Unglauben der Juden bezieht
zu schmahe vnd behoenung
historisches dt. für 'zur Schmach und Verhöhnung'
gezueng
historisches dt. für 'Zunge, Sprache'
Alanus
Alanus ab Insulis (Alain de Lille, französischer Theologe und Philosoph, ca. 1128–1202, hier fälschlicherweise in die Zeit um 1300 datiert)
naturlichen kunst der philozophey
historisches dt. für 'Naturphilosophie'
der gemayn Alanus
historisches dt. für 'der allgemeine Alanus, der Alanus schlechthin' (Bezeichnung für seine herausragende Stellung)
closter cistercii
Kloster Cîteaux (Mutterkloster des Zisterzienserordens in Frankreich)
bethaws
historisches dt. für 'Bethaus, Kirche'
maynung
historisches dt. für 'Inschrift, Text'