Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter Linea der bebst // Clemens der fuenft Jar der werlt. vim.vc.iiii.Jahr cristi. im.iiic.v. CLemens der fuenft ein vasconier. bischoff zu Burdegalia dauor Bernhardus gotho genant eins ritters sun wardt nach langem gezengk babst erkorn. dann die cardinel warden von den perusinern in versamlung so lang gehalten bis sie sich der wale in disen Bernhardum deßmals in Gallia wesenden vertruogen. Als er nw die potschaft seiner wale zu Burdegalia empfieng do zohe er gein Lyon vnd forderet daselbsthin zu ime die cardinel. die komen nach verzug in dem augstmonat des iar des herren. M.ccc.v. Daselbst wardt der babst bekroenet in beywesen koenig Philipsen zu franckreich. Caroli seins bruders. Johann hertzogs zu brittannia vnnd alles adels in gallia. vnd dieweil man den babst nach gewonheit mit großem geprengk durch die statt fueeret do fiel ein hohe mawer darauff das volck dem geprengk also zusahe zu grund ein. darunder verfieln der hertzog von brittannia vnd sunst vil vnnamhaftig lewt. So fiel Carolus des koenigs von Franckreich bruder in schwacheyt. So wardt der babst in solcher geher auffruor also vnder dem volck hin vnnd her gepanckelt vnd getriben das ime sein babstlicher huot empfiel vnd ein koestlicher iaspis darauß verloren wardt. Er machet souil frantzosischer vnd gallischer cardinel das sich leichtlich zeuermuoten gewesen wer das hinfuero nymant dann einer auß gallia zu babst erkorn moecht worden sein. doch machet er welschem land vnd den roemern iren willen mit widereinsatzung der zwayer cardinel vnd roemer Jacobi vnd Johannnis der columneser. Auff das aber die roemer von langs abwesens wegen des babstlichen hofs von rom nit vngedueltig noch widerspennig wuerden so verordnet er drey bebst mit befolhnem gewalt ratherrlicher wirdigkeit gein rom zeziehen vnd rom vnd welsche land zeregiren. Nachfolgend wardt auß seinem befelhe des mans Dulcini ketzerey nydergedruckt. vnd der templarier orden gantz außgeloescht. Er hat auch die venediger von der von ferraria wegen verpannt vnd singen vnd lesen vnd die sacrament ernidergelegt. vnd deßgleichen auch wider die von Florentz vnd Luca gehandelt. darumb vnderstunden sich die Florentiner die pfafheit mit grossen anlegungen vnd stewrn zebeschwern. Als er sich aber zu befridung des stands der kirchen wendet do het er concili. darinn wardt das erst buoch clementinarum nach ime genant gemacht. vnd Celestinus vnder dem namen petri in der heilligen beichtiger zal geschriben. Nach erduldung vil schmertzlicher kranckheit starb er zu letst im newnden iar seins babstthumbs vnnd der stuol feyret nach ime in das dritt iar. DVlcinus vnd Margaretha sein hawßfraw die ketzere sammelten nach der gepurt cristi. M.ccc.vii. iar in lombardia bey der statt Nouaria bey tawsent nachfolgere irs ketzerlichen irrthumbs vnd vergifteten dieselben mit irem argen samen. also das sie die briester vnd gaistlichen zu neyd vnd hass der layen raitzten vnd sich von getichter lawterheit vnd vnschuldigs lebens wegen vber andere achteten. vnd sich die menschen vnzymlicher weis mit einander vermischten. das weeret zway iar. darnach warden sie von den potschaftern babst Clementis auf dem gepirg an einen berg getriben vnd daselbst mit hunger vnd frost getoed. vnd Dulcinus vnd Margaretha zerrissen verprennt vnd in den luft gestrewet. Concili zu Vienna IN dem iar vnsers hails tawsent.ccc.xi. wardt in der statt Vienna ein concili angefangen. darinn warñ mer dann dreyhundert bischoff on andere prelaten von mancherlay gegenten der werlt. vnd wiewol babst clemens zu wilfarung dem koenig zu franckreich. dem er zugesagt het die gedechtnus babsts Bonifacij außzetilgen allen fleiß ankeret so mocht er doch deßhalb von dem concili kein verwilligung erlangen. yedoch erkleret er einen vnrechten process vber den koenig zu franckreich. Alda ward gesetzt das alle der templarier habe vnd gueeter dem spital zu iherusalem zugeachtet werden solten. Jn demselben concili warden auch gemayn satzung der gaistlichen lewt stand beruerende fuergenomen. Vnd wiewol babst Clemens vil anregung zu rettung der statt Jherusalem tet so beschahe doch alles vergebenlich vnd vmbsunst. der werlt Blat CCXXII Linea der kaiser // Heinrich der acht HEinrich diss namenns der acht. oder (als ettlich schreiben die Heinrichen den lantgrafen zu thueringen nit zelen) der sibend ein graff zu Luetzelburg wardt nach der gepurt cristi vnßers haylands. M.ccc.viii. iar von den churfuersten zu franckfurt roemischer koenig erkorn vnd zu Ach gekroenet. Darauff sendet er einen hertzogen zu bayern vnd herren Gwidonem von namurco des grafen zu flandern bruder zu dem babst gein auion vmb bestettigung zum roemischen reich. dem nach erlangten sie vom babst bestettigung. doch mit dem geding dz diser Heinrich innerhalb zwayen iarn in welsche land komende zu rom die kaiserlechen kron empfahen solt. aber diser Heinrich erharret gesetzter frist nit. sunder schicket sein porschafter vorhin in welsche land vnd er zohe hinach in die gegennt teuetscher land nahend an die oerter welschs lands im gepirg stossende. Nw komen die roemischen koenigclichen potschafter erstlich zu den Florentinern. die dann vor andern des roemischen kaiserlichen vnd koenigclichen namens hasser vnd feind warn. Diser Heinrich was ein weißer. gerechter. gnadenreicher. in waffen vnd were gestrenger. guotglawbiger. ersamer. ratkluoger vnd starckmueetiger man. Dazwischen hieß er Elizabethen die andern koenigin Wentzlaws zu Beheim schwester. xviii. iar alt gein Speyer zu ime komen. die vermehelt er Johanßen seim xiiii. ierigen sun. Zu derselben zeit sammlet er drey heer dero eins fueeret er in Welsche lannd wider die Brixier. dieselben vnnd auch die Lombarter bracht er damit zu gehorsam. Dz ander geprauchet er wider die grafen von wirtenberg die dem reich vngehorsam warn darumb inen dann auß. lxxx. wolbefestigten schloeßern vnd stetten die sie innhielten. lxxii. mit dem schwert wider abgedrungen vnd an dz reich gebracht warden. Dz dritt heer auß francken vnd bayern gesammlet schicket er mit seinem sun vnd Petro dem Mayntzischen ertzbischoff als hawbtman in das beheimisch koenigreich. In mitler zeit zohe diser Heinrich vber dz gepirg vnd erstlich auff die Thauriner zu. die giengen ime entgegen sich an ine ergebende. Deß gleichen teten die astenses. denselben vnd mer andern stetten setzet er verweser vnd stathalter. So gelobten ime auch die herren von der layttern zu Bern gehorsam. so waren zu Mayland zwen partheysch burgere. der einer was der gwelfiner. vnd der ander der Gibelliner hawbtman. Als sich nw diser Heinrich zu der statt nehnet do fieln bede partheyen in sorg also das er bey inen seinen willen vnd herrschung erlanget vnd mit hertzog Leuepolden von oesterreich vnnd mit den teuetschen die statt besetzet. Dazwischen empfieng Heinrich das eyßnin kaiserlich kroenlein zu Mayland. darnach zohe er gein Genua. vnd von dannen gein Pisa. vnd fuerter gein Rom. da selbst ward er gekroent. Darnach entsetzet er Robertum den koenig zu neapolis seins koenigreichs belegeret Florentz vnd het Pisam vnd senis in seinen gewalt. Zu lest fiel diser kayser heinrich in schwere kranckheit. da fuer badet er auß rat der ertzte in hoffnung wider ze genesen. als inen aber solchs nit helffen mocht do suchet er aber auß rat der ertzte einen andern luft vnd zohe fuer die statt Bonauentum. xii. mayl wegs von senis gelegen. vnd als er dieselben statt mit belegerung vmbringt het do starb er. Vil gschihtbschreiber setzen das ettliche zaichen des gifts in seinem todten leichnam erschynen seyen. Aber Ptolomeus lucensis sagt das diser Heinrich vergangen sey von gift ime von einem bruder prediger ordens in dem heilligen sacrament gegeben So setzt ein ander darzu das solchs durch verfuegung der Florentiner beschehen sey. Diss kaiser Heinrichs tod kome dem koenig Roberto zu großem glueck. aber hinwiderumb vil andern lewten zu grossem vnflatten vnd schaden. Sein leichnam wardt zu Pisa in eim alten vnd edeln tempel in einem entporten grab hinder dem hohen altar bestattet. Er was ein großmueetig man. der dann (wo er lenger gelebt solt haben) nicht klayne ding begangen het. aber er regiret nit lenger dann fuenff iar vnd acht monat vnnd das reich was nach seinem absterben ein iar on einen koenig. DIe feyer des kaiserlichen oder koenigclichen roemischen stuols vor dem obgeschriben Heinrichen vrsachet dz schier alle welsche stett zu dem reich gehoerig den tyrannen vnd gewaltsamen regirern in namen der hawbtmanschaft vnderworffen waren. dann dauor waren drey roemisch koenig nicht in welsche land gezogen. also dz die walhen nit vnschickerlich sagen das das reich gefeyret hab. darumb so hetten die stett Bern. die von der laytern Mantua. die passerinos. vnd padua die carrarier zu herren. So sagt man das die Astensischen marggrafen der statt Ferraria von der kirchen wegen gepflegen vnd gewartet het.
Das sechste Zeitalter. Linie der Päpste. Clemens der Fünfte. Jahr der Welt 5704. Jahr Christi 1305. Clemens der Fünfte, ein Gascogner, zuvor Bernhard de Got genannt, Bischof von Bordeaux, eines Ritters Sohn, wurde nach langem Streit zum Papst erwählt. Denn die Kardinäle wurden von den Peruginern in der Versammlung so lange festgehalten, bis sie sich auf die Wahl dieses Bernhard, der sich damals in Gallien aufhielt, einigten. Als er nun die Botschaft seiner Wahl in Bordeaux empfing, zog er nach Lyon und forderte dorthin die Kardinäle zu sich. Diese kamen nach Verzögerung im August des Jahres des Herrn 1305. Dort wurde der Papst in Anwesenheit König Philipps von Frankreich, Karls, seines Bruders, Johanns, Herzogs der Bretagne, und des gesamten Adels in Gallien gekrönt. Und während man den Papst nach Gewohnheit mit großem Prunk durch die Stadt führte, fiel eine hohe Mauer, auf der das Volk dem Zug zusah, zu Boden. Darunter kamen der Herzog der Bretagne und sonst viele ungenannte Leute um. Auch fiel Karl, der Bruder des Königs von Frankreich, in Ohnmacht. Der Papst wurde in solchem heftigen Aufruhr unter dem Volk hin- und hergestoßen und getrieben, sodass ihm sein päpstlicher Hut entfiel und ein kostbarer Jaspis daraus verloren ging. Er ernannte so viele französische und gallische Kardinäle, dass man leicht hätte vermuten können, dass hinfort niemand außer einem aus Gallien zum Papst gewählt werden könnte. Doch machte er dem italienischen Land und den Römern ihren Willen mit der Wiedereinsetzung der zwei Kardinäle und Römer Jakob und Johann von Colonna. Damit aber die Römer wegen der langen Abwesenheit des päpstlichen Hofes von Rom nicht ungeduldig noch widerspenstig würden, so verordnete er drei Päpste mit bevollmächtigter, ratsherrlicher Würdigkeit nach Rom zu ziehen und Rom und die italienischen Länder zu regieren. Nachfolgend wurde auf seinen Befehl die Ketzerei des Mannes Dulcinus unterdrückt und der Templerorden gänzlich ausgelöscht. Er hat auch die Venezianer wegen der von Ferrara gebannt und das Singen und Lesen sowie die Sakramente untersagt. Und desgleichen auch wider die von Florenz und Lucca gehandelt. Darum unternahmen es die Florentiner, die Priesterschaft mit großen Auflagen und Steuern zu beschweren. Als er sich aber zur Befriedung des Standes der Kirche wandte, hielt er ein Konzil ab. Darin wurde das erste Buch der Clementinen, nach ihm benannt, geschaffen und Coelestin unter dem Namen Petrus in die Zahl der heiligen Bekenner geschrieben. Nach Erduldung vieler schmerzlicher Krankheiten starb er zuletzt im neunten Jahr seines Papsttums, und der Stuhl blieb nach ihm drei Jahre vakant. Dulcinus und Margaretha, seine Ehefrau, die Ketzer, sammelten nach der Geburt Christi im Jahr 1307 in der Lombardei bei der Stadt Novara etwa tausend Nachfolger ihres ketzerischen Irrtums und vergifteten dieselben mit ihrem bösen Samen. So reizten sie die Priester und Geistlichen zum Neid und Hass der Laien und hielten sich wegen erdichteter Reinheit und unschuldigen Lebens über andere. Und die Menschen vermischten sich unsittlicherweise miteinander. Das währte zwei Jahre. Darnach wurden sie von den Botschaftern Papst Clemens' auf dem Gebirge an einen Berg getrieben und daselbst durch Hunger und Frost getötet. Und Dulcinus und Margaretha wurden zerrissen, verbrannt und in die Luft gestreut. Konzil von Vienne. Im Jahr unseres Heils 1311 wurde in der Stadt Vienne ein Konzil begonnen. Darin waren mehr als dreihundert Bischöfe neben anderen Prälaten von mancherlei Gegenden der Welt. Und wiewohl Papst Clemens zur Willfährigkeit dem König von Frankreich, dem er zugesagt hatte, das Andenken Papst Bonifatius' auszulöschen, allen Fleiß anwandte, so konnte er doch deshalb vom Konzil keine Zustimmung erlangen. Jedoch erklärte er einen unrechtmäßigen Prozess über den König von Frankreich. Alda wurde gesetzt, dass alle Habe und Güter der Templer dem Spital zu Jerusalem zugesprochen werden sollten. In demselben Konzil wurden auch allgemeine Satzungen, den Stand der geistlichen Leute betreffend, vorgenommen. Und wiewohl Papst Clemens viele Anregungen zur Rettung der Stadt Jerusalem tat, so geschah doch alles vergeblich und umsonst. Blatt 222 der Weltchronik. Linie der Kaiser. Heinrich der Achte. Heinrich dieses Namens, der Achte, oder (wie etliche schreiben, die Heinrich den Landgrafen von Thüringen nicht zählen) der Siebte, ein Graf von Luxemburg, wurde nach der Geburt Christi, unseres Heilands, im Jahr 1308 von den Kurfürsten zu Frankfurt zum römischen König erkoren und zu Aachen gekrönt. Darauf sandte er einen Herzog von Bayern und Herrn Guido von Namur, des Grafen von Flandern Bruder, zum Papst nach Avignon um Bestätigung zum römischen Reich. Demnach erlangten sie vom Papst Bestätigung, doch mit der Bedingung, dass dieser Heinrich innerhalb zweier Jahre in die italienischen Länder kommend in Rom die kaiserliche Krone empfangen sollte. Aber dieser Heinrich hielt die gesetzte Frist nicht ein, sondern schickte seine Botschafter vorhin in die italienischen Länder, und er zog danach in die Gegend deutscher Länder, nahe an die Orte des italienischen Landes, ins Gebirge stoßend. Nun kamen die römisch-königlichen Botschafter erstlich zu den Florentinern, die dann vor anderen Hasser und Feinde des römischen kaiserlichen und königlichen Namens waren. Dieser Heinrich war ein weiser, gerechter, gnadenreicher, in Waffen und Wehr strenger, gutgläubiger, ehrenhafter, ratkluger und standhafter Mann. Dazwischen hieß er Elisabeth, die Schwester des anderen Königs Wenzel von Böhmen, 18 Jahre alt, nach Speyer zu ihm kommen. Die vermählte er Johann, seinem 14-jährigen Sohn. Zu derselben Zeit sammelte er drei Heere, deren eines führte er in die italienischen Länder wider die Brescianer. Dieselben und auch die Lombarden brachte er damit zu Gehorsam. Das andere gebrauchte er wider die Grafen von Württemberg, die dem Reich ungehorsam waren, darum ihnen dann aus 80 gut befestigten Schlössern und Städten, die sie innehatten, 72 mit dem Schwert wieder abgedrungen und an das Reich gebracht wurden. Das dritte Heer, aus Franken und Bayern gesammelt, schickte er mit seinem Sohn und Peter, dem Mainzer Erzbischof, als Hauptmann in das böhmische Königreich. In mittlerer Zeit zog dieser Heinrich über das Gebirge und erstlich auf die Turiner zu. Die gingen ihm entgegen, sich ihm ergebend. Desgleichen taten die Astianer. Denselben und mehr anderen Städten setzte er Verwalter und Statthalter. So gelobten ihm auch die Herren von der Leitern zu Bern Gehorsam. So waren zu Mailand zwei parteiische Bürger, der eine war der Guelfen-, und der andere der Ghibellinen-Hauptmann. Als sich nun dieser Heinrich der Stadt näherte, da fielen beide Parteien in Sorge, sodass er bei ihnen seinen Willen und seine Herrschaft erlangte und mit Herzog Leopold von Österreich und mit den Deutschen die Stadt besetzte. Dazwischen empfing Heinrich das eiserne kaiserliche Krönlein zu Mailand. Darnach zog er nach Genua und von dannen nach Pisa und weiter nach Rom. Da selbst ward er gekrönt. Darnach entthronte er Robert, den König von Neapel, und belagerte dessen Königreich.