Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter Außtilgung des ordens der Templarier DJeweil babst Clemens sein anwesen mit dem hoff nochmals in der statt Pictauia het do wardt der koenig zu frankreich von seinen ambtlewten (als man sagt) also verlaytet das er dem babst verkuendet wie der hohmaiser der Templarier vnd sein brueedere in ettliche irrthumb vnnd laster gefallen werñ also das sie cristum verschmeheten. lesterten vnd belacheten. vmb dess willen vnd fuer den sie doch zestreyten gewidemt werñ. also auch das sie mit den tuercken vnd sarracenen der sachen eins vnd den cristen widerwertig wern. demnach warden sie verfolget vnd großer mechtiger irer habe vnd gueeter entsetzet vnd die selben gueeter zu anderm geprauch vnd andern gaistlichen vnd verfechtern cristenlichs glawbens zuogeaygnet. Als vil sich aber (wie hieuor gemeldet ist) diser orden in reichthuemern meret. souil mynnderet sich sein heilligkeit. Nw wardt Jacobus ein burgundier. der sich in disen orden thet nach absterben des hohmaisters durch fuerschuob der fuersten in das hohmaisterambt gefuerdert. do begabe es sich dz er in Philipsen des frankreichischen koenigs. dess sun er auß der tawff gehebt het vngenad fiel also das auß verhengknus des babsts alle foerdersten diss ordens mitsambt dem benanten Jacobo irem hohmaister an eim aynigen tag auß befelhnus desselben koenig Philippsen durch alles sein koenigreich gefangen vnd irer stett. schloeßer. schetze. habe vnd gueetere berawbt. vnd die gefangen gein parys gefueert. daselbst langzeit in panden gehalten vil schendlicher ding. der sie doch lawgneten gefragt. vnd zu letst alle. außgenomen Jacobum mit dreyen gesellen zum prand verurteilt. vnd vber bekantnus rechts cristenlichs glawbens. vnd vber widersprechung beschuldigter ding verprennt. So wardt Jacobus gein Lyon. vnd von dannen nach bekantnus ettlicher ime vom babst fuergehaltner ding widerumb gein Parys gefueert vnd mit seiner gesellen einem. der des vienensischen Delphins bruder was zum tod verurteilt. Als ime aber in gegenwertigkeit zwayer bestlichen legaten die vrteil gelesen wardt do bezeueget er das er des tods wirdig aber doch der ding in der vrteil gemeldet nit schuldig wer. darauff lydde er mitsambt des Delphins bruder in beywesen des koenigs die peyn des tods bestendigclich. Trusianus TRusianus ein artzt von Florentz Thadei des artzts iunger hat dise zeit ein grosse erklerung vber ein ertzneybuoch Galieni geschriben. vnd sich darnach als er merket das er in der ertzneyung nicht glueckfellig was gantz auff gaistlichkeyt ergeben vnd cartheueser orden angenomen. Richardus RJchardus de media villa. ein hohgelerter man der hailligen schrift parfuoßer ordens ist (als ettlich sagen) diser zeit gewesen. vnd was ein solch synnreich vnd schriftweise man das ime nichtz in den goetlichen bueechern beschriben verporgen was. der dann vnder andern anzaigungen seiner synnschicklichkeit die vier bueecher der hohen synn gar schoen außgelegt hat. IAcobus de viterbio augustiner ordens auch ein fuertreffenlicher lerer der heilligen schrift vnd ertzbischof zu neapolis vnd tugent scheinperer man hat diser zeit als ein hohgelert man vil schriften den gelerten bekannt gemacht vnnd begriffen. Comet NAch der gepurt des herrñ. iar erschynen drey monde vnd ein comet gegen mitternacht drey monat. nach verscheynunng desselben starb koenig Philips zu franckreich. der het. xxix. iar geregirt. dann auf dem geiade kom ein wilds schwein vnder das pferd des koenigs also das er vom pferd fiel vnd vnlang darnach mit todt verschied. Diser wz gar ein schoen man. gerads leibs vnd guoter glidmaß. aber er suchet zeuil leiplicher ergetzung. darumb ließ er die seinen das koenigreich besorgen. das kome dem selben koenigreich zu großen vnstatten. Er ließe drey suen. nemlich Ludwigen den koenig nauarre. Blat CCXXIII
Das sechste Zeitalter. Auflösung des Ordens der Templer. Als Papst Clemens seinen Aufenthalt mit dem Hof nochmals in der Stadt Poitiers hatte, da wurde der König von Frankreich von seinen Beamten (wie man sagt) so verleitet, dass er dem Papst verkündete, wie der Hochmeister der Templer und seine Brüder in etliche Irrtümer und Laster gefallen wären, so dass sie Christus verschmähten, lästerten und belächelten, um dessentwillen und für den sie doch zu streiten geweiht waren; auch dass sie mit den Türken und Sarazenen einer Meinung und den Christen feindlich gesinnt waren. Demnach wurden sie verfolgt und ihrer großen, mächtigen Habe und Güter beraubt, und dieselben Güter zu anderem Gebrauch und anderen Geistlichen und Verfechtern christlichen Glaubens zugeeignet. So viel sich aber (wie zuvor gemeldet ist) dieser Orden an Reichtümern mehrte, so viel minderte sich seine Heiligkeit. Nun wurde Jakob, ein Burgunder, der sich in diesen Orden begab, nach dem Ableben des Hochmeisters durch Vorschub der Fürsten in das Hochmeisteramt befördert. Da begab es sich, dass er in Ungnade fiel bei Philipp, dem französischen König, dessen Sohn er aus der Taufe gehoben hatte, so dass aus Verhängnis des Papstes alle Vordersten dieses Ordens mitsamt dem genannten Jakob, ihrem Hochmeister, an einem einzigen Tag auf Befehl desselben Königs Philipp durch sein ganzes Königreich gefangen und ihrer Städte, Schlösser, Schätze, Habe und Güter beraubt wurden. Und die Gefangenen wurden nach Paris geführt, daselbst lange Zeit in Banden gehalten, nach vielen schändlichen Dingen befragt, die sie jedoch leugneten, und zuletzt alle, ausgenommen Jakob mit drei Gefährten, zum Brand verurteilt und über Bekenntnis des rechten christlichen Glaubens und über Widersprechung der beschuldigten Dinge verbrannt. So wurde Jakob nach Lyon und von dannen nach Bekenntnis etlicher ihm vom Papst vorgehaltener Dinge wiederum nach Paris geführt und mit einem seiner Gefährten, der der Bruder des Dauphins von Vienne war, zum Tod verurteilt. Als ihm aber in Gegenwart zweier päpstlicher Legaten das Urteil gelesen wurde, da bezeugte er, dass er des Todes würdig, aber doch der Dinge, die im Urteil gemeldet waren, nicht schuldig sei. Daraufhin litt er mitsamt des Dauphins Bruder in Anwesenheit des Königs die Pein des Todes standhaft. Trusianus, ein Arzt aus Florenz, Schüler des Arztes Thaddäus, hat dieser Zeit eine große Erklärung über ein Arzneibuch Galens geschrieben und sich danach, als er merkte, dass er in der Heilkunst nicht glückselig war, ganz auf Geistlichkeit ergeben und den Kartäuserorden angenommen. Richard de Media Villa, ein hochgelehrter Mann des Franziskanerordens, ist (wie etliche sagen) dieser Zeit gewesen und war ein so sinnreicher und schriftkundiger Mann, dass ihm nichts in den göttlichen Büchern Geschriebenes verborgen war, der dann unter anderen Anzeichen seiner Geistesgabe die vier Bücher der hohen Sinne sehr schön ausgelegt hat. Jakob von Viterbo, des Augustinerordens, auch ein vortrefflicher Lehrer der Heiligen Schrift und Erzbischof zu Neapel und ein tugendhafter, angesehener Mann, hat dieser Zeit als ein hochgelehrter Mann viele Schriften den Gelehrten bekannt gemacht und verfasst. Komet. Nach der Geburt des Herrn im Jahre [1305/1306] erschienen drei Monde und ein Komet gegen Norden drei Monate lang. Nach dem Verschwinden desselben starb König Philipp von Frankreich, der 29 Jahre regiert hatte. Denn auf der Jagd kam ein Wildschwein unter das Pferd des Königs, so dass er vom Pferd fiel und unlängst danach mit dem Tod verschied. Dieser war ein sehr schöner Mann, geraden Leibes und guter Gliedmaßen, aber er suchte zu viel leibliche Ergötzung. Darum ließ er die Seinen das Königreich verwalten, was dem Königreich zu großen Nachteilen gereichte. Er hinterließ drei Söhne, nämlich Ludwig, den König von Navarra. Blatt 223.